Zum Ende von Atari

25. Januar 2013 22:16; Akt: 27.01.2013 15:50 Print

Abgesang auf die Game-Götter

von Jan Graber - Atari hat mit einem Konkurs das Handtuch geschmissen - um sich zu erholen und neu zu erfinden. Atari begründete die Videospielkultur wie kein anderes Unternehmen.

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Es wurde Licht: Mit «Pong »schrieb sich Atari 1972 gleich zu Beginn in die Videogamegeschichte ein. Nach einem ähnlichen Prinzip von «Pong »funktionierte «Breakout», der zweite Klassiker von Atari. Das Game erschien 1976. Lift-off: Mit der Heimvideospielkonsole «Atari VCS 2600», die 1977 erschien, spurte das Unternehmen den Weg zu den heutigen Konsolen vor. In den 1980er-Jahren wurde Gamen mit dem Atari 2600 gleichgesetzt. Highflyer: «Asteroids» (1979) nimmt auf der Killer List of Video Games den 7. Platz ein. Das Spiel gilt als Wegbereiter für Shoot'em-ups. Im All: Auch Lunar Lander (1979) schaffte es in die Top 100 der Killer List of Video Games. «Adventure» (1979) gilt als erstes Spiel, in das ein sogenanntes Osterei eingebaut wurde: Ein Pixel konnte im Spiel so verschoben werden, das eine unsichtbar werdende Wand den Schriftzug «Created by Warren Robinett» enthüllte. Der Tunnel-Shooter «Tempest» gehörte zu den ersten Games, das die Auswahl des Schwierigkeitsgrades erlaubte. Auch «Battlezone» (1980) war ein populäres Game, das mittels Vektorgrafiken eine 3D-Pseudorealität simulierte. «Battlezone» wird deswegen auch als erstes Virtual-Reality-Game bezeichnet. Kracher: «Missile Command» (1980) gilt als einer der grossen Klassiker der goldenen Ära der Videogames. In Europa wurde das Game von Sega herausgebracht. «Yar's Revenge» (1981) ist die am meisten verkaufte Eigenentwicklung von Atari für den Atari 2600. Weiblich: Das Shoot'em-Up «Centipede» erschien 1982 und wurde als erstes Arcadegame von einer Frau, Dona Bailey, entwickelt. In der Killer List of Video Games belegt «Centipede» den zehnten Platz zusammen mit «Tempest» (siehe weiter vorn). Den vierten Platz der Killer List of Video Games nimmt ebenfalls ein Atari-Game ein: «Star Wars», das 1983 als Arcadegame erschien. Der Sternenkrieg war auch ein Jahr später, 1984, Thema für Atari: In «Star Wars: Return of the Jedi» steuert der Spieler drei verschiedene Vehikel - ein Speeder Bike, einen Millenium Falcon und einen AT-ST. Die Zusammenarbeit von Atari mit Lucasfilm schien sich zu bewähren. 1985 erschien «Indiana Jones and the Temple of Doom»). Das Game gilt als erstes, das digitalisierte Sprachelemente verwendete und zum Beispiel Sprachclips von Harrison Ford alias Indiana Jones enthielt. Ein letztes Aufbäumen: 2009 brachte Atari das Actiongame «Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena» heraus. Das Spiel erhielt gute Kritiken besonders wegen der Stimmvertonung und den Licht- und Schatteneffekten.

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Als Nolan Bushnell und Ted Dabney 1972 eine Firma namens Atari gründeten, ahnten sie wohl nicht, welchen Einfluss sie auf eine Game-Branche haben würden – dass die Gameindustrie eines Tages Milliarden von Dollars umsetzen wird. Ebenso wenig sahen sie aber voraus, dass ihr Unternehmen nach wenig mehr als zehn Jahren bereits ins Schlittern geraten würde und sich bis zum (vorläufigen) Ende vor wenigen Tagen nie mehr richtig erholt.

