gamescom

19. August 2010 09:39; Akt: 19.10.2010 15:09 Print

Die Spiele-Welt blickt nach Köln

von Thom Nagy, Köln - Die Videogame-Industrie will weiter wachsen. Wie sich auf der gamescom zeigt, setzt die Branche dazu nach wie vor auf Casual Games.

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Als Nintendo 2006 dem Hardware-Wettrüsten abschwor und stattdessen mit der Wii auf eine neuartige, körperbetonte Spieleingabe setzte, wurde das japanische Traditionshaus von seinen Konkurrenten ausgelacht. Vier Jahre später ist klar: Die Mario-Erfinder behielten recht, Sony und Microsoft mussten sich nach Marktanteilsverlusten einen massiven Irrtum eingestehen. Nirgendwo wird das so deutlich, wie an den grossen Videogame-Messen dieses Jahres: An der Spielemesse E3 in Los Angeles zogen im Juni beide nach und kündigten Addons an, die ihre Konsolen mit Möglichkeiten der Bewegungssteuerung ausstatten.

Europa-Premieren in Köln

An der gamescom, der grössten Videospiel-Messe in Europa, können ab heute auch die europäischen Spielermassen ausprobieren, ob sie in Zukunft mit vollem Körpereinsatz gamen wollen. Sowohl Sony als auch Microsoft stellen nämlich ihre neue Hardware - Move für die PS3, Kinect für die Xbox 360 - ins Zentrum ihres Auftrittes an der grössten Videospiel-Messe Europas. Das ist insofern von Bedeutung, als dass diese Unternehmen entsprechend ihrem Gewicht in der Branche so das Gesicht der gamescom massgeblich prägen. Ihre opulenten Stände sind geprägt von wild zappelnden, herumhüpfenden und mit den Armen rudernden Menschen. Bälle werden geschlagen, Tanzbewegungen einstudiert und Tiere gestreichelt. Während Sony das Steuerkonzept der Wii praktisch eins zu eins übernimmt, geht Microsoft einen Schritt weiter und lässt die Hardware ganz weg. Eine stereoskopische Kamera registriert alle Bewegungen des Spielers, der so mit seinem ganzen Körper Einfluss aufs Geschehen nimmt. Das Ergebnis ist überall dasselbe: Statt still und konzentriert auf Controller und Tastaturen herumzuhämmern, sollen die Gamer in Zukunft Bewegung in die gute Stube bringen. Ob dieser Wunsch aufgeht, ist unklar - schliesslich sprachen Xbox und PS3 mit teurer Hardware und entsprechender Hochglanz-Grafik bisher die Gruppe der Hardcore-Gamer an, während das Segment der Gelegenheitsspieler eher die günstige Wii bevorzugte.

Nintendo blickt wieder in den Rückspiegel

Diese Gruppe wird von Nintendo weiterhin bestens bedient: Am Stand der Japaner wird geturnt («Wii Fit Plus»), es werden Sterne gesammelt («New Supermario Bros. Wii») oder mit dem gameboy DSi Zeichentrickfilme produziert («Flipnote Studio»). Hinter verschlossener Tür ist aber bereits die Zukunft zu sehen: Mit dem 3DS, der nächsten Iteration des Gameboy, wagt das Unternehmen den Schritt in die dritte Dimension - ohne spezielle Zusatz-Brille. Eine Entwicklung, die auch Sony an der Messe angekündigt hat, mit dem Unterschied, dass hier die spezielle Brille nötig ist.

Schwerpunkt Browsergames

Einen klaren Schwerpunkt, der ebenfalls in Richtung Gelegenheitsspiele geht, setzt die gamescom mit einer eigenen Halle für Online- und Browsergames. Dieses Segment gehört zu den wachstumsstärksten in der Branche und das zeigt sich auch bei der «Online-World»: Eine schier unüberschaubare Flut von Puzzle-, Geschicklichkeits- und Kartenspielen wird hier gezeigt, die allein in Deutschland rund zwölf Millionen Spieler fesselt. Wie ein Gang durch die Halle eindrücklich zeigt, hat dieses Segment seit den frühen Flash-Tagen eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht. Aktuelle Browsergames können punkto Grafik und teilweise auch Komplexität fast schon mit ausgewachsenen PC- und Konsolenspielen mithalten. In Anbetracht der Tatsache, dass sie meist ohne Grundgebühr - sie finanzieren sich durch spätere Käufe innerhalb der Spielwelt - und immer ohne aufwändige Zusatzhardware gespielt werden können, dürfte die Bedeutung dieses Segments in den kommenden Jahren weiterhin stark steigen.

Games in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Die seit längerem laufenden Bemühungen um neue Käuferschichten scheinen langsam Früchte zu tragen, wie die Messe-Initianten am Mittwoch bei der Eröffnungs-Konferenz mitteilten: Nach einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim spielt 24 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren regelmässig. «Computer- und Videospiele werden erwachsen», sagt der wissenschaftliche Leiter der Studie, Professor Thorsten Quandt. «Das Hobby 'Gaming' ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.» Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung des Landes kommen die Wissenschaftler auf 16,8 Millionen Spieler. Entsprechend gross dürfte der Besucherandrang in Köln in den kommenden Tagen sein. Es bleibt indes abzuwarten, ob diese beeindruckenden Zahlen mit aufs Familienwohnzimmer zugeschnittener Hardware noch weiter gesteigert werden können. Aktuelle Prognosen sagen der Branche für dieses Jahr nämlich eine Stagnation voraus, falls Move und Kinect nicht zu den erhofften Hit-Produkten werden.


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