Game Review

24. September 2017 21:49; Akt: 22.09.2017 19:42 Print

«PES 2018» – mehr Realismus, wenig Lizenzen

Hinter «Fifa» bleibt «Pro Evolution Soccer» jeweils nur die Silbermedaille. Vielleicht hat man deshalb nun einen mutigen Schritt in Richtung Realismus gemacht.

Game-Reviews
«PES 2018» – mehr Realismus, aber noch immer nicht genug Lizenzen
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ACTION/SPORT. Hinter «Fifa» bleibt «Pro Evolution Soccer» jeweils nur die Silbermedaille. Vielleicht hat man deshalb nun einen mutigen Schritt in Richtung Realismus gemacht.
Jahr für Jahr das gleiche Bild: Im September hagelt es Sportspiele – und man fragt sich, ob man denn auch wirklich ein neues «Fifa» oder «PES» braucht. Dieses Jahr kann man diese Frage aber zumindest bei «Pro Evolution Soccer» mit ja beantworten. Denn «PES 2018» unterscheidet sich deutlich von seinem Vorgänger. Es ist realistischer, dadurch aber auch anspruchsvoller geworden.
Während also «Fifa» den Mix aus Realität und Arcade immer mehr Richtung Spielhallenspass verschiebt, ist «PES» das Spiel für Fussballfans. Die Pässe müssen genau sein, sonst kommen sie nicht an. Der Gegner ist clever und effizient. Das Tempo ist zäh, die Spielkultur holprig, die Taktik manchmal falsch – genau wie auf dem Fussballplatz.
Man darf gespannt sein, wie das Spiel bei den Fans ankommt. Denn wer nur Fun an der Konsole oder am PC haben will, sollte lieber das EA-Game spielen. Bei Konami sind die Schüsse oft zu wenig hart, die Dribblings nicht erfolgreich, die Mitspieler Träumer. Auch bei den Standards gibt es als Hilfe keine Flugbahnsimulation mehr.
Leider gilt der neue Super-Realismus bei «PES» noch immer nicht für die Lizenzen. Konami hat nur die Rechte für Champions League und Europa League, doch die meisten Teilnehmer fehlen. Und: Während die französische sowie holländische Liga komplett lizenziert sind und viele Vereine aus England, Spanien und Italien immerhin mit verfremdeten Namen dabei sind, ist ausgerechnet die Bundesliga grösstenteils Tabu. Schade.
Dennoch: Mit seiner realistischen Ausrichtung hat Konami einen clever Zug getan. Denn in Sachen Spielspass und Story kann man «Fifa» nicht das Wasser reichen. Doch für Fans, die den Unterschied zwischen einem 4-4-2 und einem 4-5-1 kennen, ist «PES 2018» eine coole Ergänzung. (srt)

«PES2018», für PC, PS4, Xbox One, Konami, erschienen

Wertung: ★ ★ ★ ★ ☆

«Last Day of June» – grosse Gefühle, intensive Farben
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ADVENTURE/PUZZLE. Es gibt Spiele, bei denen nicht nur die Action zweitrangig ist, sondern auch der Inhalt.

Was bei ihnen zählt, ist die Atmosphäre. Zu diesen Spielen zählt «Last Day of June» – eine bittersüsse Erzählung, die gänzlich ohne Dialoge und nahezu ohne Mimik auskommt. Der Inhalt: Ein namenloser Held sitzt im Rollstuhl. Kürzlich erst hat er seine Frau verloren. Einsam verbringt er seine Tage in seinem Haus, geplagt von den Erinnerungen an sein verlorenes Leben. Doch als er das Atelier seiner verstorbenen Frau untersucht, findet sich er sich plötzlich in die Zeit vor seinem verhängnisvollen Unfall zurückversetzt. Allerdings nicht als er selbst, sondern in Gestalt seiner Nachbarn. Kann er auf diese Weise sein Schicksal verändern? – Mit intensiven Aquarellfarben und melancholischer Musik entwickelt «Last Day of June» eine ganz spezielle Stimmung. Sicherlich kein Game für Jedermann, doch wer sich auf die emotionale Geschichte einlässt, wird belohnt. (rtl)

«Last Day of June» für PS4, PC br>
Wertung:
★★★★☆

«Destiny 2»: Die Fortsetzung der grossen Sci-Fi-Soap-Opera
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Mit «Destiny 2» geht das teuerste Game-Epos aller Zeiten weiter. Teil zwei wurde von viel unnötigem Ballast befreit.

