Gamerhass

24. März 2017 18:34; Akt: 24.03.2017 18:34 Print

Frauen erneut im Kreuzfeuer von Gamern

von Jan Graber - Animationen in «Mass Effect: Andromeda» haben zu einer Hexenjagd auf eine Designerin geführt. Warum? Und wie wird darauf reagiert?

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Es war ein neuer unrühmlicher Moment für die Gamer-Community. Aufgrund etwas unglücklicher Gesichts-Animationen im Action-Adventurespiel «Mass Effect: Andromeda» geriet eine Animatorin des Gamepublishers Electronic Arts ins Kreuzfeuer; eine amerikanische Website hat sie als Lead-Animatorin des Games identifiziert.

Darauf entwickelte sich eine regelrechte Hexenjagd auf die junge Designerin, die sich gern auch als Cosplayerin in Szene setzt. Auf ihren Social-Media-Kanälen wurde sie heftig angegriffen und mit ätzenden und frauenfeindlichen Kommentaren eingedeckt. Zu Unrecht, wie sich herausstellte: Das Entwicklerstudio Bioware liess umgehend verlauten, dass die Betroffene fälschlicherweise als Lead-Facial-Animatorin genannt worden war, und bezog Stellung: «Individuen zu attackieren, egal, auf welche Weise sie ins Projekt involviert sind, ist nie akzeptabel.»

Es ist indessen nicht das ersten Mal, dass eine Frau ins Kreuzfeuer der Gamer-Community kommt. Bereits 2014 wurden Gamedesignerinnen von männlichen Gamefans aufs Heftigste beschimpft und mit frauenfeindlichen Statements bis hin zu Morddrohungen eingedeckt – Stichwort: Gamergate.

Zu wenig Hirn

«Jugendliche männliche Gamer verstehen ein Spiel oft als ihr eigenes Reich, in dem sie ihre Kompetenz beweisen können», sagt Daniel Süss, Leiter des Psychologischen Instituts an der ZHAW. Wird dieses Reich auf unerwünschte Weise beeinträchtigt – sei es durch enttäuschte Erwartungen oder Kritik daran von aussenstehenden Personen – entzündet sich die Wut. Taucht zudem eine Frau als mögliche Verursacherin auf, ist die Reaktion umso heftiger.

Eine Rolle spielt der Entwicklungsprozess des Jugendlichen: «Der Frontalkortex ist bei Jugendlichen nicht voll ausgebildet», sagt der Medien- und Jugendpsychologe. Da der Frontalkortex, also das Stirnhirn, auch für die Impulskontrolle zuständig ist, haben Adoleszente ihre Impulse noch weniger im Griff. Zusätzlich wirkt laut Süss die Enthemmung durch das Internet: «Hier fühlen sich alle auf Augenhöhe, eine Hierarchie fehlt.» Innerhalb einer gleichgesinnten Community entsteht eine Eigendynamik. «Von Angesicht zu Angesicht würde der Jugendliche der Betroffenen gegenüber nicht auf diese Weise Dampf ablassen», sagt Süss.

Geld für Girls Make Games

Zu entschuldigen sind die Angriffe damit trotzdem nicht. Deshalb liessen die Gegenreaktionen nicht lange auf sich warten. Die Online-Plattform Kotaku.com, die den Fall publik machte, nahm kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die Trolle rundheraus als «Scumbags» (Drecksäcke). Die Designerin Alex Neonakis von Naughty Dogs spendete aus Protest gegen die Hetzjagd 1000 Dollar an die Plattform Girls Make Games. Die Plattform will Frauen für die Gameindustrie gewinnen. Prompt erntete auch sie hässliche Twitter-Kommentare – und verdoppelte kurzerhand ihre Spende für Girls Make Games. Mittlerweile haben es ihr rund 20 Entwickler nachgemacht und gespendet.

Uneinsichtig zeigt sich der Autor der Website. Statt sich für den Fehler zu entschuldigen, bezichtigt er mittlerweile Bioware der Lüge. Bioware hingegen hat Verbesserungen zu den Animationen in «Mass Effect: Andromeda» angekündigt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Armin Bucher am 24.03.2017 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    CLICK BAIT

    Hat nix mit ihr als Frau zu tun, die Animationen sind für so ein teuer entwickeltes Game einfach unterste Schublade. Da wäre auch ein Mann genau so drunter gekommen. Aber momentan ist ja Women Empowerment wieder voll in, darum auch der reisserische Titel.

