IFA 2010

02. September 2010 13:42; Akt: 08.09.2010 15:31 Print

Echte Konkurrenz fürs iPad

von Henning Steier, Berlin - Mit dem Galaxy Tab bringt Samsung Ende September seinen ersten Tablet-PC auf den Markt. 20 Minuten Online hat die Apple-Alternative ausprobiert.

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Hier ist das Bücherangebot für das Galaxy Tab zu sehen. Und hier der Beweis, dass es in eine Sakkotasche passt. Auch für Gamer soll Samsungs erster Tablet-PC interessant sein. Die Printausgabe von 20 Minuten ist bereits für das Gerät verfügbar. So sieht der Startbildschirm aus. Der Hannspree Tablet läuft mit Android 2.2, hat ein kapazitives Multitouch-Display mit einer Diagonalen von 10,1 Zoll, 16 Gigabyte Flashspeicher und einen ARM A9 Cortex Dual-Core-Prozessor, der mit einem Gigahertz getaktet ist. Auch das Interpad der Kölner Herstellers e-noa kommt mit 16 Gigabyte Speicher und 1-Gigahertz-CPU zum Kunden. Weitere Merkmale: Android 2.1, 10-Zoll-Display, ein Gigabyte RAM und WLAN (b/g). Zum Weihnachtsgeschäft soll auch eine 3G-Variante erhältlich sein. Das MSI WindPad 100 kommt mit einer 10,1-Zoll-Touchscreen, einen Intel Atom Z530 mit 1,6 Gigahertz, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und eine Kamera mit 1,3 Megapixeln Auflösung. Das ViewPad 7 von Viewsonic hat ein 7-Zoll-Display, UMTS, WLAN, zwei Kameras und einen USB-Port. Als Betriebssystem kommt Android zum Einsatz. Ein weiteres Tablet des Herstellers kommt mit Dualboot-Funktion (Windows7/Android) zum Kunden. ARCHOS stellt unter anderem zwei Tablets mit den Bildschirmdiagonalen 7 und 10,1 Zoll vor. Die grössere Version ist im Bild zu sehen. Als Betriebssystem kommt Android 2.2 zum Einsatz. Sie haben einen 1-GHz-Prozessor (ARM Cortex) und eine Webcam. Im April hatte Neofonie seinen Tablet-PC auf . Auf den Marktstart wartet man vergebens. Auf der IFA ist der Rechner, der mittlerweile WeTab heisst, am Intel nur auf Presseveranstaltungen zu sehen. Der Toshiba Folio 100 ist ein 10,1-Zoll-Tablet. Es misst 281 x 181 x 14 Millimeter und wiegt 760 Gramm. Googles Android in Version 2.2 ist als Betriebssystem installiert, weswegen sich der Rechner auch für Flash-10.1-Inhalte eignet. Eine Akkuladung soll für bis zu sieben Stunden Betrieb ermöglichen. Huawei Ideos Tablet S7: Es kommt mit einem 7-Zoll-Display, dem veralteten Android 2.1, das unter anderem Tethering- und Mobile-Hotspot-Funktion sowie der Microsoft-Exchange-Kalender vermissen lässt. Dafür kann man mit dem Rechner telefonieren.

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In der vergangenen Woche hatte Samsung ein Teaser-Video ins Netz gestellt, in dem die Vorstellung des ersten Tablet-PCs der Südkoreaner für heute angekündigt wurde. Und wie man es von Apple kennt, sparte man sich die Präsentation für das Ende der Medienkonferenz auf. In einem überfüllten Saal präsentierte Thomas Richter, Head of Portfolio Management, Telecommunications Europe, das Galaxy Tab. Es kommt mit 7-Zoll-Display, Android 2.2 (Froyo), 1-Gigahertz-Prozessor und 16 beziehungsweise 32 Gigabyte Speicher zum Kunden. Dieser lässt sich per microSD-Karte um bis zu 32 Gigabyte erweitern.

Nach der Medienkonferenz konnte 20 Minuten Online den Rechner eine halbe Stunde ausprobieren. Die Unterschiede zum iPad liegen aber ohnehin auf der Hand: Samsungs Tablet ist mit 190 x 120 x 11,9 Millimetern viel kleiner, denn Apples Rechner misst 243, 8 x 189,7 x 13,4. Das Gewicht beträgt dementsprechend etwa 700 beziehungsweise 380 Gramm. Damit passt das Galaxy Tab gerade noch in eine Sakkotasche. Samsungs PC unterstützt Flash, kommt mit Googles Betriebssystem und mit ihm lässt sich telefonieren - auch Videotelefonie ist dank einer zweiten Kamera möglich. Ausserdem hat es eine Kamera, die zwar nur mit drei Megapixeln auflöst - aber besser als keine ist sie in jedem Fall. Die Qualität der testweise geschossenen Fotos und Videos gingen in Ordnung, liessen aber Kontrast und natürlich auch Auflösung vermissen.

