Trump-Dekret

10. Februar 2017 22:35; Akt: 10.02.2017 22:35 Print

Aus Wut in drei Tagen ein Game programmiert

In kürzester Zeit setzte der Schweizer Gamedesigner David Stark ein Game zum US-Einreiseverbot um. Die Gameindustrie wendet sich gegen Donald Trump.

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«Und dann stieg mir die Zornesröte ins Gesicht», sagt David Starks. Sein Ärger ist auch eine Woche später noch spürbar. Er fährt fort: «Ich musste etwas tun.» Umgehend machte er sich ans Werk. In nur drei Tagen entwickelte er das Game «Martian Immigration Nightmare», ein kleines kafkaeskes Stück über die Einreise-Formalitäten bei einem Marsflug – und ein politisches Statement an die Adresse des Tesla-Erfinders Elon Musk.

Doch von vorne: Am 27. Januar erlässt US-Präsident Donald Trump das Dekret, dass Einwohnern von sieben muslimischen Ländern die Einreise ab sofort untersagt ist. Während sich fast das ganze Silicon Valley gegen das Dekret wendet und sich auch die Gameindustrie zusammenrauft, um dagegen zu protestieren, springt Elon Musk – Visionär und Gründer von Tesla und eine Figur, von der David Stark eigentlich viel hält – für Donald Trump in die Bresche. «Ich war voller Wut und Enttäuschung über Elon Musk», sagt Stark. Der Kniefall des Visionärs, zu dessen wichtigsten Plänen die Besiedelung des Mars gehört, bringt Stark auf die Palme.

Grosse Studios begehren auf

Um Dampf abzulassen und ein Statement zu setzen, entscheidet er sich, ein simples Spiel zu entwickeln. Es lässt Spieler in die Rolle Elon Musks schlüpfen, der zum Mars fliegen will und dessen Dokumente kurz vor dem Einchecken aber ungültig werden. Verzweifelt versucht er danach in einem kafkaesken Prozess, zu neuen Dokumenten zu kommen – erfolglos. Nach drei Tagen ist das Spiel «Martian Immigration Nightmare» fertig, Mitstreiter des Zürcher Impact Hubs haben die Grafik dazu geliefert.

David Stark ist bei weitem nicht der Einzige der Gamewelt, der sich gegen das Dekret ausgesprochen hat. In den USA haben sich namhafte Entwicklerstudios dagegen gewendet, darunter Blizzard («World of Warcraft», «Diablo»), Insomniac («Ratchet & Clank», «Resistance»), Harmonix («Rock Band») und Electronic Arts («Fifa», «Battlefield»). Auch Organisatoren von Festivals wie der kommenden Games Developer Conference üben harsche Kritik.

Schaden abwenden

Auch der Verband der amerikanischen Gameindustrie, die Entertainment Software Association (ESA) wies darauf hin, wie wichtig Arbeitskräfte aus der ganzen Welt für die amerikanische Gameindustrie seien. Derweil liessen es zahlreiche Studios nicht bei einem Aufschrei bewenden: Sie nutzen Gameverkäufe, um der American Civil Liberties Union (ACLU) Geld zu spenden. Die ACLU hat wegen des Einwanderungsstopps beim Gericht Klage eingereicht – erfolgreich: Die US-Regierung ist mit ihrem Einreisestopp für Muslime vor einem Berufungsgericht abgeblitzt.

Spiele gegen die Absichten Donald Trumps dürften in nächster Zeit wohl einige zu erwarten sein. David Stark dürfte mit «Martian Immigration Nightmare» indessen einer der Ersten sein, der sich gezielt dem Thema angenommen hat. «Letztlich war es ein Ventil für mich und ich werde das Game nicht weiterentwickeln», sagt er. Muss er auch nicht: Wie mittlerweile bekannt wurde, haben sich auch Elon Musks Firmen Tesla und SpaceX gegen das Dekret gestellt.

(jag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 11.02.2017 02:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug

    Er hat gesagt er sei gegen die Elite, dereguliert aber die Banken. Man dereguliert bei KMU's und lokalen Gewerbler, aber doch nicht bei Banken! Herrgott! Damit das Gezocke auf Kosten des Volkes wieder losgehen kann?!

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  • Zauberfuchs am 10.02.2017 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt mir

    Wenn sich gerade namhafte Gameindustrien gegen Grossmächte stellen. Erst gerade die Tage habe ich EA gegenüber wieder mehr Respekt gewonnen. Macht weiter so und ich hoffe mehr davon zu hören, zu sehen und dann zu spielen! Bravo!

  • Aaraupanda am 10.02.2017 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und erneut...

    Und erneut geht das gebashe auf Trump los.... Nach dem ersten Mal war gut, unterdessen ist Trump bashen in und alltäglich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Raus aus u land am 11.02.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump

    Ich bin froh für das Trump gewählt ist ich wünschte die Schweiz würde auch so reagieren

  • Bruder Gregorius am 11.02.2017 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist spannend

    wie viele ihren Hass auf Trump ausleben. Was hat er euch getan? Nur dass er anders ist als ihr und Geld hat... Lasst ihn mal Amerikaintern aufräumen, wie er im Wahlkampf versprach.

    • Cartman1993 am 11.02.2017 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bruder Gregorius

      Aufräumen?wo den?

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  • Solo Man am 11.02.2017 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump

    Ich verstehe die Wut nicht, mit der man der Wahl von Trump begegnet. Er ist demokratisch gewählt und kann sich jetzt beweisen. Jeder, der etwas über Trump sagt, sagt das über sich selbst. Getreu dem Kinderspruch, was du sagst, das bist du selbst. Wenn jeder sich auf sich konzentrieren würde und nicht auf andere zeigen und deren mögliche Fehler anprangern würde, könnte die Welt viel friedlicher sein.

    • Cartman1993 am 11.02.2017 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Solo Man

      Ähm sorry das ist falsch. Ich kann sagen, dass er ein Mensch mit einer relativ gestörten selbstreflektion ist und trotzdem selber eine relativ intakte haben.

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  • Cartman1993 am 11.02.2017 03:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    paper please

    ich habe es noch nicht gespielt, aber es wirkt auf mich wie ein Game, dass sehr von paper please insperiert scheint

  • Dani am 11.02.2017 02:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug

    Er hat gesagt er sei gegen die Elite, dereguliert aber die Banken. Man dereguliert bei KMU's und lokalen Gewerbler, aber doch nicht bei Banken! Herrgott! Damit das Gezocke auf Kosten des Volkes wieder losgehen kann?!

    • Tomson1994 am 12.02.2017 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Das Gezocke hat nie aufgehört, glauben Sie mir. Die Blase wird platzen und zwar sehr bald.

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