Game Review

24. April 2017 09:40; Akt: 24.04.2017 09:41 Print

Bleistürme und Skillshots in «Bulletstorm»

«Bulletstorm: Full Clip Edition» ist altbacken, hanebüchen und stupide. Und macht gerade deshalb immensen Spass.

Game-Reviews
«Bulletstorm»: Für Meister der Bleistürme und Skillshots
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ACTION. «Bulletstorm: Full Clip Edition» ist altbacken, hanebüchen und stupide. Und macht gerade deshalb immensen Spass.

Zugegeben: Ein neues Game ist «Bulletstorm» nicht. Bereits 2011 erschien die erste Version des Egoshooters – nicht ohne mediales Getöse: Wegen des tiefschwarzen Humors, der Story voller sexueller Zweideutigkeiten und der Möglichkeit, Gegner auf brutale Art abzumurksen, geriet «Bulletstorm» in Verruf und kam in Deutschland auf die Liste jugendgefährdender Medien.

Mit der Neuaufl age «Bulletstorm: Full Clip Edition» wurde «Bulletstorm» wieder von der Liste genommen – obwohl es sich grundsätzlich um dasselbe Spiel handelt, das grafisch und technisch allerdings auf den neusten Stand gebracht wurde. Neu kann die Einzelspielerkampagne zudem als Kult-Gameheld Duke Nukem durchgespielt werden.

Im Spiel geht es vor allem darum, reihenweise Feinde zu durchlöchern, sie in Abgründe zu treten und – ja, brutal – aus dem Verkehr zu ziehen. Je erfindungsreicher der Spieler im virtuellen Killen, umso mehr Skillpunkte gibts für Waffenkäufe und Upgrades. Intelligenter sind die Story und die Sprüche der Protagonisten im Vergleich zu früher ebenfalls nicht geworden; die Hintergrundgeschichte könnte plumper kaum sein.

Sieht man aber auch darüber hinweg, dass man dem Game trotz Neulackierung das Alter ansieht, handelt es sich bei «Bulletstorm: Full Clip Edition» um einen exzellenten, wegen seines Tempos und der Spielbalance süchtig machenden Shooter. (Jan Graber, 20. April 2017)

«Bulletstorm: Full Clip Edition» für PS4, Xbox One, PC; People Can Fly, Gearbox. Wertung: ★★★★☆

Egoshooter «Drawn to Death»: Im Zeichenheft eines Teenies
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Optisch überraschend, spieltechnisch wenig mehr als eine Notiz: «Drawn to Death» vermag nicht zu überzeugen.

Der «God of War»-Erfi nder David Jaffe stösst mit dem Multiplayer-Shootergame «Drawn to Death», das exklusiv für die PS4 erschienen ist, in grafisch ungewöhnliches Territorium vor. Das Game findet ausschliesslich im Skizzenbuch eines Teenagers statt, der darin zeichnerisch seine jugendlichen Fantasien auslebt. Bevölkert wird das Buch deshalb von absurden Waffen und Figuren, beispielsweise von der sexy Ninjaw mit Haikopf oder Diabla Tijuana mit dämonischen Fähigkeiten. Zwei und mehr Spieler messen sich mit den Figuren in Kampfarenen während sogenannten Death Matches, in denen das Team mit den meisten Kills gewinnt. Sich nur ballernd die Rübe wegzupusten, reicht nicht: Die Spezialfähigkeiten der Figuren müssen geschickt genutzt, bestimmte gegnerische Angriffe um jeden Preis vermieden werden. «Drawn to Death» erinnert an Klassiker wie «Unreal Tournament», ist optisch zwar eigener, vermag spieltechnisch aber nicht zu fesseln. (jag, 20. April 2017)

«Drawn to Death» für PS4; San Diego Studio, Sony. Wertung: ★★★☆☆

«Thimbleweed Park» – witzige Mördersuche im Pixel-Land
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POINT-N-CLICK. Entwickler-Legende Ron Gilbert kehrt zu seinen Wurzeln zurück: «Thimbleweed Park» ist ein altmodisches Adventure-Game voller Witz und Esprit.

