Freiheit eine Farce?

05. Oktober 2013 13:52; Akt: 06.10.2013 00:10 Print

«GTA V» - der grosse Schwindel

von Jan Graber - «GTA V» wird als eines der besten Spiele gehandelt. Doch ist es wirklich so gut? Unser Game-Redaktor findet, es betrüge den Spieler.

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Ich bin sauer. Auf den Schweinhund Trevor. Auf mich als dessen Puppenspieler. Auf Rockstar North. Der Grund: Nach dem Spielen von etwa dreissig Prozent von «GTA V» bin ich zur vielfach diskutierten Folterszene gelangt. Jener Sequenz, in der ich als Trevor einem Folteropfer einen Zahn ziehe, ihn mit Elektroschocks quäle, mit einer Rohrzange das Schienbein zertrümmere und ihn sterben lasse – um ihn mittels Adrenalinspritze ins Leben zurückzuholen und in die Freiheit zu entlassen. Dabei hätte der arme Kerl von Beginn weg alles gestanden – hätte er sich nur genügend schnell erinnert.

Umfrage
Wird «GTA V» dem Hype gerecht?
70 %
9 %
3 %
18 %
Insgesamt 32463 Teilnehmer

Aktivitäten wie für Rentner

Von vorne: Wie ein Grossteil der Spieler freue ich mich wie ein Kind auf die Veröffentlichung von «GTA V». Eine grosse Kiste soll es werden; das Game verspricht, Träume wahr werden zu lassen. Tatsächlich bietet das Open-World-Abenteuer eine fast unendliche Spielwiese, in der ich mich vertun kann. Ich darf Stripclubs besuchen, im Drogenrausch Aliens abknallen, im Schiesskeller auf Zielscheiben ballern, Yoga betreiben, Tennis spielen, Rennen fahren, nach Fischen tauchen und so weiter. Wenn ich will, kann ich meinen Tag mit mehr Freizeit-Aktivitäten vollpacken, als ein Rentner.

Darüber hinaus lache ich mir ins Fäustchen über den naiven Kleinkriminellen Franklin, der sich mit den Dumpfbacken seiner Gang rumschlagen muss. Ich wundere mich über den schwerreichen Ex-Bankräuber Michael, in dessen geruhsamem Familienleben alles schiefläuft. Ich klaue mit den beiden unzählige Wagen, überfahre Menschen und geniesse derweil die Tarantino-ähnlichen, sinnlosen Dialoge. Fraglos bietet «GTA V» beste und abgründigste Unterhaltung.

Das Schwein Trevor

Bis Trevor auftaucht. Den von allen guten Geistern verlassene, von Teufeln gerittene Berserker. Schon beim ersten Auftritt verdirbt er mir die Laune. Wir treffen ihn an, als er sich bei sich Zuhause mit einer Rockerbraut vergnügt. Plötzlich taucht ihr Freund auf (notabene Johnny Klebnitz aus «GTA IV: Lost and Damned»). Wütend, aber auch wimmernd, weil er um Trevors fatales Temperament weiss. Fast schluchzend bittet er Trevor darum, die Finger von seiner Freundin zu lassen, da er sie doch so liebe. Mir zerreisst es das Herz. Dann prügelt Trevor den armen Kerl tot. Und ich frage mich: In was bin ich geraten?

Später kommt die besagte Folterszene. Auch hier: Auf dem Folterstuhl sitzt ein armer, schlotternder Kerl, er tut mir leid. Er will helfen, zögert aber zu mit seinen Antworten - er ist zu langsam. Also foltert Trevor ihn. Ich als Spieler muss ihn foltern. Bis zum Exitus. Weil mir das Spiel keine andere Wahl lässt. Weil ich «GTA V» sonst nicht weiterspielen könnte.

