Game Review

19. Mai 2017 12:38; Akt: 19.05.2017 12:38 Print

Schlagkräftig und planlos durch die Endzeit

«The Surge» wäre ein richtig guter Kracher, wenn er Spielern mehr Orientierung und weniger Repetition böte.

Game-Reviews
«The Surge»: Schlagkräftig und planlos durch die Endzeit
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«The Surge» wäre ein richtig guter Kracher, wenn er Spielern mehr Orientierung und weniger Repetition böte.

Eigentlich fängt alles so gut an: Der gelähmte Warren schreibt sich für ein Programm einer visionären Firma ein, die sich für eine bessere Welt einsetzt. Das Versprechen: mithilfe eines Exoskeletts wieder gehen können.

Natürlich geht die Sache schief, Warren wacht mit einem defekten Exoskelett auf dem Schrottplatz für nutzlose Tech-Geräte auf. Zwar kann er nun gehen, findet sich aber in einer höllisch unfreundlichen Welt wieder. So beginnt das witzige Action-Rollenspiel «The Surge», das Spieler in eine postapokalyptische Welt versetzt, die bisweilen an den Action-Klassiker «Half Life» erinnert. Ausgerüstet mit einer Art Überhammer, der den Feinden nicht nur tiefe Dellen und fette Beulen verpasst, sondern sie auch ihrer Glieder beraubt, schlägt sich Warren durch die düstere Welt. Dass er seine Gegner um Bein und Kopf bringt, macht Sinn, weil er mit den so gewonnenen Technologieteilen sein Exo skelett aufrüsten kann. Daneben sammelt er Implantate und Tech-Schrott, den es zur Aufrüstung braucht.

«The Surge» bietet gut balancierte Action, und die direkte Konfrontation macht am meisten Spass, wenn die Angriffe im richtigen Moment platziert werden. Das grafisch gelungene Game bietet Spielern hingegen zu wenig Orientierung: So findet man sich oft an denselben Stellen wieder und beginnt nach dem Ableben den Weg erneut von vorne. Dass dieselben Gegner dann wieder verdroschen werden müssen, lähmt irgendwann den Spielfluss. (Jan Graber, 18. Mai 2017)

«The Surge» für PS4, Xbox One, PC; Deck13, Focus Home Interactive. Wertung:★★★★☆
Ein Architektur-Professor entwirft ein steiles Game
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Was kommt dabei heraus, wenn ein Professor ein Spiel entwickelt? Im Fall des Indie-Games «Blockhood» eine erstklassige Städtebau-Simulation.

Entwickelt vom chilenischen Architektur-Professor José Sanchez, versetzt «Blockhood» die Spieler in die Rolle von Städteplanern. Da die horizontale Fläche beschränkt ist, muss der Spieler in die Höhe bauen. Blockweise werden Wohneinheiten, Energie- und Wasserressourcen erstellt und Produktionsketten eingerichtet, deren Erzeugnisse die Bedürfnisse der Bewohner befriedigen.

Wer allerdings nur ans Wachstum denkt, sieht das schöne Werk bald zerstört: Natur und Umwelt müssen ebenfalls ihren Platz haben, sonst geht die Welt zugrunde. Die minimalistische Gestaltung von «Blockhood» verleiht dem Game einen eigenen Charme, und die Städtebau-Simulation fesselt, weil der Bau in die Vertikale spannende Möglichkeiten bietet, das Zusammenwirken von Mensch und Natur auf witzige Weise zu planen. (jag, 18. Mai 2017)

«Blockhood» für PC, Mac, Linux; Plethora Project LLC, Steam. Wertung:★★★★★
Science Fiction-Knaller «Prey» – die, die überleben wollen
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SHOOTER / RPG. «Prey» bietet Spannung, Action, Anspruch und ein nur allzu bekanntes Setting. Spass macht der Überlebenskampf im All trotzdem.