Von 1972 bis zum desaströsen Jahr 1983, als die erste Videogameblase platzte, schrieb Atari Geschichte. Das Unternehmen definierte das Was und das Wie des Gamens, wie es keine andere Firma zuvor je geschafft hatte – Ataris Einfluss reichte von wegweisenden Spielkonsolen bis hin zu Arcade-Klassikern und Heimkonsolenspielen.

Mit dem ersten Spiel in den Gamehimmel

In den Olymp der Gamehersteller schrieb sich Atari gleich zu Beginn ein – mit einem Game, das als Urknall der Videospielindustrie gilt: «Pong». Ein fliegendes viereckiges Pixel und zwei Linien als «Schläger» reichten, um das Spiel-Gen in die elektronische Welt einzupflanzen. Ein ähnlich simples Prinzip wendete Atari auch bei «Breakout» (1976) an: Ein Ball fliegt gegen Klötze und löst diese auf, während der Spieler mit einem Schläger dafür sorgt, dass der Ball nicht übers untere Ende des Bildschirms rausfliegt. Die Eleganz der Gameidee beeindruckt noch heute.

Definierend für das Genre der Shoot’em-Ups wurde 1979 «Asteroids». Das Game lief wie «Pong» und «Breakout» zunächst nur auf Arcade-Stationen in Spielhallen. «Asteroids» wurde so populär, dass die Gamehallenbetreiber nach grösseren Geldboxen für die vielen Münzen verlangten, die die Spieler ins Abschiessen der Asteroiden investierten.

Begründer der modernen Konsolen

Am stärksten definierte Atari die Genstruktur des Videogamewesens aber nicht mit Games, sondern mit einem Gerät: dem Atari VCS 2600 aus dem Jahr 1977, einer Heimkonsole, die als Vorreiter für die heutigen Spielkisten gilt. Möglich wurde der Bau des Atari 2600 allerdings nur, indem Bushnell Atari an Warner Bros. verkaufte und damit Geld für die Entwicklung erhielt.

Den Erfolg der Konsole wurde begründet durch die Portierung der beliebtesten Spielhallen-Games auf die Konsole. Auch Drittanbieter wie beispielsweise Activision – heute bekannt für die «Call of Duty»-Reihe – programmierten zahllose Klassiker für das Spielgerät. In den 1980er Jahren wurde Gamen gewissermassen gleichgesetzt mit dem Atari 2600.

«Die Firma wurde missbraucht»

Mit dem Erfolg kam indessen auch die Arroganz: Atari und seine Zulieferer brachten zu viele minderwertige Spiele heraus, zahlreiche Konsolen konkurrierten den Atari 2600 und der Heimcomputer begann seinen Eroberungsfeldzug durch die Stuben der Konsumenten. Mit dem Videogamecrash 1983 erhielt Atari einen Schlag, von dem es sich nie mehr ganz erholte. Das Unternehmen wechselte in der Folge die Besitzer beinahe so oft wie Gamer die Waffen in einem Egoshooter, stand 1996 vor dem Aus, wurde von der Spielzeugfirma Hasbro wiederbelebt und ging schliesslich an das französische Unternehmen Infogrames über.

«Die Firma wurde nicht nur falsch gemanagt, sondern regelrecht missbraucht», sagte Gründervater Nolan Bushnell anlässlich seiner Rückkehr zu Atari im Jahr 2010; 1978 hatte er seinem Unternehmen den Rücken gekehrt. Aber auch Bushnell konnte das einstige Flagschiff nicht retten: Am 21. Januar deponierte Atari in den USA die Bilanzen und begab sich unter den Gläubigerschutz. Das Ziel: Sich abnabeln von den Investoren und ein neues, eigenständiges Unternehmen gründen. Wie in den alten Zeiten. Offen ist, ob es klappt und bis dahin heisst es «Game Over» für einen der Begründer der Videospielkultur.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Schade Atari hat glaub fast jedem in diesem Jahrgang einige wunderschöne Momente bescherrt. Ich denke mit einem Crowfonding hatte diese Firma gerettet werden können. Ich wäre auf jedenfall dabei gewesen. Habe meine Atari leider seit 4 Jahren nicht mehr... – Atarijugend

Die neusten Leser-Kommentare

  • H. Brändli am 28.01.2013 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsole ist unzerstörbar!

