Gameszene-Schweiz

11. April 2012 12:40; Akt: 18.03.2015 15:28 Print

Schweizer Games starten durch im App Store

von Jan Graber - Noch nie sind in Apples Online-Laden so viele Games aus Schweizer Küche gespriesst wie in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Für den grossen Wurf fehlt jedoch etwas Entscheidendes.

Bildstrecke im Grossformat »
Hebt ab: Das simple Browsergame «Rakete» von Mario von Rickenbach ergatterte am Berliner Stattmedia Game Contest den ersten Platz. Fünf Tasten des Keyboard steuern fünf Antriebsraketen, der Spieler muss damit eine Rakete auf die blaue Landeplattform bringen. Gratis spielbar: Das Rohr verlegt: Im Puzzlegame «PipeFiction» von Martin Seelhofer und Cris Almer müssen Spieler Rohre so verlegen, dass der verlustfreie Wasserfluss vor Ablauf der Zeit gewährleistet ist. Das Spiel lehnt an Vorbilder wie «Pipe Mania» an. Erhältich für iOS-Geräte. Preis: 1 Franken. Schäfenwolken: Im iOS-Game «Sheep in the Sky» von Eric Schwegler müssen Spieler Wolken so manipulieren, dass ein verlorenes Schaf den Weg zurück zu seiner Herde findet. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis: 1 Franken. Grafik pur: «ExtremPong» von Roger Hämmerli benutzt das Spielprinzip des Arcade-Klassikers «Breakout». Mit Hilfe eines Balls und eines Schlägers müssen Objekte auf dem Spielfeld abgeschossen werden. Ist das Spielfeld leer, gilt es, auf den Ausgang zu zielen. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis: 1 Franken. Als Werbeinstrument für Appezellerkäse fungiert das Game «Talerschwingen». Wie beim echten Talerschwingen muss das iPad im Kreis bewegt werden, um einen Taler um die Schüssel kreisen zu lassen. Gratis erhältlich für iOS-Geräte. Monstermässig ausgezeichnet: Das Spiel «MonsterUp» von Mario Karagiannis wurde als bestes Game an der Verleihung der Swiss App Awards ausgezeichnet. Im vertikalen Game müssen Spieler die Figur Trello Land immer höher bringen, während sie Monstersterne sammeln. Das Vorbild: «Doodle Jump». Erhältlich für Windows Phones. Ebenfalls nominiert für die Swiss App Awards war «Pingwin» des Zürcher Grafiker- und Werbeateliers Feinheit. Im Game steuern Spieler einen Pinguin, der Sushi und Reis fressen muss, um Energie zu tanken. Das Jump'n'Run ist erhältlich für iOS-Geräte und soll auch für Android-Geräte erscheinen. Von Codebox.ch/Gangogames.com stammt «Shithead», eine Neuinterpretation des alten Schweizer-Kartenspiel-Klassikers «Tschau Sepp». Ziel des Spiels: Nicht als letzter seine Karten loszuwerden. Gestaltet hat das Game der Schweizer Sprayer und Rapper von Radio 200'000 Redl aka Patrick Wehrli; die Musik kommt von DJ Twincut alias Mischa Perella. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis: 1 Franken. Dicke Post: Als App of the Year wurde das Spiel «Pilotifant» an der Verleihung der Swiss App Awards ausgezeichnet. Im von Millform für eine Versicherung entwickelten Game steuern Spieler einen Elefanten durch einen Porzellanladen. Gratis erhältlich für iOS- und Android-Geräte. Schuss weg: Im Sidescrolling Shoot'em-up «Herbert the Misanthropical Fly» von Etite steuern Spieler eine mies gelaunte Fliege, die alles abschiesst, was ihr vor die Kanone gerät. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis: 1 Franken. Absturzgefährdet: Das Geschicklichkeitsgame «Hollow Grounds» von Jeremy Spillmann überzeugt durch eine einzigartige Grafik und ein witziges Spielprinzip: Mittels Wenden des iPhones muss die nur mit Holzflügeln ausgerüstete Spielfigur Piri schadlos durch Höhlenlabyrinthe geflogen werden. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis: 2 Franken. Pixelchic: Ziel des One-Button-Games «SkyRider» von Marc Gruber ist, einen Fallschirmspringer möglichst viele Tricks ausführen zu lassen, bevor er am Boden ankommt. Gratis erhältich für iOS-Geräte. Hoch die Pfoten: Im Puzzlegame «Grooh» von Jann Sigrist bringt die Spielfigur verschiedenfarbig Klötze zum explodieren. Nur wenn alle Klötze atomisiert sind und Grooh noch lebt, kann er durch den Levelausgang schreiten. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis für die Vollversion: 2 Franken. Tessin am Start: Das abgefahrene «jAggy Race» stammt von Tiziano Bizzini and Alan Marghitola, die zusammen das Studio SevenOnly gegründet haben. Spieler steuern darin einen Rennfahrer, der wie dereinst Sonic über Pisten rast und Gefahren ausweicht. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis für die Vollversion: 2 Franken. Für flinke Finger: Im Geschicklichkeitsspiel «Mad Box» von Alain Filliol müssen Spieler innerhalb einer vorgegeben Zeit acht unterschiedliche Symbole in der richtigen Reihenfolge wegklicken, während Blitze, Umkehrungen und Erdbeben für Störaktionen sorgen. Nervenzerreissend. Erhältlich für iOS-Geräte. Preis: 1 Franken. Sauschwer: Das Rennspiel «Plank~» von Gregor Falk entstand während einem Flashwettbewerb. Spieler müssen drei Runden eines Kurses schaffen, bevor die Zeit herum ist. Diese zerrinnt allerdings so schnell, dass das Game fast unmöglich zu meistern ist. Dafür sieht es grafisch erstklassig aus. Gratis spielbar: Vorzeigegame: Das Abenteuerspiel «Daina: The Herbarium» ist seit zwei Jahren in Entwicklung und sticht wegen seiner Story und des ungewöhnlichen Gamedesigns aus der Vielfalt Schweizer Spiele heraus. Erscheinen soll das Spiel für PC und Macs im Spätherbst 2012. Lernen mit der Maus: Jimmy Flitz heisst die Hauptfigur des gleichnamigen Spiels und sie erklärt Kindern, wie man sich richtig anzieht. Die Figur von «Jimmy Flitz» basiert auf den Bücher von Roland Zoss und ist in Zusammenarbeit mit Oleg Lavrovsky und René Rios entstanden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als müssten sie die Natur konkurrenzieren, herrscht auch bei den helvetischen Spieleschmieden derzeit Frühlingsstimmung: Nie zuvor sind im App Store so viele Games aus heimischer Produktion gespriesst wie in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres (siehe Diashow).

