Lass stecken Junge

21. Juli 2012 12:27; Akt: 21.07.2012 15:04 Print

Aus dem Leben eines Videospielers – Teil 2

von Olivier Marti - Trotz fortscheitender Aufklärung der breiten Masse gelten Gamer noch immer als asoziale, vereinsamte Kellerkinder. Alles bösartige Gerüchte? Wagen wir eine Analyse.

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(Bild: rechts: Jan Geerk / Fotomontage 20 Minuten Online)

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Gamer haben mit Frauen ungefähr soviel am Hut wie Karl Dall mit geltenden Schönheitsidealen: wenig. Sollte man meinen. Doch ist dem wirklich so? Wo liegt der sprichwörtliche Hund begraben? Folgende Situation:

Es ist mal wieder Samstagabend, ein Grund zur Freude, wenn da nicht die allwöchentlich schwierige Entscheidung anstehen würde, wie dieser möglichst sinnvoll verbracht werden soll. Diese Woche hat die hübsche neue Büro-Praktikantin - nennen wir sie der Einfachheit halber Susi - zur Einweihungsparty ihrer neuen Wohnung eingeladen. Doch bereits hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die bange Frage lautet: Stehen wir überhaupt auf der Gästeliste oder ist auch heute wieder die einzige Frau, die wir zu Gesicht bekommen, unsere Dämonenjägerin im Rollenspiel «Diablo 3»?

Männer-Kategorien

Es gibt grundsätzlich drei Arten von Männern: Da wäre Kategorie A vom Typ «nerdiger Physikstudent». Wenn Du, lieber Leser, in diese Kategorie fällst, hast Du schlechte Karten und die Frage des Artikels stellt sich Dir schon gar nicht. Der einfache Grund: Kategorie A wird nie zu Partys eingeladen! Nicht weil Physikstudenten nicht lustig wären, im Gegenteil. So ein kleiner Schwank über das Artinsche Reziprozitätsgesetz zu später Stunde, das kann durchaus für Amüsement sorgen. Aber in deiner Gegenwart fühlen sich einfach immer alle saudoof und minderbemittelt.

Nicht dass sich das Gesprächsniveau an Einweihungspartys auf hohem Niveau bewegte, aber immerhin wissen allen Beteiligten, dass dies meist nur ein temporär Zustand ist, ausgelöst durch den ein oder anderen Drink zu viel. Da braucht es wirklich nicht noch einen geleckten Klugscheisser, der einem die eigene Beschränktheit konsequent vor Augen führt. Dann doch lieber noch einen Drink.

Dann wäre da Kategorie B vom Typ «Fussballmanschafts-Captain». Er sieht gut aus, ist sportlich, allseits beliebt und löst bei Männern der Kategorie A unmittelbare Suizid-Gedanken aus. Er wird immer eingeladen. Immer. Keine Ahnung was zum Teufel immer alle an diesem Piefke. . . aber ich schweife ab.

Schliesslich bleibt noch Kategorie C. Kategorie C bewegt sich irgendwo zwischen Kategorie A und B. Er ist klug genug zu wissen, dass die Level-Fortschritte des Barbaren im Inferno-Modus von «Diablo 3» nicht unbedingt das spannendste Gesprächsthema für Frauen ist. Typ C stöbert daher, zwecks Weiterbildung, vor Partys auch gerne nochmals in Frauenzeitschriften, um mit seinem Wissen über biologisch angebaute Rohstoffe für Kosmetikartikel im richtigen Moment anzugreifen. Diese Spezies Mann wird nun etwas genauer betrachtet.

Die Qual der Wahl

Wir gehören also in die Kategorie C und kommen somit zurück zur eingangs aufgeführten Fragestellung: Party oder Gamer-Abend? Da wir tatsächlich eingeladen sind, Susi ist ja neu und weiss noch nicht, wer die wirklich coolen Typen sind, müssen wir uns entscheiden, ob wir auch hingehen wollen. Einem Abend voller Spass und Heiterkeit steht ein anderer Abend voller Spass und Heiterkeit gegenüber.

