MWC 2010

15. Februar 2010 20:06; Akt: 15.02.2010 23:52 Print

Sieben Fragen zu Windows Phone 7

von Henning Steier, Barcelona - Microsoft hat auf dem Mobile World Congress sein neues Betriebssystem für Smartphones gezeigt. CEO Steve Ballmer liess in seiner Präsentation aber einiges unklar. 20 Minuten Online hat versucht, von Massimo Erroi mehr zu erfahren. Der 47-Jährige ist in der Schweizer Dependance für das mobile Betriebssystem zuständig.

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Auf der wichtigsten Mobilfunkmesse, dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat Microsoft heute mit Windows Phone 7 Series sein neues Betriebssystem für Smartphones vorgestellt. Wie 20 Minuten Online berichtete, kommen die Geräte mit sechs so genannten Hubs (deutsch: Knotenpunkte). People soll alle Beiträge aus von Kontakten sozialen Netzwerken, Fotos und Videos sammeln. Ausserdem soll man für jeden Kontakt auf dem Startbildschirm einen Live-Tile anlegen können. Dieser präsentiert dann beispielsweise aktuelle Fotos oder Status Updates in Echtzeit. Der zweite Hub, Pictures genannt, soll es Usern ermöglichen, Bilder und Videos über Communities wie Facebook miteinander zu teilen. Nummer 3 nennt sich Games und bringt Xbox-Live-Spiele, Ranglisten sowie Gamer-Profile aufs Gerät. Über Music & Video soll man wie mit Microsofts Multimediaplayer Zune unter anderem Songs kaufen können. Dank einer Funktion namens Zune Social soll man sie mit anderen teilen können. Der Hub Marketplace bietet direkten Zugriff auf das App-Angebot von Microsoft. Über das Icon Office lassen sich Office Mobile, SharePoint und OneNote nutzen. Zusätzlich soll jedes Gerät der Windows Phone 7 Series einen eigenen Hardware-Button für die Suchmaschine bing haben. Über diesen lässt sich sowohl das Gerät als auch das Web durchforsten.

Insgesamt bringt Microsoft also vor allem Ideen, die Gerätehersteller wie Sony Ericsson mit eigenen Benutzeroberflächen bereits umgesetzt haben. Dazu zählt die Sammlung aller Daten und Inhalte eines Kontakts in übersichtlicher Form. Auch der Hardware-Button für die Suchmaschine bing, mit der sich sowohl das Web als auch das Gerät durchforsten lassen, ist bereits bekannt: Unter anderem bringen die Android-Handys T-Mobile G1 und HTC Hero einen solchen mit. Wirklich neu sind hingegen die Integration von XBox-Live-Spielen und Funktionen wie man sie vom Mediaplayer Zune kennt. In Europa ist er aber noch nicht erhältlich. Daher ist fraglich, ob man beispielsweise mit den ersten Smartphones, die mit Windows Phone 7 als Betriebssystem zum Kunden kommen, Musik auch ausserhalb der USA direkt im Zune Store kaufen können wird. Nach der Präsentation hat 20 Minuten Online sich mit Massimo Erroi zum Interview getroffen. Der 47-Jährige ist bei Microsoft Schweiz Business Group Lead Mobile und damit hierzulande auch für Redmonder Smartphone-Betriebssysteme verantwortlich.

20 Minuten Online: Windows Phone 7 unterstützt kein Flash, so dass sich viele Webvideos und Games nicht direkt im Browser nutzen lassen werden. Mit HTML5 erstellte Websites und entsprechende Browser kommen ohne Adobes Plugin aus. Aber diese Entwicklung ist noch am Anfang. Warum hat Microsoft die Unterstützung trotzdem nicht integriert?
Massimo Erroi: Die Flash-Unterstützung ist auf jeden Fall geplant. Zum Launch der ersten Geräte Ende dieses Jahres hat es leider nicht gereicht. Wahrscheinlich werden wir den Flash-Support dann per Upgrade nachreichen.

Hersteller wie HTC haben bisherige Versionen von Windows Mobile mit eigenen Benutzeroberflächen versehen. Die Taiwanesen haben beispielsweise eine namens Sense entwickelt, bei der man das Gefühl hat, dass auf dem Gerät zwei Betriebssysteme laufen. Wir das auf den neuen Geräten auch noch so sein?
Das ist nicht mehr vorgesehen. Wir wollen den Kunden auf allen Geräten die gleiche Benutzeroberfläche bieten. Dadurch sollen sie sich nicht mehr mühsam zurechtfinden müssen, wenn sie sich ein anderes Gerät kaufen, auf dem das gleiche Betriebssystem läuft. Innerhalb dieses Konzeptes haben die Hersteller auch weiterhin die Möglichkeit, eigene Ideen wie spezielle Apps einzubringen. Nur zwei User Interfaces - die wird es unter Windows Phone 7 nicht mehr geben. Das macht es übrigens auch für Entwickler von Apps leichter, die sich nun nur noch an einer Oberfläche orientieren müssen.

Bislang gibt es im Windows Marketplace for Mobile etwa 1000 Applikationen. Die Konkurrenz von Nokia, Apple und Google scheint mit jeweils 20 000 sowie 140 000 uneinholbar vorn zu liegen. Eine Möglichkeit für Microsoft, den Anschluss nicht vollends zu verpassen, wäre, Entwickler Apps für PC, Smartphone und Mediaroom schreiben zu lassen. Gibt es entsprechende Pläne?
Nutzer der Schweizer Version des Marketplace werden demnächst auch auf App-Stores anderer Länder zugreifen können, womit sich das Angebot deutlich erhöhen dürfte. Zum zweiten Teil lässt sich sagen, dass wir auf der Entwicklermesse MIX10 Mitte März in Las Vegas unsere neuen Tools präsentieren werden.

Wie geht es mit der aktuellen Version Windows Mobile 6.5 weiter?
Sie wird weiterhin auf günstigeren Geräten laufen. Windows Phone 7 Series ist nur für das Highend-Segment gemacht.

Googles Betriebssystem Android ist gratis. Wie lange nimmt Microsoft noch Lizenzgebühren für sein mobiles OS?
Steve Ballmer hat in seine Keynote gesagt: «Meine Eltern haben mir den Rat gegeben, bei vermeinlichen Gratis-Produkten immer nach den versteckten Kosten zu suchen.» Wir werden also nichts an unserer Strategie ändern.

Google hat überdies in den USA eine Gratis-Navigation im Angebot. Warum hat Microsoft nichts Vergleichbares in petto?
Dazu nur so viel: Wir machen uns Gedanken über viele Themen.

Welcher Provider wird das erste Smartphone mit Windows Phone 7 in die Schweiz bringen?
Wir verhandeln mit allen, die eigene Netze haben.