Independent-Games

22. März 2012 13:00; Akt: 22.03.2012 17:31 Print

Die Rebellen des Gamens

Games sind tot, lang leben Games: Während die traditionelle Spielindustrie fad, unbeweglich und vorhersehbar geworden ist, prosperiert in ihrem Schatten die Gegenkultur – überraschende Indie-Games.

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Überflieger: Das 2011 am Independent Games Festvial ausgezeichnete «Minecraft» gilt mittlerweile als eines der erfolgreichsten Indie-Games. Vorzeigespiel: Mit «The Journey» hat das Studio Thatgamecompany ein Game geschaffen, das derzeit nicht nur beste Kritiken erhält, sondern der Indie-Szene noch mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt. Von Thatgamecompany stammt auch das medidative Spiel «flOw». Durchdrehen: Das Spiel «Fez» wurde am Independent Games Festival 2012 mit dem grossen Preis ausgezeichnet. Das Spiel vermischt auf überraschende Weise 2D- und 3D-Grafik. «Fez» erscheint im Frühjahr auf Xbox Live Arcade. Unlogisch: Demruth, das australische Studio, das «Antichamber» entwickelt hat, bezieht sich auf die optischen Täuschungen von MC Escher: Spieler werden durch ein Labyrinth geometrischer Level geschickt, die die Logik aushebeln. Das Game wurde am IGF mit dem Award für Technical Excellence belohnt. Spielend zeichnen: Gezeichnete Elemente verwandeln sich in «Crayon Physics Deluxe» in physische Objekte, mit denen Puzzle gelöst werden. Der Puzzle-Racer «Audiosurf» integriert vom Spieler ausgewählte eigene Musik ins Game und passt entsprechend den Tunes die Strecke an. «Dear Esther» wurde am IGF 2012 für die exzellente Grafik ausgezeichnet. Die Geistergeschichte ist erhältlich im Steam-Store. Im taktischen Strategiespiel «Frozen Synapse» positioniert der Spieler eine Squad, ohne zu wissen, was der Gegner tut. Rundenbasiert eliminieren sich daraufhin die Gegner. Erhältlich für PC, Mac und Linux. Das charmante Puzzle-Spiel «Machinima» gehört zu den frühen Stars der Indie-Szene. Erhältich für PC, Mac, Linux und iOS. Das 2D-Puzzlespiel «World of Goo» wurde mehrfach ausgezeichnet und mittlerweile über eine Million mal aus dem Appstore heruntergeladen. Erhältich für PC, Mac, Linuxs, iOS, Wii und Android. «Spelunky» wurde am IGF 2012 mit dem Excellence-in- Design-Award ausgezeichnet. Das Plattformer-Game kreiert bei jedem Spielen komplett neue Level. Das comicartige Browsergame «Storyteller» lässt Spieler willkürlich Figuren in die Geschichte platzieren, worauf sich diese anders entwickelt. Das Spiel von Daniel Benmergui wurde am IGF ausgezeichnet.

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Als das Browsergame-Studio Zynga 2010 von der «New York Times» im gleichen Atemzug mit Internet-Giganten wie Google, Facebook und Twitter genannt wurde, lag die traditionelle Spielindustrie bereits verfettet in ihrem selbst gemachten Bett – unbeweglich und schockiert. Wie aus dem Nichts war Zynga mit dem Spiel «Farmeville» aufgetaucht und hatte kurzerhand die Gesetze des traditionellen Spielmarktes ausgehebelt.

Der unerwartete Erfolg von «Farmville» lenkte das Augenmerk auf eine Szene von jungen Gameentwicklern, die im Schatten der grossen Publisher seit einiger Zeit am Werkeln waren und die sich ein verlässliches Netzwerk aufgebaut hatten: die Macher der Independant Games, kurz Indie Games.

Repetitionsreflex der Grossen

Droht der Spielindustrie damit das gleiche Schicksal wie einst den Musikgiganten? Auch diese war mit der Digitalisierung vor drei und dem Internet vor zwei Jahrzehnten auf dem falschen Fuss erwischt worden, als plötzlich junge Künstler auf den Markt traten, die ihre Aufnahmen nicht nur selber herstellten, sondern auch gleich selbst vertrieben. Die Musikfirmen gerieten in eine Schockstarre: Sie verliessen sich plötzlich nur noch auf ihre besten Pferde im Stall, fürchteten Experimente und brachten sinnbildlich das ewig gleiche Lied heraus. Wie ein Sprung in der Platte.

Auf denselben Repetitionsreflex verlässt sich die Spielindustrie: Wie ein heilbringendes Mantra veröffentlichen die grossen Publisher das stets Gleiche in aufpolierter Form. Zwar spielen Games wie «Call of Duty 8: Modern Warfare 3» oder «Fifa 12» beträchtliche Beträge in die Kasse der Gamegiganten. Wegen schwindender Gesamteinnahmen drohen ihnen jedoch drastische Abmagerungskuren. Für viele Entwickler hat bereits das Totenglöcklein geläutet.

Guerilla-Taktik

Die fröhliche Musik spielt hingegen in der Indie-Szene. Hier hat sich ein dichtes Netzwerk von innovativen Köpfen gebildet, welche Games herausbringen, die nicht nur frischer und spannender sind als die ewig gleichen Blockbuster, sondern sich auch gut verkaufen.

So konnte der «Landwirtschaftssimulator» aus der Schweizer Schmiede Giants Software in Frankreich als erstes Indie Game alle Blockbuster auf die hinteren Ränge verweisen: Die Simulation war 2011 das am besten verkaufte Game Frankreichs. Online-Vertriebsplattformen wie der App Store und Steam, sowie die Möglichkeit, Browsergames auf eigenen Websites oder in Socialmedia-Gefässen wie Facebook zu publizieren, ermöglichen es den unabhängigen Spielentwicklern, mit wenig Geld Games herzustellen und davon leben zu können. Die grossen Publisher umschiffen sie elegant.

