Download-Piraten

30. Januar 2012 12:42; Akt: 30.01.2012 16:02 Print

Die unersättliche Gier nach Gratis-Downloads

von Jan Graber - In der Diskussion um Gratis-Downloads und Urheberrechte spielen Downloader und Industrie mit gezinkten Karten. Hier die Gier nach Gratis-Filmen oder -Games, dort die masslose Profitgier.

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Auf Beutefang: Laut der Website torrentfreak.com führt das Egoshooterspiel «Crysis 2» die Charts der illegalen Game-Downloads mit fast 4 Mio. Stück an. «Lego Pirates of the Caribbean» nimmt den vierten Platz bei den Wii-Downloads ein (siehe auch Infobox).

Zum Thema
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Wenn eine Hacker-Community einem multinationalen Konzern ans Bein pinkelt und ihn blossstellt, kommt rasch schelmische Freude auf. In uns regt sich das Robin-Hood-Gen. Vorgeführt wird uns die Verletzlichkeit eines unangreifbar scheinenden Grosskonzerns.

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Andererseits ist aber auch eine gewisse Genugtuung spürbar, wenn Piratenplattformen wie Megaupload hops gehen: Das Stehlen und kostenlose Anbieten von Gütern wie Games sorgt gerade auch deshalb für Unbehagen, weil es mit einer solchen Selbstverständlichkeit geschieht. Wird ein Exponent wie Megaupload ans Kreuz genagelt, büssen quasi Dritte für unsere eigenen Sünden – ohne nun Megaupload mit Jesus vergleichen zu wollen.

Traue keinem

Zwar lässt sich behaupten, eine Hackergemeinschaft sei nicht mit Download-Portalen gleichzusetzen. Die Realität zeigt anderes: Umgehend nach der Verhaftung der Megaupload-Akteure wurden von der Hacker-Clique Anonymous Webseiten von US-Behörden angegriffen und lahmgelegt. Im Visier stehen seit längerem auch Konzerne, die sich für eine stärkere Urheberrechts-Kontrolle einsetzen.

Mit wem aber sollen wir Mitleid haben? Mit der geschädigten Industrie? Oder doch eher mit den Robin Hoods des Internets, die uns gratis mit Filmen, Musik, Games und Software versorgen? Am besten mit keinem, denn sie alle spielen mit falschen Karten.

Persönlicher Gewinn vor Freiheit

Zuvorderst die Verteidiger der Gratis-Downloads: Reflexartig werden Begriffe wie «Freedom of Expression» ins Feld geführt, wenn es um die Freiheit des Internets und der freien Verfügbarkeit von Medien geht. «Freedom of Expression» wird allerdings auch als Freiheit interpretiert, alles kostenlos zu erhalten, was im World Wide Web verfügbar ist. Vielen Downloadern geht es denn auch gar nicht um diese Freiheit, sondern um den persönlichen Gewinn – darum, möglichst schlau zu sein und von den Gratis-Downloads zu profitieren. Wenn Anonymous und vergleichbare Gruppierungen für diese Freiheit kämpfen, setzen sie sich paradoxerweise für etwas ein, dass sie bei ihren Gegnern – den Konzernen – anprangern: die Gier.

Was uns auf die Seite der Industrie bringt; auch sie spielt kein faires Spiel. Zwar argumentiert sie, dass die Arbeit hinter den Gütern Geld koste und die Angestellten entlohnt werden müssen - und hat damit natürlich recht –, fordert von denselben Angestellten im gleichen Atemzug jedoch Leistungen, die zu gesundheitsbedenklichen Situationen führen. So geschehen beim grossen Spiele-Entwickler Rockstar San Diego im März 2009 und beim Team Bondi, den Herstellern von «L.A. Noire». Die Industrie entlarvt ihre wahren Absichten: den Profit für den Konzern, sprich Manager, Verwaltungsräte und Shareholder.

Umdenken notwendig

Profitdenken auf der einen Seite, die Geiz-ist-geil-Mentalität auf der anderen Seite: Dass in einem solchen Klima kein greifbares Urheberrecht zustande kommt, das allen dient, versteht sich von selbst – beide Seiten misstrauen der jeweiligen anderen aufs tiefste. Sowohl die kürzlich in den USA heissgelaufene Diskussion um das Anti-Pirateriegesetz SOPA (der «Stop Online Piracy Act», der mittlerweile auf Eis gelegt wurde) als auch die gebetsmühlenartige Reaktion von Anonymous sind Auswirkungen eines falschen Spiels. Nicht zuletzt wegen des inhärenten Charakters des Internets hat sich bei uns aber eine Gratis- und Profit-Kultur entwickelt, die nicht nur der Diskussion schadet, sondern auch dem Wertigkeitsempfinden von uns allen. Hier sollte möglichst schnell ein Umdenken stattfinden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • filmgucker am 30.01.2012 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Teufel mit den Scheiben-Herstellern

