Location Based Games

10. Februar 2012 22:27; Akt: 10.02.2012 23:24 Print

Schnitzeljagd mit dem HandySchnitzeljagd mit dem Handy

Mitten in Zürich werkeln acht Jungs an der Zukunft der Videospiele. Das Zauberwort heisst «Location Based Gaming» - die Vermischung von realer und spielerischer Welt. Verwirrt? Lesen Sie weiter!

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Im Werk «Can You See Me Now» der britischen Künstlergruppe Blast Theory benutzen Spieler ihre Smartphones und Walkie-Talkies, um in der realen Welt Avatare von Online-Spielern zu jagen, die sich durch ein virtuelles Abbild der Spielstadt bewegen. Das Game wurde 2001 entwickelt und gehört zu den frühsten Versuchen im Location Based Gaming. Ebenfalls eines der frühen Location Based Games heisst «Pac-Manhattan», in dem sich ein Teilnehmer als Pac Man verkleidet und die restlichen als Inky, Pinky, Blinky und Clyde. Als Spielbrett dienten die schachbrettartigen Strassenzüge von New York. Die Spieler gaben ihre Position jeweils telefonisch bekannt, ... ... woraufhin diese auf einem computergenerierten Pac-Man-Feld dargestellt wurde. Erstmals gespielt wurde «Pac-Manhattan» 2004. Aus der Schweizer Spielschmiede Gbanga stammt das Spiel «Mr. X», ein Prototyp für den Zürcher Verkehrsverbund. «Mr. X» schickt Spieler auf die Jagd nach einer mysteriösen Figur, die nur die öffentlichen Transportmittel benutzt und an bestimmen Stellen Hinweise auf seine Wege hinterlässt. Von Gbanga stammt auch das Mafiaspiel «Famiglia». Darin müssen virtuelle Abbilder echter Banken, Restaurants und Clubs dem eigenen Mafia-Clan einverleibt werden. Hierzu muss sich der Spieler physisch zum echten Gebäude hinbewegen. Als neusten Streich können auch junge Startups übernommen werden. Zusammen mit dem Zücher Zoo entwickelte Gbanga das Spiel «Zooh!». Hier gilt es, in der Stadz Zürich wilde Tiere einzufangen, indem sich Spieler an deren Position begeben. Die eingesammelten Tiere liefern sie einem «Zoowärter» in Form einer Spielstation im Zoo ab und werden dafür belohnt. Die akustische Dimension: Das iOS-Game «Dimensions» bedient sich den Location Services eines iPhones ebenso wie den Bewegungen des Gerätes. Über den Kopfhörer hört ein Spieler dem Verhalten und Ort angepasste Musik und Sounds; das Spiel reagiert auf die Aktivitäten des Spielers. «Dimensions» geht über die rein geographische Abstimmung hinaus und zählt deshalb auch zu dem Augmented-Reality-Games. Bereits über eine Million Spieler hat das ortsabhängige Massively Multilplayer Online Roleplaying Game «Parallel Kingdom». 2008 für iOS- und Android-Handys entwickelt, benutzt das Spiel die GPS-Technologie, um Territorien zu erobern, Monster zu besiegen und Ressourcen abzubauen. Als Grundlage dient eine Google-Map, die mit Game-Items kombiniert wird. Will Wright (im Bild), kongenialer Kopf hinter Spielen wie «Spore» und «The Sims» arbeitet derzeit an einem ambitionierten Spiel namens «HiveMind», das nicht nur den jeweiligen geographischen Standort eines Spielers berücksichtigen soll, sondern auch persönliche Daten aus sozialen Netzwerken, Handys und Computern sammelt, ins Game integriert und dieses entsprechend anpasst. Das Ziel: Der Spieler selbst soll zur Hauptfigur werden.

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Der Ort, an dem das Schweizer Startup-Unternehmen seine Zelte aufgeschlagen hat, würde man nicht unbedingt als Silicon Valley der Hochtechnologie bezeichnen. Wenn hier Silikon verbaut wird, dann anderswo: Gbanga hat sein Domizil mitten im Zürcher Milieu, an der Brauerstrasse. Hier werkeln acht junge Männer an der Zukunft der Videospiele.

Das Navi als Gamedevice

Die Zukunft heisst Location Based Gaming und Gbanga zählt zu den Pionieren der brandneuen Technologie. Diese gründet darauf, dass moderne Smartphones mit GPS ausgestattet sind. Dank GPS «weiss» ein Handy bis auf ein paar Meter genau, wo es sich befindet. Daher beruhen auf der GPS-Technologie Navigationssysteme ebenso wie Location Based Services: die Möglichkeit, Restaurants, Hotels oder Verkehrsverbindungen in der Umgebung anzuzeigen.

