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02. Juli 2009 11:31; Akt: 02.07.2009 18:30 Print

Provider haben nichts zu verschenken

von Henning Steier - Entlastung für dünne Krisen-Portemonnaies: Wer sich Werbung aufs Handy schicken lässt, bekommt in Deutschland und Grossbritannien Gratisminuten und Frei-SMS. Schweizer Anbieter hinken hinterher. Aber zumindest für Orange-Kunden gibt es Hoffnung.

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Bild: Colourbox

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Seit rund zwei Jahren bietet das finnische Unternehmen Blyk seinen Kunden in Grossbritannien umgerechnet etwa 27 Franken Gratisguthaben an, wenn sie sich dafür Werbe-MMS aufs Mobiltelefon schicken lassen. 200 000 Kunden hat man laut eigenen Angaben bislang gewinnen können. Blyk hat aber weder ein eigenes Mobilfunknetz noch Handys zu bieten. Der deutsche Anbieter E-Plus Gruppe, eines der Schwergewichte auf dem Markt des Nachbarlandes, hat beides zur Verfügung und nutzt seit Mitte Juni ein ähnliches Geschäftsmodell.

Das Unternehmen offeriert Nutzern als erster deutscher Provider eine Gutschrift, bis zu 30 Freiminuten oder Gratis-Kurznachrichten pro Monat in alle deutschen Netze. Dafür erhält man bis zu 25 Werbebotschaften pro Woche - per SMS, MMS oder E-Mail. Kunden können sich dafür ausschliesslich auf gettings.de registrieren. «Hat man seine Handynummer und ein Passwort eingegeben, muss man die Kanäle wählen, über die man die Werbung erhalten möchte - beispielsweise E-Mail. SMS und MMS sind voreingestellt. Dann wählt man seine Wunschthemen und abschliessend, ob man eine Gutschrift, Frei-SMS oder -Minuten haben möchte», erläutert Mediensprecher Guido Heitmann im Gespräch mit 20 Minuten Online. Abgerechnet wird im Takt, den man bei Abschluss seines Vertrags ausgewählt hat. Auch Prepaidkunden können das Angebot nutzen. Sie können aber nur eine Aufladung ihres Guthabens erhalten. Probleme mit dem Jugendschutz wie bei E-Mail-Anbietern, die abends oftmals Sexanzeigen einblenden, schloss Heitmann aus: «Es gibt keine Über-18-Werbeinhalte bei uns.» Wie viele E-Plus-Kunden das Angebot bereits nutzen, wollte er nicht sagen.

Tests bei Orange

Ebenso zugeknöpft gab sich auch die Medienstelle des Schweizer Mobilfunkanbieters Orange, als sie von 20 Minuten Online um Auskunft zum Ergebnis ihrer Tests aus dem Vorjahr befragt wurde. Zwischen April und Juni hatte das Unternehmen als erster Provider hierzulande rund 1300 Kunden zwischen 18 und 35 Jahren gefragt, ob sie rund jede dritte SMS mit Werbung akzeptieren würden, wenn sie dafür Vergünstigungen erhielten. Rund 500 Kunden nahmen an der neunwöchigen Versuchsreihe teil. Die Werbung wurde dabei aber im Unterschied zu E-Plus nicht separat verschickt, sondern in die Kurzmitteilungen integriert, wenn diese weniger als 160 Zeichen umfassten.

«Das Nutzerfeedback war überwiegend positiv», sagte Orange-Sprecherin Marie-Claude Debons 20 Minuten Online. Auf die Frage, warum sich seit einem Jahr nichts in der Richtung getan habe, antwortete sie, es seien noch viele, nicht nur technische Hürden zu nehmen. Weder wann Schweizer Kunden mit Gratis-Minuten oder -Nachrichten rechnen dürfen noch wie hoch die Gutschriften auf den Nutzerrechnungen waren, wollten sie bestätigen. Auch über an dem Projekt beteiligte Werbepartner war keine Auskunft zu bekommen.

