Ludicious 2017

27. Januar 2017 17:24; Akt: 27.01.2017 17:24 Print

Von brennenden Königen bis zu Serious Games

von Jan Graber - Das Ludicious Game-Festival in Zürich weckt das internationale Interesse. Auch für den Nachwuchs wird am Fest der Spiele aber gesorgt.

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Einige der Spiele des diesjährigen Ludicious Festivals: «Reign» versetzt Spieler in die Rolle eines Königs, der möglichst lange die richtigen Entscheidungen treffen muss. Bis er am Ende dennoch ans Kreuz genagelt und verbrannt wird. Brain Runners ist ein gedankengesteuertes Rennspiel aus der Serious-Games-Schmiede der ZHdK in Kooperation mit der ETH. Mit Gedanken werden Spielfiguren beschleunigt und über Hindernisse geschickt. In «ViSP - Virtual Space Port» wird in der virtuellen Realität eine dreidimensionale Spacestation geschaffen. Das Aufbau-Strategiespiel aus der Schmiede der HTW Berlin erlaubt das Erstellen komplexer Strukturen, die rundum betrachtet werden können. Im kompetitiven Multiplayergame Everblind steuern zwei bis vier Spieler unsichtbare, magische Bälle, um die Gegner vom Spielbrett zu fegen und ein goldenes Artefakt zu erobern. «Don't Kill Her» ist ein mysteriöses, poetisches und absurd herziges Plattformspiel aus der Feder des Schweizer Gamedesigners Jéremy Cuany, der unter dem Pseudonym Wuthrer Games entwickelt. Nippel-Gate? Der tragbare Liebes-Coach «New Pretender» von Mathilde Buenerd (Head Geneva) soll mit spielerischen manipulativen Techniken helfen, das weibliche Geschlecht zu verführen. Inklusive Brustwarzen-Kontroller. Das vom Film Noir inspirierte Game «Interrogation» versetzt Spieler in die Haut eines Kriminalbeamten, der innerhalb von fünf Minuten drei Verdächtige zum Standort einer versteckten Bombe ausfragen muss. Gejager Jäger: Im Stealthgame «Nocturnal Hunt» schlüpfen Spieler ins Fell eines Wolfs, um die menschlichen Jäger zu eliminieren und den Nachwuchs zu schützen. «Plunder Planet», das Fitnesstraining für Kinder und Jugendliche, stammt aus der Gamedesign-Schmiede der ZHdK und wird mit dem Einsatz des ganzen Körpers gespielt. Im farbenfrohen Partyspiel «Lance a Lot», das von Studenten der Schwedischen Universität Skövde entwickelt wurde, versuchen vier Ritter sich gegenseitig von ihren Raketen zu fegen. Das grafisch opulente Action-Simulationsspiel «Nimbatus» aus Schweizer Feder erlaubt es Spielern, ihre Drone Stück um Stück auszubauen und ein prozedural generiertes, sprich endloses Universum zu erforschen. Im Puzzlegame «Hue» verändern Spieler das Farbspektrum der Spielwelt, um versteckte Wege sichtbar zu machen und Hindernisse zu überwinden.

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Als das Ludicious Game-Festival im Frühherbst 2014 erstmals auf dem Kasernenareal in Zürich stattfand, handelte es sich um ein gewagtes Experiment. Würde das Game-Fest, das aus dem Nichts aus dem Boden gestampft wurde und sich vor allem an Profis wandte, überhaupt Interesse wecken? Es weckte – bereits für die zweite Ausgabe konnte beispielsweise die Gameentwickler-Legende John Romero («Doom») zu den Gästen gezählt werden.

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Vom 26. bis 29. Januar findet nun die dritte Ausgabe des Game-Festivals statt, und zunehmend pilgern internationale Branchenprofis ans Festival – nicht zuletzt, weil an der Konferenz neu auch Serious Games und die neusten Gametechnologien der ETH und der Disney Studios thematisiert werden. So sind beispielsweise Exponenten der Entwicklerstudios Eidos («Deus Ex»), Square Enix («Just Cause»), CPP («Eve Online»), Google Play als Redner bestätigt. Internationale Game-Medien haben das Festival ebenfalls auf dem Radar.

