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Machinima
18. Januar 2012 00:12; Akt: 18.01.2012 11:19 Print
Die Zweitkarriere der Game-Helden
von Jan Graber - Kreative Köpfe nutzen Games immer wieder zur Herstellung von Filmen - den sogenannten Machinima. Vom Kurzfilm bis zum abendfüllenden Streifen gibt es alles.

Mörderischer Müllmann: Niko Bellic kommt im Film «Trashmaster» die Rolle eines Angestellten der Müllabfuhr zu, der nicht nur herkömmlichen Abfall fortschafft, sondern auch mit menschlichem Abschaum aufräumt.
Spieler des Gangsterepos «GTA IV» kennen ihn, als wäre er ihr Bruder: Niko Bellic, der unverwüstliche Held mit dem russischen Akzent, der nach Liberty City reist, um in der Grossstadt sein Glück zu versuchen und in den Sumpf des Verbrechens abrutscht.
Bildstrecken Game oder interaktiver Film?Games: Kunst oder Kitsch?Gamefashion: Dressed to play Machinima in der Schweiz«In der Schweiz ist Machinima eher ein Fremdwort», sagt Luca van Griesven, der zusammen mit Graham Fitzgerald das 30-minütige Machinima «December» gedreht hat – unter Zuhilfenahme des Spiels «GTA: San Andreas». Van Griesven gehört zu einem winzigen Kreis von Schweizer Machinima-Künstlern. Der zweite im Bund ist der Basler Tomislav Bezmalinovic: Sein Werk «Engine» wurde 2005 im Rahmen des Echtzeit-Filmfestivals als bestes Machinima ausgezeichnet. «Engine» wurde mit Hilfe des Games «Doom 3» hergestellt. Ebenfalls zum kleinen Zirkel zählt Raphael Stücheli mit seinem einstündigen Werk «Deadline», das das Spiels «The Sims» als Filmproduktionssoftware nutzt.
Wenig dürften die «GTA»-Spieler hingegen über Bellic' zweites Leben wissen: dasjenige als Angestellter der Müllabfuhr. Als solcher schafft er nicht nur den üblichen Abfall fort, sondern räumt auch mit dem menschlichen Abschaum auf. Bellic ist ein «Trashmaster», wie er sich selbst nennt; er ist auf der Jagd nach Mördern und Bankräubern und jagt besonders einem Prostituierten- und Stripperinnen-Mörder nach. Niko Bellic ist der Held im abendfüllenden Spielfilm «Trashmaster».
Mit Hacks zu den Spiel-Filmen
Bei «Trashmaster» handelt es sich indessen nicht um einen herkömmlichen mit Kamera und echten Schauspielern gedrehten Streifen, sondern um ein sogenanntes Machinima. Der Begriff setzt sich aus den Worten Cinema, Machine und Animation zusammen.
Ihren Ursprung haben Machinimas im Egoshooter «Quake». «Quake» war eines der frühen Games, das Spielern erlaubte, Gamesequenzen aufzunehmen, um mit diesen vor den Kumpels zu prahlen. Das brachte findige Köpfe darauf, den Programmcode so zu hacken, dass sich die Sequenzen willkürlich zusammenschneiden liessen. Was bei wieder anderen zur Idee führte, die Spielfiguren gleich als Schauspieler zu missbrauchen. Sie legten ihnen mit Stimmvertonungen Worte in den Mund und bedienten sich klassischer Filmtechniken wie Postproduktion, Musik und Filmschnitt, um Kurzfilme zu schaffen, die mit dem eigentlichen Spielinhalt wenig gemeinsam hatten.
Komödien beliebt
Als Geburtsstunde der Machinimas gilt ein damals noch Quake-Movie genannter 100-Sekunden-Film namens «Diary of a Camper» aus dem Jahr 1996: Die Egoperspektive eines Spielers wird genutzt, um ein Multiplayergefecht aus verschiedenen Winkeln aufzunehmen und zu dokumentieren. Während es sich bei «Diary of a Camper» noch um ein dröges Filmchen handelt, entdeckten die Machinimafans bald den Klamauk. So im Quake-Movie «Larry & Lenny Lumberjack in Apartment Huntin‘», in dem drei Holzfäller auf Wohnungssuche gehen. Der Kurzfilm ist voller Slapstick im Stil der frühen Filmgeschichte.
Diese Form der Komödie fand bald Nachahmer. Berühmt wurden vor allem die «Red vs. Blue»-Episoden, in denen eine Reihe dumpfbackiger Masterchiefs aus dem Spiel «Halo» von einer grotesken Situation in die andere rutschen. Ebenfalls zu Kultstatus schaffte es die Machinima-Talkshow «This Spartan Life», in dem der Talkmaster und der Gast ebenfalls in die Rüstung eines Masterchiefs steigen, um sich während real ablaufenden Multiplayermatches über Gott und die Welt zu unterhalten – Situationskomik wie plötzliches Erschossenwerden inklusive.
