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22. Juni 2014 20:02; Akt: 18.03.2015 15:06 Print

«Wir haben einen einzigartigen Jahrgang»

von Jan Graber - Seit zehn Jahren lassen sich angehende Gamedesigner an der Zürcher Hochschule der Künste ausbilden. Zu Beginn wurden Studenten und Dozierende noch ausgelacht.

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Farbig: Die Bachelor-Arbeit «Wallop» von Gian Jenal bedient sich der derzeit angesagten Low-Polygon-Grafik und thematisiert die subjektive Wahrnehmung des Ichs im Angesicht von Gegnern. Tritt der Held einem einzelnen Gegner gegenüber, wird er gross, bei mehreren Gegnern schrumpft er. Das Adventure «Transition» von David Tran und Milan Gottardi spielt in der Zwischenwelt zwischen Tod und Leben. Achtung Spoiler: Der Spieler spielt - ohne dass er es zunächst weiss - den Fährmann, der die Heldin ins Totenreich überführen soll. Von Benjamin Lemcke stammt der Master-Abschluss «Opinion Games», ein Spiel, mit dem junge Spieler zur Bildung einer politischen Meinung und zur Teilnahme an Abstimmungen motiviert werden sollen. Die Zusammenhänge von Genetik, Evolution und Vererbung verdeutlicht auf spielerische Weise die BA-Abschlussarbeit «Niche» von Philomena Schwab. Spieler müssen mittels strategischen Kombinierens von Tieren auf einem Spielbrett deren Untergang verhindern. In der Masterarbeit «Game Design mit 3D-Malerei» demonstriert Flurin Jenal anhand des Programms Overcoat von Disney Research, wie es möglich ist, 3D-Games mit handgemalter Grafik zu erstellen. Die Indies freuts und Disney Research ebenso: Das Labor will das Spiel zur Vorführung von Overcoat einsetzen. Starke Grafik: Die BA-Arbeit «Tower Offense» von Robin Bornschein verlangt taktisches Aufbauen von offensiven und defensiven Spielelementen, um den Turm des Gegners zu vernichten. Das Spiel steht kurz vor der Vollendung und dürfte bald veröffentlicht werden. In der Arbeit «Farewell» untersucht Miriam Wissel, wie ein Langzeit-Abenteuerspiel, das mehrere Stunden dauert, als kurzweilige App für unterwegs programmiert sein muss. So dass Spieler wegen der Unterbrüche nicht den Spielanreiz und den Faden verlieren. Grafisch eigensinnig präsentiert sich das Multiplayergame «Trial of Totems» von Tabea Iseli (Programmierung) und dem Andreas Haller (grafisches Design). Vier Spieler können darin gegeneinander antreten - für einen Bachelor-Abschluss eine beachtliche Leistung. Markus Rossé will Illustratoren, Zeichnern und Animatoren mit seinem Bachelor-Abschluss «Cosmic Vagabond» ein Arbeitsmittel in die Hand geben, um auf einfache Weise interaktive Filme zu erschaffen. Die aktive Fitness fördern will das Bewegungsspiel «Flitz!» von Fabienne Osterwalder und Patricia Pollinger. «Flitz» ist im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes «Psychophysiologisches adaptives Exergame Fitnesstraining für Kinder & Jugendliche» unter der Leitung von Anna Lisa Martin und Viktoria Kluckner entstanden.

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Als vor zehn Jahren die damalige Hochschule für Gestaltung und Kunst (heute ZHdK) im Rahmen des Studiengangs Interaction Design die Vertiefung Gamedesign einführte, fand die Entscheidung nicht wenige Spötter. Wo sollten die ofenfrischen Gamedesigner denn Arbeit bekommen? Was Games und die Gamekultur betraf, war die Schweiz damals ein Entwicklungsland, ein Gamedesignstudium schien vermessen und überflüssig – trotz durchgeführter Machbarkeitsstudie und der Erkenntnis, dass Games im Kommen begriffen waren. Trotz Skepsis wurde die Vertiefung Gamedesign gestartet.

