Gotthard-Game

04. Februar 2016 18:56; Akt: 04.02.2016 18:56 Print

Zweite Röhre? Bilden Sie sich spielend Ihre Meinung

von J. Graber - Junge Menschen interessieren sich zu wenig für Politik. Das finden drei Game-Entwickler und haben ein Spiel zur Meinungsfindung geschrieben.

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Sind Sie für eine zweite Röhre durch den Gotthard oder nicht? Sie wissen es nicht und bleiben der Abstimmung deshalb fern? Wenn die Schweizer Spieleentwickler Benjamin Lemcke und Sebastian Imbach an die Politikverdrossenheit der stimmberechtigten Schweizer Bevölkerung denken, werden sie unruhig. «1993 ging von den unter 30-jährigen Stimmberechtigten noch die Hälfte abstimmen», sagt Lemcke und ergänzt: «Heute sind es noch 25 Prozent, ein Viertel!»

Diesem Desinteresse wollen der 26-jährige Lemcke und der 28-jährige Imbach zusammen mit ihrem dritten Partner, Christian Enzler (31), entgegentreten: Mit ihrem Start-up Opinion Games veröffentlichen sie rechtzeitig zur kommenden Abstimmung am 28. Februar das gleichnamige Politikspiel «Opinion Games». Mit dem Serious Game, das für zukünftige Abstimmungen erweitert werden soll, hofft das Trio, vor allem bei jungen Leuten das Feuer für politischen Entscheidungen zu entfachen.

Argumente der Opponenten erspielen

Das Spiel ist simpel: Gamer können auf spielerische Weise die Argumente zweier politischer Gegner erleben. Im Fall der zweiten Gotthardröhre schlüpfen sie in die jeweiligen Rollen der Opponenten. Als Gegner der Röhre verschieben sie beispielsweise im Rennen gegen die Zeit Lastwagen auf den Zugverkehr und klicken Schlaumeier weg, die den Pannenstreifen als Schnellspur benutzen wollen. So erfahren sie mehr über die Probleme, die bei nur einer Spur entstehen könnten. Umgekehrt sehen die Spieler die Argumente der Befürworter und erleben, wie wegen des Gegenverkehrs bei nur einer Röhre frontale Kollisionen drohen. Am Ende einer Partie werden die Argumente der Befürworter und Gegner aufgelistet.

«Wir stellten uns dafür selbst ein bisschen naiv und versuchen die Argumente auf zugespitzte Weise zu vermitteln», sagt Imbach. Das Game soll lediglich als Einstiegspunkt für die weitere, vertiefte Meinungsbildung dienen. Opinion Games orientiere sich ausschliesslich an den Argumentationen der jeweiligen Komitees, sagt er. Die eigene Meinung versuchten sie aussen vor zu lassen. Für den ersten Versuch haben sie die Finger bewusst von der schwierigeren Durchsetzungsinitiative gelassen. «Uns fehlte zudem lange ein offizielles Gegenkomitee, das uns seine Argumente vorlegen konnte», sagt Lemcke.

Für mehr Bewusstsein

Als Motivation für «Opinion Games» nennen Lemcke und Imbach einerseits Erfahrungen in der eigenen Familie. Imbach ist vor einem intellektuellen, politischen Hintergrund aufgewachsen. Und in Lemckes Familie und Bekanntenkreis sei stets über Politik diskutiert worden. Lemcke: «Ich finde es bedenklich, wie in der weltweit besten Demokratie die Beteiligung am demokratischen Prozess immer mehr schwindet.» Viele Menschen hätten eigentlich ein politisches Interesse, aber ihre Ahnungslosigkeit hindere sie daran, am Prozess teilzunehmen.

Im spielerischen Lernen sehen sie einen Lösungsansatz. «Ich habe selbst vieles aus Games erlernt», sagt Imbach. Games seien nicht nur reine Unterhaltung, sondern könnten auch zur Bildung des Intellekts beitragen. Imbach: «Als das grösste Problem empfinde ich nicht Leute mit politischen Meinungen, die meiner eigenen widersprechen, sondern Menschen, die sich überhaupt nicht informieren.» Imbach und Lemcke sind sich einig, dass sie in einer Welt leben möchten, in der Menschen mehr Bewusstsein entwickeln und an politischen Entscheidungen teilnehmen.