Die Begegnung mit ausseridischen Lebensformen ist eine verlässliche Quelle für gute Popkultur. Soeben hat Jake Gyllenhaal in «Life» unschöne Bekanntschaft mit einem cleveren Krakenwesen gemacht, und bald ist mit H. R. Gigers Xenomorph in «Alien Covenant» sogar die Urmutter aller fiesen E.T.s wieder auf der Leinwand zu bestaunen.
Die Game-Indsutrie will da nicht hinten anstehen und hat mit «Prey» ein sehr gelungenes Weltraum-Abenteuer ins Rennen geschickt. Dass es dabei wenig zimperlich zu und hergeht, versteht sich von selbst. Im Mix aus Shooter, Rollenspiel und Adventuregame wird geballert, geschlichen, gehackt. Und – immer wieder gestorben. Denn «Prey» bietet Überlebenskampf pur. Wer nicht höllisch aufpasst, hat in diesem Knaller keine Chance.
Die Story: «Prey» spielt in einer alternativen Zukunft. Amerikaner und Russen arbeiten friedlich zusammen, unter anderem an der Erforschung ausserirdischer Rassen auf der Raumstation Talos 1. Geleitet wird die Station von Alex und Morgan Yu. Der Einstieg ist dabei ein echtes Highlight – und schon befindet man sich Mitten im Kampf gegen die Aliens.
Eine reine Ballerei ist «Prey» dennoch nicht. Die ständige Bedrohung gönnt einem zwar kaum Atempausen. Dennoch muss man auch taktisch vorgehen. Viele Hintergründe erfährt man erst durch E-Mails oder Memos. Nicht nur in solchen Szenen erinnert das Spiel stark an Hits wie «Bioshock» oder «Deus Ex», woraus die Entwickler auch keinen Hehl machen. Denn das Spiel besitzt als anspruchsvoller Schocker durchaus Eigenständigkeit. Dennoch ist «Prey» auch als Hommage an die grossen Vorbilder gedacht – genau wie viele der aktuellen Alien-Ripoffs im Kino. (rtl)

«Prey», Arkane Studios, für PC, PS4 und Xbox One, jetzt erhältlich
Wertung: ★★★★☆
«Guardians of the Galaxy» – nicht so cool wie im Kino
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ACTION. Im Kino räumen Star-Lord, Draxx und Rocket derzeit richtig ab. Ein Videogame darf da nicht fehlen. Doch das grosse Feuerwerk zündet die Telltale-Version von «Guradians of the Galaxy» leider nicht. Der Entwickler orientiert sich am ersten Kinofilm, erzählt aber eine eigene Geschichte. Die Guardians nehmen es gleich zu Beginn mit Oberschurke Thanos auf. Dabei fällt Star-Lord ein kostbares Artefakt in die Hände, das Tote zum Leben erwecken kann. Das ruft eine ganze Reihe von Gegenspielern auf den Plan. «Guardians of the Galaxy» trifft den ironischen Ton der Filmvorlage recht gut; es gibt witzige Dialoge und coolen 70er-Jahre-Softrock von ELO, Cat Stevens, Cheap Trick und Konsorten. Doch das Abenteuer an sich ist blosse Stangenware: Actionszenen laufen immer genau gleich ab, überraschend ist hier – im Gegensatz zum Kinofilm – gar nichts. Dazu kommen technische Schwächen, die auf diesem Niveau nicht vorkommen sollten. Mit einem Kinoticket für «Volume 2» ist man besser bedient. rtl
«Guardians of the Galaxy»für PC, PS4, Xbox One, iOS, Android, Telltale, erschienen.
Wertung: ★★☆☆☆
Mr. Shifty prügelt schneller als sein Schatten
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«Mr. Shifty» bietet krachende Action im Stil von «Hotline Miami». Das Original erreicht das Indiegame indessen nicht.

Als 2012 «Hotline Miami» erschien, setzte der ultraschwierige Top-Down-Shooter Massstäbe: Selten zuvor hatte ein Indiegame so viel Spass gemacht, während es fast unmöglich zu meistern war. Das Game «Mr. Shifty» hat dieses Prinzip aufgegriffen: Wieder wird mit der Sicht von oben gespielt, und erneut genügt eine Kugel, um den Helden zu töten. Mr. Shifty, dem sich während seiner Mission in einem Hochhaus zahllose Gegner in den Weg stellen, verfügt aber über eine Spezialkraft: Er kann sich – solange die Ausdauer reicht – durch Wände beamen. So überrascht er seine Feinde von hinten und weicht ihnen und den Kugeln blitzschnell aus. Der Held räumt sich den Weg aber nicht mit Blei frei, sondern ausschliesslich mit seinen Fäusten, Besenstielen und anderen nützlichen Gegenständen. «Mr. Shifty» ist zwar leichter zu meistern als «Hotline Miami», macht stellenweise aber fast ebenso viel Spass. (jag, 4. Mai 2017)

«Mr. Shifty» für PS4, Xbox One, PC, Mac; Team Shifty. Wertung: ★★★★★
«Little Nightmares» – schunkelndes Schauermärchen
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PUZZLE / STEALTH. Düstere Welten, unheimlicher Sound, viele Fragen – «Little Nightmares» erinnert frappant an einen Game-Hit aus dem letzten Jahr.