Ein Muss für Schweizer Entwickler

Die Reputation als bedeutender Treffpunkt hat mit einem der Schwerpunkte des Festivals zu tun: der Verknüpfung der Gamedesigner mit Businessprofis. «Mit Ludicious Business versuchen wir, Geldgeber und Entwickler zusammenzubringen», sagt Festivalleiter Dominik Marosi. Vor allem die Vorselektion der über 300 eingereichten Games durch eine Jury werde von den Businessprofis gelobt. Die Selektion erleichtert es ihnen, in die vielversprechendsten Projekte zu investieren.

Für viele Schweizer Designer ist das Festival ein fast zwingender Termin, da sie hier ihre Arbeiten internationalen Playern vorstellen können, ohne ins Ausland reisen zu müssen. Jeremy Spielmann, Lead-Gamedesigner von «First Strike» und «Cloud Chasers», bestätigt: «Die Qualität und das internationale Renommee machen das Festival für Schweizer Entwickler zu einem Muss.» Das Festival sei ein wichtiger Türöffner.

Nachwuchs ansprechen

Nicht nur den Profis eröffnet das Festival neue Möglichkeiten, sondern auch dem interessierten öffentlichen Publikum – besonders dem Nachwuchs. Zwar hatte die Festivalreihe bereits früher einen offen zugänglichen Teil. Dieses Jahr findet aber erstmals «Ludicious Family» statt – ein Gratisprogramm für Familien, Kinder und Erwachsene. Neben zahlreichen internationalen und einheimischen Indie-Games sind auch Virtual-Reality-Spiele sowie experimentelle Arbeiten und Game-Installationen der ZHdK und der Filmakademie Baden-Württemberg als Gast-Universität zu sehen – vieles davon Prototypen, die sich nur hier ausprobieren lassen. Darunter ist zum Beispiel der Liebes- und Manipulations-Simulator «New Pretender», zu dem ein Nippel-Controller gehört und der sich wohl eher an ein erwachsenes Publikum richtet.

Ein wichtiger Fokus liegt aber auf den kommenden Generationen. Gleich drei Workshops bieten Kindern die Möglichkeit, eigene einfache Spiele zu entwerfen und Einblick in die Entwicklung von Games zu erhalten. Damit wird folgerichtig bereits heute für die Zukunft des guten internationalen Rufs der Schweizer Gameentwicklung gesorgt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GameDev am 29.01.2017 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis...

    Leider ist die aktuelle Entwicklung ein Armutszeugnis für den schweizer Kreativgeist. Hauptfokus Serious Games und Mobile, sagt ja schon alles über den Wert des Standorts Schweiz. Ich meine wir Schweizer können viel, aber an Fantasie mangelt es leidern einem Grossteil der Entwickler. Bloss nichts riskieren, heisst die Devise. Schade. Liebe Branchenkollegen: 90% der Gamer spielen aus Leidenschaft, nicht weil sie sich für die tolle Technik dahinter interessieren.

  • MK am 29.01.2017 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Diese Hypeveranstaltung um Möchtegernspiele überblendet Jahr um Jahr die richtigen Entwickler der Schweizer Szene, wovon wir hier doch einige haben. Den Kommentaren entnehme ich, dass die Qualität der Spiele nicht akzeptiert wird und die meisten Spieler hier zustimmen. Vielversprechendes wird zurzeit entwickelt, schon länger, dauert aber seine Zeit wie die meisten hier richtig festgestellt haben. Ich persönlich versuche und werde versuchen meinen Teil beizutragen. In der Zwischenzeit: Lasst euch nicht blenden und urteilt weiter kritisch. Es schadet nichts mehr einer aktuell schwachen Schweizer Industrie als Hypes um Luft!