    Ich lade aus Prinzip herunter. Ich besitze über 400 DVDs / BluRays, allerdings kaufe ich mittlerweile kaum mehr. Grund: Als erstes erscheinen Clips, die mich unter Generalverdacht stellen, danch folgen (am schlimmsten bei Disney) x Trailer, die ich nicht sehen will. Danach ein möglichst mühsam gestaltetes Menü. Ich will den Film gucken, sonst nix. Und erst recht nicht von einer gekauften! DVD als Raubkopierer beschimpft werden.

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  • Fabian K. am 30.01.2012 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Selbs Schuld

    Der Hauprgrund, dass ich Filme herunterlade, ist nicht, weil es kostenlos ist, sondern wegen der unmittelbaren Verfügbarkeit. Würde eine offizielle Alternative existieren (wie es bei Southpark der Fall ist) würde ich diese nutzen.

  • Alan am 30.01.2012 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    SOPA

    So leid es mir für euch "arme" Musiker, Entwickler und eure Lobbyorganisationen tut: die Einschränkung unserer Freiheit ist kein akzeptabler Eingriff, um euer abgelaufenes Geschäftsmodell am Leben zu erhalten. Die Einführung von Gesetzen, die eine ständige Überwachung freier Bürger und eine staatliche Zensur vorsehen, ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen. Und genau darum geht es den Politikern und Korporatisten, die SOPA vorgeschlagen haben: nicht um Urheberrecht, sondern um Macht und Einfluss.

Die neusten Leser-Kommentare

  • t. burger am 02.02.2012 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Lizenz kaufen für alle Plattformen!

    Viele Spiele gibt es auf verschiedenen Plattformen und können nur mit EINEM Account mit ONLINE -Verbindung gespielt werden. Das heisst breiterer Absatzkanal und weniger Aufwand/ Raubkopien. Trotzdem ist der Preis immer noch sehr hoch und die Lizenz gilt nur für eine Plattform!? Da ich das Spiel nicht mal weiterverkaufen kann ist das nicht gerade fair!? Oder!

  • tommy76 am 01.02.2012 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geldgeile Gameindustrie

    Ich kaufe die meisten Spiele günstig 2ndhand. Das ist bei neueren Spielen nicht möglich. Auch Raubkopien sind nicht mehr möglich! Trotzdem sind die Spiele nicht günstiger, dass ist unfair! Spiele müssen deutlich günstiger werden und man sollte auch nur die Lizenz kaufen müssen, damit man das Spiel für jede Plattform herunterladen kann (PC, PS3, XBIX 360 usw...)

  • TheRedThing am 31.01.2012 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    IPhone Games 

    ich habe mich als iPhone Entwickler selbststaendig gemacht. Resultat nach 1 Monat seit erstes Game erhaeltlich ist: 830 verkaufte Games und ueber 15000 von Piraten runtergeladen. Motivation weiterzumachen: 0

  • Antiacta am 31.01.2012 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ACTA/SOPA - schlecht recherchiert

    meiner meinung nach sehr schlecht recherchiert...klar teile von anonymus überschneiden sich mit den 'profiteuren' aber dieser angriff ist nicht primärm wegen megaupload geschehen! Es ist ein aufruf an die öffentlichkeit gegen SOPA & ACTA ( was hier nicht mal erwähnt wurde). Diese bestimmung sind nämlich weitreichender als der schutz vor dem video download. Aber wer weiss das schon? Regierungen verhandeln im geheimen und unsere medien berichten nicht darüber...

    • antisopa am 31.01.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      Die Meisten

      Die Meisten hier wissen nicht einmal, dass es die ganze Welt betrifft (CH inklusive) und nicht nur die USA. Wer sich das gefallen lassen willl, bitte sehr...

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  • Dein Nachbar am 31.01.2012 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgewogenheit

    Ich persönlich sauge nach den Empfehlungen der Uploader. Wenn mir der Film oder das Game nur zu gut gefällt, gehe ich es gerne kaufen (fight club z.b.). Ein Film wie "Mama Mia" war für meinen Geschmack pure Geldverschwendung und für so einen schmarn, zahle ich keine fünf Rappen. Dieser Ansturm gegen Leechers und Seeders ist rein profitbedingt. Soll mir keiner Sagen die wollen wirklich das Urheberrecht des Künstlers/Herstellers schützen. Kommt so gut an wie ein Interview mit einem Fussballer...

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