Games für Erwachsene

08. September 2012 21:53; Akt: 08.09.2012 21:53 Print

Blut, Krieg und Gewalt – aber bitte kein Sex!

von Jan Graber - Valve schmeisst das Erotik-Game «Seduce Me» aus seinem Download-Shop für PC-Games. Warum ist ausgerechnet die Spielebranche päpstlicher als der Papst? Ein Plädoyer.

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Die Geschichte ist schnell erzählt: Steam, der wichtigste Downloaddienst für PC-Games, schaltet die Plattform Greenlight auf, um Indie-Entwicklern eine Möglichkeit zu geben, ihre Games vorzustellen. Fans bewerten die Spiele und aufgrund des Feedbacks entscheidet Steam-Besitzer Valve, welche Spiele in den Verkauf kommen. Eine gute Sache.

Das dachte sich auch das niederländische Indie-Entwicklerstudio No Reply Games und veröffentlicht am 5. August das erotische «Seduce Me». Im Game können Spieler mit attraktiven Damen ein Gespräch anzetteln, Minispiele spielen und sich auf explizite sexuelle Abenteuer einlassen. Die Figuren und Szenerien sind handgezeichnet, das Spiel ist von hoher Qualität.

Coitus interruptus

Knapp eine Stunde nach Veröffentlichung auf Greenlight endet die Suche nach dem Game im binären Nichts: Valve hat das Game von der Plattform entfernt, die Entwickler erhalten ein E-Mail mit der Begründung, das Game verletze die Geschäftsbedingungen. Diese besagen, dass ein Game weder Pornografie noch anstössige Inhalte oder einen geklauten Code enthalten darf.

In der knappen Stunde, in der das Game auf Greenlight ist, gehen die Wogen hoch; noch höher schwappen sie nach der Entfernung des Spiels. Während ein Teil der Community das Game ins Pfefferland wünscht, kritisiert ein ebenso grosser Teil den heuchlerischen Aspekt: Zwar dürften Games wie «Call of Duty: Modern Warfare 2» mit expliziten Gewaltszenen auf Steam verkauft werden, Liebe und Erotik jedoch gehören verbannt.

Die Macht der Anbieter

Über die Rechtmässigkeit der Aktion von Valve besteht kein Zweifel: Ein Unternehmen darf über Inhalte, die es auf seiner Plattform anbieten will, selbst entscheiden. Fragwürdig ist die Praxis dennoch: Während Krieg, Tod und Zerstörung keinen Moment in Frage gestellt werden, sorgt nackte Haut für einen instinktiven Abwehrreflex - nicht nur bei den Plattformbetreibern, sondern auch einem grossen Teil der Gamer.

Da Valve mit Steam eine beinahe unangefochtene Position im Angebot der PC-Download-Spiele einnimmt, hat der Anbieter eine enorme Macht darüber, welche Spiele wann, wie und wo veröffentlicht werden – vergleichbar mit Apples Position mit dem App Store. Die amerikanischen Firmen Valve und Apple entscheiden damit auch über die Auseinandersetzung der Gesellschaft mit Games. Wenn kontroverse Inhalte wie Sex kategorisch ausgeschlossen werden, Krieg und Gewalt jedoch nicht in Frage gestellt werden, welches Bild vermitteln wir damit der Generation, die mit dieser Gewichtung aufwächst?

Den Abwehrreflex abwehren

Auch aus einem anderen Grund (und eigenem Interesse) sollten Anbieter wie Valve ihre Praxis überdenken: Mittlerweile ist ein Grossteil der Gamer 30 Jahre alt und älter. Es handelt sich um erwachsene Menschen, die selber wissen, wann sie sich welchen Inhalt zumuten möchten. Mehr und mehr werden Games für Erwachsene zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor in der Spielbranche. Wenn diese jedoch am pubertären Sex-Abwehrreflex festhält, werden Games ihren Ruf als Kinderkram nie los.

Es ist höchste Zeit, dass die Game-Community das Pickelalter hinter sich lässt und selbst erwachsen wird – zu Gunsten der Vielfalt und des natürlichen Umgangs mit Inhalten, die auch mal verstören. Oder anders formuliert: Statt nur orgiastisch mit virtuellem Blei zu spritzen, sollten Gamer beim Spiel mit dem virtuellen Orgasmus den Schwanz nicht gleich einziehen.

Gametrailer «Seduce Me»

Die Reaktion des «Seduce Me»-Entwicklers lesen Sie in der Infobox.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wenn gerade im Spiel die dickste Liebesszene mit allen Details läuft und die Eltern plötzlich im Zimmer stehen hat es sich aus-gezockt. Das wiederum ist schlecht für den Umsatz und muss unter allen Umständen vermieden werden. – Zoey

Was soll man da schon sagen, Valve ist ein US-Amerikanisches Unternehmen. Das Amerikaner prüder als prüde sind ist bereits hinlänglich bekannt. Valve ist auch hinsichtlich der Praxis bedenklich, da viele bereits gekaufte Spiele nach der Entfernung von Valve nicht mehr genutzt werden können. Das gilt auch für den Fall das dessen Server ausfallen. Da kann man nur sagen Finger weg von solchen Anbietern und Spielen die eine dauerhafte Online-Verbindung fordern. – Marcel Reinmann

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Berger am 10.09.2012 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    doppelmoral

    Ich kann diese Doppelmoral wirklich auch nicht verstehen. Z.B in vielen Tv Serien spritzt das Blut nur so in die Kamera... danach liegt das Paar angezogen um Bett znd hat sex...

