Merkel an Gamescom

22. August 2017 22:00; Akt: 22.08.2017 22:00 Print

«Landwirtschaft – das kenn’ ich!»

Viel Häme gabs im Vorfeld für den Auftritt der deutschen Bundeskanzlerin an der Gamescom. Doch Angela Merkel schlug sich nicht nur am «LaWi»-Simulator gut.

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In Deutschland ist Wahlkampf, und da zählt bekanntlich jede Stimme. Auch diejenigen von Gamerinnen und Gamern. Dass die Bundeskanzlerin ausgerechnet den Termin vier Wochen vor der Bundestagswahl für ihren Gamescom-Auftritt nutzt, hat ihr aber nicht nur Sympathien, sondern auch Häme eingebracht. Viele Gamer sehen sich als instrumentalisiert und für dumm verkauft.

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Doch Merkels Besuch an der grössten Spielmesse Europas geht weit über die Wahlen hinaus. Denn die deutsche Gamebranche ist als Industriezweig von der Politik inzwischen anerkannt – wenn auch zu wenig ernsthaft, glaubt man Game-Entwicklern. Diese fordern für ihre Branche eine staatliche Unterstützung, wie es sie in anderen Ländern längst gibt. Die stellte Merkel bei ihrer Eröffnungsrede dann auch prompt in Aussicht.

Keine konkreten Zusagen

Zwar gebe es bereits eine ganze Reihe von Förderprogrammen der Bundesregierung im digitalen Bereich, so die Kanzlerin in ihrer Rede. Doch bei der Unterstützung der Branche sei Deutschland alles andere als der «Spitzenreiter» in der Welt. «Deshalb ist mir der Wunsch Ihrer Branche nach weiteren Förderungsmöglichkeiten sehr wohl klar.»

Die Kanzlerin regte für die kommende Legislaturperiode Gespräche mit allen Akteuren an, um den deutschen Spielentwicklern ähnliche Chancen zu ermöglichen wie der Konkurrenz. Denn Computerspiele seien aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Mit über 500 Unternehmen sei die Branche ein «starker Pfeiler des Innovationsstandorts Deutschland». Allerdings: Konkrete Zusagen blieben aus.

Tabuthema Shooter

Noch ein heikles Thema gab es für Merkel bei ihrem Gamescom-Besuch. Immer wieder hatten Parteikollegen der Bundeskanzlerin in der Vergangenheit Shooter für Gewaltdelikte indirekt oder sogar direkt verantwortlich gemacht. Über einen möglichen schädlichen Einfluss von Gewaltspielen auf die Entwicklung junger Menschen werde «immer wieder diskutiert», sagte die Kanzlerin deshalb in ihrer Rede.

Ausser Frage stehe für sie, dass es eine «zweifelsfreie, pauschale Antwort darauf nicht geben kann, dass die Sorgen und Bedenken aber immer wieder von uns ernst genommen werden sollten». Ein verantwortlicher Umgang mit Spielen sei «von allergrösster Bedeutung». Auch die Suchtthematik sei ein Problem, das man nicht ignorieren dürfe.

Souveräner Rundgang

Erstaunlich locker zeigte sich Merkel dann beim Messe-Rundgang bei diversen Herstellern. Bei Ubisoft erkundigte sie sich nach der Programmiersprache für die Neuvorstellung «Anno 1800», bei Sony liess sie sich ein VR-Rennspiel vorführen.

Richtig heimisch fühlte sie sich dann am Stand von Astragon, wo sie im «Landwirtschaft Simulator 18» einen Traktor über die Felder steuerte und lachend kommentierte: «Landwirtschaft – das kenn’ ich noch von früher!»

(rtl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lecramsong am 22.08.2017 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissen

    Auch wenn ich Sie nicht besonders mag, Sie weiss wo Sie sich zeigen muss.

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  • Frau mittleren Alters am 22.08.2017 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt mir

    Als kompetenter Polit-Profi wie auch als integrer Mensch gefällt sie mir einfach, die Merkel!

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  • Barns.w am 23.08.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Junge Wähler halt. Wer in der Politik bleiben will muss auf junge Menschen setzen. Schon nur über Youtube haben viele Gamer eine grosse Platform (PewDiePie). Die sollte man gewinnen. Finanziel lohnt es sich auch sehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B.R. am 23.08.2017 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlkampf? Ja, aber!

    Mag ja sein, dass der Wahlkampf eine wichtige Motivation für die Kanzlerin war. Trotzdem würde ich mich zurückhalten mit Kritik, denn die Signalwirkung, die damit gesetzt wird, kommt der Spieleindustrie in DE nur zugute. Sieht für mich eher nach einer win/win Situation aus. Ausserdem würde ich mir wünschen, dass Schweizer Politiker unsere heimischen Gamesentwickler und digitale Startups auch nur halb so ernst nehmen würden wie DE - zumal selbst DE gewaltigen Nachholbedarf hat, aber zumindest sieht man es dort ein und versucht sich zu verbessern.

  • Apop85 am 23.08.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anno 1800

    Wen interessiert denn bitte die Programmiersprache? Das besondere an Anno 1800 ist dass es eins der wenigen Aufbaustrategiespielen ist welche die UE4 engine nutzen :)

  • Barns.w am 23.08.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Junge Wähler halt. Wer in der Politik bleiben will muss auf junge Menschen setzen. Schon nur über Youtube haben viele Gamer eine grosse Platform (PewDiePie). Die sollte man gewinnen. Finanziel lohnt es sich auch sehr.

    • Pinkie am 23.08.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Barns.w

      Beim Interview mit LeFloid (3Mio. Abos) im 2015 hat sie mit Bravur gezeigt, dass sie eingesehen hat, wie sie die Jugend erreichen kann. Dass aber Youtuber so auch ausgenutzt werden können, bestätigt LeFloid im Anschluss gleich selbst. Kann das Interview nur empfehlen.

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  • Typhoeus am 23.08.2017 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Bundeskanzlerin, einfach

    Mädchen für Alles.

  • Luke, 21 am 23.08.2017 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nostalgie

    Anno... Ich liebe diese Spielserie. 1701 ist mein Favorit und erinnert mich immer wieder an mein kleines Ich vor genau 10 Jahren. Merci für die Info 20min. :)

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