Moderne Filmtechniken
Die kreativen Möglichkeiten und die tiefen Kosten liessen Machinima-Produzenten zudem immer längere und dramaturgisch dichtere Filme herstellen. So zum Beispiel das düstere Machinima «December» aus der Feder des Schweizers Luca van Griesven. «December» bedient sich wie der eingangs erwähnte Film «Trashmaster» den Editiermöglichkeiten des Games «Grand Theft Auto» und zeigt dramaturgische Filmkniffs, wie schnelle Schnitte, ungewöhnliche Kamerawinkel und Vertonungen, um Spannung und Stimmung zu schaffen. «Nirgendwo anders lässt sich in Sekundenschnelle die Wetterlage und Tageszeit verändern oder mit einem Knopfdruck die Strasse leerfegen, um Platz fürs Filmen zu schaffen», sagt van Grinsven.
Mathieu Weschler, aus dessen Feder der eingangs erwähnte, 90-minütige Spielfilm «Trahsmaster» stammt, streicht heraus, dass vor allem die tiefen Kosten bei der Herstellung eine wichtige Rolle spielen. Zwei Jahre lang hat Weschler praktisch im Alleingang an «Trashmaster» gearbeitet. «Die Machinima-Technik war für mich ein günstiges Mittel, meine Kreativität als Filmemacher unter Beweis zu stellen», sagt der Franzose. Mit Erfolg: Der Film wurde in der halben Welt gezeigt und mit Untertiteln in diversen Sprachen, darunter auch Farsi, versehen. Aus den USA wurde zudem Interesse daran bekundet, ein Remake von «Trahsmaster» zu filmen – dieses Mal aber mit echten Schauspielern.
«Diary of a Camper»
«Diary of a Camper» gilt als erstes Machinima der Geschichte. Verwendet wurden der Demomodus des Egoshooters «Quake».
(Quelle: YouTube.com)
«Trashmaster»
Der abendfüllende Spielfilm «Trashmaster» von Mathieu Welscher gehört zu den herausragenden Werken der Spiel-Film-Kunst.
«This Spartan Life»
In der Talkshow «This Spartan Life» begrüsst Chris Burke alias Damian Lacedaemion Gäste in Multiplayermaps von «Halo» - machnmal mit ungeahnten Folgen.
(Quelle: YouTube.com)
«Red vs. Blue»
Ein Klassiker der Machinimas: Die Reihe «Red vs. Blue» wurde 2003 aus dem Boden gestampft und schaffte bald Kultstatus. Mittlerweile geht die Serie in die neunte Saison.
(Quelle: YouTube.com)
«December»
Das 30-minütige Machinima «December» stammt aus der Feder des Schweizers Luca van Grinsven.
December - GTA machinima from Circular Work on Vimeo
(Quelle: Vimeo.com)
«Edge of Remorse»
Stummfilm ohne Worte aus der Feder von Jason Choi. Dank dramaturgischen Kniffen wird eine dichte Story erzählt, die Emotionen auslöst. Der achtminütige Film packt nicht zuletzt wegen der elegischen Musik.
(Quelle: YouTube.com)
«Leeroy Jenkins»
Ein humoristisches Stück über einen Typen, der statt im Team eine Monsterhöhle zu stürmen plötzlich losprescht, um eigenhändig die Monster zu besiegen. Um ihn zu retten, stürzen die restlichen Mitglieder hinter ihm her, völlig unorganisiert – und kommen um.
(Quelle: YouTube.com)
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Alle 16 Kommentare



















































Tales of the past
1, 2 und 3. WoW filme, die einfach genial gemacht sind und bei denen der gesamte Server bei den schlachten mitspielt.
ASSASSIN
also ich finde es fehlt der kurzfilm von assassin's creed 2...(oder brotherhood,weiss nicht mehr genau.,.) und wie schon einige mitforisten angemerkt haben..: niko bellic ist serbischer abstammung..nächstes mal besser recherchieren ;)
russischer Akzent nicht Russe
es steht russischer Akzent & nicht er ist Russe. nächstes mal besser lesen ;)
Akzent
Wenn er ein Serbe ist dann hat er serbische Akzent und nicht rusische,logisch,oder wie man hier in der Schweiz sagt ''Jugoakzent'' :-)?
Akzent
Genau, wieso sollte ein Serbe einen russischen Akzent haben? Oder ist es so wie beim Marschall Tito? - ich weiss der war Kroate... Für die Russen tönt ein serbischer Akzent wie ein georgischer...
Schade
Ich finde Anno 1602 immer noch geil. Tetris ist auch eine spannende Simulation. Bei all den neuen Spiele finde ich einfach die Grafik nicht genügend!! Ich finde sowieso dass es Zeit ist für neue Konsolen!