Wer es gern bunt und knallig hat, sollte um dieses Spiel einen weiten Bogen machen: «Little Nightmares» vom schwedischen Entwickler Tarsier nimmt einen mit auf einen eintönigen, aber höchst atmosphärischen Gruseltrip. Eine düstere Welt voller unheimlicher Gestalten und Geräusche, bei denen nur das sanfte Wiegen und ein fernes Motorengeräusch daran erinnern, dass man sich auf einem Schiff befindet. Erklärt wird einem das nicht, denn in «Little Nightmares» wird nicht gesprochen. Nicht einmal eine Anleitung gibt es. Das Abenteuer fordert seine Spieler konsequent auf, die Gegend selber zu erkunden, Rätsel zu lösen und sich in einer unheilvollen Welt zu behaupten. Ein Mix aus Puzzle- und Stealth-Game, wobei die Schleich-Elemente überwiegen.
Heldin des Abenteuers ist ein stummes Mädchen, das nur einen gelben Regenmantel und ein Feuerzeug bei sich trägt. Six, so ihr Name, muss aus dem Schlund zu entkommen, in dem Kinder von unheimlichen Erwachsenen festgehalten werden. Ihr Weg führt durch ein Gefängnis, eine Puppenmacher-Welt und eine gruselige Küche voller Fleischabfälle.
Das schunkelnde Schauermärchen erinnert dabei an einen anderen Titel aus Skandinavien. Zum Indie-Hit «Inside» – für manch einen das Spiel des Jahres 2016 – weist das Schweden-Märchen tatsächlich Parallelen auf. Vor allem die Atmosphäre, der Sound und das Konzept mit einem verlorenen Kind in einer feindlichen Welt sind nahezu identisch. Allerdings steht hier das Überwinden von Kindheitsängsten im Zentrum – womit «Little Nightmares» im Unterschied zu «Inside» fassbarer ist. Tolle, originelle Erlebnisse sind aber beide Spiele. Da schaut man drüber weg, dass auch das Speichern und die Steuerung ab und zu der Horror ist. (rtl)

«Little Nightmares», Tarsier Studios, für PC, PS4 und Xbox One, bereits erschienen
Wertung: ★★★★☆
«Nonstop Chuck Norris» – der Kultstar lässt nichts anbrennen
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ACTION. Wenn ein Schauspieler für Memes besser bekannt ist als für seine Filme, dann ist das eine Leistung. Bei Chuck Norris gelten jedoch ohenhin keine normalen Regeln. Denn die Welt dreht sich nicht um Chuck Norris – Chuck Norris dreht die Welt um sich. Zur Feier seines 77. Geburtstags am 10. März hat der unverwüstliche Action-Held nun einen weiteren Meilenstein gesetzt. In seiner typisch überzeugenden Art «motivierte» er eine deutsche Firma, ein Spiel zu entwickeln. «Nonstop Chuck Norris» ist als kostenloses Action-Spiel für Smartphones und Tablets erschienen. Darin reist der Spieler zusammen mit dem Titelhelden durch Universen und kämpft gegen Horden von Schlägern – während man Fakten und Sprüche über Chuck sammelt. Dabei kann man die berüchtigte Naturgewalt des Action-Stars einsetzen und ihn unterstützen, indem man ihn mit abgefahrenen Waffen wie Klappstühlen, Kettensägen, Selfie-Sticks ausrüstet. Witzig, simpel und kultig – genau wie Chuck Norris. rtl
«Nonstop Chuck Norris», Flaregames, für iOS und Android, erschienen.
Wertung: ★★★☆☆
«Bulletstorm»: Für Meister der Bleistürme und Skillshots
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ACTION. «Bulletstorm: Full Clip Edition» ist altbacken, hanebüchen und stupide. Und macht gerade deshalb immensen Spass.

Zugegeben: Ein neues Game ist «Bulletstorm» nicht. Bereits 2011 erschien die erste Version des Egoshooters – nicht ohne mediales Getöse: Wegen des tiefschwarzen Humors, der Story voller sexueller Zweideutigkeiten und der Möglichkeit, Gegner auf brutale Art abzumurksen, geriet «Bulletstorm» in Verruf und kam in Deutschland auf die Liste jugendgefährdender Medien.

Mit der Neuaufl age «Bulletstorm: Full Clip Edition» wurde «Bulletstorm» wieder von der Liste genommen – obwohl es sich grundsätzlich um dasselbe Spiel handelt, das grafisch und technisch allerdings auf den neusten Stand gebracht wurde. Neu kann die Einzelspielerkampagne zudem als Kult-Gameheld Duke Nukem durchgespielt werden.

Im Spiel geht es vor allem darum, reihenweise Feinde zu durchlöchern, sie in Abgründe zu treten und – ja, brutal – aus dem Verkehr zu ziehen. Je erfindungsreicher der Spieler im virtuellen Killen, umso mehr Skillpunkte gibts für Waffenkäufe und Upgrades. Intelligenter sind die Story und die Sprüche der Protagonisten im Vergleich zu früher ebenfalls nicht geworden; die Hintergrundgeschichte könnte plumper kaum sein.