Bekannt ist hingegen, dass Orange den Test mit dem US-Anbieter Amobee Media Systems durchführte, dessen Chef Zohar Levkovitz am Ende von den Möglichkeiten dieser Werbeform schwärmte: «Textnachrichten bilden das grösste Werbepotenzial in der mobilen Welt. Dadurch, dass täglich Milliarden von Mitteilungen verschickt und empfangen werden, übersteigt die Zahl der Betrachter das Publikum der grössten Webseiten, TV- und Radiosender sowie Zeitungen bei weitem.»

Kunden könnten sich belästigt fühlen

Eine Meinung, welche die anderen beiden Schweizer Provider zumindest heute nicht zu teilen scheinen: «Swisscom plant zurzeit nicht, ein derartiges Angebot hierzulande einzuführen», sagte Mediensprecher Olaf Schulze zu 20 Minuten Online. Es bestehe die Gefahr, dass sich Kunden gestört fühlten, wenn sie so viel Werbung aufs Handy bekämen. «Wer von Gratis-Angeboten profitieren möchte, kann auf «Vodafone Live», dessen Nutzung wir über unsere Geräte anbieten, beispielsweise Werbespots vor Videos einblenden lassen. Dadurch lassen sie sich gratis anschauen und man kann etwa 1.50 Franken pro Clip sparen», so Schulze weiter. Sunrise geht laut Sprecherin Sevgi Gezici ebenfalls davon aus, dass sich Nutzer durch Werbebotschaften belästigt fühlen könnten und plant daher auf absehbare Zeit auch kein Angebot in dieser Richtung.


Schreiben Sie uns bitte Ihre Meinung im Talkback: Würden Sie Werbung auf dem Handy akzeptieren, wenn sie dafür Gratisminuten oder Frei-SMS bekämen?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • .. am 02.07.2009 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht?

    Hmm, ich mein, wenn es Freiwillig ist, nicht mal so eine schlechte Idee. Ich würde mir auch noch überlegen teilzunehmen. Einfach Geld einstreichen und Werbung ignorieren..

  • Telefonierer am 02.07.2009 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja...

    Unsere Prvider würden besser mal die Preise senken! Ist eine Frechheit, was wir an Minutentarifen uns SMS/MMS bezahlen müssen. in Deutschland ist z.B. mit dem Handy telefonieren billiger als bei uns mit dem Festnetz! Alles andere ist Bauernfängerei!!!

  • SaibaWing am 02.07.2009 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt drauf an...!

    in welchem Mass sie dies machen. (M)eine Idee: Dem Kunden die Möglichkeit geben, seine Interessen anzugeben. Stichwort Individualisierte Werbung. Schlau wäre es, solche Werbung für viel Geld zu verkaufen. So sinkt die "Gefahr", dass Unternehmen für "jede Seich" werben. Steckt viel Potential dahinte

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anti Spamer am 08.07.2009 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwilliger Spam..

    ..ist doch gar nicht schlimm. Solange jeder selber einstellen kann, ob er per SMS belästigt werden möchte, oder nicht. Ich kenne genügend Studis, die so Ihre Handyrechnung senken würden (ich inklusiive ;)

  • Ronald Roggen am 05.07.2009 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das liegt im Trend

    Gratis liegt im Trend. Geht voll runter mit den Mobilgebühren und fahrt die Werbung hoch. Gleiches beim e-Book, wieso nicht gratis Bücher lesen, dafür etwas Werbung drin?

  • Dave am 02.07.2009 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wie waers

    ...wenn sich die Provider mal einigen auf einen Tarif? wenn ich von einem Netz ins andere anrufe, da gibts Unterschiede von bis zu 20.-!!! Abzocke total....

  • Marc Wurst am 02.07.2009 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Spamfilter

    Ich frage mich wann der erste Spamfilter für solche Werbung auf den Markt kommt. Sozusagen nach dem Motto: Die Provider können mir gerne Werbung schicken, mein Filter löscht sie sowieso gleich, aber die Gratisminuten stecke ich trotzdem ein. :-))

  • doeme am 02.07.2009 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bla, bla!

    Warum sollten wir sowas wollen? Damit die Provider einen Grund haben die Preise nicht zu senken? Immerhin hätte man dann die Möglichkeit günstiger zu telefonieren, allerdings bezahlt man dann leider anders...