Tatsächlich tragen die Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste sowie die Gameförderung der Pro Helvetia erste Früchte. «Wir befinden uns auf einem anderen Level als noch vor drei Jahren», bestätigt René Bauer, Dozent für Gamedesign an der Zürcher Hochschule der Künste, ZHdK. Besonders die Förderung durch die Schweizer Kulturstiftung zeige Auswirkungen. «Sie motiviert die Entwickler», sagt Bauer.

Kein Land der grossen Games

Trotzdem herrscht noch kein eitel Sonnenschein. Der Haken: Bei den meisten Spielen, die aus den Schweizer Entwicklerküchen stammen, handelt es sich um Rätsel- und Geschicklichkeitsspiele – nicht wenige davon sind Neuinterpretationen bekannter Games. Mit diesen können die Entwickler, sofern die Spiele auf eigenständige und interessante Weise umgesetzt sind, zwar für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgen. Die Schweizer Szene wird damit indessen noch nicht als Land der grossen Games wahrgenommen.

«Die Schweizer Entwicklerszene folgt in grossen Linien den Umbrüchen des Gamemarktes, der hin zu Casualgames und mobilen Spielen aus kleineren Produktionsteams führt», sagt Sylvain Gardel, Leiter des Programms GameCulture von Pro Helvetia. Er sieht den Grund für die Dominanz der Geschicklichkeitsspiele aber auch bei den hohen Einstiegshürden für ausgewachsene Spiele.

Das Geld fehlt

René Bauer ergänzt: «Games mit einer Story zu entwickeln, bedeutet Aufwand», sagt der ZhDK-Dozent. Die Entwicklung von Adventuregames beispielsweise benötige mindestens drei oder mehr Leute, deren Löhne während längerer Zeit bezahlt sein müssen. Viele würden sich deshalb auf Teams von maximal zwei Leuten beschränken, die allzu oft nur in ihrer Freizeit an einem Spiel werkeln können.

