Psychologie

12. Mai 2015 23:05; Akt: 13.05.2015 11:21 Print

Games und Pornos machen Männer kaputt

von Ph. Stirnemann - Die Sucht nach Videospielen und Pornos hat sich zur Krise unter jungen Männern ausgeweitet. Das sagt einer der berühmtesten US-Psychologen.

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Gaming und Pornos sind eine gefährliche Mischung. (Symbolbild Keystone/Martin Ruetschi)

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Philip Zimbardo hat mit seinem berüchtigten Stanford-Prison-Experiment 1971 weltweit für Aufsehen gesorgt (siehe Box). Nun warnt er junge Männer in seinem neusten Buch «Man (Dis)Connected» vor exzessivem Konsum von Games und Pornos. Der Professor der Universität Stanford in Kalifornien hat dafür das Leben von 20'000 jungen Amerikanern und ihre Einstellung zu Games und Pornografie untersucht.

Dabei konzentriert er sich auf diejenigen jungen Männer, die praktisch nichts anderes machen, als allein in ihrem Zimmer Videospiele zu zocken. Und anschliessend die Game-Pausen nutzen, um Pornos zu gucken – insgesamt rund zwei Stunden pro Woche. Aus dieser Kombination von Gaming und Pornokonsum ergebe sich eine neue Art Sucht, die sich bereits zur Krise unter jungen Männern entwickelt habe, sagte Zimbardo zu BBC World. Die betroffenen langweilen sich in der Schule, haben kein Interesse am Kontakt mit anderen Menschen und verabschieden sich aus der Gesellschaft.

Erektionsstörungen und Veränderungen im Gehirn

Das Forscherteam um Professor Zimbardo ist in seiner Studie zu weiteren alarmierenden Erkenntnissen gekommen. So hätten sich bei den Betroffenen auch Gehirnfunktionen verändert. Als Folge dessen litten die exzessiven Gamer an Erektionsstörungen, weil die Pornos, die sie antörnen sollten, genau das Gegenteil bewirkten.

Laut Zimbardo muss die Gesellschaft erkennen, dass es sich hierbei um ein ernstes Problem handelt. In der Pflicht stehen für ihn vor allem die Eltern, die Einfluss darauf nehmen müssten, wie lange ihre Kinder allein im Zimmer mit Games und Pornos verbringen. Von Pädagogen fordert der Psychologe Aufklärung an Schulen.

«Nicht in Panik geraten»

Nicht ganz so dramatisch sieht es «Doktor Sex» Bruno Wermuth, Sexualberater von 20 Minuten. Er ist der Meinung, dass man sich aufgrund der Studie keine allzu grossen Sorgen machen soll. Zimbardo spreche von einer ganz bestimmten Gruppe junger Männer, «nämlich derjenigen der exzessiven Gamer mit Suchttendenz». Diese seien nicht mit dem durchschnittlichen jungen Mann zu vergleichen, der ab und zu Games spiele und sich pornografische Bilder und Filme anschaue. Da sich exzessive Gamer aber an der Grenze zur Sucht bewegten, müsse ihnen besondere Beachtung geschenkt werden, so Wermuth.

«Sogar als Gamer bin ich der Ansicht, dass exzessives Gaming über Wochen ohne ernstzunehmende Abwechslung für das psychische Wohlbefinden kaum förderlich sein dürfte», sagt Thomas Riediker, Präsident der Vereinigung Gamerights, zur Studie: «Allerdings liegt, wie bei allem, die Krux im Exzess.» Die Vereinigung, die sich für die Interessen von Gamern in der Schweiz einsetzt und die Medienkompetenz fördern will, weist darauf hin, dass jeder Mensch unterschiedlich sei und auf verschiedene Stimulanzien anders reagiere.

Riediker ist der Meinung, dass keine Freizeitbeschäftigung exzessiv und unter völligem Ausschluss aller anderen Aktivitäten betrieben werden sollte, «vor allem dann, wenn sie in Isolation ausgeübt wird». Allerdings bemerkt er, dass die meisten Gamer heute online mit ihren Freunden spielen: «Auch wenn der wichtige physische Kontakt fehlt, kann dabei nicht von kompletter Isolation gesprochen werden.»