Dem Global Positioning bedienen sich auch Location Based Games – Spiele, deren Verlauf von der geografischen Position des Spielers abhängt. Eines der ortsgebundenen Spiele aus der Feder von Gbanga heisst «Gbanga Famiglia» - ein Mafiaspiel. Spieler, die sich die App aufs iPhone laden, sehen auf einer dynamisch generierten, spielerisch dargestellten Karte ein Abbild der Stadt Zürich – mit allen Strassen, Plätzen, Wahrzeichen, aber auch realen Restaurants, Banken und Clubs. Das Ziel ist, die Kopien dieser Geschäfte im Spiel in den Besitz des eigenen Mafia-Clans zu bringen.

Dies geschieht, wenn sich der Spieler physisch an die reale Position des Zielorts begibt und per Klick auf dem Handy das Geschäft erobert. Ob er es schafft, hängt wie in rundenbasierten Kämpfen in Rollenspielen von seiner Spielstärke ab und davon, ob das virtuelle Geschäft von einem ebenfalls virtuellen Türsteher bewacht wird. Als Belohnung winken Belohnungen und Punkte, die in eine Ortsrangliste eingetragen werden.

Spiel und Realität verschmelzen

Das Besondere am Game «Gbanga Famiglia» ist die Vermischung von realer und spielerischer Welt: Während sich ein Spieler durch die echte Stadt bewegt, bewegt sich sein virtuelles Ich durch ein Abbild der Stadt im Handy – die Positionen stimmen überein.

Die Technologie ermöglicht es zum Beispiel, dass an einer bestimmten Stelle eine bestimmte Musik abgespielt wird oder Geräusche ertönten. Auf Grund der so erweiterten Realität, werden die Spiele oft auch «Augmented Reality Games» genannt.

«Angry Birds» vor Ort

«Location Based Games sind derzeit noch Map-lastig», sagt Matthias Sala, Mitgründer und Geschäftsführer von Gbanga. Das Spielgeschehen finde mehrheitlich noch auf dynamisch generierten Umgebungskarten wie in einem Navigagtions-System statt. Zum Beispiel fehle noch weitgehend ein Storytelling, das den Spielern eine ortsabhängige Geschichte erzählt, die die Spielwelt vertieft.

Als nächsten möglichen Schritt sieht Sala auf Spieler und ihren Aufenthaltsort angepasste Games. Der «Angry Birds»-Hersteller Rovio sei zum Beispiel daran, ortsabhängige Level einzubauen: Je nachdem, wo sich ein Spieler gerade aufhält, wird ein anderer Level geladen – eine Möglichkeit, die auch für die Platzierung von In-Game-Werbung spannend sein dürfte.

Durchbruch nur mit Killer-App

Noch kämpft Location Based Gaming mit Anfangsschwierigkeiten. «Die mobilen Internetverbindungen sind immer noch zu langsam. Im Zug bricht eine Verbindung oft zusammen», erklärt Sala. Verbesserung erhoffe man sich durch den neuen Mobilfunkstandard LTE. Um dem ortsabhängigen Spielen den endgültigen Durchbruch zu verschaffen, braucht es indessen eine Killer-Applikation – ein Spiel, dass die Mehrheit der mobilen Spieler auf den Geschmack bringe. Ob die Killer-App von den Jungs einen Stock über dem Zürcher Milieu stammt, wird sich zeigen.

Gbanga-Video

(Quelle: Vimeo)

So spielt man «Gbanga Famiglia»

(Quelle: Vimeo)

Teasertrailer von «Dimensions»:

(Quelle: YouTube)

(jag)

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  • tom patsch am 11.02.2012 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nix für mich

    für mich gehts beim gamen genau darum nichts zum machen und einfach abzuschalten, also definitiv nichts für mich :)

  • User79 am 11.02.2012 02:48 Report Diesen Beitrag melden

    Oweija

    Super Idee, wer wollte nicht schonmal einen anderen Spieler verbrügeln, weil man immer von ihm über den Haufen geballert wurde. ;o) Oder wenn der virtuele Türsteher zu stark ist, macht man eben sein Händy kaputt. *g*

  • Gary Powers am 11.02.2012 01:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Es ist bei fast allen smartphones möglich seine location zu faken, weshalb dann die meisten dass dann doch wieder Zuhause spielen werden.

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