  • Simon am 27.01.2017 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum relevant

    Ich vermute mal da werden in erster Linie Talelente angeworben und Kontakte geknüpft. Was es da an "news" gibt ist nicht überlebenswichtig für die Branche( lässt sich sowieso heutzutage alles per stream anschauen). Und was da an neuen Games so präsentiert wird haben wir ja im letzten Artikel gesehen. Indie low budget produktionen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MK am 29.01.2017 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Diese Hypeveranstaltung um Möchtegernspiele überblendet Jahr um Jahr die richtigen Entwickler der Schweizer Szene, wovon wir hier doch einige haben. Den Kommentaren entnehme ich, dass die Qualität der Spiele nicht akzeptiert wird und die meisten Spieler hier zustimmen. Vielversprechendes wird zurzeit entwickelt, schon länger, dauert aber seine Zeit wie die meisten hier richtig festgestellt haben. Ich persönlich versuche und werde versuchen meinen Teil beizutragen. In der Zwischenzeit: Lasst euch nicht blenden und urteilt weiter kritisch. Es schadet nichts mehr einer aktuell schwachen Schweizer Industrie als Hypes um Luft!

  • GameDev am 29.01.2017 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis...

    Leider ist die aktuelle Entwicklung ein Armutszeugnis für den schweizer Kreativgeist. Hauptfokus Serious Games und Mobile, sagt ja schon alles über den Wert des Standorts Schweiz. Ich meine wir Schweizer können viel, aber an Fantasie mangelt es leidern einem Grossteil der Entwickler. Bloss nichts riskieren, heisst die Devise. Schade. Liebe Branchenkollegen: 90% der Gamer spielen aus Leidenschaft, nicht weil sie sich für die tolle Technik dahinter interessieren.

  • Simon am 27.01.2017 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum relevant

    Ich vermute mal da werden in erster Linie Talelente angeworben und Kontakte geknüpft. Was es da an "news" gibt ist nicht überlebenswichtig für die Branche( lässt sich sowieso heutzutage alles per stream anschauen). Und was da an neuen Games so präsentiert wird haben wir ja im letzten Artikel gesehen. Indie low budget produktionen...

    • Georg am 28.01.2017 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      Wohl ein Kenner

      Bei solchen Kommentaren denke ich dann immer: da war ein Kenner am Werk...der nur superlässige AAA games spielt und keinen Schimmer von der Vielfalt der weltweiten Industrie hat. Indie oder nicht indie hat übrigens nichts mit der qualität der Spielmechanik zu tun, da können einige AAA Titel einpacken.

    • Simon am 28.01.2017 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Georg

      Ja da gebe ich ihnen recht ich spiele wirklich fast ausschlisslich AAA Titel und ich bin Stolz darauf sagen zu können das ich diese Games auch wirklich spiele. Ist keine Seltenheit das ich pro Spiel 2000 Spielstunden habe. Würde mir nie im Traum einfallen für ein Wochenende ein kleines Indie- Game runterzuladen und das Teil nach 5 Spielstunden abzuschlissen. Ich bin ganz ehrlich, ich belächle die Entwickler von Indie-Games ein wenig, für meine Anforderungen taugen ihre Produktionen grösstenteils nicht, auch wenn sie gute Absichten haben.

    • Mike am 31.01.2017 09:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Simon

      Bei vielen AAA Titeln kann man ja gar keine 2000 Spielstunden verlochen. Fast sämtliche Ego Shooter fallen ja schon mal weg. Die hat man sowieso in unter 20 Stunden durch (hoch geschätzt). Würde gerne wissen wo Sie 2000 Stunden brauchten. Das ist ja nicht mal für Witcher, GTA oder Fallout nötig. Mit einigen Spielen aus dem Zwischenbereich von Indie und Professionellen Spielen kann man hingegen sehr viel gute Zeit haben.

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