Sieht man aber auch darüber hinweg, dass man dem Game trotz Neulackierung das Alter ansieht, handelt es sich bei «Bulletstorm: Full Clip Edition» um einen exzellenten, wegen seines Tempos und der Spielbalance süchtig machenden Shooter. (Jan Graber, 20. April 2017)

«Bulletstorm: Full Clip Edition» für PS4, Xbox One, PC; People Can Fly, Gearbox. Wertung: ★★★★☆

Egoshooter «Drawn to Death»: Im Zeichenheft eines Teenies
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Optisch überraschend, spieltechnisch wenig mehr als eine Notiz: «Drawn to Death» vermag nicht zu überzeugen.

Der «God of War»-Erfi nder David Jaffe stösst mit dem Multiplayer-Shootergame «Drawn to Death», das exklusiv für die PS4 erschienen ist, in grafisch ungewöhnliches Territorium vor. Das Game findet ausschliesslich im Skizzenbuch eines Teenagers statt, der darin zeichnerisch seine jugendlichen Fantasien auslebt. Bevölkert wird das Buch deshalb von absurden Waffen und Figuren, beispielsweise von der sexy Ninjaw mit Haikopf oder Diabla Tijuana mit dämonischen Fähigkeiten. Zwei und mehr Spieler messen sich mit den Figuren in Kampfarenen während sogenannten Death Matches, in denen das Team mit den meisten Kills gewinnt. Sich nur ballernd die Rübe wegzupusten, reicht nicht: Die Spezialfähigkeiten der Figuren müssen geschickt genutzt, bestimmte gegnerische Angriffe um jeden Preis vermieden werden. «Drawn to Death» erinnert an Klassiker wie «Unreal Tournament», ist optisch zwar eigener, vermag spieltechnisch aber nicht zu fesseln. (jag, 20. April 2017)

«Drawn to Death» für PS4; San Diego Studio, Sony. Wertung: ★★★☆☆

«Thimbleweed Park» – witzige Mördersuche im Pixel-Land
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POINT-N-CLICK. Entwickler-Legende Ron Gilbert kehrt zu seinen Wurzeln zurück: «Thimbleweed Park» ist ein altmodisches Adventure-Game voller Witz und Esprit.

Popstars unter Entwicklern gibt es so einige. Legenden wie Ron Gilbert dagegen sind rar. Der 53-jährige Amerikaner war es, der vor 30 Jahren «Maniac Mansion» entwickelte und 1990 mit «The Secret of Monkey Island» das für viele ultimative Adventure-Game folgen liess. Noch heute sind die Titel aus Gilberts Zeit bei LucasArts unvergessen. Prompt wurde er regelrecht angefleht, noch einmal ein altmodisches Point & Click-Adventure zu entwickeln. Nun ist es also soweit; mit «Thimbleweed Park» kehrt Gilbert zu seinen Wurzeln zurück. Das Game kommt nicht nur optisch im pixeligen Retro-Look der Klassiker daher. Auch inhaltlich atmet das Spiel den Geist der 80er und 90er Jahre. Allerdings hat Gilbert sein per Crowdfunding finanziertes Spiel vollgepackt mit Anspielungen und Insider-Jokes. Diese zweite Ebene sorgt dafür, dass «Thimbleweed Park» weit mehr als nur ein cooler Retro-Spass für Nostalgiker ist – es ist auch ein witziger Kommentar zur aktuellen Pokultur. Der Inhalt ist nebensächlich, aber nicht ohne Reiz: Im Kaff Thimbleweed Park gehen die FBI-Agenten Ray und Reyes einem Mord nach. Sie stossen auf eine Reihe Verdächtiger sowie ein paar schräge Figuren. Was etwa hat es mit Erfinder Chuck auf sich? Warum lacht keiner bei Clown Ransome? Und schafft es Dolores, ihren Traumjob als Gamedesignerin wahrzumachen? «Thimbleweed Park» strotzt vor Referenzen nicht zuletzt auf Gilberts eigenen Katalog. Es gibt überraschende Wiedersehen mit bekannten Figuren, genial-verschrobene Dialoge und jede Menge Details, die das kultige Pixel-Design abrunden. Eine herrlich witzige Zeitreise mit Hintergedanken, bei dem eigentlich nur die Auflösung des Mordfalls keinen uneingeschränkten Applaus verdient. RTL
«Thimbleweed Park», für PC und Xbox One, bereits erschienen ★★★★★☆

(rtl)

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