Fatales Versäumnis

22. November 2012 17:14; Akt: 22.11.2012 19:59 Print

«Verrückt, wie blind Microsoft und Sony waren»

von Oliver Wietlisbach - Nintendos Bewegungssteuerung für die Wii wurde von einem Garagen-Tüftler ausgeheckt. Microsoft und Sony lehnten sein Angebot ab, Nintendo erkannte die Chance.

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Sieht so die Zukunft aus? Bereits jetzt wird im Internet heftig spekuliert, wie die nächste Playstation 4 aussehen könnte. Zunächst aber ein Blick zurück: 2005 bringt Nintendo eine Innovation auf dem Markt: den Nintendo DS - das erste portable Spielgerät mit zwei Bildschirmen, der untere ist ein Touchscreen. Der Nintendo DS löst den extrem erfolgreichen Game Boy ab. Das Spiel mit den portablen Konsolen ist lukrativ, vom Kuchen möchte sich auch Sony ein Stück sichern und lanciert im September 2005 die Playstation Portable, kurz PSP. 2005 macht auch Microsoft einen ersten Schritt in die Zukunft und läutet mit der Xbox 360 die nächste Generation des Gamens ein. Es ist die erste Konsole mit einer Harddisk und HD-Grafik. Der Onlinedienst Xbox Live wird wegweisend. 2006 zieht Sony mit der Playstation 3 nach: Zwar im oberen Preissegment angesiedelt, enthält die Konsole einen BluRay-Player und den bewegungssensitiven Six-Axis-Controller. Nintendo setzt mit der Wii und der dazu gehörenden Wiimote 2006 auf die Bewegungssteuerung. Spieler müssen auf HD-Grafik verzichten, die Konsole findet vor allem beim jüngeren Publikum Fans. Spekulationsobjekt: Während Jahren wurde über eine Phantom genannte Videospielkonsole gemunkelt. Erschienen ist das Teil nie. Dafür bringt Nintendo die Technologie in die dritte Dimension und veröffentlicht im März 2011 mit der 3DS ein portables Gerät, das stereoskopische Grafiken ohne Brille darzustellen vermag. Im Frühjahr 2012 veröffentlicht Sony das PSP-Nachfolgemodell PS Vita mit Touchscreen und - als Neuheit - einem rückseitigen Touchpad. Nintendo bleibt seinem Ruf als Innovator auch 2012 treu und bringt den ersten Vertreter der nächsten Gamekonsolen-Generation heraust: Die Wii U kommt mit einem Controller mit einem eigenen Screen, was neue Formen des Spielens erlaubt. Wenig bekannt ist derzeit noch, was in den Konsolenwerkstätten von Sony und Microsoft zusammengeschustert wird. Im Internet kursieren allerdings bereits die ersten Konzeptgrafiken zu einer möglichen PS4, ... ... die auch so aussehen könnte. Einig sind sich viele Game-Fachmedien darüber, dass die PS4 2013 erscheinen wird. So wie auch das Nachfolgemodell zur Xbox 360, das auf den Herbst 2013 erwartet wird. Ob es allerdings aussehen wird, wie hier abgebildet ... ... oder eher so, darüber lässt sich nur spekulieren. Diskutiert wird auch, ob die neue Konsole über ein Disk-Laufwerk verfügt. Definitiv kein Disk-Laufwerkt hat laut Spezifikationen die Android-Konsole Ouya, die aufs Frühjahr 2013 erwartet wird. Erstmals ist eine Konsole offen für alle, die darin herumfuhrwerken möchten - ob Hacker, Entwickler oder Modder. Für die Entwicklung der Ouya spendeten Fans auf Kickstarter.com über 8,5 Millionen US-Dollar. Seit langem halten sich Gerüchte, nach denen auch Valve, Betreiber der Onlineplattform Steam, eine eigene Konsole auf den Markt werfen wird. Valve hat die Gerüchte indessen stets dementiert. Ein jüngstes Gerücht nennt jedoch eine Konsole, die aus dem Hause Apple kommen soll und zusammen mit Apple-TV funktioniert. Grund für das Gerücht: Apple-CEO Tim Cook hat im Frühling 2012 Valve einen Besuch abgestattet. Ist die Apple-Konsole also auch gleich die mysteriöse Steam-Konsole?