Umfangreiches Medienangebot

Laut Samsung sollen zum Marktstart Mitte September mehr als zwei Millionen Bücher in 25 Sprachen, 1600 Zeitungen in 42 Sprachen und 3000 Magazine in 20 Sprachen über den so genannten Readers Hub verfügbar sein. Das Tool steht Apples Lösung in Sachen Benutzerfreundlichkeit in nichts nach. Es bleibt abzuwarten, wie gross das Angebot in der Schweiz sein wird. Es dürfte Samsung aber nicht schwerfallen, Apple zumindest anfänglich zu übertrumpfen, denn das Angebot ist noch überschaubar. Immerhin hat man hierzulande dann über den Music Hub Zugriff auf rund zwölf Millionen Songs. Filme und Serien werden über den Media Hub bereit gestellt - allerdings vorerst nur in den USA. Wann sich das ändert, konnte Samsung Schweiz auf Anfrage noch nicht sagen. Auch der Preis ist noch nicht bekannt. Das Galaxy Tab wird bei Swisscom, Sunrise und Orange erhältlich sein.

Insgesamt macht der Tablet-PC einen ausgereiften Eindruck. Anwendungen starten flüssig, das Menü ist bekanntermassen übersichtlich. Das Surfen machte grossen Spass. Praktisch: Swype ist bereits auf dem Rechner installiert. Das Tool erlaubt es, gleichsam über die Tastatur zu wischen, so dass sich Texte deutlich schneller eingeben lassen als mit der konventionellen Tipper-Methode. Es sind kleine, durchdachte Funktionen, die das Potenzial das Computers erkennen lassen. Kippt man ihn beispielsweise in die Horizontale, werden im E-Mail-Programm automatisch der Posteingang in der linken und die aktuelle geöffnete Nachricht in der rechten Bildschirmhälfte angezeigt. Ob der Rechner hält, was der Kurz-Test verspricht, wird 20 Minuten Online vor dem Marktstart überprüfen. So viel steht fest: Entscheidet sich Samsung für einen niedrigen Preis, könnte er ein Tablet für die Massen werden.

Neuer Markt

Der erste Tablet-Versuch namens Newton war in den Neunzigern gefloppt, doch mit dem im April lancierten iPad hat Apple einen neuen Markt kreiert. Weltweit wurden bis Ende August rund 3,5 Millionen Exemplare verkauft. Analysten erwarten, dass es in diesem Jahr insgesamt sechs Millionen sein werden. Gartner-Analystin Carolina Milanesi hatte Ende Mai im Gespräch mit 20 Minuten Online den Gesamtmarkt für dieses Jahr auf etwa zwölf Millionen Tablet-Computer taxiert. Damit hätte Apple einen Marktanteil von 50 Prozent. Die Marktforscher von Canalys rechnen damit, dass 2010 etwa 12,5 Millionen Tablets abgesetzt werden, bis Ende 2014 sollen es 66 Millionen sein. In zwei Jahren sollen mehr Tablets als Netbooks verkauft werden. Mit dem iPad werde Apple seinen Vorsprung noch mindestens im nächsten Jahr behalten.

Wie erwartet, hat Apple-Chef Steve Jobs gestern Abend in seiner Keynote neue iPods präsentiert. Seit längerem durchs Netz wabernde Gerüchte, das Unternehmen wolle einen 7-Zoll-Tablet-PC, der zudem 200 Gramm leichter als das erste iPad ist, auf den Markt bringen, hat Apple bislang nicht kommentiert. Auch der Blackberry-Hersteller Research in Motion schwieg zu Mitte Juli aufgetauchten Spekulationen, man arbeite an einem Tablet-Computer mit 7-Zoll-Display, Flash-Player, zwei Kameras und 1-Gigahertz-Prozessor.

gPad nicht in Sicht

Im April soll Google-Chef Eric Schmidt auf einer Party die Arbeit an einem eigenen Tablet bestätigt haben. Offiziell bestätigt wurde dies allerdings nie. Ohnehin ist fraglich, ob Google mit einem eigenen Rechner an den Start gehen wird. Denn wie in der obigen Bilderstrecke zu sehen ist, gibt es zahlreiche Tablet-PCs mit Android. Und mit dem ersten auch selbst verkauften Android-Smartphone, dem im Januar lancierten Nexus One, hatte das Unternehmen keinen durchschlagenden Erfolg. Google wollte im ersten Jahr rund 3,5 Millionen Geräte verkaufen. Der US-Mobilfunkdienstleister Flurry hatte dem Nexus One bereits einen schlechten Start bescheinigt: So sollen in der ersten Woche nach dem Verkaufsstart 20 000 Geräte über den Ladentisch gegangen sein. Im Vergleich zum iPhone oder dem Motorola Droid ein äusserst bescheidener Erfolg. In den ersten vier Wochen wurden rund 600 000 Apple-Smartphones und 525 000 Droids verkauft.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte bereits auf der Consumer Electronics Show (CES) im Januar in Las Vegas diverse Tablets mit Windows 7 präsentiert, die er Slate-PCs nannte. Einer stammte von HP, doch lange hörte man nichts mehr von ihm. Kürzlich teilte das Unternehmen aber mit, das es noch in diesem Jahr einen Tablet-Rechner mit Microsofts Betriebssystem auf den Markt bringen will. Seit HP im April den Smartphone-Hersteller Palm übernommen hatte, gab es Spekulationen, dass der weltgrösste IT-Hersteller mit einem WebOS-Tablet gegen Apple im Consumer-Markt antritt. Die Windows-Modelle seien für Unternehmenskunden vorgesehen, sagte HP-Manager Todd Bradley vor zwei Wochen in einer Telefonkonferenz. Einen Rechner mit Palms Betriebssystem stellte er für Anfang nächsten Jahres in Aussicht.

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