Game mit Botschaft

11. März 2014 22:49; Akt: 12.03.2014 12:33 Print

«Infamous» kritisiert Überwachungswahn

von Jan Graber, München - Die Entwickler von «Infamous: Second Son» gewährten in München Einblicke ins Game. Sie betonten die gesellschaftskritischen Aspekte des Spiels. Ob die Botschaft wohl ankommt?

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Schon am Eingang werden Zeichen gesetzt: Ein uniformierter, mit Schlagschutz und Helm bewehrter Wächter kontrolliert die Eintrittstickets der eintrudelnden Journalisten. Willkürlich pickt er einige raus und tastet sie auf mögliche gefährliche Gegenstände oder Aufnahmegeräte ab. Andere passieren unbehelligt.

Die Szene ist gestellt und der Wachmann in Kampfmontur tut nur so, als ob. Doch die Szenerie in einer Event-Location in München soll verdeutlichen, worum es den Entwicklern des Actiongames «Infamous: Second Son» geht: um das Gefühl zunehmender Überwachung durch Staaten und die Einschränkung der individuellen Freiheiten.

Indianer und Cowboys

Im Spiel heisst der Feind Department of Unified Protection (D.U.P.). Die Hauptfigur Delsin Rowe, ein aus nicht näher erläuterten Gründen mit Superkräften gesegneter 24-Jähriger, nimmt es mit einer ziemlichen Wut im Bauch mit dem totalitären Regime auf. Der bisweilen arrogant agierende Delsin ist ein Ureinwohner Amerikas – kurz: ein moderner Indianer, der gegen die Cowboys des D.U.P. anstürmt.

Aber nicht nur: Früh im Game entscheidet der Spieler, ob er mit Delsin den guten oder bösen Weg einschlagen will. Entsprechend warten unterschiedliche Missionen auf den Helden. Neben den Schergen des D.U.P. schaltet Delsin als Guter zum Beispiel auch Drogenbarone aus. Auf der Seite des Bösen nimmt er hingegen Aktivisten, die gegen den Überwachungsstaat protestieren, aufs Korn. Weshalb er in diesem Szenario trotzdem gegen das D.U.P. kämpft, blieb vorerst offen.

«Wie viel ist zu viel?»

Als zwei Spiele in einem beschreiben denn auch die Entwickler von Sucker Punch das Game. Im Gespräch verraten Game Director Nate Fox und Brand Development Director Ken Schramm aber noch mehr: «Uns geht es auch um das Bewusstsein für die Freiheit», sagt Fox. Wir lebten in einer Zeit, in der aus Sicherheitsbedenken oft überreagiert werde und persönliche Freiheiten eingeschränkt würden. Mit der Furcht vor terroristischen Anschlägen werde die totale Kontrolle gerechtfertigt. «‹Wie viel ist zu viel?›, lautet die grundsätzliche Frage», sagt Fox.

Aus diesen Überlegungen sei auch die Stadt Seattle, die Heimat von Sucker Punch, als Spielfeld gewählt worden. «Seattle ist eine liberale, freiheitsliebende Stadt», sagt Fox. Game-Held Delsin stehe für die Rückeroberung der Stadt und damit für die Freiheit. Anders als Otto Normalbürger kann sich Delsin aber auf seine Superkräfte verlassen – was die Allmachtsfantasien vor allem jugendlicher Spieler bedienen dürfte.

Im Open-World-Game könne jedes sichtbare Gebäude vom Helden auch erreicht werden, betont Ken Schramm. Zudem wurden Sehenswürdigkeiten wie die Space Needle (ein markanter Turm) oder ein bekannter pinkfarbener Abschleppwagen eingebaut.

Ein frommer Wunsch

«Wir hoffen, dass die Gamer die kritische Message verstehen», sagt Schramm. Es dürfte indessen beim frommen Wunsch bleiben, denn dieser Aspekt des Games geht im effektvoll inszenierten Kampfgetöse nur allzu schnell unter. Das Game richtet sich zudem an Spieler im Alter ab 16 Jahren – eine Zielgruppe, die während des Zerdepperns von Objekten und Gegnern wohl wenig Lust hat, sich mit tiefgründigen Fragen freiheitlicher Natur auseinanderzusetzen. Auch deshalb nicht, weil «Infamous: Second Son» das Thema letztlich nur an der Oberfläche streift.

«Infamous: Second Son» erscheint am 21. März für PS4

Gametrailer zu «Infamous: Second Son»

(Quelle: Youtube)

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