Was ist Cosplay?

01. Mai 2012 21:49; Akt: 02.05.2012 16:12 Print

«Im echten Leben würd ich nie so rumlaufen»

von Jan Graber - Sie sind meist jung, weiblich und verkleiden sich als Helden aus Filmen, Comics oder Games: Der Cosplaying-Trend aus Japan erobert die Schweiz. Eine passionierte Cosplayerin erzählt.

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In der Haut der Fantasie: Ellyz (vorne) im Kostüm von Lelouch vi Britannia, des Antihelden aus der Anime-Reihe «Code Geass». Animes und Mangas gelten als wichtigste Inspirationsquelle für Cosplayer (Costume Player). Gamehelden gewinnen aber an Bedeutung. Ellyz in der Verkörperung der «Final Fantasy»-Gestalt Yuna. Bis zu hundert Stunden arbeitet Ellyz alias Alessandra Marthaler an einem Kostüm. Ellyz (rechts) als Rasler aus der «Final Fantasy»-Reihe zusammen mit ihrer Freundin Ray, die sich als Raslers Frau Ashe in Szene setzt. Beliebtes Vorbild: Bayonetta aus dem gleichnamigen Spiel wird von Cosplayern rund um die Welt gerne kopiert. Covergirl: Ein geeignetes Vorbild fürs erotische Cosplaying ist Catherine. Hier wird das Foto als Cover fürs Game nachgestellt. Derzeit sehr beliebt sind Figuren aus der Action-Rollenspiel-Reihe «Mass Effect». Als synthetischer Geth hat sich dieser Cosplayer verkleidet. Diese beiden Cosplayer stellen die Figuren Thane und Garrus Vakarian aus «Mass Effect» dar. Und schliesslich eignet sich auch Commander Shepard, Hauptfigur der «Mass Effect»-Reihe, gut als Vorbild für Verkleidungen. Sehr beliebt sind Figuren aus Rollenspielen, die schon per Definition sehr viel Spielraum für Interpretationen offen lassen. Im Bild: Die Figur Lightning aus «Final Fantasy». Spiel mit der zweiten Haut: Dieses Model imitiert Cortana aus der Egoshooter-Reihe «Halo». Fans der Reihe wissen allerdings, dass die künstliche Intelligenz Cortana nie eine Knarre tragen könnte. Wachsende Szene: In der Schweiz widmen sich immer mehr Fans dem Cosplaying. Beliebt ist die JapAniManga Night, die jährlich in Winterthur stattfindet. An der JapAniManga Night in Winterthur findet auch ein jährlicher Wettbewerb statt, wo die besten Kostüme prämiert werden. In der Schweiz widmen sich mehr Frauen als Männer dem Cosplaying. Cosplaying wird vor allem von Fans zwischen 14 und 24 Jahren betrieben. Im Bild: Interpretation aus dem Egoshooter-Puzzler «Portal». Nach dem Nähen und bauen des Kostüms gehört das abschliessende Foto zu einem Höhepunkte des Cosplayings. Fürs Cosplaying hervorragend geeignet sind Figuren aus «World of Warcraft» wie diese Nachtelbe. Ein ebenfalls beliebter Charakter aus «Mass Effect 2» stellt die unzähmbare Jack dar. Mortal: Wegen ihrer fantasievollen Kostüme werden auch Charaktere aus Prügelspielen wie hier Kitana aus der «Mortal Kombat»-Reihe als Vorbilder genommen.

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Einzig die Kreischer würden ihr manchmal auf die Nerven gehen, sagt Ellyz. Ellyz, die mit richtigem Namen Alessandra Marthaler heisst, gehört mit ihren 19 Jahren bereits zu den alten Hasen der Schweizer Cosplayer-Szene. Der Begriff Cosplay setzt sich aus den Wörtern Costume und Play zusammen und bezeichnet das Verkleiden nach Vorbildern aus der Manga/Anime-, Film- und Gamewelt.

Was sich in Japan bereits vor Jahren als legitimes Hobby von Jugendlichen etabliert hat, findet in der Schweiz erst allmählich Anhänger. «Als ich vor vier Jahren mit Cosplaying begann, waren wir in der Schweiz nur wenige», sagt Ellyz, die nicht zuletzt wegen eines Kurzfilms zu den bekanntesten Exponentinnen der Szene zählt. Und die einheimische Gemeinde ist am Wachsen: «Wenn ich heutzutage an ein Treffen gehe, kenne ich die meisten oft gar nicht mehr», sagt Ellyz. Die meisten Cosplayer seien zwischen 14 und 24 Jahren alt. Sie kenne aber einen Mathematiklehrer zwischen 40 und 50 Jahren, der regelmässig an die Treffen komme.

Rollentausch auch der Geschlechter

Die Faszination fürs Cosplaying liegt für Ellyz nicht im Verkleiden allein, ebenso wichtig sei das Herstellen des Kostüms. Sie habe auch schon 100 Stunden an einem Kleid genäht und Accessoires angebracht. Zudem setzt sie sich intensiv mit den Figuren auseinander, studiert ihre Bewegungen und liest über ihre Hintergründe. Wenn sie ins Kostüm schlüpfe, würde sie sich danach beinahe automatisch so wie das Vorbild bewegen. «Oft unbewusst», sagt sie.