Die Nachfrage war gross: Interessierte Studenten zu finden, stellte sich als problemlos heraus und bald schon lernten die Ersten, wie sie Games designen und programmieren und Konzepte dafür schreiben sollten. «Zunächst fehlten uns noch Vorbilder und Beispiele», sagt Professor Ulrich Götz, Studienleiter der ersten Stunde. Als entsprechend chaotisch beschrieb ein Student den Betrieb nach dem ersten Jahr in der «Sonntagszeitung».

Spielend besser

Doch das Studium machte Spass und die Dozenten vieles richtig: Nach nur fünf Jahren eilte der ersten Gamedesign-Ausbildung der Schweiz ein hervorragender Ruf voraus, und die zur Kunsthochschule aufgestiegene Bildungsstätte belohnte die Macher damit, dass im Herbst 2009 aus der Vertiefung Gamedesign ein eigener, vollwertiger Studiengang wurde – inklusive Bachelor- und Master-Abschluss sowie eigenem Forschungsprogramm. Mittlerweile bildet der Studiengang pro Jahrgang 15 Bachelor- und fünf Master-Studenten aus.

Heute lacht auch niemand mehr über die Schweizer Gameausbildungs-Schmiede. «Wir haben die Qualität konstant verbessert», sagt Götz. Gelungen sei das einerseits, weil die guten Arbeiten der frühen Studenten stets als Beispiele für die kommenden Jahrgänge dienten und die Erfahrung der Dozenten ebenfalls wuchs. Als positiv wertet Götz auch, dass immer noch die fünf Dozenten der ersten Stunde mit an Bord sind.

Internationale Vernetzung

Wichtig sei zudem die Kommunikation unter den Studenten: Ältere und jüngere Jahrgänge präsentieren ihre Arbeiten quer durchs Beet, sie stehen im Wettbewerb miteinander, kooperieren aber auch und helfen sich mit Tipps aus. Noch besser werde dies im Toni-Areal, wohin das Gamedesign-Studium zusammen mit der ZHdK zurzeit zieht. «Im Toni-Areal teilen alle ein gemeinsames Atelier, was den Austausch forciert», sagt Götz.

Über die Jahre hinweg konnte der Studiengang Gamedesign nationale und internationale Kontakte zu Firmen und Schulen aufbauen. «Grosse Unternehmen und wichtige Creative Directors begrüssen unsere Philosophie, nicht Spezialisten, sondern Generalisten auszubilden», verdeutlicht der Game-Professor. Die Wahrnehmung von aussen habe sich spürbar verändert.

Wer zuletzt lacht…

Die voll ausgebildeten Gamedesigner finden heute denn auch einfacher einen Job auf ihrem Gebiet als zu Beginn des Studiengangs und beherrschen mittlerweile auch die Herstellung und Vermarktung eigener Spiele besser. Denn sie werden mit jedem Jahr besser. «Dieses Jahr haben wir einen besonders guten Jahrgang», freut sich Ulrich Götz.

In der Bildstrecke sehen Sie die besten Abschlussarbeiten des aktuellen Jahrgangs

Gametrailer «3D-Painting in Games»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick Albrecht am 22.06.2014 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird besser...

    Es wird besser, aber solange diese Spiele nicht für die PS Vita erscheinen werde ich sie wohl kaum anschauen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Albrecht am 22.06.2014 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird besser...

    Es wird besser, aber solange diese Spiele nicht für die PS Vita erscheinen werde ich sie wohl kaum anschauen.

    • A.S. am 22.06.2014 21:37 Report Diesen Beitrag melden

      Verkauft sich zu schlecht

      Warum sollten sie auch? Die Vita verkauft sich leider zu schlecht.

    einklappen einklappen
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