Games mit Zündstoff

10. Dezember 2016 23:49; Akt: 10.12.2016 23:49 Print

Wenn Videospiele Propaganda machen

Russland will «Fifa 17» verbieten, da das Game für Toleranz gegenüber Schwulen wirbt. Dabei gibt es weit schwerere Fälle von Propaganda in Videospielen.

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Hintergrund ist eine Aktion im November: 134 englische Profi-Clubs wurden mit Regenbogen-Schnürsenkeln ausgestattet – als Symbol gegen die Diskriminierung von homosexuellen, bisexuellen und transsexuellen Fussballern. Für «Fifa 17» wurde diese Idee im «Ultimate Team Modus» übernommen. Spieler konnten sich ein «Rainbow-Kit» gratis herunterladen und ihre Kicker damit ausstatten.

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Doch Regenbogen und Russland, das ist eine schlechte Kombination. In einem offenen Brief forderten Abgeordnete des russischen Parlaments, «Fifa 17» zu verbieten. Das Spiel verstosse gegen ein Gesetz aus dem Jahr 2013. Darin wird Propaganda von «nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen» unter Strafe gestellt. Hersteller Electronic Arts soll das Spiel deshalb überarbeiten oder die Altersfreigabe heraufsetzen.

Versteckte Botschaften

Dieses aktuelle Beispiel ist nicht der einzige Fall von Propaganda via Games – politische Botschaften in Games gibt es immer wieder. Wissenschaftler haben etwa beobachtet, dass Shooter wie «Medal of Honor» die Akzeptanz von Kriegen erhöhen können. Und weltweit werden Games von Militärs für Rekrutensuche und Training genutzt. Hier ein paar besonders krasse Beispiele von Propaganda in Videogames:

«America's Army»

Seit 2002 kann man Ableger von Trainingsprogrammen als «America's Army» spielen – in der Hoffnung, die Begeisterung für die US-Armee zu schüren. Vernetztes Denken und Waffenaffinität werden gezielt trainiert, das Spielerverhalten mit Ehren-Punkten bewertet. Wer im Shooter brilliert, kann sogar von Rekrutierern der US-Armee direkt kontaktiert werden.

Peta-Browsergames

Unlängst sorgte die Peta mit einer Aktion gegen den «Landwirtschafts Simulator 17» für Aufsehen. Das hat System: Die Tierschutzorganisation programmiert auch bekannte Game-Figuren wie Mario um. Die Browserspiele geizen nicht mit krasser Darstellung von toten Tiere und scheren sich nicht um Copyrights.

«Under Ash»

Der syrische Shooter versetzt Spieler in die Rolle von Palästinensern, die gegen Israeli kämpfen. Laut Entwickler Afkar basiert das Game auf von der UNO bestätigten Ereignissen. Das Spiel gilt als Reaktion auf die US-Propaganda in Spielen wie «America's Army».

«Quest for Al-Qa'eda»

US-Aktivist Jesse Petrilla entwickelte «Quest for Al-Qa'eda: The Hunt for Bin Laden», das 2002 innerhalb eines Jahres mehr als zwei Millionen Mal heruntergeladen wurde. Das Game machte aus dem Kampf gegen den Terrorfürsten ein Ballerspiel auf Basis der Engine des Ego-Shooters «Duke Nukem 3D».

«Special Force»

Selbst die Hisbollah veröffentlichte 2003 einen Ego-Shooter. In «Special Force» bestreiten Spieler den Kampf gegen die israelischen Streitkräfte. Der technisch veraltete Shooter soll Sympathien für die Hisbollah wecken. 2007 folgte ein Nachfolger.

«Super 3D Noah’s Ark»

Auch christliche Game-Propaganda kommt vor: In «Super 3D Noah's Ark» muss man als Noah wild gewordene Tiere auf der Arche so lange füttern, bis die sich schlafen legen. Zwischendurch wird man aufgefordert, theologische Fragen zur Bibel-Geschichte zu beantworten. Als Belohnung gibt es Power-ups.

(rtl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 11.12.2016 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Spielt keine Rolle

    Menschen kann man auf so mannigfaltige Weise manipulieren, dass es absolut unerheblich ist, mit welchem Botschaftsträger man das macht. Die Frage sollte eher lauten, wie erziehe ich meine Gofen, dass sie nicht darauf hereinfallen?

  • Chris86 am 11.12.2016 02:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Metal Gear

    Bei Metal Gear Solid V. spielt man während des kalten Krieges u.a in Afghanistan. Zwar nicht für eine Seite, aber nur gegen Russland.

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  • W. Schmid am 11.12.2016 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sowohl als auch.

    Als Kunstform dürfen Games ganz klar auch eine Message mit bringen und diese Ideologisch gefärbt sein. Problematisch wird es, wenn diese Nachricht aufgepresst wird, sich also nicht stimmig ins Spiel einfügt. Genauso wie Kunst politisch sein darf, gibt es aber auch den Anspruch, dass Unterhaltung nicht (ständig) als Propaganda missbraucht wird. Ausserdem können in virtuellen Welten auch unerwünschte Verhalten ausgelebt werden ohne grosse Belastung für die Gesellschaft; quasi als Ventilfunktion.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werbezwangsgucker am 11.12.2016 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    dreist ist ganz was anderes

    Na ja wenn das Aufrütteln durch Peta als "dreist" taxiert wird, was ist denn mit all der Werbung für irgendwelchen Stuss, inkl. Wahlwerbung, die uns tagtäglich nervt? Das ist einiges "dreister" um bei der absurden Wortwahl zu bleiben

  • rammirocker am 11.12.2016 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    und noch eine Spielreihe....

    Die GTA-Reihe. Die nimmt die ganze (Amerikanische) Gesellschaft auf den Arm und zieht sie durch den Kakao und das seit bald 20 Jahren.^^

  • Brumm am 11.12.2016 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Propaganda ist überall

    Verstehe mich gerade gut mit einer attraktiven Arbeitskollegin. Die Propaganda gegen mich läuft auf Hochtouren......

  • Ivo Caduff am 11.12.2016 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Americas Army

    Ich habe tatsächlich mal so eine Rekrutierungsmail der US Army erhalten. Die haben sogar noch mehr auf die Patriotitäsdrüse gedrückt, als unsere Armee.

  • Timi am 11.12.2016 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sitten und Fritten

    Wir müssen nicht jeden Land unsere Wertvorstellungen aufzwingen? Gab es da nicht ein Japanisches Volleyballspiel, welches in Europa nicht rauskommt, weil es zu sexistisch ist? Wir sind da kein Deut besser. Nur anders.

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