Gestern bestätigte sich die Gewinnwarnung von Sony Ericsson Ende Juni: Das japanisch-schwedische Joint Venture fiel bei den Handyverkäufen im zweiten Quartal 2008 auf den fünften Platz aller Handyhersteller zurück. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Marktanteil von 8,9 Prozent auf 7,5 Prozent. Im Interview mit «Welt Online» erwägt der Sony-Boss nun den Ausstieg aus dem Handygeschäft.
Wie vor zwei Jahren
Auf die Frage, ob es nicht Zeit sei, sich von Ericsson zu trennen, antwortet Stringer, dass es ein schwieriges Jahr gewesen sei. Ausserdem sei es nie einfach, einen Vertrag aufzulösen und den Partner auszuzahlen. Im digitalen Zeitalter ist es laut Stringer wichtig, schlagfertig zu sein.
In einem Joint Venture sei es zudem schwieriger, genauso schlagfertig zu sein wie im eigenen Unternehmen. Man sei stets in Diskussionen und Verhandlungen: «Wir besprechen ständig mit Ericsson, wie wir Sony Ericsson so erfolgreich wie möglich machen können.» Dann die Frage, ob es Sony Ericsson in drei Jahren noch geben werde. Darauf Stringer: «Wir müssen wieder so zusammenarbeiten wie vor zwei Jahren. Oder das Joint Venture muss eine eigene Lösung finden.»
Der iPod hat das Album vernichtet
Stringer ist weiter davon überzeugt, dass die Musikbranche die Talsohle noch nicht erreicht hat. So werde der CD-Verkauf weiter zurückgehen. Und er geht mit Apples iPod hart ins Gericht: «Wir beobachten einen grundsätzlichen Wandel. Im Grunde hat der iPod das Album vernichtet. Der iPod hat eine Single-Industrie geschaffen, mit der es Künstlern viel schwerer fällt, einen eigenen Musikkatalog zu erschaffen. Das ist aus zwei Gründen bedauernswert. Zum einen haben wir mit Alben früher einmal viel Geld verdient. Zum anderen repräsentiert das Album die Schaffenskraft eines Musikers, die über einzelne Hits hinausgeht. Deswegen müssen wir neue Wege suchen, um den Musikern diese Möglichkeit zurückzugeben.»
Jede Playstation 3 bringt Sony Verlust
Die Playstation 3 ist beliebt: Die Verbraucher kaufen mehr Konsolen als Sony produzieren kann. Allerdings sei das Geschäftsmodell nicht perfekt, jede verkaufte Konsole bringe Sony einen Verlust ein, so Stringer. Er gibt auch zu, dass Nintendos Wii ein gut gemachtes Gerät sei, das eine eigene Zielgruppe gefunden habe. Sony selbst komme mit der Produktion der Playstation 3 nicht nach. Stringer weiter: «Der grosse Unterschied ist, dass Nintendo schon mit der Hardware Geld verdient. Damit ist vielleicht das Geschäftsmodell überlegen. Aber der Erfolg der Wii geht nicht auf unsere Kosten, sie tut uns nicht weh. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, eine Spielkonsole zu bauen, die viel mehr kann. Die Playstation 3 hat einen enormen Prozessor, sie wird nach und nach zum zentralen Server in den Häusern unserer Nutzer.» Immerhin, so Stringer, sei man inzwischen so weit, dass Sony mit den Games mehr verdiene, als das Unternehmen mit der Hardware verliere. Ausserdem glaubt Stringer nicht, dass die Playstation 3 vor Weihnachten billiger wird. (scc/rmd)
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