Handy-Tarifvergleich

08. April 2009 14:07; Akt: 23.04.2010 17:40 Print

Schweizer werden zur Kasse gebeten

von Manuel Bühlmann - Hierzulande muss für Gespräche mit dem Handy tief in die Tasche gegriffen werden - ganz im Gegensatz zu Österreich. Dort telefoniert man je nach Abo siebenmal günstiger.

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1000 Minuten Telefonie, 1000 SMS und 100 MB Datenvolumen gibt es in Österreich zusammen für 40 Euro, was knapp 60.80 Franken entspricht.
(Quelle: comparis.ch/Stand 30.03.09)

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In Österreich können Orange-Kunden mit dem Abonnement «Team Orange 25» zu äusserst günstigen Konditionen telefonieren. Im Grundpreis von 25 Euro sind 1000 Minuten ins österreichische Netz inklusive, egal, ob aufs Fest- oder Mobilfunknetz angerufen wird. Wer noch zehn Euro drauflegt, erhält zusätzlich 1000 SMS pro Monat. Und für weitere fünf Euro bekommt der Kunde 100 MB Datenvolumen für den mobilen Internet-Zugang. 1000 Minuten Telefonie, 1000 SMS und 100 MB Datenvolumen kosten zusammen also 40 Euro, was ungefähr 60.80 Franken entspricht.

Schweizer bezahlen bis zu sieben Mal so viel

«Hierzulande müssen die Kunden fürs Mobiltelefonieren viel zu viel bezahlen», ist Ralf Beyeler von comparis.ch überzeugt. Im Auftrag von 20 Minuten Online hat der Telekom-Experte berechnet, wie viel für die gleiche Leistung (1000 Minuten telefonieren, 1000 SMS und 100 MB Datentransfer) in der Schweiz bezahlt werden müsste. Die Differenz ist eklatant: «Wir haben für den Vergleich die jeweils günstigsten Abos der drei grossen Anbieter rausgepickt. Sunrise ist mehr als viermal so teuer wie das österreichische Orange-Angebot. Orange Schweiz würde für diese Dienstleistung mehr als sechsmal so viel verrechnen, die Swisscom sogar mehr als siebenmal so viel», enerviert sich Beyeler.

20 Minuten Online wollte von Orange und der Swisscom wissen, ob hierzulande fürs Mobiltelefonieren tatsächlich zu viel bezahlt werden muss. Die Frage ist einfach, die Antworten der Telekommunikations-Unternehmen umso verwirrender.

«Föderatives Baurecht und Asymmetrie der Terminierungsgebühren»

Orange-Pressesprecherin Therese Wenger betonte, dass «im Gegensatz zu den Nachbar- und EU-Ländern Orange in der Schweiz bei der Erbringung ihrer Dienstleistungen höhere Kosten entstehen, zum Beispiel durch komplexes, föderatives Baurechtsverfahren beim Netzausbau, zehnfach strengere Grenzwerte bei Mobilfunkanlagen, Anforderungen an die Netzqualität, die Topografie, massiv stärker vergünstigte Mobiltelefone und nicht den Marktanteilen entsprechende Asymmetrie der Terminierungsgebühren.» Berücksichtigt man die unterschiedlichen Voraussetzungen, würden also die Schweizer Mobilfunktarife im europäischen Durchschnitt liegen. Alles klar?

Werden hier Äpfel mit Birnen verglichen?

Auch von der Swisscom wollte 20 Minuten Online wissen, ob die Kunden nicht abgezockt werden. Mediensprecher Olaf Schulze stellt erst einmal klar: «Ausländische Vergleiche sind sehr schwierig und insbesondere fehlerhaft, wenn man nur einzelne Teilbereiche anschaut, wie hier die Mobilkommunikation.» Für die Swisscom steht wie auch für Orange ausser Frage, dass hierzulande Mobilfunkprodukte mit einem sehr guten Preis- Leistungs-Verhältnis angeboten werden.

Auf die Frage, wie sich denn der eklatante Preisunterschied erklären lasse, antwortet Schulze: «In Österreich ist der Markt sehr anders strukturiert als bei uns. Bei unseren Nachbarn sind eine recht hohe Ausprägung des Mobilfunkmarktes mit hohen Bandbreiten und zum Teil sehr günstigen Preisen zu sehen. In der Schweiz hingegen legen die Konsumenten ein sehr hohes Gewicht auf schnelle ADSL-Anbindungen und eine mobile Breitband-Ergänzung via HSPA.»