Aus Trotz ein besserer Mensch

Spätestens hier entlarvt sich «GTA V» als grossen Schwindel. Das als grösstes Open-World-Abenteuer angepriesene Game, das alle spielerischen Freiheiten bieten will, lässt mir im entscheidenden Moment keine Wahl. «GTA V» verlangt von mir eine ultrabrutale Tat, wenn ich lieber weglaufen würde. Zugegeben, das gilt für viele Spiele, doch diese gaukeln mir auch nicht eine offene Welt voller Freiheiten vor. Wieder andere Games lassen einem tatsächlich eine Wahl. Wieso «GTA V» nicht?

Weil die Macher von «GTA V» uns offensichtlich mit dem Vorschlaghammer einbläuen möchte, wie abgrundtief schlecht unsere Welt ist. Dazu reichen die (brillanten) Dialoge und die umwerfend komischen Spielsituationen scheinbar nicht, die sarkastisch gesellschaftliche Missstände blossstellen. Die Niedertracht muss mit der buchstäblichen Faust aufs Auge ausgesprochen werden.

Womit mir die Lust auf «GTA V» gewaltig vergangen ist. Seitdem kurve ich höchstens noch als Franklin oder Michael durch Los Santos, Trevor lasse ich links liegen. Aus Trotz befolge ich die Verkehrsregeln, fahre niemanden um und suche diejenigen Nebenmissionen, in denen ich den Einwohnern von Los Santos helfen kann. Ist vielleicht aber genau dies das Ziel von «GTA V»? Dass wir aus Protest zu besseren Menschen werden?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • skat am 05.10.2013 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Dieser Bericht ist nicht euer ernst oder? Sarkasmus? ich hoffes mal...

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  • Simon M. am 05.10.2013 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Was ???

    Wenn ich den Artikel so lese, habe ich schwer das Gefühl, dass der Game-Redakteur nicht wirklich weis wovon er spricht. Wer dieses Spiel kauft und spielt, weis worauf er sich da einlässt. Jemand der bei der Folterszene lieber davonlaufen möchte, sollte die Finger von solchen Games lassen und lieber My Pony spielen. Den GTA ist und bleibt DAS Game wenn es um Open World geht ( ausser vielleicht die Elder Scrolls Reihe).

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  • invert am 05.10.2013 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    wie im echten leben....

    wie entäuscht war ich, als ich erfahren musste dass wir nicht *freie" menschen sind^^ wie real doch dieses spiel ist :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chrigu S. am 06.10.2013 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Leute..

    .. is nur 'n Spiel. Niemand tut irgend jemanden wirklich weh oder stiehlt echte Autos.. sind nur Pixel und Bits.

  • Hans Mahler am 06.10.2013 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Die freie Wahl bleibt - in gewissem Rahm

    Ein Tipp: Nur Waterboarding. Relativ human, ohne äussere Schäden und der Typ überlebt auf jeden Fall. Man sollte halt nur denken bei dieser Szene. Dann bemerkt man nämlich auch gerade die inneren Konflikte in einem selbst. Das Gezwungen-werden, obwohl man nicht möchte. Wie oft erlebt man das nicht auch im echten Leben? Man erinnere sich da nur an unzählige psychologische Experimente, die genau diesen Umstand untersuchten: Der Mensch wird zum Tier und willfährigen Diener, wenn er nur auf die richtige Weise gezwungen wird.

  • Nika am 06.10.2013 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    absolut schwachsinnig

    unglaublich! zu tode foltern? in einem spiel? und zu allem überfluss spielen dass auch noch kinder!!!

    • Leonie Buser am 06.10.2013 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      ja ja

      hahahahaha. entweder selber zocken oder Artikel besser lesen.. nicht zu tode foltern, "nur" foltern.Und das Spiel ist ab 18 erlaubt. wenns kinder spielen, haben die Eltern die Aufsichtspficht vernachlässigt...

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  • Hype am 06.10.2013 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sven

    29'400 Teilnehmer bei der Umfrage??? Das ist doch der Beweis, dass GTA V dem Hype gerecht wird...

  • Louis am 06.10.2013 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ups

    Hätte ich von anfang gewusst das man die Folterungen wählen kann, hätte ich ihn "nur" mit Wasser übergossen. Stattdessen hatte er am Schluss keine Zähne mehr :p

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