Popstars unter Entwicklern gibt es so einige. Legenden wie Ron Gilbert dagegen sind rar. Der 53-jährige Amerikaner war es, der vor 30 Jahren «Maniac Mansion» entwickelte und 1990 mit «The Secret of Monkey Island» das für viele ultimative Adventure-Game folgen liess. Noch heute sind die Titel aus Gilberts Zeit bei LucasArts unvergessen. Prompt wurde er regelrecht angefleht, noch einmal ein altmodisches Point & Click-Adventure zu entwickeln. Nun ist es also soweit; mit «Thimbleweed Park» kehrt Gilbert zu seinen Wurzeln zurück. Das Game kommt nicht nur optisch im pixeligen Retro-Look der Klassiker daher. Auch inhaltlich atmet das Spiel den Geist der 80er und 90er Jahre. Allerdings hat Gilbert sein per Crowdfunding finanziertes Spiel vollgepackt mit Anspielungen und Insider-Jokes. Diese zweite Ebene sorgt dafür, dass «Thimbleweed Park» weit mehr als nur ein cooler Retro-Spass für Nostalgiker ist – es ist auch ein witziger Kommentar zur aktuellen Pokultur. Der Inhalt ist nebensächlich, aber nicht ohne Reiz: Im Kaff Thimbleweed Park gehen die FBI-Agenten Ray und Reyes einem Mord nach. Sie stossen auf eine Reihe Verdächtiger sowie ein paar schräge Figuren. Was etwa hat es mit Erfinder Chuck auf sich? Warum lacht keiner bei Clown Ransome? Und schafft es Dolores, ihren Traumjob als Gamedesignerin wahrzumachen? «Thimbleweed Park» strotzt vor Referenzen nicht zuletzt auf Gilberts eigenen Katalog. Es gibt überraschende Wiedersehen mit bekannten Figuren, genial-verschrobene Dialoge und jede Menge Details, die das kultige Pixel-Design abrunden. Eine herrlich witzige Zeitreise mit Hintergedanken, bei dem eigentlich nur die Auflösung des Mordfalls keinen uneingeschränkten Applaus verdient. RTL
«Thimbleweed Park», für PC und Xbox One, bereits erschienen ★★★★★☆
«Vikings: Wolves of Midgard»: Hoch das Horn!
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FANTASY. Die Wikinger sind los, am TV schon länger und nun auch wieder auf PC und Konsolen.

Nach «For Honour» bringt auch «Vikings: Wolves of Midgard» blutige Mittelalter-Action auf den Screen. Das Spiel stammt aus der Küche der slowakischen Entwickler Games Farm. Im Action-RPG soll man seine Heimat vor Invasoren und allerlei Fantasykreaturen retten. Das eher simpel angelegte Spiel ist über weite Strecken eine blutige Sache – und macht durchaus Spass, wenn man seine Ansprüche nicht allzu hoch ansetzt. Zwar hat sich Games Farm etwas einfallen lassen, um Abwechslung ins Spiel zu bringen. Originelle Bossgegner am Ende jedes Levels etwa, ein paar hübsch aufgemachte und nicht immer einfach zu lösende Rätsel, dazu viele Missionen und eine Arena mit Herausforderungen. Allerdings hat man die Sache recht schnell gesehen. Dennoch: Der üppige Storymodus sowie das gelungene Design sind ein guter Grund, das Trinkhorn hoch zu heben und sich ins Gemetzel zu stürzen. RTU
«Vikings: Wolves of Midgard», Games Farm, für PS4, PC und Xbox One, erschienen ★★★☆☆
«Troll and I»: Geduldsprobe trotz stimmiger Game-Idee
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SURVIVAL. Halbherzig: «Troll and I» vermag trotz interessanter Spielidee nicht zu überzeugen.

Manchmal reicht allein der Titel eines Games, um Interesse zu wecken. «Troll and I» gehört zu diesen Spielen. Erzählt wird die Geschichte des Teenagers Otto, der auf einen Troll stösst und mit ihm eine Zweckgemeinschaft eingeht, um beide aus ihrer misslichen Situation zu befreien. Sie unterstützen sich gegenseitig, während der Kämpfe können Spieler zwischen Otto und dem Troll wechseln. Daneben geht der Spieler mit Otto auf die Jagd, sammelt Zutaten, um Waffen zu schmieden und Medizin zu brauen, und der Spieler steuert den Jungen durch herausfordernde Quicktime-Events.

Leider erfüllt «Troll and I» die anfänglichen Erwartungen nicht: Die Grafik wirkt veraltet und Steuerung sowie Spielmechanik machen das Game zu einer Geduldsprobe. Obwohl offensichtlich viel Herzblut im Spiel steckt und es mit einer ansprechenden Stimmung aufwartet, wirkt das skandinavische Game an vielen Stellen unausgereift. (jag, 6. April 2017)