Die höchste Hürde für die Entwicklung grosser Spiele stelle die Finanzierung dar, verdeutlicht Bauer. Man habe zwar kreative Köpfe voller brillanter Ideen – aber ohne Plan, was die Business-Seite betrifft.

Eine der wenigen Ausnahmen in der jungen Schweizer Gameentwickler-Landschaft stellen die Entwickler des Abenteuerspiels «Daina: The Herbarium» dar. Ein mittlerweile fünfköpfiges Team arbeitet seit zwei Jahren am Game; das Spiel hat bereits im Vorfeld für internationales Renommee gesorgt. Es wurde von GameCulture zudem mit einem Werkbeitrag von 50 000 Franken unterstützt.

«Ein Glücksfall», wie Dario Hardmeier, Projektleiter von «Daina: The Herbarium» sagt. Damit habe man eine gute Demoversion anfertigen können. Er nennt weitere Zahlen: «Die Entwicklung eines Indiegames wie Daina beträgt zwischen 200 000 und 300 000 Franken.»

Wann kommt der grosse Wurf?

Um das Geld aufzutreiben, hat das Team Kontakt zu MBA-Studenten der HSG in St. Gallen geknüpft: Zusammen wird ein Businessplan entwickelt, mit dem Hightech-Investoren gefunden werden sollen. Als Alternative für die Finanzierung bieten sich aber auch herkömmliche Publisher an – mit der Gefahr, dass die Entwickler ihre Unabhängigkeit verlieren.

Business-Ideen wie bei «Daina: The Herbarium» sind jedoch selten. Der ZHdK-Dozent René Bauer ergänzt: «In der Schweiz fehlt die Tradition, Games mit Geld zu unterstützen.» Bis es so weit ist, werkeln weiterhin Mini-Teams an zugegebenermassen oft brillanten Puzzle- und Geschicklichkeitsspielen. Der ganz grosse Wurf jedoch bleibt zwangsläufig aus.

PLANCK~

Quelle: YouTube

Sky Rider

Quelle: YouTube

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Gasser am 11.04.2012 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Das vierte App heisst "ExtremPong" und nicht "ExtremePong". Habs im AppStore gefunden und bin vollauf zufrieden.

  • mannomann am 11.04.2012 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    @Gamedeveloper

    benutzt doch einfach mal Kickstarter!

    einklappen einklappen
  • Daniel Fasel am 11.04.2012 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Investoren?!

    Genau am Investieren mangelt es ! aber es liegt auch daran, das gleich jeder dick etwas verdienen will, bevor es überhaupt ein Team gibt das zusammenhält und auch andere Wege als der eines Investors zu finden, begehen. Ich selber habe ein einmann Entwickler Team, und habe es aufgegeben ein 3D game zu entwickeln, bevor nicht ein Team mithilft. Underdessen entwickle ich halt Content für andere Entwickler. Die Gründung vieler Teams würde die schweizer Game Entwicklung weiter bringen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland Zoss am 12.04.2012 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    ABC-Xenegugeli

    ABC-Xenegugeli, LernApp für Kinder. Es gibt auch Schweizer Spiele, die im stillen die Welt erobern. So eines ist das deutsche ABC-Xenegugeli. Seit 2009, ein zeichnerisch wunderschön animierten Tiere tausende ins ABC eingeführt. Ende 2102 folgt eine viersprachige Version des Erfolgsspiels.

  • Ruedi am 12.04.2012 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pixel Cow

    Pixel Cow wurde ebenfall von einem Schweizer erstellt. Lustiges Snake-mässiges Spiel und denoch kostenlos.

  • S.w. am 11.04.2012 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Games

    Ich hab mal 2 Schweizer Games heruntergeladen die von 20min aus gut sein sollten. Es ging nicht mal 5 Minuten und schon habe ich beide wieder gelöscht. Die Erfinder waren zwar ziemlich kreativ aber der Spieler rennt nur sinnlos herum.

  • Peter Gasser am 11.04.2012 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Das vierte App heisst "ExtremPong" und nicht "ExtremePong". Habs im AppStore gefunden und bin vollauf zufrieden.

  • Mike am 11.04.2012 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Durchsetzung

    Man beachte, dass schweizer Games nie weltweit Erfolg haben werden. Und wenn auch in der Schweiz: meist sind es one-app-wonder.

Sudoku
Kreuzwortraetsel
Bubble Shooter