«Opinion Games: Gotthardsanierung» ist seit dem 1. Februar für iOS- und Androidgeräte erhältlich. http://opiniongames.ch/

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • spiller am 04.02.2016 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Neat?

    Würde man dem Game glauben schenken, wäre die NEAT nutzlos. Somit ist das Gegnerargument sogar noch entkräftigt ....

  • H. Interfragen am 04.02.2016 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Für was braucht es ...

    .. ein Spiel .. spezielle "Jugendanimationen" etc. um Jugendliche an die Urne zu rufen, wenn es die Politiker nicht als notwendig erachten den an der Urne geäusserten Volkswillen zu respektieren?

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  • L. Angweilig am 04.02.2016 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Potential wäre vorhanden

    Aber: Spielerisch weder reizvoll noch anspruchsvoll.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patriot am 05.02.2016 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Unparteiisch???

    Ähm nein nicht wirklich. Fazit der Pro Seite: Sanierung absolut nötig, fazit der contra Seite: gibt Abgase, also eigentlich auch Sanierung ist absolut nötig und wo ist jetzt die andere Meinung? Kommt mir vor wie diese Kündigungswitzmails von früher wo es nur Nein als Antwort gab. Und überhaupt wieso fahren bei der Pro-Variante keine Lkws durch den Tunnel? Logisch ist da alles einfacher...

  • Remo am 05.02.2016 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Jawohl

    Völlig Nutzlos diese Neat ! 2 te Röhre muss her so schnell wie möglich. SBB ist eh Nix, nur Verspätungen und Kein Platz für alle LKW !!

  • Anna am 05.02.2016 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unklar

    Ich finde das Spiel hilft einem überhaupt nicht. Was will es uns damit sagen?

    • micnie am 05.02.2016 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die Röhre

      Da hat man eine grossen Tunnel für die Bahn gebaut, soll man den nutzen, für den Transport der Brummis, kann man doch gesetzlich festlegen, keine Brummis auf der Route und schon rollt der Verkehr, ausserdem bis der Bau der zweiten Röhre fertig ist, hat sich die Ausgangslage für den Verkehr schon längst geändert

    • Marco Scherer am 05.02.2016 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @micnie

      Jep und an Tagen wo keine Brummis fahren hat es natürlich keinen Stau :)

    • Ueli Meier am 05.02.2016 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @micnie

      Hast Recht im Unrecht :-) Der Verkehr würde rollen aber wie lange? Bevölkerungs- und Verkehrsdichte steigen. Die Röhre brauchen wir vlt. nicht Heute oder Morgen... aber in 10 Jahren oder später bestimmt.

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  • K. M. am 05.02.2016 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Abstimmungswerbung

    Im an alle Haushalte verteilten Abstimmungsflyer wird auffallender Weise stark mit wirtschaftlichen Argumenten für die Schweiz geworben und mehr Sicherheit für die ganze Schweiz. Wo soll der stetig wachsende Alpentransitverkehr hin? Versprochen wird nach Inbetriebnahme kein wesentlicher Kapazitätsausbau. Sicherer wird es nicht in der übrigen Schweiz, weil der Schwer- und Transitverkehr unweigerlich zunehmen wird. Ehrlichkeit wäre besser.

  • M.N.Z. am 05.02.2016 03:31 Report Diesen Beitrag melden

    Autoverlad

    Spielt den Autoverlad mit der SBB gerne mal korrekt durch. Zuwenig Bahnwagen, keine Verladestationen, zu wenig Lok und Personal. Wird von Italien nicht abgenommen oder zur richtigen Zeit für die Übernahme der Züge SBB "Verspätungen" Dann sollten diese Züge noch pünktlich zwischen den Pers. ICE und Güterzügen verkehren, wenn dies mir "Jemand" zeigen kann, ist er ein Genie! (Ein pens. SBB Beamter)

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