«Troll and I» für PC, PS4, Xbox One, Switch; Spiral House, Maximum Games. Wertung:★★☆☆☆
«Waste of Space» – ein Ziegenbock im Weltall
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SCI FI / FUN. Als Game-Parodie hat «Goat Simulator» schon erheblichen Schaden angerichtet. Jetzt wütet die Ziege dank dem PS4-DLC «Waste of Space» auch im All.
In seinen drei Jahren hat «Goat Simulator» für mächtig Wirbel gesorgt: Die einen lieben die bissige Parodie für ihren schrägen Witz, andere kritisieren den Rummel um ein simples Sandbox-Experiment, das seine Popularität vor allem über Social Media generiert. Doch aus dem vermeintlichen Hype ist mittlerweile ein Spiel geworden, das stetig weiterentwickelt wird. Immer neue Opfer tauchen auf: Eine MMO-Version kam vor einiger Zeit raus; zuletzt gab es eine Erweiterung, die die derzeit so beliebten Zombie-Spielen auf die Schippe nimmt.
Nun sind Space Shooter Simulationen wie «Star Citizen» dran. Denn in «Waste of Space» verschlägt es die Ziege tatsächlich in den Weltraum. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass sie auch dort für einigen Mist sorgt. Die Handlung, wenn man sie so nennen kann: Die Ziege muss eine Weltraumkolonie auf Vordermann bringen, aber es ist kein Geld vorhanden. Ziel ist es, Zivilisten den Zaster aus der Tasche zu ziehen, indem man sie die Kolonie per Crowdfunding finanzieren lässt. Dazu bietet das Spiel die grösste Map in der Geschichte von «Goat Simulator» sowie die Möglichkeit, mit jedem Crew-Mitglied eine Romanze einzugehen. Ach ja: Auf alles, was im All herumfliegt, darf auch geschossen werden.
Klingt abgefahren? Ist es auch. «Waste of Space» ist eine komplett durchgeknallte Sci Fi-Parodie, die von «Star Wars» über «Alien» bis hin zu «Mass Effect» und «Star Trek» so ziemlich alle Genre-Referenzen durch den Bockmist zieht. Im Trailer wird der Ziege sogar vom Terminator persönlich gehuldigt. Wer das lustig findet, ist bei diesem DLC genau an der richtigen Adresse. Für alle anderen gilt: mäh. (rtl)
«Goat Simulator: Waste of Space», Coffee Stain, neu für PS4, für PC bereits erschienen ★★★☆☆
«Flatout 4»: Nach Totalschaden wieder zurück auf der Erfolgsspur
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SPORT. Fans von Arcade-Racern wissen: Die «Flatout»-Serie ist eine ziemlich Achterbahnfahrt. Nachdem der zweite Teil ein echtes Highlight markierte und heute noch gern gespielt wird, wurde «Flatout 3: Chaos & Destruction» zum spieltechnischen Totalschaden. Miese Grafik, eine katastrophale Steuerung und das Fehlen eines echten Karrieremodus ruinierten den Ruf der eigentlich beliebten Arcade-Serie. Nach einer Pause von fünf Jahren und einem Studiowechsel erscheint nun der vierte Teil von «Flatout» – und damit scheint man die Kurve gerade nochmals gekriegt zu haben. Eine deutlich bessere Fahrphysik, schöner aufgemachte Strecken und die saubere Spielmechanik wecken Erinnerungen an die erfolgreichen Anfänge. 20 Offroad-Kurse bieten zudem halsbrecherisches Zerstörungspotenzial, zumal auch Crashes belohnt werden. Abwechslung und Fahrspass ist garantiert. Optisch wird zwar kein Premiumerlebnis geboten. Doch wem Action wichtiger ist, kommt in diesem Blechschaden-Wahnsinn auf seine Kosten. (rtu)
«Flatout 4: Total Insanity»,Kylotonn, für PS4, PC und Xbox One, erschienen
★★★☆☆
Plaudern und Ballern in «Mass Effect: Andromeda»
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ACTION. In «Mass Effect: Andromeda» suchen Spieler eine neue Heimat für die Menschen. Auf sie wartet eine packende Reise ins Unbekannte.

Ein halbes Jahrzehnt ist es her, seit Commander Shepard in «Mass Effect 3» mit seiner Crew die Weiten des Universums erforscht, Kämpfe und Wortgefechte geführt und damit für viele Stunden astralen Spielvergnügens gesorgt hat.

Mit «Mass Effect: Andromeda » ist nun das nächste Game der Reihe erschienen. Auf Spieler wartet indessen keine Fortsetzung, sondern eine rundum neue Story mit anderen Helden, Feinden, Welten – und einem ebenso langen Epos: Wer sich alle bisweilen zu lang atmigen Dialoge zu Gemüte führt, verbringt über hundert Stunden vor der Glotze.

