Die andere Game-Messe

02. November 2012 13:52; Akt: 02.11.2012 14:20 Print

Hier zocken Kinder «Call of Duty»

von Jan Graber, Paris - Es ist sicher nicht die grösste, aber wohl die lauteste: Die Paris Games Week ist die schräge Game-Show von nebenan. Und hier spielen gar die Jüngsten bluttriefende Kriegsspiele.

Bildstrecke im Grossformat »
Rund um die Welt heiss begehrt: Am Stand für «Call of Duty: Black Ops 2» bildete sich die längste Schlange. Unter den Wartenden: viele Minderjährige, die das ab 18 Jahren freigegebene Spiel zocken wollen. Auf der PS Vita läuft «CoD: Black Ops 2» ebenfalls und die Jungs haben ungehinderten Zugang zum Spiel. Die Paris Games Week wartet mit allem auf, was das Gamerherz höher schlägen lässt: Figuren in lebensechter Grösse wie Snake aus «Metal Gear Solid», ... ... verkleideten Darstellern, die um die Aufmerksamkeit eines Games wie zum Beispiel «Dishonored» buhlen, ... ... verkleideten Fans, die das Augenmerk auf sich selber lenken wollen, ... ... Objekten, die die Vermischung aus Realität und virtueller Welt zelebrieren, ... ... und natürlich Booth Babes, mit denen sich die Gamesfans gerne ablichten lassen. An der Paris Games Week gehörten diese beiden Schönheiten allerdings zu den Ausnahmen. Dafür boten Sie (fast) alles, wovon jugendliche Männer träumen. Die zweitlängste Schlange bildete sich vor «Assassin's Creed 3», den dritten Platz nahm «Halo 4» ein. Bei den Jünsten begehrt war hingegen «Little Big Planet Karting». Obwohl sich Tanzspiele oft schlecht verkaufen, wird an den Gamemessen mit viel Aufwand um sie geworben - meist ohrenbetäubend laut. Im Gegensatz zur Gamescom, wo Nintendo durch Abwesenheit glänzte, war das japanische Unternehmen an der Paris Games Week prominent mit der Wii U vertreten. Sony warb an gut sichtbarer Stelle mit dem «Wonderbook», einem Augmented-Reality-Game für Kids. Die Anonymous-Maske scheint bei Zockern beliebt und war an der Paris Games Week mehrfach anzutreffen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Aus den Boxen am Messestand von Sony dröhnt es, als stünde das Ende der Welt vor der Tür. Auf der Bühne wird in vollem Elan getanzt; ein Animator schreit sich dazu die Kehle heiser. Keine zehn Meter weiter halten zwei als Polizistinnen verkleidete Boothbabes einem jungen Mann ihre Knarren an den Kopf, während dieser dümmlich grinst. Es wird eifrig fotografiert und ähnlich blöd dazu gelacht.

Gegenüber hat Nintendo seine Messe-Dépendance aufgeschlagen, die Besucher drücken auf den Wii-U-Controllern rum. Am gegenseitigen Ende der Halle stehen sich derweil Hunderte die Füsse in den Bauch – sie stehen für «Call of Duty: Black Ops 2» an und bilden mit Abstand die längste Schlange, die in der Messehalle zu finden ist.

Ausschliesslich für die Fans

Willkommen zur Paris Games Week, der Publikums-Gamesmesse, die dieses Jahr zum dritten Mal in der französischen Hauptstadt stattfindet – mit wachsendem Erfolg. Die Messe steht allerdings im Schatten der grossen Conventions wie der E3 in Los Angeles oder der Gamescom in Köln: Für die internationalen Gamesmedien hat die Paris Games Week keine Bedeutung. Keine Hardware-Ankündigungen sind hier zu erwarten, kein zuvor unbekanntes Spiel lenkt den Fokus auf sich.

Die Paris Games Week hat jedoch etwas zu bieten, was die Gamescom vor Neid erblassen lassen dürfte: Zur kleinen Messe, die in nur einer, dafür einer riesigen Halle stattfindet, haben sich beinahe alle Publisher eingefunden. Nintendo und Microsoft, die an der Gamescom durch Abwesenheit glänzten, sind hier mit grossen Ständen vertreten. Einzig Sonics Mutterhaus Sega fehlt erneut.

Jugendschutz ist für die anderen

Die Pariser-Messe findet zu einem für die Publisher günstigen Zeitpunkt statt. «Frankreich ist nach England der zweitgrösste Gamemarkt», weiss Sascha Komaromy von Playstation Schweiz. «Die meisten hier gezeigten Spiele sind gerade erst erschienen oder stehen kurz vor der Veröffentlichung.» Was bedeutet, dass die Besucher hier die neusten Games ausprobieren und danach auf ihre Weihnachtswunschliste setzen können. Das Publikum setzt sich denn auch aus auffällig vielen jungen Besuchern zusammen, kaum je begleitet von Erwachsenen.