Schliesslich wären es nur noch drei weitere Level bis zu höchsten Stufenklasse in «Diablo 3» und das Auktionshaus müsste auch mal wieder geprüft werden. Zudem haben all unsere Kumpels schon längst Level 60 erreicht und da kann es ja nicht sein, dass unser Image als Ubernerd in die Zweitklassigkeit des moderaten Nerds abrutscht. Sie sehen schon, liebe Leser, die Entscheidung ist keine einfache - es gilt sorgfältig abzuwägen.

Susis Party

Nun gut, wie schaut es aus, wenn wir uns für die Party entscheiden würden? Wir bretzeln uns auf. In diesem Fall bedeutet dies, ein nicht (ganz so arg) verknittertes Hemd und Jeans anzuziehen und uns voller Enthusiasmus auf den Weg zu Susi aufzumachen. Enthusiasmus daher, weil Susi einfach verdammt scharf ist und ein anschmiegsamer Frauenkörper zur Überbrückung der nächsten Server-Wartung bei «Diablo 3» wäre echt nicht verkehrt.

Wir malen uns gedanklich bereits aus, wie Susi heute Abend das Kleine Schwarze zur Schau stellt (Wahrscheinlichkeit 80%). Ausserdem besteht Hoffnung, dass Susi gerade irgend eine Form von Kummer plagt und daher eine männliche Schulter zum Ausweinen braucht (Wahrscheinlichkeit 10%). Und wenn uns kein Typ von Kategorie B dazwischen kommt (Wahrscheinlichkeit 0.1%), haben wir doch tatsächlich Chancen heute Abend bei Susi zu landen (Wahrscheinlichkeit irgendwo zwischen 0.0001% und nicht-existent).

Viel eher sind wir aber bereits um halb eins hackedicht und werden im Anschluss von unseren Freunden mit wasserfestem Filzstift dekoriert (den Scheiss sieht man noch tagelang! Hab ich gehört.). Irgendwann wachen wir morgens dann mit Kater auf und sehen noch wie Remo entspannt aus Susis Zimmer «swaggt». War Remo nicht früher der Captain der Fussballmannschaft?

Zuhause zocken

Entscheiden wir uns hingegen Zuhause zu zocken und dem diabolischen Bösen in Gestalt von Diablo mit unserem baldigen Level-60-Helden den Garaus zu machen, haben wir einen sicheren Wert: einloggen, losschnetzeln, Beute einsammeln und sich über das Erreichen von Level 60 freuen. Damit kommt man zwar nicht besser bei Frauen an, aber immerhin können wir in unserem Ubernerd-Forum damit prahlen. Nicht dass das dort ernsthaft jemanden interessieren würde, und ausser ein paar «Lam0r. Erst jetzt 60 trololol»-Kommentaren gibts keine Reaktionen. Aber darauf kommt es schliesslich auch nicht an. WIR wissen, wir stark wir nun sind. Zudem retten wir dank spärlicherem Alkoholkonsum auch gleich noch ein paar Hirnzellen. Nur das mit dem anschmiegsamen Frauenkörper muss wohl noch etwas auf sich warten lassen.

Und nun?

Kater gegen Spielfreude könnte man meinen und die nüchterne Sachlage scheint für die Variante «zocken» zu sprechen. Auf unsere Fähigkeiten mit Maus und Tastatur ist schliesslich verlass, im Gegensatz zu unseren Fähigkeiten Susis Herz im Sturm zu erobern. Zudem steht uns aufgemalte Gesichtsbehaarung nicht. Dennoch: Ist es nicht ab und an Wert ein Risiko einzugehen? Ok, die Chancen auf Susi stehen schlecht. Wenn wir aber am Montagmorgen in der Kantine, bei den Kollegen mit Level 60 prahlend, Susi in der Ecke sehen, wie sie verträumt mit Max (hat der nicht früher Physik studiert?) turtelt, wünschten wir uns am Samstag anders entschieden zu haben. Und wir verfluchen Diablo aufs Neue, bis nächsten Samstag, denn dafür muss er büssen!