Als 2013 das Action-Rollenspiel «Destiny» erschien, war es nicht nur das am teuersten produzierte Game seiner Zeit, sondern auch das am meisten gehypte. Und dasjenige, das die Erwartungen trotz der guten Qualität nicht erfüllte.

Mit «Destiny 2» ist nun fast sang- und klanglos die Fortsetzung erschienen. Wieder stürzen sich Spieler als Guardians ins Gefecht gegen die Feinde der Menschheit. Wie im ersten Teil besteht das Spiel aus einer Mischung aus Egoshooter-Action und Rollenspiel, bei dem sich die eigene Spielfigur hochleveln lässt. Die Spieler wählen aus drei Klassen aus, nehmen unterschiedliche Missionen an, liefern sich allein oder als Mitglieder von Online-Clans Gefechte mit den – oft zu repetitiv wirkenden – Gegnern, unter denen sich aber stets auch richtig harte Brocken finden.

Obwohl auch schon Kritik laut geworden ist, dass «Destiny 2» eher eine Erweiterung des ersten Teils sei als ein vollwertiges Spiel, macht der zweite Teil mehr Spass als der Vorgänger. Das Game wirkt leichter und zugänglicher und erinnert stellenweise an Klassiker wie «Mass Effect» und «Fallout» sowie an den Egoshooter-Überkracher «Halo», der bekanntlich ebenfalls vom «Destiny»-Entwicklerstudio Bungie ins Gameuniversum entlassen wurde. Besonders gelungen ist die Einzelspielerkampagne mit einem Superbösewicht, der sicher in den Olymp der üblen Kerle einziehen wird: Ghaul, ein Fiesling mit dem Hühnerhautfaktor eines Darth Vader. (Jan Graber, 14.9.2017)

«Destiny 2» für PS4, Xbox One; Bungie, Activision. Wertung:★★★★☆

«Knack 2»: Endlich macht das Feinde-Verdreschen Spass
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Der Klötzchenmann Knack ist zurück und hat dieses Mal wirklich etwas auf dem Kasten.

2013 erschien das Prügel-Actiongame «Knack» und erhielt, gelinde gesagt, nicht allzu gute Bewertungen. Nun ist der Nachfolger «Knack 2» für die PS4 erschienen und macht alles besser. Spieler schlüpfen ins Klötzchenkleid des Helden Knack, den es in zwei Grössen gibt: als schlagkräftige XL-Version, die sich mittels zerstörter Gegenstände noch um ein paar X ausbauen lässt, und als XS-Version – als gewieften, und superschnuckeligen Mini-Knack ohne Schlagkraft, dafür mit der Gabe, sich durch Ritzen, Rohre und andere enge Durchgänge zu zwängen. Mit einem Tastendruck wechselt der Spieler zwischen grosser und kleiner Version hin und her.

Das Ziel des Spiels ist simpel: alle gegnerischen Kampfmaschinen verdreschen, die die Menschheit bedrohen, und dabei selbst nicht in Einzelteile zerlegt werden. «Knack 2» ist ein farbenfroher Prügelspass mit angenehm flüssiger Steuerung, fliessender Action und ein paar durchaus witzigen Momenten. (jag, 14.9.2017)

«Knack 2» für Playstation 4; Sony Japan Studio, Sony. Wertung:★★★★☆

Überzeugendes Teenie-Drama mit Mut zu Zwischentönen
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ERZÄHLUNG. Das Mystery-Game «Life Is Strange» war ein echter Überraschungs-Hit. Nun erzählt ein dreiteiliges Prequel die Vorgeschichte.
In Hollywood hat man für ­Geschichte wie in «Life Is Strange» ein eigenes Genre ­geschaffen: Coming-of-Age-Filme sorgen immer wieder für Highlights, das Thema Erwachsenwerden ist ein Dauerbrenner. Auch die Game-Industrie hat das Potenzial erkannt und 2015 mit «Life Is Strange» ein episodenhaftes Teenie-Drama lanciert.
Das Highschool-Drama dreht sich um eine Jugend­liche, deren Geschichte man als Spieler mitbestimmen kann. Maxine, die Heldin, kehrt darin in ihre Heimatstadt zurück. Dort wird sie von albtraum­haften Visionen geplagt. «Life Is Strange» wirkte oft wie ein Mix aus «Twin Peaks» und «Donnie Darko», nicht nur weil Maxine die Zeit manipulieren kann.
Das Drama wurde ein voller Erfolg – vor allem bei Spielern, die auch mal ihre Hirnzellen benutzen wollen. Nun ist mit «Awake» der erste Teil einer dreiteiligen Fortsetzung erschienen. Wobei «Before the Storm» eher ein Prequel ist, das die Vorgeschichte aufarbeitet.
Im Mittelpunkt steht diesmal die 16-jährige Chloe, eine echte Rebellin. Ihre Freundin Maxine ist weggezogen, Chloe fühlt sich allein. Zudem ist ihr Vater bei einem Unfall ums ­Leben gekommen; den Freund ihrer Mutter hasst sie. Dann trifft sie die schöne Rachel, und ihr Leben verändert sich. Doch Spieler von «Life Is Strange» wissen: Auch Rachel wird auf mysteriöse Weise verschwinden.
Das Gefühlschaos junger Menschen wird in «Before the Storm» erneut eindrücklich abgebildet. Vielleicht noch stärker, weil diesmal auf Gimmicks wie Zeitreise-Funktionen verzichtet wurde. Cooler Indie-Sound untermalt ein berührendes Drama, das Raum für Zwischentöne und Selbstreflexion lässt. Auch das kann Gamen sein. (rtl)