  • Kapo_Sturmwind am 10.09.2012 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    und dazwischen?

    Es gibt doch noch etwas zwischen exzessiver Gewaltdarstellung und Pornographie! Das scheinbar einzige Game mit dem "Liebesfaktor" ist "Die Sims" und ich vermisse gerade als Gamer von Spielen z.B. WoW die Möglichkeit mit NPC's eine andere Kommunikationsart einzugehen als die Auftragsannahme von Tötungs- und Sammelaufträgen. Ich wundere mich, dass die Gamingindustrie da bislang keinen Mittelweg gefunden hat bzw. solche Themen ignoriert oder bewusst ausklammert.

    • empty()set am 10.09.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      Schwierig

      Wenn ein 40-jähriger eine 13-jährige in einem First Person Shooter abschiesst, ist das unproblematisch. Aber wenn die gleiche Konstellation bei einem erotischen Spiel gegeben wäre, dann wäre das doch eher problematisch. Das ist sicher ein Mitgrund dafür, dass die Gameindustrie lieber einen Bogen um solche Spiele macht. Am Geld kann es nicht liegen. Die Pornoindurstrie setzte wohl mehr Geld um als ein kleiner Staat. ;-)

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  • Michu am 10.09.2012 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Real Life

    Es heisst doch, dass man die Spiele gerne auch ins reale Leben portiert. Also statt immer mehr Gewalt und Krieg plötzlich immer mehr Sexpartys? Ist sex am Schluss plötzlich noch die Lösung für denn Weltfrieden? Dafür!

    • James am 10.09.2012 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Haha! Wo heisst es das? In Interviews mit konservativen Politikern die alle Killerspiele verbieten wollen aber keine Ahnung von nichts haben. Diese Aussage ist haltlos.

    • Michu am 10.09.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

      klar

      Diese wollte ich mit diesem Satz ja auch zitieren. Ich selber bin nicht der gleichen Meinung.

    • s.w. am 10.09.2012 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ???

      Politiker verbieten Spiele aber schicken ihre Soldaten in den nahen Osten. Das ergibt für mich null Sinn. Aber Sex in Spielen braucht es einfach nicht. Wer Sex will sucht sich ne Freundin oder besucht mal ein Bordell.

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  • empty()set am 10.09.2012 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja, "die Amis"...

    Pauschale Aussagen über "die Amis" sind meistens falsch, da man nicht einfach so 314'000'000 Leute über einen Kamm scheren kann. Denn Amis vorzuwerfen, sie seien prüde ist besonders witzig, da sie über die grösste Pornoindustrie der Welt verfügen. Und ratet mal, wer wohl als prüdestes Land der Welt gilt. Kleiner Tipp: Es hat ein Kreuz im Wappen...

    • Hans am 10.09.2012 08:52 Report Diesen Beitrag melden

      Ta siehste mal

      Da wird die Doppelmoral der Amerikaner eben offensichtlich...

    • serej am 10.09.2012 10:54 Report Diesen Beitrag melden

      Alles das selbe

      und auch unsere Doppelmoral lieber Hans.

    • Angerfist am 10.09.2012 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, typisch amis

      Sorry Empty()set, aber das ist wirklich typisch amis: Munition in jedem Supermarkt kaufen können, aber Nippel abdecken müssen... sowie Alkohol ab 21 Jahren... Die USA ist und bleibt eine der grössten Bananenrepubliken

    • Bernd Zwicki am 10.09.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      @empty

      Das passt das sehr gut in das Bild der Prüdität, denn wo ein Extrem herrscht, gibt es auch das andere. Die Schweizer hingegen sind da ziemlich aufgeschlossen. Sex ist nun wirklich kein Tabu-Thema. Man muss es nur nicht gerade zu den unpassensten Gelegenheiten anschneiden.

    • Selfi am 10.09.2012 14:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Emptyset

      Sie sollten sich bei Gelegenheit mal etwas über die Geschichte Amerikas und den eigentlichen Grund für die Reise der Puritaner in die neue Welt informieren, dann würden Sie die Zusammenhänge wohl besser verstehen.

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  • James am 10.09.2012 04:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Image

    Ich verstehe die Sorge von Valve: Wenn es plötzlich Erotikgames auf ihrem Spielemarkt geben würde, wären sie vermutlich so erfolgreich, dass immer mehr solche Spiele produziert würden. Steam würde dann zu einer Art Schmuddelladen werden. Das ist auch der Unterschied zwischen Gewalt und Pornographie: Pornografie hat etwas schmuddeliges und unseriöses an sich.

    • Sibylle Kammer am 10.09.2012 17:18 Report Diesen Beitrag melden

      eher Geld

      Nein, ihr Problem ist schlicht, dass sie die Altersvorgabe nicht kontrollieren wollen, weil das kostenintensiv ist. Bei Gewaltdarstellungen schreiten die Behörden im Gegensatz zu Sexualdarstellung nicht ein. Es ist ein Problem der Gesellschaft und der rechtlichen Regelung, nicht eines des Rufs. Auch wenn es Firmenrichtlinien gibt, sind Firmen in den meisten Fällen völlig emotionslos, wenn es darum geht Geld zu verdienen.

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