Eine beliebte Spielart ist zudem das Cross-Playing – der Geschlechtsrollentausch. Als erste Rolle schlüpfte Ellyz in die Haut von Deidara, einem männlichen Bösewicht aus der «Naruto»-Reihe. Ebenfalls war sie schon als Rasler aus «Final Fantasy» an einem Treffen. «Die Männer sind die interessanteren Charaktere», weiss Ellyz. Der Geschlechtsrollentausch sei besonders in Japan beliebt. Viele Cosplayer würden sich einen Sport daraus machen, homosexuelle Figuren darzustellen, obwohl sie selbst gar nicht schwul sind. Gerne würde sie aber mal als Bayonetta aus dem gleichnamigen Actiongame auftreten.

Kennenlernen der wahren Persönlichkeit

Florian Lippuner vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich versteht Cosplaying als spielerische Möglichkeit der Identitätsarbeit. «Cosplayer schlüpfen in die fremde Haut, um sich in verschiedenen Rollen auszuprobieren», sagt der Forscher. Das Ziel: übers Rollenspiel Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen. Die Vermischung zwischen realer und virtueller Welt gewinne generell an Bedeutung – nicht zuletzt wegen der sozialen Netzwerke und der Games.

Interessant findet Lippuner, dass sich Cosplayer einer virtuellen Figur bemächtigen und ihr quasi ein eigenes Leben einhauchen. Damit lösen sie diese aus dem ursprünglichen Kontext und erzählen mit ihr eine neue Geschichte. Lippuner: «Es entspricht einer Tendenz in unserer Gesellschaft, sich die Medien anzueignen und sie selbstbestimmt und individuell zu nutzen.»

Exhibitionismus muss sein

Dass soziale Netzwerke und Foren eine wichtige Rolle spielen, bestätigt auch Ellyz. Die Netzwerke dienen nicht nur zur Verabredung neuer Treffen oder der gegenseitigen Hilfe, sondern vor allem auch der Präsentation der gespielten Figur. Das Fotoshooting ist deshalb wichtigster Bestandteil des Cosplayings, wie Ellyz zugibt – ein gewisser Exhibitionismus sei durchaus Bestandteil des Spiels.

«Im echten Leben würd ich allerdings nie so rumlaufen», sagt Ellyz, die derzeit eine Coiffure-Lehre macht. Ist das Kleid zu freizügig, zieht sie es sich oft erst vor Ort fürs Foto an. Dass dieses danach online betrachtet werden kann, stört sie hingegen nicht. «Cosplaying ist wie ein Rausch», sagt sie. Nach einer langen Vorbereitung kann das neue Stück endlich gezeigt werden. «Es kommt einem Entladen von Energie gleich», schliesst Ellyz. Da nehme man auch die Kreischer in Kauf.

Ellyz:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl am 02.05.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Furries

    Gehören Furries auch zum Cosplay?

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  • Gabe am 02.05.2012 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer in der Bilderstrecke fehlt

    In der Bilderstrecke fehlt Jessica Nigri, eine der meistgegoogelten Cosplayer. und gleichzeitig die schönste lebende Frau.

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  • solid snake am 02.05.2012 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    saubere sache

    sollte mehr frauen geben die dieses hobby tätigen :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • itchy am 03.05.2012 03:14 Report Diesen Beitrag melden

    camera?

    kann mir jemand sagen mit was für einer camera dieser film gedreht worden ist?schöne aufnahmen

    • Marc am 03.05.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      Bessere Aufnahmen

      Versuchs mit einer Fotokamera z.B. Nikon

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  • Alter Hase am 03.05.2012 00:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Lieber Jan wo sind die anderen Cosplayer?

  • solid snake am 02.05.2012 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    saubere sache

    sollte mehr frauen geben die dieses hobby tätigen :-)

  • Like That am 02.05.2012 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Finde ich super :) das würde ich auch machen!

  • EinneuerFan am 02.05.2012 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Genial!

    Leute, das ist so cool. Wo finde ich Links zur Szene Schweiz?

    • Nezumi am 02.05.2012 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      mangaforum

      Such mal auf Google nach mangaforum (1. Link bei den Suchergebnissen) , dort findet man auch nähere Infos zur JapanimangaNight / Oragnisation. Zudem findest du Infos zu verschiedenen regionalen Treffs und zu kleineren Events.

    • ExNailly am 02.05.2012 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      Hompage

      Ich würde dir empfehlen dich bei anzumelden. Das online Portal für alle Deutschsprachigen Cosplay Fans ;) Und besagte Anime Manga Night Hompage Viel Spass udn hoffentlich Willkommen bei uns

    • Einneuerfan am 03.05.2012 00:56 Report Diesen Beitrag melden

      Danke für die Infos

      cool. Danke. ExNailly, ich nehme an, Du meinst Das habe ich getan. Erschlägt einen fast auf den ersten Blick :-) Nezumi, danke für den Link. Nochmal jede Menge zum Lesen :-) Ach ja, ist es verpönt, an einem Treffen resp. z.Bsp. der JapanimangaNight normal bekleidet aufzutauchen?

    • Shinji Schneider am 03.05.2012 10:16 Report Diesen Beitrag melden

      Total

      Normal bekleidet ist der grösste Fauxpas überhaupt... Ok ernsthaft. Es gibt sehr viele Leute die keine Cosplays tragen. Manche trauen sich nicht, manche wollen es auch einfach nicht. Niemand schaut dich also böse an wenn du normal angezogen bist :)

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