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Microsoft-Gründer Bill Gates wurde 1998 gefragt, welchen Rivalen er am meisten fürchte. Seine Antwort: «Am meisten Angst habe ich vor jemandem, der in einer Garage etwas völlig Neues erfindet.» Nur drei Jahre später, Gates hatte eben erst das Zepter an Steve Ballmer übergeben, klopfte ein Garagen-Tüftler an Microsofts Pforten. Sein Name ist Tom Quinn und er hatte eine Idee, die die Welt der Videospiele auf den Kopf stellen sollte.

Umfrage
Welche Bewegungssteuerung spielen sie am liebsten?
71 %
12 %
17 %
Insgesamt 3819 Teilnehmer

Quinn hatte eine Bewegungsteuerung erfunden, die er 1999 patentieren liess. Die Idee dazu schoss ihm rund zehn Jahre zuvor im Cockpit einer Cessna 172 durch den Kopf. Über den Wolken kam dem Piloten die Idee, wie praktisch es wäre, ein Flugzeug nur mit Gesten zu navigieren. Daraus wurde bekanntlich nichts. Dafür aus etwas anderem.

Microsofts Arroganz

Anfang 2001 spielte Quinn erstmals mit der Idee, seine Bewegungssteuerung in Videospielen einzusetzen. «Durch meine Geschäftsbeziehungen hatte ich einen Draht zu Steve Ballmer», erzählte der Erfinder dem Game-Portal CVG. Ballmer war von der Bewegungssteuerung begeistert und verhalf Quinn zu einem Treffen mit Microsofts Xbox-Team.

Das Meeting endete in einem Desaster: Die Xbox-Leute gaben dem Tüftler zu verstehen, dass sie, wenn sie eine Bewegungssteuern haben wollten, selber eine entwickeln würden und dies auch besser könnten. «Das Meeting verlief so schrecklich, dass am Ende ein Manager zu mir kam und sich für das rüde Verhalten seiner Kollegen entschuldigte», erinnert sich Quinn.

Ein bizarrer Besuch in Japan

Nach der Abfuhr von Microsoft wandte sich Quinn an Sony. Die Japaner dominierten damals den Markt der Videogames mit ihrer Playstation 2 und schienen der logische Partner zu sein. Die Japaner gewährten dem US-Erfinder eine Audienz mit Ken Kutaragi. Quinn hatte keine Ahnung, wer Kutaragi ist. Später stellte sich heraus, dass es sich um niemand anderes als den Schöpfer der Playstation handelte, dem damals einflussreichsten Mann der Videospielebranche.

Er werde das Meeting bei Sony nie vergessen, erinnert sich Quinn. «Wir waren in einem winzigen Raum mit einem Projektor. Kutaragi kommt herein, stellt sich vor, setzt sich und schliesst seine Augen in dem Moment, in dem ich mit meiner Präsentation starte», sagt Quinn. «Es war merkwürdig, sehr merkwürdig, aber ich bat ihn trotzdem um eine Einschätzung. Er fragte, ob ich die Steuerung für 50 Cents produzieren könne. Ich musste lachen und verneinte die Frage.» Das wars. Nach Microsoft erhielt der Garagen-Erfinder auch von Sony einen Korb.

Nintendo erkennt das Potenzial

Frustriert suchte Quinn sein Glück beim Dritten im Bunde. Nintendo hatte den Gaming-Markt bis Mitte der 1990er-Jahre dominiert. Dem Siegeszug der Playstation hatte die über 100-jährige Traditionsfirma aber nichts entgegenzusetzen. Mit dem GameCube legte Nintendo Anfang des Jahrhunderts den zweiten Flop in Folge hin. «Mann muss sich vor Augen führen, dass Sony und Microsoft damals bei weitem die grössten Konsolenhersteller waren», sagt Quinn. Nintendo ging es schlecht und darum habe er nicht primär an sie gedacht.

Quinn wurde in Nintendos Hauptquartier in Kyoto vom damals neuen Geschäftsführer Atsushi Asada empfangen. Der Zufall wollte es, dass Quinns Geschäftspartner gelegentlich mit Asada den Schläger auf dem Golfplatz schwang, bevor dieser die Nummer eins bei Nintendo wurde. Nach 20 Minuten hatte Asada genug gehört. Er scharte die Nintendo-Manager um sich und nach einer hitzigen Diskussion war die Entscheidung gefallen. Nintendo setzte auf Quinns Bewegungssteuerung.

