«Revolution»

10. Mai 2017 22:04; Akt: 10.05.2017 22:04 Print

Die Zukunft beginnt vor 500 Jahren

von Jan Graber - Ein Schweizer Gamestudio hat ein Spiel zum 500. Jubiläum der Reformation entwickelt. 20 Minuten konnte eine frühe Version bereits anschauen.

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Was haben die heutige Zeit und die Reformation gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Weshalb Moritz Zumbühl und Jeremy Spillmann von der Schweizer Blindflug Studios AG zunächst gar kein Spiel zum 500. Jubiläum der Reformation entwickeln, geschweige denn für eine Ausschreibung einreichen wollten. Bis sie sich näher mit dem Thema auseinandersetzten und feststellten: So weit voneinander entfernt sind die zwei Zeitalter gar nicht. Sie entwarfen ein Konzept – und erhielten den Zuschlag.

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«Der Grundgedanke der Reformation ist heute aktueller denn je», sagt Zumbühl, während Frédéric Hein, der für die 3-D-Gestaltung und Animationen zuständig ist, das Spiel startet. Zumbühl: «Heute erleben wir einen neuen Kampf um die Werte der Aufklärung, die mit der Reformation begann.» Ebenso wie damals die christliche Kirche würden heute übermächtige Institutionen das Leben dominieren: Die global agierenden Internetkonzerne, die über Informationsmonopole und Spielräume verfügen, die sie auch der Macht der Staaten entziehen. Es liesse sich sogar eine Parallele zum Ablasshandel vor der Reformation finden: Wer heute genügend Geld in die Hand nimmt, kann verhindern, dass gewisse Informationen in Suchmaschinen wie Google auftauchen.

Die witzige Provokation

Entsprechend geht es im Arcade-Game mit dem Arbeitstitel «Renewal» um den Widerstand gegen eine solche Macht, die im aktuellen Entwicklungsstand des Spiels noch den Namen «Firma» trägt. Das Game spielt in einer futuristischen Version des Niederdorfs Zürich. Spieler führen eine weibliche Figur schrittweise durch eine ziemlich genaue Abbildung der Altstadt, während immer mehr Kameras und Sicherheitskräfte den weiteren Weg erschweren; mit jedem der fünf Level wird die Aufgabe komplizierter. «Wir konnten auf ein digitalisiertes Architekturmodell der Stadt Zürich zurückgreifen», sagt Hein zum genauen Abbild der Stadt. Als Vorbilder zu «Renewal» dienten zudem zwei Games: Das Stealth-Adventure «République» und das Puzzlegame «Lara Croft: Go».

Teil des Spiels ist zwar vor allem der Spass, aber auch die Wissensvermittlung: Auf dem Weg durch die Stadt stösst die Heldin immer wieder auf Dokumente, die über die Reformation und Zwinglis Werk informieren. So finden Spieler beispielsweise mehr über das berühmte Wurstessen heraus, das als pure Provokation der Kirche stattfand. Oder sie erfahren, dass der Zürcher Reformator eine uneheliche Beziehung führte, aus der auch Kinder hervorgingen. «Wir haben uns intensiv mit seiner spannenden Geschichte auseinandergesetzt», sagt Zumbühl.

Ein Game zum Denken

Nicht zuletzt deswegen ist «Renewal», das mit Geldern des Lotteriefonds im Rahmen der Feierlichkeiten finanziert wird, zum grössten Gameprojekt von Blindflug Studios angewachsen. «Wir investieren rund 2000 Stunden ins Spiel», sagt Zumbühl. Zum Vergleich: Das erfolgreiche Blindflug-Spiel «First Strike» kostete in der ersten Version 1200 Stunden. Als Zielgruppe soll vor allem ein jüngeres Publikum angesprochen werden. Einen ersten Test hat «Renewal» bei einer Mittelschulklasse bereits bestanden. Zumbühl zeigt sich aber überzeugt davon, dass sich auch ältere Spieler gewinnen lassen.

Egal, ob für jung oder alt: Mit «Renewal», das zum Denkfest Anfang November 2017 erscheint und gratis erhältlich sein wird, verknüpfen Blindflug Studios auf clevere Weise ein historisches und aktuelles Zeitbild und regt damit auf unterhaltsame Weise zum Denken an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. PAC MAN am 11.05.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Szenario und Geschichte super aber:

    Würde gerne sehen wie die Schweizer Gameindustrie mal Games entwickelt welche auf dem aktuellen Stand der Grafik sind...Egal ob Mobile/Konsole/PC irgendwie kann man meiner Meinung nach nicht Fuss fassen in diesem Business (vor allem wenn es in unsrem Land eher ein kleines Business ist) wenn man nicht mit der Konkurrenz mithalten kann. Games entwickeln welche grafisch den Stand von 2000-2005 haben und sich doch verkaufen wie warme Weggli.... Das kann nur Nintendo ;-) Ist zumindest in meinem Fall so und bei vielen anderen auch: Das Auge gamt mit!

  • OberGamer am 11.05.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Next Please

    Danke das Ihr schreibt das es in der Schweiz entwickelt wurde. Somit weis ich gleich das es nichts ist und werde es meiden.

  • Game Dev am 11.05.2017 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Grafik?

    Idee gut Grafik Fail. Das wird so nix.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Game Dev am 11.05.2017 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Grafik?

    Idee gut Grafik Fail. Das wird so nix.

  • OberGamer am 11.05.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Next Please

    Danke das Ihr schreibt das es in der Schweiz entwickelt wurde. Somit weis ich gleich das es nichts ist und werde es meiden.

  • Mr. PAC MAN am 11.05.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Szenario und Geschichte super aber:

    Würde gerne sehen wie die Schweizer Gameindustrie mal Games entwickelt welche auf dem aktuellen Stand der Grafik sind...Egal ob Mobile/Konsole/PC irgendwie kann man meiner Meinung nach nicht Fuss fassen in diesem Business (vor allem wenn es in unsrem Land eher ein kleines Business ist) wenn man nicht mit der Konkurrenz mithalten kann. Games entwickeln welche grafisch den Stand von 2000-2005 haben und sich doch verkaufen wie warme Weggli.... Das kann nur Nintendo ;-) Ist zumindest in meinem Fall so und bei vielen anderen auch: Das Auge gamt mit!

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