Kunst versus Kommerz

18. März 2015 13:22; Akt: 18.03.2015 14:58 Print

Schweizer Gamedesignern fehlt der Mut zu Grösse

von Jan Graber - Awards bis zum Abwinken, aber kein Blockbuster-Game so weit das Auge reicht. Woran liegt es, dass in Schweizer Gamestudios vor allem auf kleinem Feuer gekocht wird?

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Über fehlende Aufmerksamkeit kann sich die Schweizer Gameentwickler-Gilde derzeit nicht beklagen: Weltweit werden Schweizer Games mit Awards ausgezeichnet, sie erhalten vermehrt Platz in den Medien und werden in Ausstellungen gezeigt. In der Politik steht zudem nicht mehr die müssige Killerspiel-Diskussion zuoberst auf der Agenda, sondern die Parlamentarier entdecken das wirtschaftliche Potenzial der Game-Industrie.

Dass Videospiele zur Schweiz passen wie Käse, Kühe und Schokolade, liegt auf der Hand: Das Land hat eine weit zurückreichende grafische Tradition und werkelt technologisch an vorderster Front. In den Hochschulschmieden werden diese beiden Erze zudem zu einer edlen Legierung verschmolzen: Aus den Schulen kommen einfallsreiche Köpfe, welche kleine, feine Games produzieren, die wie Kristalle aus den Bergen der weltweit produzierten Spiele glänzen.

Fehlender Mut zum Scheitern

Was aber noch immer fehlt, ist ein Knaller – ein Blockbuster-Game, das die Schweizer auf dem Spielfeld der grossen Player mitspielen lässt. Der «Landwirtschafts-Simulator» von Giants Software dominiert zwar mit jeder neuen Version die PC-Charts und die Eisenbahn-Simulation «Train Fever» von Urban Games kann sich über fehlende Käufer auch nicht beklagen. Aber ein Adventure, Rollenspiel oder einen Egoshooter der in der Topliga mitspielt, ist bisher noch nicht erschienen. Woran liegt es?

Ru Weerasuriya, Chefdesigner von «The Order» und Gameentwickler mit Schweizer Wurzeln, sieht das Problem im fehlenden Mut zum Risiko: «Du musst bereit sein, ein Stück weit die finanzielle Sicherheit aufzugeben», sagt er. Es brauche zudem die Bereitschaft zum Scheitern. Nur wer Fehler macht, wird wirklich besser. «Ohne Risiko hast du keine Angst. Aber ein bisschen Angst ist gut, denn sie bringt dich dazu, Dinge zu tun, die du dir sonst nicht zutraust», weiss der Entwickler, der seit 18 Jahren in den USA bei den Big Playern mitspielt.

Kunst darf nicht Kommerz sein

Man müsse bereit sein, 16 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche zu arbeiten, sagt Weerasuriya. «Du opferst vieles um dich herum», sagt er und ergänzt: «Die Leute wollen oft den einfachen Weg gehen. Aber es kommt nichts Gutes aus etwas, in dem kein Risiko steckt.» Ein weiteres Hindernis sei bei vielen Schweizer Entwicklern die Angst, bei kommerziellen Spielen die eigene Kreativität aufgeben zu müssen. «Die Mentalität für Kultur und Kunst ist da und führt zu erstaunlichen Spielen, aber der kreative Spirit wird zu stark beschützt.»

Dieser Ansicht ist auch der Schweizer Gamedesigner David Stark. «Die angelsächsische Mentalität unterscheidet im Gegensatz zum deutschen Sprachraum nicht zwischen Unterhaltung und Kunst», sagt der in England ausgebildete Game-Programmierer und ergänzt: Shakespeare sei im Grunde auch Unterhaltung. Hierzulande würde man es kaum wagen, Hochkultur mit Unterhaltungswert zu vermischen. «Schweizer machen vor allem Spiele, in denen die Schweizer Mentalität steckt», stellt er fest. Der Markt hierzulande ist jedoch zu klein: Wer den Erfolg will, muss auf Deutschland, England und die USA setzen.

Dazu braucht es aber eine selbstbewusste Präsentation der eigenen Arbeit. Und ein bisschen Stolz, wie Ru Weerasuriya sagt: «Videospiele zu machen muss ein Teil von dir selbst sein.» Es erfordere lediglich den Mut, die Komfortzone der Sicherheit zu verlassen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alice Ruppert am 18.03.2015 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Geld fehlt, nicht Mut

    Viele von uns würden sehr gerne ein grösseres Spiel machen. Die meisten Gamedesigner die ich kenne sind ohnehin bereit, ihr ganzes Geld und ihre ganze Zeit in ihre Projekte zu stecken. Uns fehlt nicht die Risikobereitschaft, sondern das Kapital. Für den uninformierten Gamer ist es einfach vorzuschlagen, die Schweiz solle grössere Spiele machen. Was sich die meisten nicht bewusst sind, ist dass die oben aufgeführten Schweizer Spiele oft null Budget haben oder in besseren Fällen ein paar zehntausende Franken, nicht mehrere Millionen wie "The Order", oder gar eine halbe Milliarde wie "Destiny."

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  • Janine am 18.03.2015 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter denken

    Es ist ja immer sehr einfach auf dem heimischen Sofa zu sitzen und rum zu meckern, wie faul doch alle Gamedesigner sind. Klar kann man sich ranklotzen, aber hat jmd hier eine Ahnung wie viele Arbeitsstunden und wie viele Menschen an einem grossem Game wie zB. Call of Duty beteiligt sind? 1000 Leute mit enormen Budget haben daran ein Jahr. Wie lange hätte eine Studentengruppe mit einem Bruchteil von diesem Budget? Der nächste Kritikpunkt wäre, dass das Spiel zu teuer wäre. Da die Leute aus dem Kreativ Bereich doch sowieso ihr Hobby ausleben und kein Geld damit verdienen müssen...denkt zuende!

  • Tim Soren am 18.03.2015 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    ZHdK

    Der Grund ist die niedere Priorität der Subventionen in diesem Bereich. Ein andere Grund ist, dass der Typ "Gamedesigner" ein anderer ist als im Ausland. An der ZHdK hat es sehr viele "Söhne und Töchter aus privilegierten schweizer Familien". Die müssen nicht innovativ sein und sind es auch nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mörä am 16.07.2015 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GAMES

    Ich habe schon seit ich 8 jahre alt bin den Wunsch, ein applikationsentwickler oder gamedesigner zu werden

  • Ruedi Walliseller am 19.03.2015 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    An was liegt das?

    Am selben, weshalb auch in Film, Fernesehen und Musik auf kleinem Feuer gekocht wird: an der Schweiz. Wir sind einfach kein Volk von Entertainer, seht das endlich ein.

  • Gamer am 19.03.2015 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Was ein AAA Game ausmacht

    ist das Marketing. die 500mio welche für Destiny ausgegeben wurden sind zu 80% für Marketing über die Jahre, welche eine Blase entstehen lässt, bei denen alle Welt denkt "DAS ist das Jahrhundertgame". Dabei hats nicht mal eine richtige Story. TL;DR Man braucht keine 500m für ein Top-Game

  • Profizocker am 19.03.2015 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Idee für CH?

    Macht doch Meincraft. Ist ein tolles Indi.

  • Peter Mueller am 19.03.2015 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oder es ist so ...

    Vielleicht sind Schweizer Game Entwickler einfach nicht Grössenwahnsinnig !

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