«Life Is Strange: Before the Storm – Awake», DLC für PS4, PC und Xbox One, erschienen
Wertung: ★★★★☆
«F1 2017»: Formel-1-Klassiker drückt auf das Gaspedal
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ACTION/SPORT. Da festigt ­jemand mit Nachdruck ­seine Poleposition unter den Rennspielen: Nach ein paar schwächeren Ausgaben deutete schon das letztjährige «F1»-Spiel an, dass die Rennserie von Codemasters noch einmal richtig aufs Gas drückt.
Und tatsächlich: Fahr­physik und Karrieremodus konnten voll überzeugen. Umso überraschender, dass «F1 2017» gerade in diesem Bereich nochmals tüchtig raufschalten kann: Vor allem die Möglichkeiten, mit einem Forschungsteam an der Technik zu ­feilen, machen den neuen Karrieremodus zu einem Highlight. Realistischer geht es kaum, da schaut man auch über die nach wie vor etwas hölzernen ­Figuren hinweg.
Ebenfalls top: Die neuen Einladungsrennen, in denen man mit historischen F1-Wagen wie McLaren MP4/6 oder alten Williams Herausforderungen meistern muss. Ein gelungener Versuch, frischen Wind in den Rennspiel-Klassiker zu bringen. Zumal «F1 2017» nach wie vor das einzige Game ist, das alle Lizenzen in der aktuellen Formel 1 auffahren kann. (srt)

«F1 2017», für PC, PS4, Xbox One, Codemasters, erschienen

Wertung: ★★★★☆

«The Escapist 2»: Gefangen in der Komplexität des Games
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Nach dem Achtungserfolg von «The Escapist» ist mit «The Escapist 2» die aufgebrezelte Fortsetzung des Indie-Knastausbruchspiels erschienen.

Wie im ersten Teil schlüpfen Spieler in die Rolle eines Gefängnisinsassen mit nur einem Ziel im Kopf: auszubrechen. Wie im echten Leben graben sie sich aber nicht bloss einen Tunnel oder hängen zusammengeknüpfte Laken vors Zellenfenster: Akribisch folgen sie der Gefängnis routine, während sie nebenbei mit Gefälligkeiten die Unterstützung von Knastbrüdern gewinnen, Schwachstellen suchen, Gegenstände sammeln, um Werkzeuge und Waffen herzustellen und den Ausbruch planen. Auf die Spieler warten Kittchen unterschiedlicher Grösse.

«The Escapist 2» wartet mit einer verbesserten Grafik auf, kann aber auch frustrieren: Damit der Ausbruch gelingt, braucht es Durchhaltewillen und Planung. «The Escapist 2» bleibt im Grunde aber Gefangener seiner eigenen Komplexität. (jag, 31. August 2017)

«The Escapist 2» für PS4, Xbox One, PC, Mac, Linux; Mouldy Toof, Team 17. Wertung:★★★★☆

«Agents of Mayhem» – bunte Knallerei in Südkorea
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ACTION / SHOOTER. Schon wieder ein «Overwatch»-Abklatsch? Die Parallelen zum Blizzard-Hit sind bei «Agent of Mayhem» nicht von der Hand zu weisen. Dennoch hat der Open World-Shooter genügend Ideen, um als eigenständiges Baller-Spektakel Fans zu gewinnen.

