Im App Store gibts alles

16. Februar 2012 15:16; Akt: 17.02.2012 13:10 Print

Brutalo- und Abzock-Games für KinderBrutalo- und Abzock-Games für Kinder

von Guido Haus - Der App Store ist mit rund 100 000 Games für iPhone, iPod Touch und iPad eine wahre Goldgrube für Apple. Für Eltern aber ein Albtraum: Die Altersangaben für Gewalt-Spiele sind viel zu tief.

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Über 300 Franken für ein «Gratis»-Spiel bezahlt: App-Store-Kunden ärgern sich über In-Game-Abzocke.

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Das Angebot im App Store - Apples Online-Gemischtwarenladen - ist riesig. Inzwischen lagern dort rund 560 000 Anwendungen. Rund 100 000 davon sind Spiele für iPhone, iPod touch und iPad, die von Millionen Kindern als Spielgerät genutzt werden. Alleine im letzten Dezember fanden 4732 neue Spiele, durchschnittlich 153 pro Tag, den Weg in den App Store. Eine derartige Vervielfachung des Angebots birgt aber auch Gefahren.

Apple macht seine eigenen Regeln

Beim Jugendschutz im App Store kocht Apple sein eigenes Süppchen. Statt sich an den europaweit einheitlichen Altersempfehlungen der Spiele-Branche (PEGI) für PC- und Konsolenspiele zu orientieren, werden Spiele fürs iPhone, iPod touch und iPad mit einem eigenen System bewertet.

Martialische Spiele wie «Gun Bros» und «Battlefield Bad Company 2» erhalten von den Spieleentwicklern auffällig niedrige (9+ respektive 12+) Alterseinstufungen, obwohl sie nicht für Kinder geeignet sind. Apple winkt diese fragwürdigen Alterseinstufungen offenbar durch. Auf dem PC oder Spielkonsolen wie der PlayStation 3 ist der populäre Ego-Shooter «Battlefield» ab 16 Jahren freigegeben. Das PEGI- Altersempfehlungssystem wird von den wichtigsten Spielekonsolenherstellern wie Sony, Microsoft und Nintendo sowie den Spieleentwicklern in ganz Europa unterstützt.

Mit iTunes-Karte zum Ballergame

In Apples Online-Store ist der Jugendschutz aufgrund der gegenüber PEGI abweichenden Alterseinstufung keineswegs gewährleistet. Kinder haben mit ihren Apple-Geräten Zugriff auf alle Produkte - sofern die Eltern App-Downloads nicht mit einem Passwort sperren. Einzige Voraussetzung ist eine «Apple ID», also ein Kundenprofil, das ohne Altersverifikation mit einer E-Mail-Adresse erstellt wird. Dann braucht es Geld in Form einer iTunes- oder Kreditkarte. Insbesondere der Handel mit Prepaid-Lösungen ist angesichts der Gewaltspiele und sonstiger jugendgefährdender Inhalte problematisch, weil sie vielerorts (Migros bis Interdiscount) erhältlich sind.

Kinder und Jugendliche kommen somit im App Store weitgehend ungehindert an Spiele, die von der Spiele-Branche für Erwachsene empfohlen werden, von Apple aber für Kinder und Jugendliche freigegeben werden. Es stehen Apps zum Verkauf, in denen originalgetreue Waffen gebastelt («Gun Builder HD») oder wehrlose Passanten getötet und Autos geklaut werden («Grand Theft Auto 3»).

Apple nimmt zu den Vorwürfen auf Anfrage wie folgt Stellung: «Eltern können mit unserer Eltern-Kontrolle auf einfache Weise den Zugriff auf App-Downloads beschränken.» Das Herunterladen von Apps sowie sogenannte «In-App-Käufe» durch Kinder können mit einem Passwort verhindert werden. Davon profitieren vor allem technisch versierte und verantwortungsbewusste Eltern. (Mehr zum Thema «Parental Control» siehe Info-Box.)

