MWC 2010

15. Februar 2010 15:27; Akt: 15.02.2010 19:25 Print

Zune Phone bleibt ein Gerücht

von Henning Steier, Barcelona - Microsoft hat auf dem Mobile World Congress mit Windows Phone 7 sein neues mobiles Betriebssystem präsentiert. Alle, die auf ein eigenes Gerät aus Redmond gehofft hatten, müssen sich weiter gedulden.

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Steve Ballmer, CEO von Microsoft, hatte auf einer Konferenz im Herbst 2009 eingeräumt, dass man die aktuelle Version 6.5 von Windows Mobile «vergeigt» habe. So liess er es sich nicht nehmen und kam persönlich nach Barcelona, um heute auf dem Mobile World Congress (MWC) die Windows Phone 7 Series zu präsentieren. Die ersten Geräte mit der neuen Software sollen noch in diesem Jahr erhältlich sein. Als Partnerhersteller haben die Redmonder bisher unter anderem Dell, HTC, LG, Samsung, Sony Ericsson und Toshiba gewonnen. Auch zahlreiche grosse Provider haben angekündigt, die Geräte anbieten zu wollen - darunter Orange, T-Mobile, Vodafone und AT&T.

Microsoft will sechs Aktivitäten ausgemacht haben, für die Nutzer ihre Smartphones am häufigsten verwenden. Für jede wurde ein so genannter Hub (deutsch: Knotenpunkt) angelegt. People soll alle Beiträge aus von Kontakten sozialen Netzwerken, Fotos und Videos sammeln. Ausserdem soll man für jeden Kontakt auf dem Startbildschirm einen Live-Tile anlegen können. Dieser präsentiert dann beispielsweise aktuelle Fotos oder Status Updates. Der zweite Hub, Pictures genannt, soll es Usern ermöglichen, Bilder und Videos über Communities wie Facebook miteinander zu teilen. Nummer 3 nennt sich Games und bringt Xbox-Live-Spiele, Ranglisten sowie Gamer-Profile aufs Gerät. Über Music & Video soll man wie mit Microsofts Multimediaplayer Zune unter anderem Songs kaufen können. Dank einer Funktion namens Zune Social soll man sie mit anderen teilen können. Der Hub Marketplace bietet direkten Zugriff auf das App-Angebot von Microsoft. Über das Icon Office lassen sich Office Mobile, SharePoint und OneNote nutzen. Zusätzlich soll jedes Gerät der Windows Phone 7 Series einen eigenen Hardware-Button für die Suchmaschine bing haben. Über diesen lässt sich sowohl das Gerät als auch das Web durchsuchen.

Zwei wichtige Neuerungen

Insgesamt bringt Microsoft also vor allem Ideen, die Gerätehersteller wie HTC mit eigenen Benutzeroberflächen (Sense) bereits umgesetzt haben. Dazu zählt die Sammlung aller Daten und Inhalte eines Kontakts in übersichtlicher Form. Auch der bing-Knopf ist bereits bekannt: Unter anderem bringen die Android-Handys T-Mobile G1 und HTC Hero einen solchen mit. Wirklich neu sind hingegen die Integration von XBox-Live-Spielen und Zune-Funktionen. In Europa ist der Mediaplayer aber noch nicht erhältlich, der Zune Marketplace für Videos lässt sich dementsprechend nur über Xbox-Live nutzen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich Microsoft mit den Rechteinhabern einigen wird, damit man Filme auch auf den Rechner und damit auf Windows-Phones, aber auch Musik herunterladen kann.

Microsoft hat keine Zeit zu verlieren. Denn wie eine Studie der Marktforscher von Canalys zeigt, sank 2009 im Vergleich zum Vorjahr der Anteil von Handys mit Windows Mobile von 13,9 auf 8,8 Prozent. Das iPhone OS legte laut den britischen Analysten im selben Zeitraum von 9,6 auf 15,1 Prozent zu. Geräte mit Googles freiem Betriebssystem Android erreichen 4,7 Prozent - nach 0,5 im Jahr 2008. Diese beiden Betriebssysteme haben Microsofts Angebot von rund 1000 Tools auch mit 140 000 Applikationen im App Store, beziehungsweise 20 000 im Android Market klar abgehängt. Allein Apple soll laut den Analysten von Gartner im vergangenen Jahr mit den zusätzlichen Tools für iPhone und iPod touch rund 2,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt haben. Offiziell beziffert der der Apfel-Konzern seine Erlöse aus dem App Store allerdings nicht. Cash Cows von Microsoft sind hingegen noch das PC-Betriebssystem Windows und das Bürosoftwarepaket Office. So erreicht allein Erstgenanntes immer noch einen Marktanteil von 92 Prozent, womit Microsoft fast ein Monopol hat. Apples Betriebssysteme belegen zurzeit laut den Analysten von Net Applications mit 5,16 Prozent Rang 2.

Smartphone wird wichtigste Surfmaschine

Gartner prognostizierte ausserdem unlängst für 2013 weltweite App-Einnahmen von 29,5 Milliarden Dollar und 21,6 Milliarden Downloads voraus. Laut der Studie sollen 2013 rund 25 Prozent der Einnahmen durch Gratis-Apps, die mit Werbung gespickt sind, verdient werden. Allein Apple verzeichnete seit dem Start des App Stores im Sommer 2008 über drei Milliarden heruntergeladene Tools. Gartner sagte überdies voraus, dass bis 2013 die Zahl der PCs weltweit auf 1,78 Milliarden wachsen werde. Surffähige Smartphones sollen Computer in diesem Zeitraum mit 1,82 Milliarden Geräten aber als wichtigsten Zugangsweg zum Web ablösen.

Visionen für Microsoft

Google hat dementsprechend die Zeichen der Zeit erkannt und auf Anfang Januar mit dem Nexus One ein erstes Smartphone vorgestellt, welches auch vom Suchmaschinenanbieter selbst verkauft wird. Vor dem Mobile World Congress waren seit Jahren schwelende Gerüchte um ein eigenes Microsoft-Handy namens Zune Phone könnte dort oder einen Monat später auf der CTIA Wireless in Las Vegas das unter dem Codenamen «Pink» entwickelte Zune Phone präsentiert werden, über das es seit Jahren immer wieder Gerüchte von der Analystin Katherine Egbert aufgefrischt worden. Sie wollte erfahren haben, dass es wie Googles Nexus One von einem anderen Hersteller gebaut werden soll. Zu den technischen Details sollen eine 5-Megapixel-Kamera, das Abspielen von 720p-Videos und die Anbindung an einen Web-Musikshop gehören. Hoffnung für alle Microsoft-Jünger könnte der renommierte Blog All Things Digital bringen, welcher schreibt, dass Microsoft sein unter dem Codenamen Pink entwickeltes Smartphone auf der CTIA Wireless in Las Vegas präsentieren könnte. Die Messe beginnt am 22. März. Wie sich diverse Blogger das Zune Phone vorstellen, ist in der obigen Bilderstrecke zu sehen.