Psychospiele

24. Mai 2017 09:35; Akt: 24.05.2017 09:35 Print

Werden Online-Gamer bald zwangstherapiert?

Die Weltgesundheitsorganisation und eine psychologische Vereinigung wollen Online-Gamen möglicherweise zur Sucht erklären. Dies hätte Konsequenzen.

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Die WHO und die American Psychological Association wollen die Online-Gamesucht als Krankheitsbild bestimmen. Sind damit e-Sportler, die ausgiebig viel spielen, ebenfalls potenziell krank? (Bild: Stephanie Wunderl/ESL)

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Wenn eine Person ausgiebig spielt, und sich besonders oft in Online-Games vergnügt, ist das Wort Spielsucht jeweils schnell zur Hand. Während der Verdacht bislang auf tönernen Füssen stand und für exzessives Online-Spielen kein offizielles Krankheitsbild existierte, könnte sich dies laut der Technologie-Plattform Golem.de bald ändern.

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Demnach arbeiten die American Psychological Association ADA und die Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit, von der Öffentlichkeit mehr oder weniger unbemerkt, an der Definition neuer Krankheitsbilder – darunter Facebook-, Twitter- und Social-Media-Sucht sowie eben Online-Spielsucht. Diese wird als spezifische, eigenständige Störung definiert und unterscheidet sich grundlegend von der bekannten Spielsucht, zum Beispiel im Casino und im Glücksspiel.

Neue Geldmaschine?

Sollten diese Krankheitsbilder den Weg in die offiziellen Listen finden, würden sich für Ärzte und Psychologen bald neue Geschäftsfelder auftun und die Dienstleistungen – Therapien, akute Behandlungen – liessen sich verrechnen. Damit würde laut Thorsten Quandt, Professor und Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster, der den Artikel für Golem.de verfasst hat, eine substanzielle neue Risikogruppe erschlossen.

Zwar sei es noch nicht so weit und die Definition der Krankheitsbilder befände sich noch in der Ausarbeitung. Dennoch regt sich bereits Widerstand. So warnen Wissenschaftler vor einer Pathologisierung alltäglicher Mediennutzung. Auch weist Quandt darauf hin, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung zur Online-Spielsucht dürftig sind. Besonders neuere Studien namhafter Journale seien nicht berücksichtigt worden. Weiter hätten grossangelegte Studien zum Thema nur wenige Betroffene gefunden, die zudem selbst kaum Probleme mit ihrem Zustand gehabt hätten.

Still und heimlich krank

Quandt zählt die Bemühungen, die Online-Spielsucht zu definieren, zur sogenannten «moralischen Panik», die bereits bei anderen Medien wie der Literatur, bei Comics und der Rockmusik zu Überreaktionen geführt hätte. Zwar sehen auch Wissenschaftler die ungebremste Nutzung von Onlinemedien als gesellschaftlich relevantes Problem. Sie werfen aber die Frage auf, wonach die Spieler eigentlich wirklich süchtig sind: Online-Nutzung, spezifische Genres, Videospiele oder etwas anderes?

Diese Wissenschaftler befürchten, dass keine offene Debatte mehr geführt werde, sondern eine «Hardliner-Fraktion» (Quandt) in der APA und der WHO ihre Überzeugungen durchsetzen würde. Das Problem liege darin, dass von heute auf morgen viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene plötzlich therapiebedürftig wären – obwohl kein offensichtliches Problem bestehe. Würde das Online-Gamen plötzlich als mögliche psychische Krankheit definiert, stünden repressive Massnahmen gegen Einzelne bald auch im Raum.

Quandt sieht deshalb die Möglichkeit, dass hier unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit und der Wissenschaft ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen wird, bei dem es um weit mehr geht als nur um das Hobby von Gamern.

(jag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.B. am 24.05.2017 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Gaming

    ... und wiedermal werden Gamer als kranke/süchtige Menschen hin gestellt. Ich habe eine Familie, eine Freundin und ein grosses Soziales Umfeld und game trotzdem Regelmässig. Gaming ist für mich ein Hobby so wie für andere Menschen z.b. Velo fahren, Modellbau, Terraristik etc. Soll ich nun auch behaupten, dass jemand der Regelmässig mit dem Velo fährt eine Sucht hat? Ich denke, dass zimlich viel zu einer Sucht werden kann, wie man damit umgeht ist dann wiederrum was anderes. Also lasst es doch endlich mal gut sein...

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  • Ralf Berger am 24.05.2017 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Voll dafür !!

    Ich finde das gut... Vielleicht gibt es dann ja auch für Gamer auch Drogenausgabestellen wo man auf Kosten des Staat die neusten Games gratis beziehen kann...

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  • Kev66 am 24.05.2017 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Theoretisch könnte man auch jede Leidenschaft oder jedes Hobby als Sucht bezeichnen. Aber niemand würde auf die Idee kommen jemand der gerne Bücher liest zu therapieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Online Gamer Chris am 24.05.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    wenn das durchkommt

    Dann bilde ich mich zum Psychiater aus, um "Online-Gamer" zu therapieren. Einerseits klingelt dann die Kasse und andererseits würde ich mit den Patienten Zocken... herrlich! :-)

  • Elektro am 24.05.2017 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Einziges mögliches Hobby

    Durch den Job ist es mir unmöglich Freundschaften zu Pflegen, in Vereinen mit zu machen oder sonst mal privat Termine zu. Deshalb allein, Sozial isoliert und mit den paar bekannten Unbekannten am zocken. Kundendiensttechniker in der Schweiz, überleben am Rand der Sklaverei.

  • Black am 24.05.2017 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau WHO

    Die Raucherverfolgung wird langsam aber sicher langweilig. Darum muss eine neue Gefahr erschafft werden. Warum werden Kompetenzen immer an inkompetente Leute vergeben ? Weil es nicht erwünscht ist, zwischen Sinn oder Unsinn zu differenzieren.

  • Nadine am 24.05.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Ist klar das WIR, wieder in die Mangel genommeb werde. Ich habe Arbeit, eine Familie inkl. Kind und Spiele regelmässig Online-Games. Ich Cosplaye auch. Meine ganze Familie tut das. Und trotz allem können wir die fiktive Welt und Realität unterscheiden. Erst wenn man das nicht mehr kann, sollte man therapiert werden. Aber für und ist das ein Hobby und lasse mir so etwas nicht unterstellen.

  • M.L. am 24.05.2017 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt sicher

    Leute die Spielesüchtig sind und denen eine Therapie gut täte. Gibts aber on vielen Bereichen. Es gibt aber auch E-Sportler welche ernst genommen werden sollten. Es ist nicht einfach nur Gaming. Ein Tennisspieler der tagtäglich Stunden für seinen Erfolg trainiert ist ja auch nicht "krank".

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