In «Mass Effect: Andromeda» schlüpfen Spieler wahlweise in den Raumanzug von Sara oder Scott Ryder, um eine Expedition zu unbekannten Welten anzuführen. Ziel: eine neue Heimat für die Menschen suchen. Dabei stossen sie natürlich auf Widerstand – zuvorderst denjenigen der Kett, die keine Freude an den Expansionsgelüsten der Neuankömmlinge haben. Neben der Hauptmission warten zahlreiche gut in die Story eingebundene Nebenmissionen auf die virtuellen Weltraumforscher.

Allerdings leidet «Andromeda» vor allem in den ersten Spielstunden unter technischen Mängeln, unnötigen Längen und weiteren Hürden, die Spielern den Einstieg ins Game vermiesen. Vor allem Fans der früheren Spiele dürften stellenweise herb enttäuscht sein. Wer trotzdem durchhält, taucht aber in ein reichhaltiges Weltraum-Epos ein. (jag, 23. März 2017)

«Mass Effect: Andromeda» für PC, PS4, Xbox One; BioWare, Electronic Arts. Wertung:★★★★☆

«Dead Rising 4»: Zombies killen und Selfi es schiessen
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ACTION. Nachdem sich Xbox-One-Spieler bereits mit dem fröhlichen Auslöschen Hunderter Zombies vergnügen durften, kann das Schlachtfest von «Dead Rising 4» nun auch auf PCs beginnen.

Die Story ist schnell erzählt: Der unerschrockene Reporter Frank West kehrt mit seiner Assistentin nach Willamette zurück, wo die ganze Zombie-Misere begann, um für eine Story über unerlaubte Menschenexperimente zu recherchieren. Das Resultat der Experimente: weitere stärkere und fiesere Zombies – Horden davon und Frank mittendrin.

Was ihn hochgradig freut, denn so kann er seiner eigentlichen Passion nachgehen: dem Einschlagen von Schädeln, Wegschiessen von Gliedern und Abmurksen von Untoten. Dazwischen schiesst er mit seiner Kamera Bilder und schaltet Belohnungen frei, hin und wieder reicht die Zeit auch für ein schickes Selfie. «Dead Rising 4» lebt vom Humor und der durchgeknallten Action. Grafik und Steuerung der PC-Version sind hingegen ein schlagendes Argument gegen den Kauf. (jag, 23. März 2017)

«Dead Rising 4» für PC; Capcom. Wertung: ★★★☆☆

«Nier: Automata» – in Reizwäsche Roboter verhauen
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ACTION. Stöckelschuhe, Stringtanga, Seidenstrümpfe: Die Heldin in «NieR: Automata» ist zwar ein Android, hat es aber faustdick hinter den Ohren.
Mit «Bayonetta» hat sich Platinum Games einen Namen für flüssige Actiongames mit anspruchsvoller Kampfmechanik gemacht. Das neue Werk der Japaner heisst «Nier: Automata» und verbindet typisches PG-Gameplay mit Rollenspielelementen. Die Story: Zusammen mit einer Truppe von Androiden landet man in einer futuristischen Welt, die man zurückerobern soll. Denn ausserirdische Maschinen haben die Erde besetzt und die Menschheit auf den Mond vertrieben. Das klingt nicht nur ein wenig nach einem Mix aus «Terminator» und «Bladerunner» – das spielt sich auch so. Im Mittelpunkt steht dabei ein weiblicher Android namens 2B. Die künstliche Heldin sieht zwar aus wie frisch von einer «Victorias Secret»-Show, weiss mit den Waffen aber umzugehen. Mit ihren Schwertern lässt es die Dame im Kampf gegen riesige Roboter krachen. Dabei zeigt sie nicht nur gekonnte Moves, sondern auch viel Bein und sogar neckische Unterwäsche – eine typische Männerphantasie aus einem J-Rollenspielen. «Nier: Automata» überzeugt jedoch auch als Shooter. Die Kombination aus verschiedenen Actionsgenres verlangt dem Spieler einiges ab. So erfordern die Kämpfe echtes Multitasking: Während 2B Monster-Roboter taktiert, muss man auch ihre Drohne herummanövrieren. Das fühlt sich an, als ob man zwei Games gleichzeitig spielt. Können am Controller ist gefragt. Nicht ganz so überzeugend ist die grafische Umsetzung. Zuweilen wirkt «Nier: Automata» etwas blass, da hat «Final Fantasy» mehr zu bieten. Trotzdem: Wer schon immer mit einem Unterwäsche-Model Roboter verhauen wollte, liegt hier richtig. Und wer sich immer noch fragt, ob Androiden von elektrischen Schafen träumen, erst recht. (rtl)
«Nier: Automata», Platinum Games, für PS4 und PC, erschienen ★★★★☆

(rtl)

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