Neue Wege der Spiele-Finanzierung

Was die Finanzierung betrifft, verlassen sich viele Indies ebenfalls auf moderne Methoden: Geld beschaffen sie sich mittels Crowd-Sourcing. Fans eines Spiels bezahlen auf einer Fundraising-Website Kleinbeträge ein, die im Gesamten zu stolzen Beträgen führen können. Entwickler-Guru Tim Schäfer hat so kürzlich für das Spiel «Double Fine Adventures» innerhalb von 24 Stunden eine Million US-Dollar gesammelt – nachdem sein Projekt mehrere Male von grossen Publishern abgelehnt worden war.

Es sind Game-Perlen wie das kürzlich veröffentlichte Spiel «The Journey», das mit den IGF Award ausgezeichnete «Fez» oder schräge Stories wie jene von «Machinarium», die der Indie-Szene Aufmerksamkeit garantieren. Dafür sorgen auch zahlreichen Festivals wie das Independent Game Festival in San Francisco, die Next Level Conference in Köln oder das Amaze Festival in Berlin. Regelmässig werden an diesen Events innovative Spiele vorgestellt und ausgezeichnet.

Alte Hasen und Visionäre

Entdeckt wird die lebendige Szene derzeit auch von Filmern. Am alternativen Sundance Film Festival wurde kürzlich die Dokumentation «Indie Game: The Movie» mit einem Award ausgezeichnet. Die Entstehung des Spiels «The Journey» dokumentierte die neuseeländische Filmerin Stephanie Berth im Film «Us and the Game Industrie». Sie verglich die Indie-Gameszene in einem Interview mit der britischen Zeitung «The Guardian» mit der Gegenkultur der Sechzigerjahre.

Aber auch die alten Hasen der Industrie wenden sich den Indie-Games zu: Neben dem erwähnten Tim Schäfer hat jüngst die Entwicklerlegende Peter Molyneux («Black & White», «Fable») verlauten lassen, dass er das Microsoft-Studio Lionhead verlasse, um fortan beim Indie-Entwickler 22 Cans seine Ideen zu verwirklichen. Auch sie wollen dort mittanzen, wo die Platte keinen Sprung hat.

«Fez»


(Quelle: Vimeo)

«Dear Esther»

«Antichamber»


(Quelle: Youtube)

«Spelunky»


(Quelle: Youtube)

«Frozen Synapse»


(Quelle: Youtube)

Crayon Physics Deluxe


(Quelle: Vimeo)

(jag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Graber am 22.03.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    So schauts aus...

    Ich schau schon gar keine normalen games mehr an sondern nur noch Indie Titel. Normale Games werden für immer dümmeres Zielpublikum erstellt und sind nur noch Abklatsche alter Spiele. Möglichst kein Risiko eingehen, keine revolutionären Ideen einbringen und kein Bugtesting machen. Spiele werden nur noch gemacht um Geld zu scheffeln. Da lob ich mir Indie Spiele die noch von Entwicklern mit Visionen erstellt wurden. Das sieht man, und das unterstütze ich auch sehr gerne mit meinem Geld.

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  • Daniele am 23.03.2012 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Danke für diesen Beitrag, ich bin schon seit Jahren Fan der Indie-Szene, wo Kreativität und gute Ideen mehr zählen, als millionenschwere Lizenzen.

  • JJ am 22.03.2012 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler in Bildstrecke

    Machinarium nicht Machinima :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Muster am 23.03.2012 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön und Gut

    Wurde in dem Beitrag tatsächlich "Farmeville" gelobt? Zugegeben, ab und zu findet sich ein gutes Indie-Spiel, aber eins das mich so fesselt wie Monkey-Island, C&C, Fallout oder ein sonstiges Game von der bösen Spueleindustrie habe ich bis jetzt noch nicht gesehen.

    • Kante am 24.03.2012 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      bitte schön...

      Braid, Limbo und unepic sind alles Ein-Mann-Indy Produkte die jedes deiner genannten AA Titeln wegbläst

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  • Zlottl am 23.03.2012 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Grossartige Indie Games

    Für mich die besten Games, die derzeit immer noch weiterentwickelt werden: "Towns" und "Kerbal Space Program". Zwei grossartige Indie Games die mich allemal mehr faszinieren als jene, die momentan die Top-10 Listen füllen.

  • Daniele am 23.03.2012 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Danke für diesen Beitrag, ich bin schon seit Jahren Fan der Indie-Szene, wo Kreativität und gute Ideen mehr zählen, als millionenschwere Lizenzen.

  • P. Baumann am 23.03.2012 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    LIMBO

    Ihr habt LIMBO vergessen :D

  • HB Fan am 22.03.2012 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    Humble Bundle

    Aktuell läuft gerade wieder eine Humble Bundle-Aktion. Dabei handelt es sich um Crossplatform-Games (d.h. für Linux, Mac, Windows und seit dem letzten Bundle auch für Android). Das ganze ohne Kopierschutz (daher auf mehreren Geräten installierbar) und das beste: Man kann bezahlen was man will. Da gab es bereits einige Perlen, neben den oben genannten Frozen Synapse, World of Goo, Machinarium, Crayon Physics auch Trine und viele mehr... Ich kaufe praktisch keine anderen Games mehr...

    • vintersphrost am 24.03.2012 20:53 Report Diesen Beitrag melden

      indie royal

      yeah, die hol ich mir auch immer, sowie die indie royal, die haben auch geile bundles!

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