MWC 2010

16. Februar 2010 13:07; Akt: 16.02.2010 21:28 Print

Viele wollen ein Stück vom Apple-Kuchen

von Henning Steier, Barcelona - Noch ist der Apfel-Konzern unangefochtener Marktführer im Geschäft mit Applikationen. Doch auf dem Mobile World Congress haben zahlreiche Konkurrenten Attacken angekündigt. Selbst die Provider wollen nun im Milliardenmarkt mitmischen.

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Microsoft, Nokia, Intel, Google und 24 Mobilfunkprovider blasen zum Angriff auf Apples Marktführerschaft im Geschäft mit Applikationen.

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Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona werden jedes Jahr die wichtigsten Geräte und Technologien präsentiert. Der wichtigste Branchen-Treff ist aber auch ein Trendbarometer. Und so hat man 2010 zum ersten Mal mit dem App Planet einen Bereich der Messe für Entwickler von Applikationen reserviert. Im vergangenen Jahr waren sie noch über das ganze Gelände verteilt. Das Umschwenken des Veranstalters, der GSM Association (GSMA), hat gute Gründe, denn das Geschäft mit den kleinen Programmen ist auf dem Weg, eines der wichtigsten für die gesamte Branche zu werden.

Den Anfang hatte Apple im Sommer 2008 mit seinem App Store für iPhone und iPod touch gemacht. Mittlerweile wurden über drei Milliarden Applikationen heruntergeladen. Allein im vergangenen Jahr setzten alle Anbieter zusammen 2,5 Milliarden Apps ab und nahmen damit rund 4,2 Milliarden US-Dollar ein. Davon sollen 99,4 Prozent direkt in die Kasse von Apple geflossen sein, wie 20 Minuten Online berichtete. Die Analysten von Gartner prognostizierten kürzlich für 2013 weltweite App-Einnahmen von 29,5 Milliarden Dollar und 21,6 Milliarden Downloads voraus. Laut der Studie sollen 2013 rund 25 Prozent der Einnahmen durch Gratis-Apps, die mit Werbung gespickt sind, verdient werden.

Eine App für drei Geräte

Weil Entwickler in der Regel 30 Prozent der Erlöse an die Betreiber der App Stores weiter reichen müssen, wird das das Schreiben von Applikationen umso lukrativer, je mehr Marktplätze ein Programm aufnehmen. Wichtigste Konkurrenten der Platzhirsches Apple mit etwa 140 000 Tools sind mittlerweile Googles Android und Nokias Ovi Store mit jeweils rund 20 000. Gestern hat Microsoft auf dem MWC sein neues Betriebssystem Windows Phone 7 präsentiert. Die Redmonder haben in ihrem Marketplace for Mobile bislang nur zirka 1000 Applikationen. Massimo Erroi, Business Group Lead Mobile bei Microsoft Schweiz, schloss im Interview mit 20 Minuten Online zumindest nicht aus, dass das Unternehmen bald ein Software Development Kit (SDK) veröffentlichen wird, mit dem sich Apps für PCs, Smartphones und Mediaroom schreiben lassen. Auf erstgenannten haben die Redmonder noch immer einen Markanteil von 92 Prozent, was ihrem App Store einen deutlichen Schub verpassen dürfte. Zudem werden Geräte mit Windows Phone 7 keine weiteren Benutzeroberflächen mehr mitbringen. Aktuell versehen beispielsweise Sony Ericsson und HTC ihre Windows-Mobile-Smartphones mit massgeschneiderten User Interfaces. «Unsere Entscheidung macht es übrigens auch für Entwickler von Apps in Zunkunft leichter, die sich nun nur noch an einer Oberfläche orientieren müssen», sagte Erroi.