Der Rest ist Geschichte

2006 lancierten die Japaner mit der Wii ihre mit Abstand erfolgreichste Konsole. 97 Millionen Geräte wurden bis heute verkauft. Microsoft und Sony kamen erst Jahre später mit ihren eigenen Bewegungssteuerungen Kinect und Playstation Move auf den Markt.

Tom Quinn ist nicht der Erfinder der Wii, aber ohne ihn sähe der Spielemarkt heute wohl ganz anders aus: «Es ist verrückt, wie blind Microsoft und Sony waren. Sie waren so damit beschäftigt, einander zu verprügeln, dass sie Nintendo nicht mehr als ernsthaften Konkurrenten wahrgenommen hatten», sagt der Erfinder.

2008 kam Nintendo kaum noch nach genügend Wii-Konsolen vom Fliessband laufen zu lassen. Während sich die Kunden Nintendos Spielkonsole mit Bewegungssteuerung quasi aus den Händen rissen, schaute sich das Xbox-Team eine alternative Bewegungssteuerung eines israelischen Erfinders an. Diesmal sollen die Microsoft-Manager höflicher gewesen sein.

Die Kult-Werbung: Wii VS. PS3

Quelle: YouTube/manuelito911

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • O D B am 22.11.2012 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zurecht

    Da sieht man wieder einmal mehr: nintendo konzentriert sich aufs wesentliche, das gameplay, und hört richtig zu. Nicht so wie die anderen geldsäcke bei microsoft und sony! Ein wohl verdienter sieg für nintendo!!! Microsoft und sony: SHAME ON YOU! Selber schuld!

  • t.m. am 23.11.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    meh.

    Es scheint hier als würde die Wii besser sein nur wegen der Steuerung. Es sollte eher hervorgehoben werden das die Konsole einfach Billiger ist als die Xbox und PS. Ich zu meinem teil finde eine Steuerung mit Controler viel angenehmer als eine Bewegungsteuerung da sie einfach viel genauer ist. Wie soll ich Halo/Fifa/Metro/CoH spielen können auf der Wii? Ich besitze selbst eine aber die Steuerung konnten mich nicht überzeugen.

  • Mario am 22.11.2012 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nintendo yuhu

    und da sieht mann wie überteuert Sony ist......50Cent produktion, da haben Sie die Quittung jetzt

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ulysses Oliveira am 25.11.2012 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist Microsoft wirklich ein Nachmacher?

    Aber eigentlich steht Microsoft nicht wirklich als Nachahmer da er hat ich sag mal mit der Kinect die Idee verbessert,also so sehe ich das.

  • baba am 25.11.2012 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wii und Spass?

    Sorry habt ihr jemals eine Ps3 oder 360 gehabt und dann man irgendwo wii gespielt? Die Spiele sind so simpel gemacht dass es einem nach 10 min. verleidet

  • baba am 25.11.2012 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötig

    Ich hab mir auch Playstation Move gekauft. Fazit: Es liegt nach etwa 10 min. Spielzeit etwa 1 Jahr verstaubt herum.

  • Manuel B. am 23.11.2012 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht durchdacht

    Sehr unklug von Microsoft und Sony. Wenn die Entwickler die Fernbedienung nur mal ausprobiert oder durchgedacht hätten, wie viel Spielspasspotenzial in der steckt, würden sie jetzt nicht nur als Nachahmer dastehen. Selber schuld!

  • Gamer since day 1 am 23.11.2012 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    eingeschränkte Ansichten

    Ihr redet hier alle über Kinect und was weiss ich, aber kennt ihr denn überhaupt Kinect Spiele ausser Kinect Sports (was im übrigen auch nur ein abklatsch von Wii Sports ist)? Wirtschaftlich gesehen war Kinect der grösste Flop für die XBox Reihe. Wer ein so teures System entwickelt, um es nachher zu verstauben lassen, hat schlicht keine Ahnung von Qualität. Es ist wie bei dem Computern mit Microsoft. Qualität der Hardware Klasse aber die Software voller Lücker und Fehler. Wer gerne bastelt kauft sich eine XBox/PC und bei wem es einfach laufen soll, der holt sich PS3/Mac.

    • Ulysses Oliveira am 25.11.2012 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kinect ist kein Riesenflop

      Wusstest du das Kinect bei Operationen helfen kann?

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