Zustimmung für Zimbardo

Mit Zimbardos Lösungsansätzen stimmen «Doktor Sex» und der Gamerights-Präsident überein: Aufklärung und Prävention sind wichtig und Betroffenen muss geholfen werden. Wermuth ergänzt: «Man weiss aus Studien, dass die Wirkung von pornografischen Darstellungen auch vom Wissen und von der Medienkompetenz der jugendlichen Konsumenten abhängt.»

Deshalb fordert auch er Eltern auf, das Nutzungsverhalten hinsichtlich Games und Internet so weit wie möglich zu kontrollieren und mit den Jugendlichen über die Wirkung von Games und Pornografie zu sprechen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leon am 12.05.2015 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Achja?

    Das Einzige was mich kaputt macht sind immer diese Studien...

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  • Ex-Pornosüchtiger am 12.05.2015 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Prävention

    Ich habe eine sehr lange Pornosucht hinter mir. Ich weiss nicht genau, ob es bei mir wirklich eine Sucht war. Immer, wenn mir langweilig war, bin ich halt auf einschlägige Seiten gegangen. Dass mir langweilig war, lag wohl daran, dass ich selten hinausging und Freunde traf. Die Prävention in der Schweiz bezüglich Pornosucht ist sehr mangelhaft. Da wird im Gegenteil davon gesprochen, dass der Konsum von Pornos völlig normal sei. Damit wird ein falsches Bild bei Jugendlichen erzeugt. Ich sehe das in meinem Umfeld. Seit paar Monaten bin ich clean.

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  • Mr.Porno am 13.05.2015 00:28 Report Diesen Beitrag melden

    Medien

    Mir werden auch jeden Tag Pornos vorgeworfen von den Medien. Cora Schumacher , Starr des Tages, Halbnackte Frauen in Werbungen usw. Gar nicht so einfach ohne Pornos durch das Leben zu kommen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fred am 13.05.2015 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pornos zu langweilig 

    Gamekonsolen fressen die Zeit weg. Man verlernt alles und verfault. Sex ist allerdings ganz einfach : zu anstrengend.

  • Taffe Lilly am 13.05.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr macht Euch etwas vor

    Suchtzocken plus Pornos führen zum Ende der männlichen Vorherrschaft. Dankeschön, wir Frauen schaffen jetzt endlich eine bessere Welt.

  • Samuel Reusser am 13.05.2015 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    jungen Männer nicht mehr Vöglen

    Jetzt können die jungen Männer nicht mehr Vöglen, haben wir sonst noch gravieredere Probleme?

  • Studienstudierer am 13.05.2015 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Sucht???

    wir finden zu unseren Wurzeln zurück: SEX und GEWALT. Im Ernst: ich glaube schon, dass es eine starke Tendenz zu Medien-Sucht gibt. Aber ich würde sie einfach nur Mediensucht nennen. Und Isolation.

  • Krise junger Männer am 13.05.2015 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    verschiedenes

    - Es gibt Dinge, die kann man nicht lernen, wenn man sich nicht zu einem gewissen Grad isoliert. - Eine andere Studie besagt, dass Frauen mehr Computerspiele konsumieren. - Einige der wichtigsten Beiträge zu unserem Wissen kamen von sozialen Totalversager - Es gibt durchaus sehr grosse Unterschiede zwischen Game und Game oder Porno und Porno, Gamer/innen und Pornoschauer, man müsste wohl nicht nur die Dauer messen.

    • Taffe Lilly am 13.05.2015 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Chaos brutus tantissimus

      So ein Riesendurcheinander in Ihrer Argumentationslinie, da wird mir definitiv schwindlig. Ja, Frauen zocken viel weniger und konsumieren kaum Pornos und begehen noch dazu viel weniger Straftaten. Überdurchschnittlich viele Frauen lassen sich jedoch scheiden, weil ihre Männer dies tun.

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