Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Games für Erwachsene
08. September 2012 21:53; Akt: 08.09.2012 21:53 Print
Blut, Krieg und Gewalt – aber bitte kein Sex!
von Jan Graber - Valve schmeisst das Erotik-Game «Seduce Me» aus seinem Download-Shop für PC-Games. Warum ist ausgerechnet die Spielebranche päpstlicher als der Papst? Ein Plädoyer.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Steam, der wichtigste Downloaddienst für PC-Games, schaltet die Plattform Greenlight auf, um Indie-Entwicklern eine Möglichkeit zu geben, ihre Games vorzustellen. Fans bewerten die Spiele und aufgrund des Feedbacks entscheidet Steam-Besitzer Valve, welche Spiele in den Verkauf kommen. Eine gute Sache.
Bildstrecken Nackte PixelNackte Haut und Durchschlagskraft Die Stimme der Entwickler«Die Japaner haben ein eigenes Genre für erotische Spiele, die Hantai-Games. In Europa gibt es solche Spiele nicht. Die Suche nach erotischen Spielen führt in Europa meist nur zum Ergebnis billiger Flash-Games», sagt «Seduce Me»-Entwicklerin Miriam Bellard gegenüber 20 Minuten online. «Wir wollten dies ändern.» Bellard will Steam das Recht, das Game «Seduce Me» von der Plattform zu nehmen, auch nicht absprechen, findet die Entscheidung aber heuchlerisch. «Indem Steam das Game von der offenen Plattform Greenlight entfernt hat, wird die Diskussion über das Spiel verhindert», sagt sie. Damit könnten auch die Stimmen der Community nicht wahrgenommen werden. Weil es sich bei Greenlight um eine offene Plattform handelt, sollten legale Inhalte nicht daraus verbannt werden.
Das dachte sich auch das niederländische Indie-Entwicklerstudio No Reply Games und veröffentlicht am 5. August das erotische «Seduce Me». Im Game können Spieler mit attraktiven Damen ein Gespräch anzetteln, Minispiele spielen und sich auf explizite sexuelle Abenteuer einlassen. Die Figuren und Szenerien sind handgezeichnet, das Spiel ist von hoher Qualität.
Coitus interruptus
Knapp eine Stunde nach Veröffentlichung auf Greenlight endet die Suche nach dem Game im binären Nichts: Valve hat das Game von der Plattform entfernt, die Entwickler erhalten ein E-Mail mit der Begründung, das Game verletze die Geschäftsbedingungen. Diese besagen, dass ein Game weder Pornografie noch anstössige Inhalte oder einen geklauten Code enthalten darf.
In der knappen Stunde, in der das Game auf Greenlight ist, gehen die Wogen hoch; noch höher schwappen sie nach der Entfernung des Spiels. Während ein Teil der Community das Game ins Pfefferland wünscht, kritisiert ein ebenso grosser Teil den heuchlerischen Aspekt: Zwar dürften Games wie «Call of Duty: Modern Warfare 2» mit expliziten Gewaltszenen auf Steam verkauft werden, Liebe und Erotik jedoch gehören verbannt.
Die Macht der Anbieter
Über die Rechtmässigkeit der Aktion von Valve besteht kein Zweifel: Ein Unternehmen darf über Inhalte, die es auf seiner Plattform anbieten will, selbst entscheiden. Fragwürdig ist die Praxis dennoch: Während Krieg, Tod und Zerstörung keinen Moment in Frage gestellt werden, sorgt nackte Haut für einen instinktiven Abwehrreflex - nicht nur bei den Plattformbetreibern, sondern auch einem grossen Teil der Gamer.
Da Valve mit Steam eine beinahe unangefochtene Position im Angebot der PC-Download-Spiele einnimmt, hat der Anbieter eine enorme Macht darüber, welche Spiele wann, wie und wo veröffentlicht werden – vergleichbar mit Apples Position mit dem App Store. Die amerikanischen Firmen Valve und Apple entscheiden damit auch über die Auseinandersetzung der Gesellschaft mit Games. Wenn kontroverse Inhalte wie Sex kategorisch ausgeschlossen werden, Krieg und Gewalt jedoch nicht in Frage gestellt werden, welches Bild vermitteln wir damit der Generation, die mit dieser Gewichtung aufwächst?
