Teure Spielerei

01. April 2017 18:59; Akt: 01.04.2017 18:59 Print

Die meisten Schweizer Games rentieren nicht

von Jan Graber - Der Gamemarkt ist ein hartes Pflaster: Schweizer Spiele kosten in der Entwicklung viel Geld – und bringen nur mit viel Geschick und Glück etwas ein.

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Mission Erfolg: Mit «Airheart: Tales of Broken Wings» will Blindflug Studios an die guten Verkäufe von «First Strike» und «Cloud Chaser: Journey of Hope» anknüpfen. (Bild: Blindflug)

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Über die hiesige Gameindustrie herzuziehen, gehört bei Fans von Blockbuster-Spielen zum guten Ton. «Die sollen doch endlich mal ein richtiges Game entwickeln», lautet der Tenor vieler Kommentare zu Schweizer Titeln. Mit einem «richtigen Game» sind in der Regel Spiele gemeint, deren Herstellung mehrstellige Millionenbeträge verschlingt und die von Teams entwickelt werden, die bisweilen aus mehreren Hundert Profis bestehen.

Von diesen Zahlen sind Schweizer Gamestudios freilich weit entfernt. Hierzulande sind Teams aus zwei bis fünf Entwicklern die Regel. Doch selbst in diesem kleinen Rahmen kostet die Spielentwicklung viel Geld.

Bis zu einer Million Franken

Unterschieden werden muss laut Schweizer Gamedesigner Jeremy Spielmann (siehe Box) zwischen drei Kanälen: Mobile Games, PC-Spielen und Games für Konsolen wie die PS4, Xbox und Nintendo Wii respektive seit neustem Nintendo Switch. Der Mobile-Game-Markt gehört mittlerweile zu den grössten. Im letzten Jahr entfielen von einem weltweiten Gesamtumsatz von 99,6 Milliarden Dollar, der mit Games gemacht wurde, 38,6 Milliarden auf mobile Spiele (Erhebung 2016 von Newzoo.com).

Die Kosten für die Entwicklung eines Mobile Games schätzt Spillmann in der Schweiz auf zwischen 20'000 und 200'000 Franken, abhängig vom Umfang des Spiels. Die Zahl kann – vor allem für Free2Play-Games – aber bis in den siebenstelligen Bereich gehen. Für ein PC-Game müssen Entwickler über ein Budget von 100'000 bis 500'000 Franken verfügen. Am teuersten wird es auf Konsolen: Hier verschlingt die Entwicklung eines Games zwischen 200'000 und einer Million Franken.

Ins Geld gehen die hohen Löhne hierzulande. Bei einem Monatslohn von 4000 Franken fallen für ein fünfköpfiges Team jährlich 240'000 Franken an. Zusammen mit Steuern, Infrastrukturkosten und Lizenzen sind das pro Jahr etwa 300'000 Franken. «Darin nicht eingerechnet ist das Marketing, für das mit einem zusätzlichen Drittel gerechnet werden muss», sagt Spillmann.

Wer sieht mich?

Demgegenüber steht die Hürde, im riesigen Markt mit dem eigenen Spiel wahrgenommen zu werden. Zwar sind weltweit eine Milliarde Smartphones im Umlauf, allein im App Store von Apple werden pro Woche aber rund 5000 Games veröffentlicht. «Ohne persönlichen Kontakt hat man hier keine Chance», sagt Spillmann. Ein schwarzes Loch ist der Android-Markt. Der Grund: Piraterie. «Unser Spiel ‹First Strike› wurde auf Androidgeräten zu fast 90 Prozent illegal kopiert», sagt Spillmann.

Der Steam Store für PC-Spiele bietet mit 223 Millionen Nutzern zwar ebenfalls eine riesige potenzielle Käuferschaft. Wegen der schlechten Qualität vieler Games sind die Konsumenten hier aber skeptisch und warten auf Ausverkaufsangebote. Am spannendsten, was die Wahrnehmung betrifft, sind Konsolenspiele: Auf diesen Plattformen herrscht eine kleinere Konkurrenz, und die Plattformbetreiber können mit ihrer riesigen PR-Infrastruktur das Game bewerben.

