Der absolute Horror

01. Februar 2012 18:30; Akt: 01.02.2012 18:30 Print

Die Furcht spielt mitDie Furcht spielt mit

von Jan Graber - Die Lust auf den Herzaussetzer: Survival-Horror-Games wie «Resident Evil» setzen aufs nackte Grauen und Schockeffekte. Wieso tun sich Gamer dies an?

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Ein Hauch Tod: In «Project Zero» werden die Geister mittels Fotokamera auf Film gebannt - sofern die Heldin dazu eine Hand frei hat. Klassiker: Von «Resident Evil 2» für die PSOne wurden 5,8 Millionen Stück verkauft. «RE 2» ist das bisher erfolgreichste Survival-Horror-Game. Welch Sauerei: Die Heldin Heather aus «Silent Hill» betrachtet, was sie angerichtet hat. Kopfarbeit: Das Indie-PC-Game «Amnesia: The Dark Descent» wurde am Independent Game Festival mit einem Award ausgezeichnet. Wegen seiner dichten Atmosphäre wird es als eines der furchterregendsten Games gehandelt. Unangenehmer Geselle: Wesen wie diesen begegnen Spieler in einem der wenigen Survival-Horror-Games für die Wii: «Cursed Mountain». Weckruf: Der Schriftsteller Alan Wake erlebt im gleichnamigen Xbox-360-Spiel am eigenen Leib die Schrecken, den er zuvor in seinen Büchern beschrieben hat. Dreh dich nicht um: Der Egoshooter «Doom 3» gehört zu den Klassikern des Horrorgenres, setzt allerdings weniger auf den stillen Schrecken, als auf knallige Schockeffekte. Beisserchen: «Dead Space 2» verlegt den ultimativen Schrecken in den Weltraum. Blutiger Tanz: In «Condemned 2» rücken einem die Monster bedrohlich nah auf den Pelz. Mädchenschreck: der Egoshooter «F.E.A.R.» wartet mit fiesen unerwarteten Schockmomenten auf, in denen das Mädchen Alma fürs Grauen sorgt. Am Schlimmsten sind Spielzeuge: «Forbidden Siren» versetzt Spieler in ein japanische Bergdorf, in dem die unheimlichsten Dinge passieren.

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Zwei Dutzend Schüsse, bis das Wesen in die Knie geht, und noch immer kriecht es weiter – schmatzende und gurgelnde Geräusche von sich gebend. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, die Munition fast bis zur letzten Kugel verschossen. Vor mir liegt ein dunkler Gang, weit hinten flackert eine kaputte Neonröhre. Hier muss ich durch. Das Adrenalin summt in den Fingern, die Nackenhaare kräuseln sich. Ich weiss, bald taucht das nächste Monster auf. Hören kann ich es schon.

Survival-Horror-Spiele gehören zum Intensivsten, was sich ein Gamer in Sachen Nervenkitzel antun kann. In einer geisterhaften, feindlichen Welt, die meist nur bruchstückhaft vom Strahl einer schwachen Taschenlampe beleuchtet wird, muss der Held gegen das Böse schlechthin bestehen: gegen Geister, rastlose Seelen, Monster und Zombies.

Während Zombie-Metzel-Spiele à la «Dead Island», «House of the Dead» oder «Left4Dead» kein wirkliches Entsetzen auslösen, weil es ums möglichst deftige Abschlachten von Untoten geht, ziehen Survival-Horrorspiele ihren Schrecken aus den Momenten zwischen der Gewalt: Wenn mittels Geräuschen und Andeutungen die Spannung bis ins Unerträgliche steigt und sich der Feind just dann auf den Helden stürzt, wenn man es am wenigsten – oder fieserweise am meisten – erwartet. Kurz: Der Horror findet nicht auf dem Bildschirm sondern im eigenen Kopf statt.