Microsoft wird laut CEO Steve Ballmer weiterhin an seiner Strategie festhalten, Lizenzgebühren für seine Smartphone-Betriebssysteme zu nehmen. Damit unterscheiden sich die Redmonder von Google. Der Marktführer unter den Suchmaschinen verschenkt sein OS Android. Wie auf dem MWC zu erfahren war, arbeiten mittlerweile mindestens zehn Hersteller an weiteren Android-Geräten, darunter Motorola, Sony Ericsson, LG und Samsung. Das erste Handy mit dem Betriebssystem war das T-Mobile G1 von HTC, welches im Herbst 2008 in den USA auf den Markt kam. Das erste Google-Handy, welches direkt vom Suchmaschinenanbieter verkauft wird, wurde auch von HTC gebaut. Das Nexus One soll im Frühsommer nach Europa kommen. Wegen dieser engen Beziehungen von HTC und Google überrascht es wenig, dass 2010 jedes zweite Gerät des taiwanesischen Herstellers mit Android ausgestattet sein soll. 2009 kamen noch 80 Prozent mit Windows Mobile zum Kunden.

Der Gigant erwacht

Unangefochtener Branchen-Primus ist aber nach wie vor Nokia. Rund 39 Prozent aller im vierten Quartal des vergangenen Jahres verkauften Handys trugen das Logo der Finnen. Applikationen sind aber vor allem für Smartphones gemacht und hier schöpft der Weltmarktführer, der 2009 immerhin den ersten Quartalsverlust überhaupt hinnehmen musste, neue Hoffnung. Denn laut den Marktforschern von Strategy Analytics hat Nokia im vierten Quartal 2009 rund 20,8 Millionen Smartphones ausgeliefert. Das entspricht einem Plus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Damit kam der Hersteller im Markt für Smartphones auf einen Anteil von 39,2 Prozent. Der BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM) belegte mit 10,7 Millionen Smartphones den zweiten Platz. Apple 8,7 Millionen auf Rang 3. Der kanadische Hersteller kam damit auf einen Marktanteil von 20,2 und der kalifornische IT-Konzern auf 16,4 Prozent. 2009 war laut der Studie jedes siebte verkaufte Handy ein Smartphone. In diesem Jahr sollen es bereits mindestens jedes vierte sein. 2013 soll der Marktanteil bei 40 Prozent liegen. 2011 sollen weltweit über eine Milliarde Menschen über die Geräte ins Web gehen. Auch Navigationslösungen wie sie von Google in den USA bereits gratis angeboten werden, dürften ein wichtiger Zukunftsmarkt sein, denn über sie lassen sich die mobilen Werbeumsätze deutlich steigern, weil man Nutzern standortbezogene Anzeigen liefern kann. So scheint es nur folgerichtig, dass Nokia kürzlich seine Ovi Maps zur Gratis-Nutzung freigeben hat.

Nokia und der grösste Chiphersteller Intel kündigten auf dem Mobile World Congress überdies an, aus ihren Linux-Betriebssystemen Moblin und Maemo ein neues namens Meego zu machen. Es soll auf zahlreichen Geräten wie Smartphones, Netbooks, Fernsehern und Autoradios laufen. Nokias Chef-Stratege Anssi Vanjoki sprach bei der Präsentation vollmundig von der «nächsten Computergeneration». Diese könnten auch ein grosser Markt für App-Entwickler werden. Erste Geräte sollen im zweiten Quartal erhältlich sein.

24 Mobilfunkanbieter gründen globale Allianz

Bislang läuft das Geschäft mit den Apps an den meisten Mobilfunkprovidern vorbei. 24 von ihnen wollen wohl nicht länger zuschauen und kündigten daher in Barcelona eine einheitliche Plattform für Programme an. Zu den beteiligten Unternehmen gehören Mit T-Mobile, Vodafone, Telefonica, AT&T, China Mobile, mobilkom Austria, Orange, Telecom Italia, Sprint und Verizone Wireless. Sie haben laut Branchenverband GSMA rund drei Milliarden Mobilfunkkunden. Unterstützung haben Gerätehersteller wie LG, Samsung und Sony signalisiert. Nähere Details wie unterstützte Betriebssysteme und Marktstart wurden bislang nicht bekannt. Dafür aber, dass Entwickler 30 Prozent der Erlöse behalten dürfen sollen.