Nur 100 Franken Ertrag

Damit ist der Erfolg aber längst nicht garantiert: Laut «Forbes» lassen sich mit einem Mobile Game für iOS durchschnittlich 21'000 Dollar verdienen. Schweizer Games würden zwischen 100 Franken und 800'000 Franken erwirtschaften, schätzt Spillmann – eine riesige Bandbreite. Ein PC-Spiel bringe durchschnittlich 250'000 Franken (mit einer Bandbreite für Schweizer Indie-Games zwischen 15'000 und 300'000 Franken).

Die Ausnahmen der Regel bilden der «Landwirtschaftssimulator», «Train Fever» und «Transport Fever»: Beim «Landwirtschaftssimulator» liegt der Schätzwert im zweistelligen Millionenbereich; «Train Fever» und «Transport Fever» von Urban Games haben zusammen einen Umsatz von 8,5 Millionen Franken generiert. Keine Zahlen sind für Konsolenspiele erhältlich, weil Sony, Microsoft und Nintendo dazu schweigen.

Fazit: Die Entwicklung von Spielen ist riskant. Spillmann sieht es trotz eigenen Erfolgen nüchtern: «Die meisten Games sind statistisch nicht rentabel. Das heisst aber nicht, dass man es nicht versuchen sollte.» So darf wohl auch in der nächsten Zeit nicht mit einem Blockbuster-Game aus Schweizer Schmieden zu rechnen sein.

Erfolgreiches Blindflug-Game: «First Strike»

(Youtube.com)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moi am 01.04.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha?

    gefühlte 2 jahre lese ich hier wie inovativ und toll schweizer games angeblich sind und nun das? schon komisch :)

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  • mulu am 01.04.2017 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt doch nöd

    Spiele Entwicklee und Monatslohn 4000? Ja genau ist klar warum diesw Spiele dann ein Flop sind

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  • Kudi, Weggis am 01.04.2017 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unternehmer braucht mehr

    Um als Unternehmer erfolgreich zu sein, braucht es mehr als nur Träume. Marktanalyse und Werbung wäre der Anfang.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 02.04.2017 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Belanglose Mini-Spielchen

    Eine belanglose App, ob für iOS oder Android ist irrelevant, ist noch kein "Game". Der meistens unterdurchschnittliche und langweilige Müll geht in der Masse der anderen miesen Games im Sekundentakt unter. 99,9% dieser Indie-Games sind langweilig, belanglos und bieten massiv weniger Gameplay als ein C64-Game von anno dazumal. Packt die Sache richtig an oder lasst es sein.

  • Hiki am 02.04.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer arbeitet 100% für 4000?

    Also ein Entwickler der für 4K inkl. Abzüge arbeiten kommt darf sich gerne melden. Ich kenne kein guten Entwickler der dafür in der Schweiz arbeitet.

  • Stefan Z. am 02.04.2017 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Made in CH

    Ich weiss nicht, was die Leute erwarten. Wir haben hier einen Games Markt in der Schweiz, der massiv höhere Löhne braucht als die USA z.B., viel weniger Investoren zur Verfügung hat, kaum Infrastruktur, wenig Know-How, etc. Das kann man auch mit Innovation nicht wettmachen. Übrigens, Innovation und Erfolg sind 2 verschiedene Wörter. Sieht man schon an der Länge der Wörter. Es gibt viele innovative Sachen, die keinen Erfolg hatten und Schrott, der massig Geld einbringt. Ist nunmal so.

  • Peti am 02.04.2017 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Frist Strike ohne die Schweiz?

    Im Trailer (0:39) fehlt die Schweiz auf dem Globus. Das ist wohl die typische Schweizer Bescheidenheit oder man will nicht, dass die Schweiz Ziel des Erstschlages wird :-)

  • Igel am 02.04.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch schöner

    Ich Game am liebsten auf gross TV. Habe mir einen fast 1,70 m TV nur zum Gamen gekauft. Für das bezahle ich BILLAG!

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