Vor allem Jugendliche fasziniert der Horror

Was ist so faszinierend am künstlich inszenierten Schrecken, dass sich Spiele wie «Resident Evil» oder «Silent Hill» millionenfach verkaufen? «Im Grunde geht es ums Lernen, mit der Angst umzugehen», sagt Florian Lippuner vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich. Vor allem Jugendliche bis zwanzig Jahre seien von Survival-Horror-Spielen fasziniert, danach nehme das Interesse in der Regel ab. Je gefestigter ein Mensch, umso weniger zieht ihn der künstliche Horror an.
Dass viele Jugendliche von Zombies fasziniert seien, so Lippuner, komme nicht von ungefähr: «Die Halbwesen zwischen Leben und Tod repräsentieren eine Situation, mit der sich Jugendliche unbewusst identifizieren. Auch sie sind in einer Zwischenwelt: der Kindheit noch nicht ganz entwachsen aber schon halb in der ernsten Arbeitswelt steckend.» Zombies repräsentieren zudem den totalen Verlust der Persönlichkeit – eine der Urängste der Menschen. Aber auch andere Monster stehen für etwas viel Schlimmeres als ihre bildliche Darstellung: für das dunkle Unbekannte in einem selbst.

Der Schreck im geschützten Umfeld

Der virtuelle Schrecken macht allerdings nur Spass, wenn er sich nach Belieben ausschalten lässt. «Spieler befinden sich in einer geschützten Situation», sagt Lippuner. Zum spielerischen Umgang mit dem Schrecken gehören auch reale Mutproben, wie etwa das Einsteigen in ein leerstehendes Haus oder der Besuch eines dunklen Kellers.

Nicht jedermann und jede Frau sucht indessen den Schocker-Kick dieser Art. Es komme, so Lippuner, auch aufs Umfeld drauf an: Wenn Imponiergehabe belohnt wird, sei es wahrscheinlicher, dass mittels Mutproben bewiesen wird, wie gut ein Beteiligter mit Angst umgehen kann.

Den Nervenkitzel im geschützten Rahmen zu suchen ist zudem ein uraltes Phänomen: Früher erzählte man sich einfach Schauermärchen vor dem offenen Kaminfeuer oder las im Bett eine Gruselgeschichte. Oder wie es ein User in einem deutschen Forum beschreibt: «Horror ist die Befriedigung der Lust auf das Unbekannte, das Grausige, was man selbst nicht erleben, aber wenigstens auf filmischer Ebene mal kosten möchte.»

Gametrailer «Resident Evil: Revelations»

(Quelle: YouTube)

Gametrailer «Amnesia: The Dark Descent»

(Quelle : YouTube)

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  • Nick Cound am 02.02.2012 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Amnesia

    Für mich stellt Amnesia horrormässig einfach alles was ich bisher gesehen und gespielt habe in den Schatten. Zu Ende spielen konnte ich es dabei aber noch nicht einmal, da ich es immer wieder auf die Seite legen musste. Wer weiss, vielleicht bin ich ja aber irgendwann "gefestigt" genug dafür...

  • Robyn Aitchison am 02.02.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    amnesia = schock

    Amnesia: the dark decent und die Sillent Hill reihe sind der hammer!!! hab selbst nut den anfang von Amnesia gespielt, aber schon nach 10 min kam der schreckeffekt. vorallem weil man die monster nicht besiegen kann :X p.s: ich bin weiblich :) jetzt will ich mal wissen: wer von der schweiz weiss, wer Mr. Face in Amnesia ist? comment :D

  • nurmalso am 02.02.2012 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Warum so negativ?

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen warum der "Experte" ein so negatives Bild von den Spielern zeichnet. Nicht gefestigte Persönlichkeiten, die ihre Situation in einer "Zwischenwelt" mit Imponiergehabe verarbeiten? Kann mich mal jemand aufklären welches Genres ich noch spielen und gleichzeitig als geistig gesunder Mensch gelten kann?

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