Geohot

12. Januar 2011 18:30; Akt: 12.01.2011 18:30 Print

PS3-Hacker: «Ich bin enttäuscht von Sony»

Er hat das iPhone gehackt und die Playstation geknackt. Nun droht George Hotz und seinen Hackerkollegen ein Gerichtsverfahren. Gegenüber 20 Minuten Online hat er kurz Stellung genommen.

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Aktuelle «Fehlermeldung» auf der Website der Hackergruppe fail0verflow.

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Fehler gesehen?

Am 2. Oktober 2011 kann George Hotz seinen 22. Geburtstag feiern. Wer weiss, wo der junge US-Amerikaner aus New Jersey dann sein wird. Zurzeit ist das Computer-Wunderkind, das in der Hackerszene als Geohot bekannt ist und bereits einen legendären Ruf geniesst, nur schwer zu sprechen.

20 Minuten Online hat ihn heute per E-Mail erreicht und ihm einige Fragen gestellt. Die Antwort kam postwendend: «Ich bin enttäuscht von Sonys aktuellem Tun.» Aber auch, dass er ein überzeugter Verfechter der «Digital Rights» sei.

Damit spricht der Hacker auf die jüngsten turbulenten Ereignisse rund um die Playstation 3 an. Auf Geohots Website sind drei Klageschriften veröffentlicht, die die Anwälte von Sony Computer Entertainment America (SCEA) bei einem Gericht in Nordkalifornien eingereicht haben.

Games gefälscht?

Die juristischen Schritte richten sich gegen Hotz und die Hackergruppe fail0verflow. In einer 32-seitigen Begründung werfen Sonys Anwälte den Hackern vor, den Kopier-und Zugangsschutz für die Playstation 3 geknackt zu haben.

Ausserdem hätten sie Software-Tools und Instruktionen veröffentlicht, um die Sicherheitsmassnahmen zu umgehen. So sei es möglich, die Firmware der PS3 zu verändern und wieder neu zu signieren. Damit könnten Video Games gefälscht und über das Internet weiterverbreitet werden. Es seien bereits die ersten illegal kopierten PS3-Spiele aufgetaucht. Sony entstehe so ein beträchtlicher wirtschaftlicher Schaden. Eine genaue Zahl wird hingegen in den Dokumenten nicht genannt.

Geohot widerspricht

Mit einer einstweiligen Verfügung will Sony verhindern, dass die besagten Informationen zur Umgehung des Sicherheitssystems weiter verbreitet werden. Zudem sollen alle Computer und Datenträger von Hotz beschlagnahmt werden, die entsprechendes Material enthalten.

Weiter erhebt Sony den Vorwurf, dass sich der Hacker unrechtmässig bereichert habe. In Zusammenhang mit der kostenlosen Verbreitung der Software-Tools soll er um Spenden auf ein PayPal-Konto gebeten haben.

Dieser Darstellung widerspricht der Hacker. Bei Spendenaufrufen handle es sich zu 100 Prozent um Fakes, heisst es auf seiner Website. Gleichzeitig warnt der Hacker, die User sollten nicht auf solche Betrügereien hereinfallen. «Don’t get scammed!»

Gegenüber 20 Minuten Online gab sich Hotz zuversichtlich, dass Sonys Vorgehen keine Aussicht auf Erfolg habe. Er habe selber juristischen Rat eingeholt und es habe sich gezeigt, dass den Klagen jegliche Grundlage («Basis») fehle. Weiter teilte er per E-Mail mit, dass er mehr erwartet hätte von einer Firma, die sich damit brüste, juristisch versiert zu sein im Umgang mit geistigem Eigentum.

«Internal Server Error»

George Hotz musste heute wohl Dutzende von Medienanfragen beantworten. Er wird auf mehreren englischsprachigen News-Portalen zitiert, immer mit praktisch identischem Wortlaut.

Auf der Website der Hackergruppe fail0verflow prangt derweil eine grosse Fehlermeldung: «500 – Internal Server Error», heisst es da. Und: «Sony verklagt uns.»

Weiter betonen die Hacker, dass sie keinerlei Videogame-Piraterie betreiben würden. Das entspräche der Haltung, die Hotz in früheren Interviews geäussert hatte. Einzige Motivation, die PS3 zu knacken, sei Sonys Entscheid gewesen, andere Betriebssysteme von der Spielkonsole auszusperren. Diesen Schritt wollten die Hacker rückgängig machen und ermöglichen, dass etwa Linux wieder installiert werden kann.

(dsc)

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