Alles Augenwischerei

Für Telekom-Experte Ralf Beyeler ist klar: «Eine Preisdifferenz von 700 Prozent lässt sich nicht rechtfertigen.» Er ist überzeugt, dass die Kosten sinken würden, wenn die Kunden preissensibler wären: «Schweizer wechseln ihr Abonnement und den Provider viel zu selten, die verschiedenen Anbieter kommen so nie in Zugzwang. Dagegen ist Österreich innerhalb von Europa einer der umstrittensten Märkte. Davon können die Kunden direkt profitieren.»

«Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser»

Seit Jahren sinken die Preise stetig, wenn auch langsam. Sowohl Swissom als auch Orange prophezeien, dass der Trend zu billigeren Angeboten anhalten wird: «Orange Schweiz wird ihre Tarife wie bisher auch weiterhin senken und mit segmentierten Angeboten den effektiven Bedürfnissen der Kundschaft entsprechen», versichert Therese Wenger. Und Olaf Schulze ergänzt: «Swisscom gibt ihren Kunden jährlich rund 400 Millionen Franken an Preisvorteilen weiter.» Alles wird also gut; 20 Minuten Online bleibt trotzdem dran.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • faro am 02.07.2009 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    geplapper

    Wenn ich das unsinnige gequatsche auf der Strasse/im Bus/im Zug/in der Beiz etc. anhören muss, ist eigentlich das telefonieren doch noch viel zu billig.

  • Mickey am 08.04.2009 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich

    Die Banken resp. werden angeprangert, weil sie staatshilfe erhalten haben. das die telekommgesellschaften die bürger dieses landes ausnimmt, darüber beklagt sich niemand. Die UBS zahlt das geld wenigstens zurück....

  • Overheal am 08.04.2009 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    unter aller...

    Mobilfunkanbieter sind Gauner das ist nichts neues. Woah respekt...800 SMS mal so locker flockig im Monat. Gibts da keine Alternative? Email?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunrise am 13.01.2010 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Ich finde es komisch wenn ich etwa 30 sekunden mit Sunrise telefoniere zockt es mir 1 franken ab, aber wenn ich 3.30 minuten telefoniere zockt es mir nur 1.50 ab. Einmal rufte ich jemand an kam besetzton 40 rappen weg. Ich finde die Telefonanbieter werden immer Teurer.

  • Max Muster am 18.11.2009 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom BeFree

    Wie ich mir das so anschaue, ist das für Swisscom wieder eine extra schlechte Werbung. Swisscom hat seit neustem das Abo BeFree lanciert. Es ist zwar teuer, doch man kann in alle Netze unbegrenzt telefonieren, SMS schreiben und ins Internet. Es kostet "nur" 169 Fr. im Monat und somit landet Swisscom dann auf Platz 2 nach Orange Österreich. Bitte um Beachtung dieses neuen Preismodells.

  • faro am 02.07.2009 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    geplapper

    Wenn ich das unsinnige gequatsche auf der Strasse/im Bus/im Zug/in der Beiz etc. anhören muss, ist eigentlich das telefonieren doch noch viel zu billig.

  • stift am 05.05.2009 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    wir lassen uns für blöd verkaufen

    Alle jahre heisst es wir lassen uns für blöd verkaufen. das ist nun halt mal so, denn als es noch keine budget produkte gab, kostete alles mehr, das ist doch auch ein beweis, dass wir uns auf der nase rumtanzen lassen, denn plötzlich geht es günstiger.

  • Peter Ringger am 30.04.2009 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt ja noch das Festnetz

    Ich bin sicher das etwa 90% aller Handygespräche auch über das Festnetz gemacht werden könnten weil das Handy zuhause benützt wird oder gar kein Festnetzanschluss mehr da ist. Ich benütze das Handy nur wenn es wirklich nötig ist und habe meine Fr. 50 Prepaid Karte schon über ein Jahr.

    • Peter Hasenfratz am 16.11.2009 17:39 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      So spart man Geld und hat doch Verbindung wenns nötig wird! Hab das selbe Abo.

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