Consumer Electronics Show (CES)

05. Januar 2011 09:14; Akt: 05.01.2011 09:23 Print

So wird das Technik-Jahr 2011

von Henning Steier, Las Vegas - Handyempfang im Funkloch, HD-Videos von der Skibrille und Apps im Auto: Diese Technologien sollen das digitale Leben leichter machen.

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Auf der Medienveranstaltung CES Unveiled haben einige Hersteller bereits zwei Tage vor der CES ihre Gadgets für die Messe präsentiert. Tablets wie der Motion CL900 mit Windows 7 oder... ... Lenovos Android-Rechner LePad sind ein Haupt-Trend der diesjährigen CES. Zu seinen Spezifikationen zählen ein mit 1,3 Gigaherz getakteter Snapdragon-Prozessor, Unterstützung von Adobe Flash 10.1 und 3G. Drahtloses Surfen im WLAN ist ebenfalls möglich. Mit Entune bringt nun auch Toyota Apps ins Auto. Spot Connect ist eine Box, dank der man auch im Funkloch beispielsweise SMS verschicken kann - über Satellit. Gepaart wird das iPhone oder Android-Gerät per Bluetooth. Diese Skibrille des Herstellers Liquid Image hat einen Camcorder integriert, der Filme in Full-HD dreht. Seine Fotos lösen mit bis zu zwölf Megapixeln auf. Diese kleine Box namens Mavia des Herstellers Mavizon Technologies wird mit dem Bordcomputer des Autos verbunden und schickt Daten per 3G-Netzwerk an eine iPhone-App. So soll man unter anderem an einen Ölwechsel erinnert werden können. Aaron Lemieux hat das nPower PEG erfunden. Das Gadget erzeugt Strom beim Gehen. Legt man 1,7 Kilometer zurück, soll die dabei gewonnene Energie reichen, um einen MP3-Player eine Minute lang laufen zu lassen. Mit einer Diagonale von 72 Zoll ist der LG LZ9700 nach Firmenangaben der weltgrösste 3D-fähige LED-Fernseher. Er bietet eine Bildwiederholfrequenz von 400 Hertz, unterstützt DLNA und Apps. Auf dem webfähigen Gerät ist unter anderem eine Wetter-Applikation vorinstalliert. LGs Smart TV Upgrader ist eine Set-Top-Box, mit der man Inhalte von Digital-Living-Network-Alliance-kompatiblen PCs auf den Fernseher streamen kann. Sie kommt mit einem Gigabyte Flash-Speicher als Puffer. Die aktuelle Version von Apple TV bringt acht mit. Dafür soll die LG-Box einen Browser und Apps bieten. Sharp hatte auf der Ceatec in Tokio im Oktober den BD-AV07 gezeigt, einen nur 35 Millimeter dünnen Blu-ray-Player samt Recorder TV-Tuner. Auf der CES legt Samsung nach. Das Gerät der Südkoreaner ist nur noch 23 Millimeter dick. Bislang ist überdies nur bekannt, dass er Inhalte von 2D in 3D konvertieren kann. Mit dem ans Smartphone Galaxy S erinnernden YP-GB1 will Samsung Apples iPod touch Konkurrenz machen. Im Inneren des Players stecken Android 2.2 (Froyo) und der gleiche 1-GHz-Prozessor im Handy. Ein AMOLED-Bildschirm hat er nicht, dafür ein 4-Zoll-LCD-Display. Ausserdem soll eine mit 3,2 Megpixeln auflösende Digicam und eine Frontkamera für Videotelefonate an Bord sein. Das alles will zumindest samsunghub.com erfahren haben. Bald weiss die Technologie-Welt mehr. Im Multifunktionsgerät Genesis von Lexmark steckt eine Digicam, dank der ein Scan nach drei Sekunden fertig sein soll. Das Gerät hat ein 4,3-Zoll-Touchscreen-Display, unterstützt WLAN-n und sein Tintenstrahldrucke bringt Fotos beispielsweise von Facebook aufs Papier, ohne dass man einen Rechner anschalten muss.

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Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas wird erst am Donnerstag offiziell eröffnet. Doch Steve Koenig, Analyst des US-Branchenverbandes Consumer Electronics Association (CEA), war bereits am Dienstag gut aufgelegt. «Ich bin bullish», rief er den anwesenden Journalisten in Börsenmakler-Manier zu. Grund für seinen Optimismus sei vor allem das zehnprozentige Wachstum des weltweiten Marktes für Unterhaltungselektronik, welches man für dieses Jahr erwarte. Bei knapp 964 Milliarden US-Dollar soll der Umsatz 2011 liegen. Im vergangenen Jahr betrug er etwa 873 Milliarden - ein Plus von rund 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2009 waren die Erlöse rezessionsbedingt um zirka neun Prozent gesunken.

