Game-Cracker

04. September 2013 20:58; Akt: 18.03.2015 15:23 Print

Vom Schweizer Hacker zum Gamedesigner

von Jan Graber - Die Schweizer Game-Cracker-Szene schrieb den ersten Amiga-Virus, knackte Kopierschutze und mauserte sich zur Gameentwickler-Szene. Eine Ausstellung am Fantoche gibt Einblicke.

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«Leonardo» für den Amiga 500 stammte von René Straub, Christian Haller, Christian A. Weber und Orlando Petermann. Das Spiel erschien 1989 und wurden von Starbyte veröffentlicht. «Crack» stammte ebenfalls von René Straub sowie Markus Grimmer, Reto Straub, Christian Haller, Christian A. Weber und Orlando Petermann. Das «Breakout»-ähnliche Game wurde 1988 vom Schweizer Publisher Linel veröffentlicht. Das Arcade-Spiel «Dugger» (1988) war offensichtlich vom Namco-Klassiker «Dig Dug» inspiriert. Die Macher: Christian A. Weber, Jens Eisert, Orlando Petermann, Markus Grimmer und Thorsten Zimmerman. Das Action-Rollenspiel «Traps'n'Treasures» erschien 1993 und war das Resultat langjähriger Arbeit von Roman Werner, Ruedi Hugentobler und Orlando Petermann. Das Game schaffte Kultstatus und wird auf Ebay für über 200 Euro gehandelt. Auch «Scooter!» stammte aus der Feder von Roman Werner. Das farbenfrohe Plattformspiel «Rolling Ronny» erschien 1991 für Amiga. Das Game wurde von René Straub und Orlando Petermann entwickelt. Auch «War Heli» war ein Produkt der Crackerszene und schaffte es 1989 sogar in eine Das Rätselspiel «The Game of Life» von Michael Assel und Jörg Dengscherz erschien 1991 unter Linel. 1989 schrieb Roman Bosshart das Arcadespiel «Clown-o-Mania», die Musik stammte von Roman Werner. Veröffentlicht wurde das Game von Starbyte. Das Logo der Swiss Cracking Association, die nicht nur das erste Amiga-Virus schrieb, sondern auch Kopierschutze knackte und Games für anderen Plattformen konvertierte.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als die Besitzer eines Commodore-Amiga-Heimcomputers nach November 1987 ihren PC einschalteten, konnte es durchaus sein, dass sie statt mit dem üblichen Startbildschirm mit einer befremdlichen Meldung begrüsst wurden: «Something wonderful has happened Your AMIGA is alive !!! and, even better... Some of your disks are infected by a VIRUS !!!» Sie waren Opfer des ersten Amiga-Virus geworden.

Was die meisten nicht wussten: Das Virus kam aus der Schweiz, geschrieben von der SCA – der Swiss Cracking Association. Cracking Groups waren gewissermassen der Volkssport der damaligen Gamerszene. Crackers knackten kopiergeschützte Games und tauschten sie untereinander an sogenannten Copy-Parties, verschickten sie per Post oder stellten sie später in sogenannten Bulletin Boards online zur Verfügung. Oft ergänzten sie die Games mit eigenen Logos, Grüssen und bisweilen auch Spielhilfen. Was noch weniger wussten: Das Virus war aufgrund der Wette entstanden, dass es nicht möglich sei, einen Virus mit nur 1024 Zeichen zu erschaffen. Es war möglich, wie SCA bewies.

Krieg der Cracker

In der Schweiz bekämpften sich verschiedene Cracker-Szenen, darunter die Atari-ST-Szene und die Amiga-Szene, zu der die eingangs erwähnte SCA gehörte. Meist ging es darum, sich im Knacken der Spiele zu übertrumpfen und als Erster ein frei kopierbares Game anzubieten. Aber sie massen sich auch darin, wer mit einem flashigeren Logo das jeweilige Game verzierte. Da die Games in mühsamer Weise deassembliert – das heisst der Programmiercode in lesbare Computerbefehle aufgespaltet – und analysiert werden mussten, lernten die Cracker zwangsläufig einiges über die Gameprogrammierung.

Dies wiederum führte dazu, dass Exponenten der Crackerszene begannen, ihr Leben mit sogenannten Portierungen zu verdienen: Im Auftrag des Schweizer Publishers Linel konvertierten sie Atari-Games für den Amiga. Andere schrieben ihre eigenen Spiele, die Namen wie «Rolling Ronny», «Dugger», «Leonardo» und «Clown-o-Mania» trugen.

Kultige Games

Manche Spiele erreichten sogar Kultstatus. Für das Action-Rollenspiel «Traps’n’Treasures», das 1993 erschien, wurden auf Ebay zum Beispiel bereits 220 Euro geboten. Andere Spiele wie «War Heli» (1987) des Entwicklerteams Argonica verfügten nicht nur über Speicherpunkte – eine Seltenheit damals - sondern auch ausgeklügelte Kopierschutzmechanismen. Kein Wunder: Die Entwickler stammten alle aus der Crackerszene und wussten um die Kniffe ihrer Kollegen.

Beide Games - «Traps’n’Treasures» und «War Heli» - sind nun im Rahmen der Game-Ausstellung «Video Arcade Closed. Reopening everywhere.» am Filmanimationsfestival Fantoche zu sehen. Organisiert wird die Ausstellung von der Studienvertiefung Gamedesign der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). «Wir wollen einen kleinen Einblick in die Gameszene 1987 geben und sie den aktuellen Entwicklern gegenüberstellen», sagt René Bauer von der ZHdK. In der Ausstellung werden sowohl die Ur-Games aus Schweizer Spielschmieden wie auch aktuelle Games des Studiengangs an der ZHdK gezeigt.