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  • grenacher am 24.03.2017 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Psychologische Intelligenz

    Gametitle werden in hohen Mass angepriesen mit hohen Versprechen an die Fan-gemeinde, kosten Millionen von Dollar über ein paar Jahre Entwicklungszeit und man ist nicht fähig oder willens eine vernünftige Grafikqualität , Gameplay oder eben auch Gesichtsanimation zu programmieren , was anscheinend Freitzeit-Modder besser hinkriegen und verkauft dann dieses Spiel für teures Geld an die Kundschaft. Diese warten Sehnsüchtig auf eben diesen versprochenen Titel seit Jahren und werden sowas von herbe entäuscht, man merkt das es nur darum geht Kohle abzugreifen mit Titeln die Hammer waren.

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  • K. T. am 24.03.2017 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verkauf

    Ich arbeite im Verkauf in der Game-Abteilung. Manchmal werde ich als Beraterin gemieden oder man fragt nach meinem Kollegen - weil ich weiblich bin. Amüsant, wenn der Kollege den Kunden dann zurück zu mir schickt. :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Miranda am 28.03.2017 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Grafik

    Mir ist die Grafik schon lange nicht mehr wichtig. Klar, die Gesichter sind aus dem letzten Jahrzehnt und ich find es schon ein bischen peinlich für so ein Spiel. Aber mir ist lieber, das Spiel hat wenig Bugs, ein gutes Gameplay und eine gute Story. Die Grafik steht bei mir weit hinten auf der Prioritätenliste. Insofern finde ich das Ganze halb so tragisch. Mass Effect macht einfach Spass und ich werde sicherlich wieder x Stunden damit verbringen. Schliesslich will eine ganze Galaxie erkundet werden :-)

  • Emoticons am 28.03.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll die Überschrift?

    Das hat wirklich nichts mit Frauen zu tun, wenn es ein Mann versaut hätte, hätt eben er auf den Deckel gekriegt.

  • Finn The Human am 28.03.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gamergate - super Beispiel

    Warum Frau Quinn attackiert wurde dürfte wohl jeder wissen mittlerweile. Bei ME die Designer zu attackieren ist jedoch dumm, die Projektleitung hätte das Spiel einfach noch nicht freigeben dürfen. Aber die Pre-Order Zahlen machen halt druck. Statt nochmal 3 Monate zu arbeiten und alles richtig zu machen lieber Patchen.

  • Dä Jesus am 27.03.2017 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kiddies mag niemand.

    Junge männliche Gamer, also die, die dieses Spiel sowieso nicht spielen dürften? Das sind die sogenannten Kiddies, die eigendlich jedem auf den Sack gehen, mit ihren piepsigen und lautstarken Wutausbrüchen wegen dem kleinsten bisschen, hauptsächlich aber wenn es nicht so läuft wie Kind es sich vorstellt beziehungsweise sein Gott Komplex nicht befriedigt wird. Mit Gamern haben die aber nicht viel zu tun. P. S. Nicht jeder minderjährige Spieler ist ein Kiddie, wer über Fairplay und Selbstbeherschung verfügt, wird auch respektiert, auch wenn er/sie erst 12 ist.

    • Naith am 28.03.2017 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dä Jesus

      Nach meiner erfahrung in den letzten 10 Jahren sind die sogenennten Gamer Kiddies zwischen 18 und 24 Jahre alt. Minderjährige Gamer sind dagegen meist recht höflich und anständig.

    • Dä Jesus am 29.03.2017 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Naith

      Dann spielen wir offensichtlich nicht im selben Internet.

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  • Captain Crunch am 27.03.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Spiel absolut i.O.

    Hab das Spiel am Samstag angespielt und muss sagen die Gesichtsbewegungen sind ein bisschen -wie soll ich sagen- "nicht Zeitgemäss". Aber es hat einen kleinen retro Touch und erinnert an vergangene grössen wie z.B. Halflife. Stört also garnicht. Viel Schlimmer finde ich hingegen die viel zu kleine Schriftgrösse im Menu.

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