IMEI

09. Juni 2009 13:42; Akt: 10.06.2009 13:31 Print

Provider machen es Handydieben leicht

von Henning Steier - Eine europaweite Datenbank würde Langfingern den Spass an gestohlenen Mobiltelefonen nehmen. Doch Sunrise, Swisscom und Orange zögern seit sechs Jahren.

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Bild: Colourbox

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Die Baslerin Tanja Ammann staunte nicht schlecht, als sie vergangenen Freitag in ihre Handtasche greifen wollte, um ihr Handy herauszuholen. Nachdem sie einige Minuten gesucht hatte, wurde ihr klar, dass es jemand gestohlen haben musste. «Zum Glück hatte ich zu Hause noch die Verpackung, auf der die IMEI-Nummer steht», erzählte die 28-Jährige im Gespräch mit 20 Minuten Online, «so konnte ich es sofort sperren lassen.» Auch die SIM-Karte liess sie umgehend von Swisscom deaktivieren.

Doch Diebe, die es nur auf das Gerät abgesehen haben, dürfte das wenig stören. Sie können eine SIM-Karte von der Konkurrenz erwerben und das Mobiltelefon in einem anderen Netz nutzen. Denn die Sperrung einer IMEI-Nummer (siehe Infobox) gilt nur für das Netz des Providers, bei dem man seinen Vertrag abgeschlossen oder eine Prepaid-Karte gekauft hat. Swisscom war im Juni 2003 der erste Schweizer Anbieter, welcher seinen Kunden diesen Service bot. In einer Medienmitteilung hiess es damals: «Das führende Schweizer Mobilfunk-Unternehmen strebt eine nationale, netzübergreifende Sperrplattform an; Gespräche mit anderen Netzbetreibern haben bereits stattgefunden.»

Bereits 2003 angekündigt

Mittlerweile bieten auch Sunrise und Orange die IMEI-Sperrung an, letztgenanntes Unternehmen allerdings noch nicht für Prepaid-Karten. Eine gemeinsame Datenbank aller Provider gibt es heute - sechs Jahre nach der Ankündigung - aber immer noch nicht. Die drei von 20 Minuten Online befragten Unternehmenssprecher sind sich nicht einmal einig, ob es noch Gespräche zu dem Thema gibt. Heisst es seitens Swisscom, dies sei nicht der Fall, bei Sunrise ist hingegen zu hören, es gebe schon seit längerem Diskussionen unter den Anbietern, eine solche einzuführen. Laut Orange finden die Gespräche seit 2007 statt.

In Swisscoms besagter Medienmitteilung von 2003 war auch noch zu lesen: «Eine internationale Regelung behandelt die Mobilfunkanbieterin mit zweiter Priorität.» Daran hat sich nicht nur das grösste Schweizer Telekommunikationsunternehmen bis heute gehalten, sondern auch die Konkurrenz von Sunrise und Orange. Die Sperrung von im Ausland deaktivierten Handys ist jedoch vorerst nicht vorgesehen, weil sie zu viele zurzeit ungelöste Herausforderungen mit sich bringt, sagte stellvertretend ein Sunrise-Sprecher und nennt «doppelte IMEIs sowie Missbrauch durch andere Operatoren».

Nichts, womit man Geld verdienen könnte

«Es ist wenig überraschend, dass die Provider sich Zeit mit der Einrichtung einer gemeinsamen Datenbank lassen», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), 20 Minuten Online, «denn das ist nichts, womit sie Geld verdienen könnten. Technisch ist die gemeinsame IMEI-Sammlung aller drei Anbieter übrigens problemlos möglich, wie Swisscom, Orange und Sunrise bereits zugegeben haben.»

«Ein Kunde, dem das Handy abhanden gekommen ist, sitzt in der Regel noch in einem laufenden Vertrag fest und dürfte in vielen Fällen in einen Shop seines Mobilfunkanbieters gehen und dann dort ein Handy kaufen», sagte Ralf Beyeler, Telekom-Experte von comparis.ch, 20 Minuten Online, «im Gegenzug verlängert der Kunde seinen Handyvertrag um bis zu 24 Monate und erhält - wenn überhaupt - nur einen kleinen Rabatt auf das Handy. Die Provider behalten also den Kunden und der bezahlt weiterhin Monat für Monat zu viel Geld für ein meistens zu teures Abo». Es gebe aber auch den Fall, in dem der Anbieter dem Kunden keine Vertragsverlängerung mit vergünstigtem Handy anbietet und das Handy dann dem Kunden zu Mondpreisen verkauft. «Wahrscheinlich werden die Anbieter erst dann sinnvoll und vernünftige Lösungen haben, wenn dies durch die Behörden reguliert wird», so Beyeler weiter.

Hoffnung, dass sich die Politik bald des Themas annehmen könnte, besteht wahrscheinlich kaum. Ihr sind - wie in der vergangenen Woche deutlich wurde - beim Thema Mobilfunk die Hände gebunden. Denn die grosse Kammer des Nationalrats hatte es mit klarer Mehrheit abgelehnt, die Preise für Anrufe ins Ausland europäischem Recht anzupassen, sie also zu senken. Damit war man Kommunikationsminister Moritz Leuenberger gefolgt, laut dem der Bundesrat keine gesetzliche Grundlage hat, auf der er den Schweizer Providern Vorgaben zu den Roamingpreisen machen könnte.