Mehr am ersten Gamesfestival

Die Ausstellung am Fantoche bildet indessen nur den Auftakt zu einer grösseren Show: Im Oktober findet in Zürich mit dem «gameZfestival» das erste grosse Gamefestival der Schweiz statt. «Am Gamezfestival werden wir weitere Spiele der Urszene zeigen und vertiefte Einblicke in die damalige Crackerszene bieten», sagt Bauer. Apropos Crackerszene: Mit dem Verschwinden der Atari- und Amiga-Computer lösten sich auch die Szenen weitgehend auf; manche der Exponenten besetzen heute namhafte Positionen in der Wirtschaft.

Die Ausstellung am Fantoche-Festival findet vom 4. bis 8. September in Baden statt, das gameZfestival wird vom 4. bis 6. Oktober in Zürich durchgeführt.


«Traps’n’Treasures»

(YouTube)

«Leonardo»

(YouTube)

«Rolling Ronny»

(YouTube)

«Clown-o-Mania»

(YouTube)

Der erste Amiga-Virus

(YouTube)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andre am 04.09.2013 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nice

    Die Games Clown-o-Mania und Leonardo habe ich nächtelang gezockt. Wäre toll wenn 20min hier noch mehr Background Infos von den Entwicklern und Komponisten bringen könnte!

  • Jester Skout am 04.09.2013 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TheXUGJ

    Die szene kenne ich nicht. nur die Hackerszene

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  • JungNostalgiker (1988) am 04.09.2013 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Antares Vergessen D:

    ANTARES by Nightmare Productions (Unterentfelden/Aargau) Wahnsinns Soundtrack :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Rohner am 05.09.2013 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Pioniere

    Linel war genau gesagt kein Publisher (Vertrieb), sondern Hersteller und erst noch eines der ganz wenigen Schweizer Entwicklerunternehmen zu dieser Zeit für Spiele. Der bekannteste Titel war 1991 die Filmumsetzung der Unendlichen Geschichte 2.

  • HCCrack am 05.09.2013 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SF Doku: Kap der digitalen Hoffnung

    so hat der Titel der Doku geheissen. gibt es die irgendwo im Netz?

    • andioo am 05.09.2013 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Link Bild 7

      Hat einen Link in der Beschreibung der Bildschtrecke (Bild 7).Zur Doku selber. Schade, dass sich die Jungs damals erklären mussten, wieso Sie eine "Kriegszenerie" gewält haben... und darüber sprechen mussten, dass Sie trotzdem Chrîsten sind .. andere Zeien halt ^^

    • Christian A. Weber am 05.09.2013 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      Die Sendung ist auf srf.ch abrufbar

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  • Warlock / UNIX am 05.09.2013 05:55 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Szene

    Die CH-Cracker- und Coder-Szene ist noch ein paar Jahre älter. Bereits zu 8-Bit-Zeiten (CPC464) wurden Games gecrackt und Demos gecodet. Man hängte es damals nicht an die grosse Glocke, weil es 1. illegal war und 2. ohnehin kaum einer wusste was wir genau taten und vor allem kaum absehbar, was für einen Einfluss dies alles auf die digitale Zukunft haben wird.

    • kill-roy am 05.09.2013 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      einfluss,eher ausfluss....

      okey wir haben gehackt,gecrackt,schräge sachen programmiert und ich habe auch damals amiga games programmiert... und heute,arbeiten wir irgendwo in der it-branche,mit etwas mehr pc-nostalgiewissen,das wars dann auch,es waren spielereien,weil einfach so simpel einfach war!

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  • Qualle am 04.09.2013 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Die haben's drauf. Frage mich einfach, wie die das gelernt und gemacht haben. Heute gibt es Youtube, Lernvideos, und man kann in Foren sich informieren, wenn man was sucht, oder nicht weiter kommt. Da gab es ja noch kein Internet, nichts..... Man musste sicher die richtigen Leute kennen. Respekt!

    • JungNostalgiker (1988) am 04.09.2013 23:37 Report Diesen Beitrag melden

      learning by doing

      learning by doing , so war es bei mir damals auch. wenn du Glück hattest , konntest du Bücher Kaufen oder kanntest jemanden aus der Szene der gewillt war dir etwas beizubringen (Selten der Fall)

    • Achmed/Dalei am 05.09.2013 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nicht wirklich

      Mit Youtube Videos kommst du Heute auch nicht weit wenn du richtiges Entwickeln lernen willst...

    • Alessandro am 05.09.2013 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie gelernt?

      Learning by doing, Bücher wie Amiga Intern, Systemdokus, BBS, Treffen AFK

    • rheinlandschweizer am 05.09.2013 07:29 Report Diesen Beitrag melden

      Es gab ein Netzwerk vor dem Internet

      Nicht ganz richtig. Es gab wir im Beitrag geschrieben Bulletin Boards, FidoNet, BBS Mailboxen und mein damaliger Favorit war die Zottelbox. Auch da gab es schon regen Austausch unter den "Kundigen". Es war halt noch nicht mit Maus und Touchscreen bedienbar und damit nicht der breiten Masse zugänglich.

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  • JungNostalgiker (1988) am 04.09.2013 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Antares Vergessen D:

    ANTARES by Nightmare Productions (Unterentfelden/Aargau) Wahnsinns Soundtrack :D

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