Wütende Gamer

14. Oktober 2017 22:17; Akt: 15.10.2017 00:44 Print

Ist die Game-Community wirklich so vergiftet?

von Jan Graber - Hass-Kommentare, Drohungen gegen Designer: In der Game-Welt gehen die Wogen hoch. Doch das Jammern der Industrie ist heuchlerisch.

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Die Game-Community von «League of Legends» zählt wegen der elitären, beleidigenden Gamer ebenso zu den giftigsten Gemeinschaften der Gamewelt wie ... ... jene des Online-Multiplayerspiels «DOTA 2». Während einige Spieler in «Minecraft» eindrückliche Werke bauen, geht es anderen auf den öffentlichen Servern nur um eins – diese zu zerstören. Bei «Fifa»-Fans gehen die Emotionen wie im echten Fussball schnell hoch. Die Fans gelten als leidenschaftlich bis erbarmungslos aggressiv. Miesepetrige Spieler finden sich auch in den Multiplayer-Modi aller «Call of Duty»-Spiele. Manche Beobachter zählen die Communities des Egoshooters zu den schlimmsten. Der extrem hohe Schwierigkeitsgrad von «Dark Souls» ruft vor allem elitäre Spieler auf den Platz, die sich gerne verächtlich über Anfänger und weniger gute Spieler auslassen. Ebenfalls ein Sammelbecken für elitäre Geister bilden die «Counter Strike»-Games. Neulinge und schwächere Spieler werden hier bisweilen von den Servern gekickt. Nicht chefmässig: Die «Halo»-Community wird laut Beobachtern zu einem grossen Teil von kindischen Spielern dominiert. Für böses Blut sorgte «Mass Effect: Andromeda» wegen schlechter Gesichtsanimationen. Die «Mass Effect»-Community gilt generell wegen der grossen Leidenschaft als ungnädig gegenüber den Entwicklern. Die «Overwatch»-Community geht ebenfalls gern auf die Entwickler los. Manche Gamedesigner verzichten mittlerweile darauf, in öffentlichen Foren über die Entwicklung zu berichten.

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Aus der Welt der Gameindustrie ist derzeit ein grosses Wehklagen zu vernehmen: Gamedesigner werden von wütenden Fans mit hasserfüllten Kommentaren und Beleidigungen eingedeckt und bisweilen sogar bedroht. Gameportale wie Kotaku.com sprechen von einer vergifteten («toxic») Community. Gameprofis wie Jeff Kaplan von Blizzard («Overwatch») und Charles Randall (Ubisoft, Bioware) erklären, die Gamedesigner würden sich davor fürchten, in Fan-Foren zu posten. Und zwar weil sie mit Shitstorms von erbosten Fans rechnen müssen, die sich um etwas betrogen fühlen oder es besser zu wissen scheinen.

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Zwar gehört die gehässige Tonalität unter der Gürtellinie zu den Schattenseiten des offenen Internets, in der Gamewelt gehen die Wogen bisweilen aber besonders hoch. «Der giftige Ton gehört heute zum Zeitgeist», sagt Medienforscher Florian Lippuner. Der Kommunikationsstil habe sich durch die neuen Medien verändert. Dass es in den Game-Communities besonders deftig zur Sache geht, will er nur bedingt stehen lassen. «Echte Hasskommentare machen einen verschwindend geringen Teil der Diskussion aus – nur hört man diese Leute am besten», sagt er.

Testosteron und Leidenschaft

Obwohl er Bedrohungen und beleidigende Kommentare «unter aller Kanone» findet, bringt Lippuner ein gewisses Verständnis für die Kritik von Gamern auf. Vor allem im E-Sport, wo der Ton sehr rau sein kann, gehe es um ein spannungsgeladenes, wettbewerbsorientiertes und testosterongeladenes Umfeld.

Die Intensität ist aber nicht nur dort spürbar: «Die Leidenschaft von Gamefans ist hoch. Für viele ist Gamen ein wichtiger Teil ihres Lebens», erklärt der Medienforscher. Hobbys seien identitätsstiftend – das gelte aber auch für andere Leidenschaften wie Autos oder Musik.

Bei Entscheidungen von Gameentwicklern kann es aber sein, dass Fans den Kern ihrer Leidenschaft – zum Beispiel den Grundcharakter eines Spiels – in Gefahr sehen. Der wütende Kommentar wäre dann als besorgter Aufschrei zu verstehen, dass das Lieblingsgame verschlimmbessert oder gar unspielbar wird.

«Die Gameindustrie hat die Büchse der Pandora aber einst selbst geöffnet», sagt Lippuner. Über Community-Tools profitierte sie von den Ideen von Gamefans und liess diese in die Spiele einfliessen. «Sie zapften die Ressourcen an, profitierten von den Skills der Gamer und verdienten Geld damit. Nun beklagen sie sich darüber, dass sich die Machtverhältnisse verschoben haben», sagt er.

Die Gameindustrie reagiere wie einst die Plattenfirmen, indem sie die Diskussion auf eine moralische Ebene hebe. Im Klartext: Die Gameindustrie hört nicht zu, sondern beklagt sich heuchlerisch über die «toxischen» Gamefans, von denen sie aber profitiert hat. Lippuner: «Die Gamer fühlen sich verraten.»

