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18. August 2013 20:21; Akt: 19.08.2013 10:51 Print

Sieben Studien, die Gamer kennen sollten

Mord und Totschlag, Konzentrationsschwäche, Fantasielosigkeit – und schuld sind immer die bösen Videospiele. Wir liefern ein kleines, wissenschaftlich erarbeitetes Argumentarium dagegen.

Auf den virtuellen Tod in «League of Legends» folgt die reale Gewalt. System hat dies allerdings nicht. (Video: YouTube/)
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Videospiele sind moderne Hexen. Wenn immer ein gesellschaftlicher Brandherd aufflackert, dauert es nicht lange, bis Videogames dafür verantwortlich gemacht werden – oftmals ohne jegliche Beweise. Andererseits reagieren Videospieler genauso pikiert, kaum fällt ein kritisches Wort. Deshalb haben wir hier einige wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen von Videospielen zusammengestellt – doch auch die Wissenschaft ist nicht immer in der Lage, Fakten für ein abschliessendes Urteil zu liefern. Die Welt der Videogames ist eben nicht einfach nur schwarz oder weiss – diese Zeiten sollten endgültig vorbei sein.

1. Gewaltgames provozieren reale Gewalt
Die Gretchenfrage in Bezug auf Videogames lautet: Können gewalthaltige Videogames gewalttätiges Verhalten fördern? Laut einer kanadischen Studie aus dem Jahre 2002 an 1500 Buben und Mädchen im Alter bis 18-Jahren lautet die Antwort «Ja». Die Aggressionsbereitschaft der Jugendlichen – so das Resultat der Studie – nimmt parallel mit der Spieldauer von Gewaltgames zu. Die Studie gilt als Meilenstein, weil zum ersten Mal ein signifikanter Zusammenhang zwischen fiktiver und realer Gewalt hergestellt wurde.

2. Gewaltgames provozieren reale Gewalt nicht
Die Resultate der kanadischen Studie werden von diversen wissenschaftlichen Untersuchungen infrage gestellt. Das wohl gewichtigste Gegenargument liefert eine grossangelegte Studie der Universität Harvard aus dem Jahre 2008. Sie konnte nicht den geringsten Zusammenhang zwischen dem Spielen von gewalthaltigen Games und realer Gewalt herstellen. Obwohl sowohl die Harvard- wie auch die kanadische Studie Ansprüche auf Wissenschaftlichkeit geltend machen, stehen sich ihre Resultate diametral entgegen.

3. Gewaltgames reduzieren reale Gewalt.
Im Reich der wilden Studien lassen sich sogar solche finden, welche Gewaltgames positive Auswirkungen attestieren. Dazu gehört diejenige von Dr. Christopher Ferguson der Texas A&M Universität. Er liess 103 Probanden zuerst Ärger aufbauen (durch eine frustrierende Tätigkeit), danach liess er sie Videospiele zocken. Das Fazit: Mit Gewaltgames lassen sich Ärger und Frust besser verarbeiten. Probanden, welche sich für diese Art von Spielen entschieden, waren danach deutlich weniger aggressiv und feindselig eingestellt, als Nicht-Gewaltgamer.

Fazit zur Games-Gretchenfrage: Sie lässt sich eben nicht so einfach beantworten – auch nicht von der Wissenschaft.

4. Wenn, dann machen Sportgames aggressiv
Dr. Simon Goodson und Sarah Pearson der Huddersfield Universität in England untersuchten die Herzfrequenz und die Hirnaktivitäten bei Videospielern von First-Person-Shootern und von Fussballspielen. Die Sportzocker zeigten sich dabei weit erregter als die Ego-Shooter, welche ziemlich unbeteiligt blieben. Die Autoren erklären den Effekt damit, dass die Probanden einen realen Bezug zu einem virtuellen Tor herstellen können, während ihnen die realen Erfahrungen im Kugelhagel fehlen.

5. Gamen macht kreativ
Eine Untersuchung an 500 12-Jährigen hat ergeben: Gamer schreiben und malen kreativer als Nicht-Gamer. Das Benutzen von Smartphones, dem Internet und Computer (ohne damit zu spielen) hat hingegen keinen Einfluss auf die Kreativität. Das Spielen von Videogames ist nach heutigem Wissensstand die einzige Technologie, mit welcher Kreativität gefördert werden kann. Dies übrigens unabhängig davon, ob es sich dabei um harmlose oder brutale Games handelt.