Goldgrube «In-App-Käufe»

Bei jedem verkauften Spiel oder Verkauf in einem Spiel gehen zwei Drittel der Einnahmen an den Entwickler, ein Drittel bleibt bei Apple. Für den iPhone-Konzern sind Spiele mit sogenannten «In-App-Käufen» daher eine Goldgrube, für Kinder ein Fass ohne Boden. Bei «In-App-Käufen» handelt es sich um ein Instrument, das häufig bei Spielen eingesetzt wird. Dieses bittet den Konsumenten nachträglich zur Kasse. So locken nicht wenige Apps mit dem Prädikat «Gratis» und suggerieren virtuelle Unterhaltung zum Nulltarif.

Besonders dreist in diesem Umfeld operiert Gameloft. Der grosse französische Spiele-Entwickler vertreibt unter anderem den Bauernhof-Simulator «Green Farm 2», der ein breites Publikum anspricht. Hier muss beim Anbau von Gemüse und für die Viehzucht sowie Pflege des Anwesens eine imaginäre Währung entrichtet werden. Die Münzen sind nach wenigen Minuten verbraucht und können nur durch viel Fleiss und Geduld erwirtschaftet werden. Ungeduldigen offeriert Gameloft kostspieligen Dünger und andere Gerätschaften, welche die Saat schneller aufgehen lassen oder bestimmte Prozesse in Gang bringen. Dafür soll der Spieler – je nach Anzahl und Gegenstand – zwischen zwei und 100 Franken hinblättern. Wer nicht zahlt, wartet unter Umständen tagelang, bis die Bio-Karotten auf dem virtuellen Acker gedeihen. Nach der Ansicht von Gameloft lässt sich «Green Farm 2» ohne In-App-Käufe gut spielen. Ausserdem seien «Freemium»-Spiele (zuerst testen, dann bezahlen) im Trend und sorgten für mehr Kundschaft.

1400 Dollar für digitale Waldbeeren

Zweifelhafte Mikro-Transaktionen kommen in vielen Spielen vor, es werden damit die unterschiedlichsten Dinge (Hamster bis Panzer) berappt. Im Februar 2011 schrieb die «Washington Post» über ein achtjähriges Mädchen aus dem amerikanischen Bundesstaat Maryland, das im Spiel «Smurf’s Village» 1400 US-Dollar für digitalisierte Waldbeeren verpulverte.

Beinahe fahrlässig scheint die Game-Schmiede Sega zu operieren, deren Spiel «Kingdom Conquest» die Geldbeutel der Benutzer scheinbar automatisch erleichtert. Deswegen steht die japanische Firma in verschiedenen Internetforen am Pranger. Spieler berichten von ungewollten Abbuchungen. Sega bestätigt die Problematik auf Anfrage. Angeblich konnte der Apple-Kundendienst den entstandenen Schaden beheben. Bisher wurde aber keine Lösung gefunden, welche die Plünderung der Guthaben verhindert. Apple hat inzwischen den Schutz vor In-App-Käufen erhöht. Für jede Transaktion muss das Passwort nochmals eingegeben werden. Gerade Kinder, die in einem Spiel rasch vorwärtskommen wollen und noch kein ausgebildetes Verständnis für Geld haben, wird dies kaum abschrecken, Dutzende Franken für immer neue Waffen und andere Gegenstände auszugeben.

«Battlefield» ist auf dem iPhone ab 12 Jahren empfohlen

Quelle: YouTube

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  • herb am 19.02.2012 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Müssen das die Eltern bezahlen

    Müssen das die Eltern überhaupt bezahlen. Kinder können ja einen Vertrag über ein Micky-Maus-Heft für 4 CHF (ca.) machen, aber kaum für solch grosse Beträge. Kinder können ja auch kein Auto kaufen.

  • Remo Nussbaum am 17.02.2012 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elter im Sinne der Anklage schuldig!

    Wenn Eltern ihre Kinder nicht im griff haben sind immer die anderen Schuld. Hauptsache nach aussen schön Luft machen und das geht am besten über die Medien. Wer seinem Kind die Creditkarte übelässt ist definitiv selber schuld. Smartphone gehören nicht in Kinderhände. kauft ihnen am besten ipots und Co. Die wollen e nur spielen. Und das Problem ist vom Tisch.

  • TP am 17.02.2012 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht?

    Aha und wieso nicht? Steht nirgends.

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