Die Story: Die Agenten-Vereinigung Mayhem soll den Schurkenclub von Legion zur Strecke bringen. Deren Boss Dr. Babylon will mit hochentwickelten, futuristischen Waffen die Weltherrschaft erlangen. In Seoul kommt es zum grossen Knall. Insgesamt zwölf abgedrehte Agenten schickt man in der südkoreanischen Metropole gegen die irren Bösewichte in den Kampf. Die Story ist oft ziemlich gaga – aber genau das macht den Reiz von «Agents of Mayhem» aus. Vor allem die zwölf Comichelden sind originell ausgedacht, die Sprüche sitzen.

Weniger überzeugend ist die offene Welt an sich, und auch die Missionen gleichen sich. Trotzdem: Als Abwechslung ist dieser «Saints Row»-Ableger willkommen – «Overwatch» kann man ja später wieder zocken. (srt)

«Agents of Mayhem», für PC, PS4, Xbox One, erschienen

Wertung: ★ ★ ★ ☆ ☆
«The Long Dark»: Überleben in der erbarmungslosen Natur
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Der Tod kommt in «The Long Dark» nicht von Monstern, sondern von der Natur. Die ersten beiden Episoden bringen Spieler an ihre Grenzen.

Ein Flugzeugabsturz. Pilot Will Mackenzie erwacht in eisiger Kälte mit einem Metallsplitter in der Hand, seine Passagierin ist verschwunden. Wills Kräfte lassen rapide nach: Wenn er nicht umgehend die Wunde versorgt und für Wärme sorgt, ist sein Ende besiegelt. So beginnt das knüppelharte Survival-Exploration-Game «The Long Dark», dessen Titel bezeichnet, was stets droht: das lange Dunkel, der Tod. Während das Game ab 2014 in verschiedenen Vorstufen spielbar war, sind nun die ersten beiden offiziellen Episoden erschienen; Ende August folgt die Fortsetzung.

«The Long Dark» setzt Spieler der vollen Wucht einer erbarmungslosen Natur aus. Zunächst nur mit dem Rudimentärsten ausgerüstet durchforschen sie die Umgebung nach Brenn- und Essbarem. Allein schon ein Feuer am Leben zu erhalten, erweist sich als Herausforderung. Bald kommen Hunger und Durst hinzu.

Indem Spieler die Umgebung erforschen, Überlebensnotwendiges sammeln und selbst herstellen, versuchen sie, Mackenzie am Leben zu erhalten. Scheitern gehört dabei zum Spiel. Mit jedem neuen Versuch lernt man, die früheren Fehler zu vermeiden, und bald kann sich Mackenzie auf die Suche nach der verschollenen Frau machen.

«The Long Dark» ist atmosphärisch dicht und animiert Spieler geschickt, trotz Misserfolgen weiterzumachen und den Helden immer weiter hinaus in die erbarmungslose Natur zu schicken. (Jan Graber, 17. August 2017)

«The Long Dark» für PS4, Xbox One, PC, Mac, Linux; Hinterland Studio. Wertung: ★★★★☆

Multiplayer-Schlacht, die in die Luft geht: «Lawbreakers»
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«Lawbreakers» stammt von einem bekannten Namen und bietet blitzschnellen Multiplayer-Ballerspass.

Ursprünglich sollte «Lawbreakers» free-to-play sein, jetzt kostet das Multiplayer-Game trotzdem. Macht nichts, denn der durchgeknallte Shooter aus der Feder von Cliff Bleszinski («Unreal Tournament», «Gears of War») ist das Geld wert. Im Online-Shooter treten zwei Teams in schwerelosen Arenen gegeneinander an. Neun unterschiedliche Klassen stehen für den Kampf bereit, jede verfügt über Spezialfähigkeiten, um die Gegner im Nahkampf, aus der Ferne, blitzschnell von oben oder mit geballter Feuerkraft aus dem Verkehr zu ziehen. «Lawbreakers» ist ultraschnell: Wer während den Gefechten zu lange nachdenkt, wird ins binäre Nirvana geblasen – um beim Respawn auf Wunsch mit einer anderen Klasse zurückzukehren. Fünf Modes und acht Karten warten auf die Spieler. Das cool gestaltete Multiplayer-Game ist nichts für Zauderer und macht wegen des Speeds und der unkomplizierten Gefechte eine Menge Spass. (jag, 17. August 2017)

«Lawbreakers» für PS4, PC; Boss Key, Nexon. Wertung: ★★★★☆

(rtl)

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