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Tratschen statt Gamen
30. Oktober 2012 15:53; Akt: 30.10.2012 15:53 Print
Game over für Social-Media-Games
von Jan Graber - Die fetten Jahre für Zynga sind passé. Viele Facebook-Nutzer kehren Social-Media-Spielchen nach einem Tag den Rücken. «Facebook ist zum Tratschen und nicht zum Gamen da», glaubt unser Game-Redaktor.

Düstere Aussichten: Nach einem Umsatz von 1.1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 für Zynga ist die Aktie seit Jahresbeginn um 74 Prozent eingebrochen.
Das Spiel wiederholt sich wie die Auslaufrille einer Vinyl-LP: Sobald eine neue vielversprechende Massen-Technologie am Horziont aufzieht, beginnen Marketingabteilungen von Unternehmen zu hyperventilieren, als würde der Technogott höchstpersönlich mit dem Finger auf sie zeigen. Felsenfest sind sie davon überzeugt, dass ihrem Unternehmen die Felle davonschwimmen, wenn sie die neue Technologie nicht nutzen.
Bildstrecken Angriff der AndroidenDie wichtigsten SpielkistenDie Brutstätte der «Angry Birds»«Second Life» wiederholt sich
Das war so, als vor rund zehn Jahren Unternehmen Millionen von Dollars aus dem Fenster in die Online-Plattform «Second Life» warfen, um in der künstlichen Welt eine Präsenz aufzubauen. Das ist auch so, seit das jüngste Heilsversprechen den Namen Social Media alias Facebook trägt; kaum ein Konzern, der derzeit nicht auf irgendeine Weise um Facebook-Likes giert. Vom Fieber wurde auch die Gamebranche angesteckt, eingeheizt vom Erfolg von Zyngas «Farmville». 1,1 Milliarden Dollar setzte Zynga laut Nachrichtenagentur Reuters im Jahr 2011 um. Frisch und fröhlich werden seitdem Social-Media-Spiele produziert; schliesslich möchten alle einen Happen vom saftigen Kuchen.
Absturz des Social-Game-Königs
Die Euphorie hat allerdings einen Dämpfer erhalten: Nicht nur hat der Misserfolg bei der Lancierung der Facebook-Aktie bereits den Verdacht geweckt, dass derzeit eine besondere Form von Wahrnehmungsverschiebung grassiert. Auch das Wertpapier der Goldesels Zynga ist seit Jahresbeginn um 74 Prozent eingebrochen. Am meisten beunruhigt jedoch das Verhalten der Social-Media-Nutzer: Laut einer Studie des US-Unternehmens Playnomics zeigen 85 Prozent der Nutzer bereits nach dem ersten Tag einem Facebook-Game die kalte Schulter. Nach drei Tagen sind 90 Prozent der Spieler weg und am Ende eines Quartals 95 Prozent. Fazit: Viele Social-Media-Nutzer wollen gar nicht spielen.
Woran liegt es? Gamer suchen meistens Herausforderungen, die über den reinen Zeitvertreib hinausgehen. Man setzt sich an ein Game, um tief in eine Welt einzutauchen und den Alltag zu vergessen. Was im Game geboten wird, muss sich dicht und vielschichtig anfühlen. Die wenigsten Social-Media-Games schaffen das; sie sind zu einfach gestrickt. Zudem handelt es sich bei einem Grossteil um Rätselgames. Nur Grosis spielen Rätselspiele am Heimcomputer; sie sind besser dazu geeignet, um unterwegs auf einem Smartphone oder Tablet die Zeit totzuschlagen.
Lieber tratschen statt gamen
Ein weiteres Problem ist die ständige Vernetzung. Gegenüber einer Freundesgemeinschaft, von denen 99,99 Prozent gar nicht meine Freunde sind, will ich mich nicht dazu bekennen müssen, welchen Stuss (sprich: Game) ich mir gerade anschaue. Ich möchte auch nicht, dass meine «Farmville»-Achievements in mein Profil gepostet werden. Dies lässt sich zwar abstellen, verknüpft mit meinem Profil sind meine Aktivitäten trotzdem. Das Game soll für sich selber stehen und nicht in den Rest meines realen Lebens eindringen – auch wenn ein Teil davon unterdessen im binären Raum stattfindet.
Der wichtigste Grund dürfte jedoch in der Hauptaufgabe der Social-Plattformen zu finden sein: Sie sind Orte, wo man sich austauscht; sie ersetzen den Klatsch und Tratsch aus dem Dorfladen. Hier erfährt man Nichtiges und Wichtiges über das Treiben des Umfelds, wundert sich über falsche Selbstwahrnehmungen und verpasst seinem Ego einen Schub durch eigene irrelevante Postings. Ein Game kann und soll diese Aufgabe (bisher) nicht übernehmen. Selbst bei riesigen Multiplayersessions wie beispielsweise einem Raid in «World of Warcraft» tratsche ich kaum über Persönliches. Gamen und Tratschen sind unterschiedliche Aktivitäten. Social-Media-Plattformen sucht man jedoch in erster Linie für Letzteres auf.
Kurz: Mit dem Absturz von Zynga und der Erkenntnis, dass Social-Media-Nutzer auf ihrer Klatschplattform nicht spielen wollen, wird sichtbar, um was es sich bei der vermeintlichen Goldgrube für die Gamebranche tatsächlich handelt: um eine Fata Morgana. Heisse Luft.
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Alle 33 Kommentare

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abzocke
Diese Spiele sind nur am Schluss Abzockerei... Man muss tausende von FB Freunde haben um ein Level weiter zu kommen... Man nimmt immer mehr unbekannte "Freunde" an um weiterzukommen... Dies ist sicher nicht das Ziel des FB. Vorallem irgendwann "kauft" man etwas um weiterzukommen und schon ist man in den Fängen der Software-Hersteller....
lächerlich
ich hasse es, wenn ich sämtliche Statusmeldungen von irgendwelchen Highscores anschauen muss. Social-Games sind extrem stupid, und technisch auf einem Niveau, das bereits ein Gameboy vor fast 20 Jahren besser konnte.. kauft euch besser ein PC Game das 4-10 Jährig ist, sind günstig zu haben, laufen auch auf älteren PC's und sind ca. 1000x besser als alle Social-Games
aus und vorbei
hier ist die Bestätigung! Habs ja schon immer gedacht... die ganze FB mini games und was auch immer sind meiner Meinung nach viel zu zeitaufwendig... und ausserdem muss man fast Geld rein stecken um weiterzukommen... hab mindestens 3 Paysafecards im Wert von 20 für solche SPiele in der Vergangenheit verblassen... die Sache hat sich wirklich getan...