Nun sind Sie dran, liebe Leser. Party oder zocken? Nutzen Sie unsere Kommentar-Funktion.

Lesen Sie auch hier: Aus dem Leben eines Videospielers - Teil 1

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich hatte eine unglaubliche Freude das zu lesen, aber ich muss sagen, dass es nicht ganz der realität entspricht. Ich persönlich liebe es auch zu zocken, aber wenn es heisst: Achtung Leute, Einweihungsparty, dann wird das Spiel auf jedenfall zur Seite gelegt, denn sowas gibts nicht jeden Tag, das Spiel hingegen schon. Und auch wenn meine Chancen bei Susi gleich 0 sind, dann gibts doch da bestimmt noch andere nette Damen ;) So oder so werde ich meinen Spass haben, abschliessend bleibt zu sagen: Verdammte Kategorie B -.- – Mike L.

Also ich als Gamer habe überhaupt nicht das Gefühl, dass der Artikel gegen die Gamer abzielt, vielmehr denke ich, dass dieser Artikel von einem Gamer geschrieben wurde. Zudem finde ich es ein guter Artikel, da es nicht nur Schlagzeilen sind. Dieser Artikel darf aber auch nicht 1 zu 1 wörtlich verstanden werden, sondern man muss halt manchmal etwas überlegen, wie etwas gemeint war... – Linus Albertin

mhm, spannend dass sich der Artikel auf Männer beschränkt. Ich bin weiblich und spiele regelmässig League of Legends und Diablo III - man könnte auch zuerst ausgehen und danach noch zocken ;-)) – Frau Miau

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sgt. P. am 21.07.2012 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kategorien

    Ich kann mich nirgends einordnen, mit Games kann ich nicht viel anfangen. Dafür zockt aber meine "verdammt scharfe" Feundin umso mehr. Verkehrte Welt.

  • suzaku am 23.07.2012 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    game on

    nach durchzocktem wochenende mit eve online ziehe ich den pc den promillen immer noch vor. mein multiaccount soll schliesslich weiterleben. und da meine freundin im ausland ist... lets play XDD

  • D3 Zocker am 21.07.2012 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    pfftz

    Spiele D3, habe eine Freundin, eine Arbeit und genug Freunde. Vorurteile?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Denis am 24.07.2012 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also eig. PARTY xD

    Ich würde zur Party gehen und je nachdem noch ein bisschen CoD zocken, aussert wenn ich ein Mädchen treffe das richtig scharf ist

  • Deluxz am 24.07.2012 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar

    Ich muss sagen, es existieren noch andere Kategorien. Man könnte sagen ich bin D, bedeutet, ich Game sehr gerne, aber wenn es irgendwo eine Party gibt bin ich sofort dabei! :) Und ich bin recht beliebt bei Frauen ;)

  • sascha am 24.07.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Beides

    öhm erst party und wenns nichts wird nach hause und zocken ob hacke oder nicht xD

  • sandy am 24.07.2012 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das eine schliesst das andere nicht aus

    mein mann und ich spielen beide herr der ringe online. trotzdem pflegen wir kontakte zu unseren freunden (die alle nicht-gamer sind) ;-))

  • Ivan Huber am 24.07.2012 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5er und sWeggli

    Gaz einfach. Anstatt zu Susis Party zu gehen, ( bei der man sowieso nicht landet ) zuhause Diabolo 3 bis auf lvl 60 spielen, danach ab ins Puff. Dort landet man garantiert und man hat nach einem harten Kampf auch gleich einen anschmiegsamen Frauenkörper.

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