Spieler sollten sich organisieren

Unlösbar ist die Situation indessen nicht. «Die Gameindustrie sollte gezielt Vertreter der Community an den Tisch holen», sagt Lippuner. Denkbar seien Spielerverbände oder Spielerräte, die die Anliegen der Gamer vertreten. Organisiert sich die Fangemeinde, können auch Trolle und Hasskommentatoren, die letztlich der Gemeinschaft schaden, isoliert und ausgegrenzt werden.

Für die Gameentwickler gäbe es dadurch klare Ansprechpartner und nicht einen diffusen Sumpf, der in seiner Undurchschaubarkeit als vergiftet wahrgenommen wird. Am Ende geht es darum, dass sich beide Seiten respektiert und ernst genommen fühlen. Hassen bringt dabei ebenso wenig, wie pauschal zu verurteilen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • r.z am 14.10.2017 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis/Leistung

    Unfertige Vollpreisspiele die zerstückelt werden für DLCs, dazu noch Lootboxen, Mikrotransaktionen für Echtgeld, Pay to Win... Das ist Gift, exklusiv für alle Vorbesteller.

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  • Stefan am 14.10.2017 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hat nichts mit Spielen zu tun.

    Es hat einzig und allein mit der Anonymität des Internets zu tun und nichts anderem. Es gibt Communities oder Spiele da ist der Spielername der effektive Vor- und Nachname. Da geht alles um ein vielfaches zivilisierter zu und her als in den beschriebenen Games. Was glaub ihr, was hier in den Kommentaren zu lesen wäre, würden die Kommentare nicht geprüft... Leider sind es genau solche Artikel die bei vielen ein schlechtes Bild auf die Spieler resp. die Game community werfen.

  • helium am 14.10.2017 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toxic

    Viele dieser negativen Kommentare und Rezensionen liessen sich vermeiden, wenn z.B. Firmen wie Ubisoft es unterlassen würden Vorverkäufe zu veranstalten mit schöngerenderten "Gameplayszenen". Und die Geschichte mit dem "Testosteron" ist in der Tat etwas unglücklich formuliert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AD am 15.10.2017 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar

    Ist schon Lustig, Sie bringen Spiele auf den Markt die eigentlich nicht Fertig sind. Darauf folgen dann die Updates und DLC. Bist das Spiel entweder fertig oder total unspielbar ist. Dann sich wundern wenn der Spieler Feedback gibt 1 mal 2mal man nie Antwort bekommt vom Support. Das dann in den Foren der Teufel los ist, ist doch klar.

  • ... am 15.10.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Communitivertreter? Ernsthaft? jeder hat eine andere meinung über ein game. Auch Wenn die meinungen sich nicht gross unterscheiden, bringt es trozdem nichts, vertreter zu schicken denn auch danach werden sich leute darüber aufregen.

  • Dä Jesus am 15.10.2017 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pseudopros sind das Problem

    Das Internet ist allgemein Hassverseucht, aber wie überall anders auch, fallen die wenigen, welche sich faneben benehmen mehr auf, als der ganze Rest der Gemeinschaft. Aber dieses dämliche Noob gebashe geht mir persönlich auf den Sack. Diese Typen sollten lieber daran denken, dass auch sie einmal Noobs waren und das auch sie nicht perfekt sind. Anstatt neue Spieler zu bashen und zu verscheuchen, sollte man diese lieber unterstützen oder haben die Angst, dass der Noob mehr Talent hat und sie überflügelt? Ich hatte früher immer Angst vor Multiplayer, da ich nicht in meiner Freizeit beleidigt werden wollte, nur weil ich neu bin und ich weis, dass es vielen auch so geht, was im endeffekt dazu führt, dass es entweder nur noch Idioten auf den Servern hat, oder das Spiel gleich ganz ausstirbt.

  • Adrian am 15.10.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Profit

    Die Spiele Industrie stand schon immer unter druck, doch in diesen Tagen hat sich das ganze total verändert. Heute sehen die "Inhaber" der Spiele schmieden nur noch die teilweise extrem erfolgreichen Spiele welche massenweise DLC und Mikro-Transaktionen haben und wollen von dem Kuchen einen Teil abhaben - Auf gut deutsch bei denen kommt der Befehl dazu von oben, da kannst du nicht mehr auf die Kunden hören..

  • Ameliore am 15.10.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Spielt WoW

    Es ist im Moment derart zeitaufwändig, dass es perfekt für Arbeitslose und No-Lifes geeignet ist. Resultat jahrelanger, harscher Kritik an allen Extensionen nach The Burning Crusade. Die Antwort von Blizzard war: Ihr wollt Content, also erhaltet ihr Content! Schade bin ich nicht arbeitslos :-)

    • MikeMU am 15.10.2017 14:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Ameliore

      So ein Müll, ich habe mal aus neugier wieder angefangen, nach kurzer Zeit hat man alles (ohne Gildenhilfe)... Nach BC gings Blizzard nur noch um schnell Geld zu verdienen mit Erweiterungen. Die meisten Spieler sind es leid, von den Herstellern versprechungen zu erhalten, die nachher nicht umgesetzt werden und erst dann ans Licht kommen, wenn man schon 60-90.- für das Spiel bezahlt hat. Heutzutage kann man die Spiele auch nicht mehr zurück geben, da sie an einem Benutzerkonto gebunden sind...

    • WOW-Veteran am 15.10.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MikeMU

      Es hat dich niemand gezwungen jedes Update zu machen. Ich hatte jede Menge Freude an BC als die nächsten Add-Ons schon draussen waren.

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