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08. Juli 2010 13:02; Akt: 12.07.2010 13:40 Print
Kampf gegen Trolle
von Henning Steier - Activision Blizzard verärgert Gamer. Bald können Spieler von «World of Warcraft» und «Starcraft 2» Forenbeiträge nur noch unter echtem Namen schreiben, was zu massiven Datenschutzproblemen führt.

Karriererisiko: Wer nicht aufpasst, dessen Spielspuren lassen sich bald leicht im Web finden. Symbolbild: Colourbox
Activision-Blizzard-Mitarbeiter Gnorog gibt sich im offiziellen Forum von «World-of-Warcraft» (WoW) verständnisvoll: «Wir begrüssen es, dass ihr gerne eure Meinung zu unseren letzten Ankündigungen mitteilen möchtet. Wir erwarten allerdings, dass dies ausschliesslich auf konstruktive Art und Weise geschieht.» Leider hielten sich nicht alle Forenteilnehmer daran und störten derzeit massiv die Übersicht im Forum und somit die anderen Forenteilnehmer, die sich auf konstruktive Art und Weise zu den Themen äussern möchten. «Dies zwingt uns leider dazu, dass wir ab sofort für die nächste Zeit sämtliche Störungen direkt mit permanenten Verweisen aus den Foren ahnden», schreibt der Mitarbeiter des Spieleherstellers.
Was die Diskussionsteilnehmer derartig aufregt, ist Activision Blizzards Ankündigung, dass Spieler in den offiziellen Battle.net-Foren in Zukunft nur noch unter ihrem echten Namen Beiträge verfassen dürfen. Wie es in einer Ankündigung des Unternehmens heisst, «wird diese Änderung zunächst in allen ‚StarCraft II’-Foren in Kraft treten, wenn die neue Community-Seite vor dem Erscheinen des Spiels am 27. Juli veröffentlicht wird. Die
Ohne Zustimmung keine Beiträge
Die bekannten Battle.net-Foren, inklusive der «Diablo-II»- und
Gamer haben dabei keine Wahl: Wer der Änderung nicht zustimmt, darf keine Beiträge mehr verfassen. «Nutzer können es sich aber aussuchen, ob sie ihren Klarnamen mit dem ihrer Charaktere verknüpfen», sagte ein
Kooperation mit Facebook geplant
Mit einem Redesign von Battle.net hatte Activision Blizzard kürzlich das so genannte Freundschaftssystem RealID eingeführt, in dem bereits Klarnamen angezeigt werden. Spieler können sich gegenseitig mit vollen Namen sehen und im Chat anschreiben. Das funktioniert auch übergreifend, also beispielsweise zwischen Starcraft- und WoW-Nutzern. Damit sollen die Community-Funktionen insgesamt verbessert werden. Auch eine Kooperation mit Facebook ist bereits angekündigt worden.
«Das Problem hierbei ist jedoch folgendes, nicht abschaltbares Feature: Die Freunde meiner Freunde sehen, ob ich online bin. Und sehen meinen richtigen Namen, obwohl ich es nur meinen Freunden erlaubt habe, diesen zu sehen», kritisiert World-of-Warcraft-Spielerin Marion Kall* im Gespräch mit 20 Minuten Online. Sie ärgert sich auch darüber, dass Activision Blizzard nicht verhindert, dass Klarnamen von Suchmaschinen gefunden werden und so leicht von Freunden oder Vorgesetzten gefunden werden können. «Es geht meinen Chef nichts an, was ich in meiner Freizeit mache», sagte die Luzernerin, die überdies befürchtet, dass sie zukünftige Arbeitgeber in eine negative Schublade stecken könnten, weil viele Vorurteile gegenüber
«World of Warcraft» ist mit einem jährlichen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar und rund zwölf Millonen Abonnenten zwar das erfolgreichste Online-Rollenspiel, steht aber auch immer wieder wegen seines Suchtpotenzials in der Kritik. Suchmaschinen auszusperren ist mit wenig Aufwand möglich, warum Activision Blizzard dies nicht tut – dazu war keine Stellungnahme zu bekommen. Auch Nutzer von Facebook sollten sich genau überlegen, welche ihrer Status-Updates sie öffentlich und damit für Suchmaschinen freigeben – ein Umstand, auf den die Seite youropenbook.org hinweist. Mit ihr lassen sich – allen Warnungen zum Trotz – immer noch zahlreiche verfängliche Statusmeldungen von Mitgliedern des weltgrössten sozialen Netzwerkes finden.
Angestellte als gutes Beispiel
Rechtlich lässt sich gegen Activision Blizzards Pläne wenig ausrichten: Spieler müssen die Foren nicht nutzen, denn wer nur im Web spielen will, kann dies auch tun, ohne seinen Klarnamen angeben zu müssen. Warum aber riskiert Activision Blizzard, viele seiner Forennutzer zu verlieren? In einer Mitteilung der Firma heisst es: «Die offiziellen Foren waren schon immer ein grossartiger Ort, um über die letzten Neuigkeiten zu unseren Spielen zu diskutieren, Ideen und Vorschläge anzubringen oder Erfahrungen mit anderen Spielern zu teilen. Allerdings haben die Foren im Laufe der Zeit auch den Ruf erlangt, ein Ort zu sein, in dem so genannte Flame Wars, Trollerei und andere unerfreuliche Dinge gedeihen.» Wenn der für Online-Unterhaltungen typische Schleier der Anonymität entfernt sei, werde dies zu einer besseren Umgebung in den Foren führen, konstruktive Unterhaltungen fördern und die Blizzard-Community auf eine Art und Weise zusammen bringen, in der sie bisher nicht verbunden war.
*Name geändert
Schreiben Sie uns bitte Ihre Meinung im Talkback: Was halten Sie von Activision Blizzards Ankündigung? Werden Sie noch Beiträge im Battle.net-Forum schreiben?
Update 11.7.: «Wir haben uns entschieden, dass es nicht nötig sein wird, echte Namen beim Veröffentlichen von Beiträgen in offiziellen Blizzard-Foren anzugeben», schrieb Mike Morhaime, einer der Gründer des Spieleherstellers in einer Mitteilung. Die RealID werde nicht abgeschafft, nur eben nicht im Forum eingeführt. Nichtsdestotrotz könne man bald wie geplant Beiträge anderer User bewerten.
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Alle 46 Kommentare



















































Sieg für die Community
Die Community hat gesiegt - blizzard hat eingelenkt. Nicht zuletzt auch durch die Berichterstattung. Ein Lob hierbei an 20Minuten - die einzige Zeitung, die sich scheinbar für Datenschutz interessiert.
Doch nicht
Blizzard hat das Vorhaben zumindest für die WoW-Foren vorerst zurückgezogen. Das nicht zuletzt wegen der (berechtigten) Kritik der Forennutzer.
Auch die Aussagekraft schwindet,
wer gibt schon zu, dass er in Level xy den Schlüssel nicht findet, das wird dann Tagesgespräch in der Firma... Oder macht Angaben zur Produktentwicklung, das dies oder jenes zu schwer für ihn sei. Und Bewerber für einen Job fallen dann schnell in die Schublade "Spieler mit Suchtgefahr". Und immer diese falschen Begründungen, man braucht für dieses Spiel eine Kreditkarte, wer sich daneben benimmt, dessen Karte kann man sperren. Aber lieber wegen ein paar "Terroristen" mal wieder die Rechte von allen aufheben...