    Meine Atari- Konsole mit mehr als 20 Games (inkl. Klassiker) funktioniert immer noch bestens - einfach DER 'Hammer' - unvergessliche Game-Abende in der Jugendzeit!

  • Xaver am 26.01.2013 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Das Werk von Manager

    Das ist wenn der Gründer wie Buschnow rausgeschmissen wird und Wallstreetmanager von Warner das Ruder übernehmen. Dann kann eine gut funktionierende Firma nur zu Grunde gehen. Das wird leider noch vielen Firmen blühen.

    • cyan jaeger am 27.01.2013 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn die Welt so simpel wäre

      Und wieder sind die bösen Manager schuld.....dass ATARI aber nach den ersten Erfolgen immer grössere Schwierigkeiten hatte konkurrenzfähige Produkte auf den Markt zu bringen, geht leider vergessen. Zudem haben Nintendo, Sony etc. ATARI ziemlich zugesetzt.....aber es sind immer die bösen Manager schuld.

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  • Gamer2013 am 26.01.2013 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Borderlands 2 ?????

    Wo bleibt Borderlands 2, dass für mich das beste Game für immer ist.

  • Christian Müller am 26.01.2013 02:01 Report Diesen Beitrag melden

    Atari war nicht nur Games

    Atari war lange Zeit auch DER Soundcomputer. Als PC's nur gepipse von sich gaben war Atari das Instrument für Musiker und die welche es werden wollten. Atari ist einfach Computergeschichte. Aber nur noch Geschichte. Wie die anderen Grossen von dazumal Amiga/Commodore(C64) etc. auch. Kenne auch keine Computerfirma die mal gross war, in Insolvenz ging und dann zu früheren Erfolgen zurück kehrte. Der Verlauf von Atari's Geschichte ist typisch. Wird wohl auch als Handelsmarke enden die auf minderwertigen Produkten klebt wie Commodore.

    • Ben am 26.01.2013 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Doch

      Apple. War mal gross, dann fast pleite und wurde quasi vom Rivalen Microsoft gerettet. Heute sind sie ja wieder gross im Geschäft. Ist also schon möglich, aber ich glaube im Videospielmarkt ist heute nicht mehr viel zu holen

    • Diego am 26.01.2013 12:29 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      Ja, ich habe meine Diplomarbeit auf einem Atari ST1024 geschrieben. :-)

    • Roliboli am 27.01.2013 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ST 1024 der PC

      Mein erster PC war ein ST 1024 zur dieser Zeit der PC!!!!!!!!

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  • Martin M. am 26.01.2013 01:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legendär, für mich

    Der Name ATARI ist mir für immer legendär eingeprägt. Als Teenager spielte ich im Spielsalon Donkey Kong (und brach in unserer Stadt alle Rekorde). Von 1985 bis etwa 1997 war der "PC" ATARI ST meine Computer-Platform, auf der ich programmierte (Megamax-C++, Pascal, Basic, Maschinen-Code) und Layouts erstellte mit CALAMUS. Der ATARI ST war weltweil der erst Computer, der mit einer Maus und einer Fensteroberfläche bedient werden konnte! Erst etwa 1 Jahr später erschien der Mac mit diesen Features und DOS wurde erst 1992 durch Windows in der ersten Version 3.1 mit Maussteuerung abgelöst.

    • Urs Meyer am 27.01.2013 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mac vor ST!

      Lieber Martin M., Erscheinung der mausgesteuerten Computer im chronologischen Ablauf: 1983 Apple Lisa 1984 Apple Macintosh 1985 ATARI ST alles klar?

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