6. Action-Gamer entscheiden schneller …
… aber nicht schlechter. So lautet die Quintessenz einer Studie der Universität Rochester. Diese Fähigkeiten seien auch im täglichen Leben nützlich, zum Beispiel beim Autofahren. Dass Videospieler bessere Helikopterpiloten sind, wurde bisher zwar nicht wissenschaftlich untersucht – immerhin aber durch Captain Wales alias Prinz Harry royal beglaubigt.

7. Chirurgen operieren besser
Die Zeiten vom Chirurgenbesteck sind zwar noch nicht vorbei, laparoskopische und endoskopische Chirurgie, zugespitzt «Operationen per Joystick», sind aber auf dem Vormarsch. Und im Teilgebiet der laparoskopischen Chirurgie sind Chirurgen, welche mindestens drei Stunden pro Woche Videogames spielen nicht nur 27 Prozent schneller, sie begehen auch 37 Prozent weniger Fehler. Dies sind Erkenntnisse einer Studie des Beth Israel Medical Centers in Boston.

(tog)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Studienergebnisse können inkonsistent ausfallen, weil sie unterschiedliche Methoden verwenden. Es gilt den Effekt von Drittvariablen auszumerzen, die den Zusammenhang erklären können. So ist z.B. das Geschlecht ein wichtiger Faktor, da Männer gewalttätiger sind und mehr gamen. Entscheidend sind aber auch ursächliche Faktoren wie psychische Störungen und das soziale Umfeld. Kontrolliert man diese Drittvariablen, zeigt sich ganz genau dass Videospiele NICHT mit Gewalt assoziiert sind. Siehe Ferguson et al. 2012; Journal of Psychiatric Research, 46, 141-146. – Forscher UZH

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geggo am 19.08.2013 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oder?

    Wenn jemand amok läuft, sind die Shooter schuld. Doch was ist, wenn jemand zu tode getreten wird? Fifa schuld?

  • Gamer am 19.08.2013 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fifa

    Ich bin auch der Meinung FIFA schürt mehr Emotionen als Ballerspiele. Erfolge sowie Misserfolge lösen bei mir viel mehr aus als beim Ego-Shooter. Letzere spiele ich am PC und das einzige was mich aggresiv macht sind Cheater. Rennspiele haben übrigens auch hohes Rastpotenzial.

  • jürg am 19.08.2013 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Aggressionen

    Noch niemals auf der Regenbogenpiste, in der letzen Kurve, rausgeflogen oder im FIFA in der 90. ein Tor kassiert?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beukeboom am 20.08.2013 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Englisch gelernt...

    Also ich zocke hier und da mal gerne eine Runde, das ist unbestritten. Da ich fast nur NHL (Eishockey) spiele, wurde eine finnische Community auf mich aufmerksam und bot mir einen Beitritt an. Nur fragte ich mich, wie ich mich verständigen soll. Ich sagte ihnen, dass mein Englisch kaum zu gebrauchen sei, dennoch schrieben sie mit aller Vielfalt dieser Sprache zu mir. Immer wieder musste ich zu beginn Wörter Übersetzen lassen. Heute nach 2 Jahren kann ich nahezu perfekt englisch sprechen/verstehen/schreiben. Ein sehr positiver Nebeneffekt (:

  • Geggo am 19.08.2013 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oder?

    Wenn jemand amok läuft, sind die Shooter schuld. Doch was ist, wenn jemand zu tode getreten wird? Fifa schuld?

  • Martin Phil am 19.08.2013 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Shooter und Fifa

    dass einzige was mich "agresseiv" macht sind irgendwelche studien die behaupten sollen dass shooter agressiv machen soll. naja solche leute haben auch keine ahnung ;) wie schon im oberen artikel steht gibt es so einige games die weitwaus mehr agressiv machen wie shooter zb. FIFA, wobei ich finde dass shooter nicht einmal ansatzweise agressiv machen aber ist wohl ansichtsache ;)

  • Gamer am 19.08.2013 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fifa

    Ich bin auch der Meinung FIFA schürt mehr Emotionen als Ballerspiele. Erfolge sowie Misserfolge lösen bei mir viel mehr aus als beim Ego-Shooter. Letzere spiele ich am PC und das einzige was mich aggresiv macht sind Cheater. Rennspiele haben übrigens auch hohes Rastpotenzial.

  • Alain R. am 19.08.2013 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Rage quit

    Bei einem "Rage quit" in DayZ kann es durchaus sein, dass eine (Computer)Maus flöten geht - aber hey, beim Jassen haut man auch auf den Tisch wenn man verliert. What's the deal?

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