Mit dem Jugendschutz scheinen es die französischen Dépendancen der Publisher sowieso nicht allzu genau zu nehmen. In der «Call of Duty»-Schlange warten zahlreiche Kids, die kaum älter als zehn Jahre sind. Auch auf der PS Vita wird «Call of Duty» von Gamern gespielt, deren erster Bartwuchs ähnlich weit in der Zukunft liegt wie die Waffentechnologie der Games, die das Tom-Clancy-Siegel à la «Ghost Recon» tragen. Blutrünstiges und Brutales wartet in rauen Mengen auf die Kids: Von «Hitman: Absolution» über «Dishonored» und «Halo 4» bis zu «Assassin’s Creed 3» wird an der Paris Games Week alles gezeigt, was bei jungen und alten Actionfans gerade angesagt ist.

Die charmante Seite der Messe

Zu sehen ist indessen nicht nur der Hardcore-Stoff. Ebenso buhlen Games wie «Skylanders: Giants», Sonys Vorzeige-Augmented-Realityspiel «Wonderbook: The Book of Spells» und zahlreiche Tanzspiele mit ohrenbetäubendem Lärm um die Gunst des jungen Publikums. Einen prominenten Platz nimmt zudem ein Bereich ein, der gross mit «Junior» betitelt ist und wohl als Spielplatz für die Kleinen wie auch als Alibiübung dafür zu verstehen ist, dass die Minderjährigen daneben Games für Erwachsene zocken dürfen. Der Junior-Bereich beeindruckt indessen vor allem durch seine gähnende Leere – kein Kid, das hier spielen will.

Trotz nicht optimalem Schutz für die Kinder: Die Paris Games Week kann zwar mit den grossen Messen nicht mithalten, was Neuigkeiten aus dem Gameuniversum anbelangt, dafür aber wartet sie mit einer familiären und entspannten Atmosphäre auf, wie man sie an Gamescom & Co. vergeblich sucht.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Berner am 02.11.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeiten ändern sich

    Heutige Kinder wachsen, vorausgesetzt ihre Eltern geben ihnen eine gewisse Begleitung mit, sehr gut in der Fähigkeit auf, zwischen Spiel und Realtiät zu unterscheiden. Wir älteren (d.h. ab 40) und die erste Internetgeneration musste erst noch damit umgehen lernen, was leider auch etlichen Gewalttaten zugrunde lag. Wer CoD nicht zuhause spielen darf, tut es einfach auswärts und total unkontrolliert - das ist die Realität. Ich werde CoD 2 drum ebenfalls wieder für meinen 12jährigen Sohn besorgen. Die Altersgrenze hat wohl aber für komplett unbetreute Kids schon ihre Berechtigung.

    einklappen einklappen
  • Trz am 02.11.2012 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gar nicht gut

    Ich finde das nicht gut

    einklappen einklappen
  • mr. sympathie am 02.11.2012 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitverschwedung

    zeitverschwendung - nicht das zocken, sondern irgendwelchen festgefahrenen leuten zu erklären, dass es mit sozial- und medienkompetenz zu hat, wenn kinder falsch damit umgehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • v.k. am 05.11.2012 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    What about Facebook?

    Statt den mangelnde Konsequenz beim Jugendschutz bzgl Computerspiele zu bemängeln, sollte die Politik vermehrt auf den Jugendschutz in zusammenhang mit Social Networks etc. achten!

  • Ursula am 05.11.2012 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hier sollte der liebe SP Näf hin

    Da der liebe mann ja in der CH alles verbieten will so auch im Strassenverkehr..und in anderen Ländern wird munter weitergelebt ohne Profilierungs-Neurotiker und irgendwelchen sinnlosen Vorschriften und Verboten...

  • Sonia Rodriguez am 04.11.2012 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Call of Duty

    Ein gesundes Familien leben und kontrolliertes gamen ist kein Problen, ich weis ganz genau was meine Kinder 12-14 spielen und ja dazu gehört call of Duty MW3, habe auch selber mit gespielt um zu sehen wie es ist. Viele vergessen das bei uns als wir Kinder waren kein Jugendschutz gab oder nur Teilweise. Da muss alles was mit Gewalt zu dun hat verboten werden, starwars Schwerte, Cowboy Pistolen und viele Plastik gewähre. Trickfilme wie narudo Avatar usw.

  • Marco am 04.11.2012 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbote sind Reize sie zu brechen.

    Mein Sohn dürfte und spielt CoD und MoH, aber nach 1 oder 2 Missionen findet er das langweilig und zockt Minecraft weil dies viel kreativer ist. Mittlerweile findet er Egoshooter im allgemeinen die schlechtesten Games. LS2012, MC, Bausims, das ist für ihr cool. Hätte ich ihm das verboten, würde er es viel lieber und mehr tun wollen. Verbote sind immer ein reizwort um es zu brechen!

  • joel amrein am 03.11.2012 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    12 jährige COD aggro kidis

    wenn wir erhlich sind ich,17, spielte mit 8 das erste mal einen shooter, wenn wir genau sind ghost recon. wenn ich mal mein cod blops oder COD Modern warfare2 oder 3 zocke sind da eh nur meistens kleine kidis die das spielen im alter von 12. ich finde im nachinein war es eine doffe idee schon so früh damit zu beginnen und bin froh dass mein vater es mir verboten hat und dies auch in die tat umgesetzt hat.

Sudoku
Kreuzwortraetsel
Bubble Shooter