Den Abwehrreflex abwehren
Auch aus einem anderen Grund (und eigenem Interesse) sollten Anbieter wie Valve ihre Praxis überdenken: Mittlerweile ist ein Grossteil der Gamer 30 Jahre alt und älter. Es handelt sich um erwachsene Menschen, die selber wissen, wann sie sich welchen Inhalt zumuten möchten. Mehr und mehr werden Games für Erwachsene zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor in der Spielbranche. Wenn diese jedoch am pubertären Sex-Abwehrreflex festhält, werden Games ihren Ruf als Kinderkram nie los.
Es ist höchste Zeit, dass die Game-Community das Pickelalter hinter sich lässt und selbst erwachsen wird – zu Gunsten der Vielfalt und des natürlichen Umgangs mit Inhalten, die auch mal verstören. Oder anders formuliert: Statt nur orgiastisch mit virtuellem Blei zu spritzen, sollten Gamer beim Spiel mit dem virtuellen Orgasmus den Schwanz nicht gleich einziehen.
Gametrailer «Seduce Me»
Die Reaktion des «Seduce Me»-Entwicklers lesen Sie in der Infobox.
Wenn gerade im Spiel die dickste Liebesszene mit allen Details läuft und die Eltern plötzlich im Zimmer stehen hat es sich aus-gezockt. Das wiederum ist schlecht für den Umsatz und muss unter allen Umständen vermieden werden. – Zoey
Was soll man da schon sagen, Valve ist ein US-Amerikanisches Unternehmen. Das Amerikaner prüder als prüde sind ist bereits hinlänglich bekannt. Valve ist auch hinsichtlich der Praxis bedenklich, da viele bereits gekaufte Spiele nach der Entfernung von Valve nicht mehr genutzt werden können. Das gilt auch für den Fall das dessen Server ausfallen. Da kann man nur sagen Finger weg von solchen Anbietern und Spielen die eine dauerhafte Online-Verbindung fordern. – Marcel Reinmann
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 68 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt
























doppelmoral
Ich kann diese Doppelmoral wirklich auch nicht verstehen. Z.B in vielen Tv Serien spritzt das Blut nur so in die Kamera... danach liegt das Paar angezogen um Bett znd hat sex...
und dazwischen?
Es gibt doch noch etwas zwischen exzessiver Gewaltdarstellung und Pornographie! Das scheinbar einzige Game mit dem "Liebesfaktor" ist "Die Sims" und ich vermisse gerade als Gamer von Spielen z.B. WoW die Möglichkeit mit NPC's eine andere Kommunikationsart einzugehen als die Auftragsannahme von Tötungs- und Sammelaufträgen. Ich wundere mich, dass die Gamingindustrie da bislang keinen Mittelweg gefunden hat bzw. solche Themen ignoriert oder bewusst ausklammert.
Schwierig
Wenn ein 40-jähriger eine 13-jährige in einem First Person Shooter abschiesst, ist das unproblematisch. Aber wenn die gleiche Konstellation bei einem erotischen Spiel gegeben wäre, dann wäre das doch eher problematisch. Das ist sicher ein Mitgrund dafür, dass die Gameindustrie lieber einen Bogen um solche Spiele macht. Am Geld kann es nicht liegen. Die Pornoindurstrie setzte wohl mehr Geld um als ein kleiner Staat. ;-)
Real Life
Es heisst doch, dass man die Spiele gerne auch ins reale Leben portiert. Also statt immer mehr Gewalt und Krieg plötzlich immer mehr Sexpartys? Ist sex am Schluss plötzlich noch die Lösung für denn Weltfrieden? Dafür!
Blödsinn
Haha! Wo heisst es das? In Interviews mit konservativen Politikern die alle Killerspiele verbieten wollen aber keine Ahnung von nichts haben. Diese Aussage ist haltlos.
klar
Diese wollte ich mit diesem Satz ja auch zitieren. Ich selber bin nicht der gleichen Meinung.
???
Politiker verbieten Spiele aber schicken ihre Soldaten in den nahen Osten. Das ergibt für mich null Sinn. Aber Sex in Spielen braucht es einfach nicht. Wer Sex will sucht sich ne Freundin oder besucht mal ein Bordell.