Rund 120 000 Fachbesucher, Journalisten und Blogger werden bis zum 9. Januar zur diesjährigen CES in der Wüste von Nevada erwartet. Knapp 2500 Aussteller haben die Veranstalter gezählt. Damit bewegen sich diese beiden Zahlen auf dem Niveau von 2010. Traditionell werben einige Hersteller schon im Vorfeld der wichtigsten Messe dieser Art auf Veranstaltungen wie CES Unveiled für ihre Gadgets. Einige der diesjährigen Ausstellungstücke sind in der obigen Bilderstrecke zu sehen. Tablet-PCs, 3D-Fernseher und Smartphones bestimmen in diesem Jahr ebenso das Bild wie immer besser vernetzte Autos. Das Jahr 2011 hat aber noch weitere interessante Neuerungen zu bieten.

3D ohne Brille

In diesem Jahr bringt Nintendo seinen neuen Handheld 3DS auf den Markt. Er kommt mit zwei Bildschirmen, von denen einer 3D-fähig ist. Um damit in einer neuen Dimension spielen zu können, braucht man keine Brille. Das 3D-Bild wird mittels einer Technologie namens Parallax Barrier erzeugt: Eine Maske vor dem LCD-Panel lenkt das Bild in zwei Richtungen - eine für jedes Auge des Betrachters. Auch das Fraunhofer Institut nutzt diese Technologie bei seiner Arbeit an 3D-Displays, für die man keine Brille mehr braucht. Es gibt zwar schon autostereoskopische 3D-Bildschirme, bei denen man auf eine verzichten kann. Allerdings ist der Effekt nur aus bestimmten Positionen wahrnehmbar. Die Forscher wollen die Augen des Nutzers mit Eye-Tracking-Kameras verfolgen lassen, um das Bild so ständig dem Betrachtungswinkel anpassen zu können. Wann erste Seriengeräte erhältlich sein werden, ist noch nicht bekannt.

Zwei Milliarden US-Dollar hat der vor allem als Produzent von Handy-Chips bekannte Hersteller Qualcomm in den Aufbau eines Werkes gesteckt, das ab Ende 2011 so genannte interferometic modular Displays produzieren soll. Vermarktet werden sie als Mirasol-Bildschirme. Sie enthalten lichtreflektierende Partikel, die je nach Position nur bestimmte Wellenlängen des Lichts zurückwerfen und so vom Auge des Betrachters als Farben wahrgenommen werden. Nur wenn die Partikel sich ausrichten, wird Energie verbraucht, also beispielsweise beim Umblättern einer digitalen Buchseite mit einem eBook-Reader. Für die reine Anzeige hingegen nicht. Das kennt man bereits von klassischen e-Ink-Displays, wie sie in Amazons Kindle verbaut werden. Mirasol soll eBook-Reader-Bildschirme überdies Videos und farbige Inhalte darstellen lassen. Eine Hintergrundbeleuchtung haben aber auch die neuen Bildschirme nicht, so dass man bei schlechten Lichtverhältnissen weiterhin eine Lampe braucht.

Arbeitsspeicher speichert ohne Strom

Etwas länger als auf Mirasol-Displays werden Nutzer wohl auf erste marktfähige Memristor-Speicher warten müssen: Erstes Produkt mit der neuen Technologie soll ein Arbeitsspeicher sein, der seinen Inhalt auch behält, wenn kein Strom fliesst. Somit könnte man seinen Rechner ohne Verzögerung einschalten. Memristor-Speicher benötigt nicht nur weniger Energie als aktuelle Technologie, er ist zudem deutlich kleiner. «Wir sind überzeugt, dass der Memristor ein Universalspeicher ist, der eines Tages Flash, DRAM und Festplatten ablösen wird», gibt sich Stan Williams, Chefentwickler der HP Labs, zuversichtlich. Laut ihm soll die Technologie 2013 marktreif sein. Bereits 1971 hatte Berkeley-Professor Leon Chua den Memristor beschrieben. Dieser ist neben Widerstand, Kapazität und Induktivität ein viertes Basiselement. 37 Jahre nach Chuas Theorie, im Jahr 2008, konnte die Theorie in den HP Labs bestätigt werden. Das dort entwickelte Modul hat einen Durchmesser von nur wenigen Atomen. Um die Entwicklung voranzutreiben, ist HP im Herbst mit dem südkoreanischen Hersteller Hynix eine Kooperation eingegangen.

Eine Innovation, die vielen Anwendern das Leben leichter machen wird, kommt in jedem Fall bereits in diesem Jahr auf den Markt: Universal-Ladegeräte für Smartphones. Nachdem die nötigen Standards bestimmt seien, könne die Produktion anlaufen, teilte die EU-Kommission vergangene Woche mit. Zu den beteiligten Firmen zählen Nokia, Sony Ericsson, Apple, Motorola und Samsung. «Jetzt ist es Zeit für die Industrie, sich zu der Abmachung zu bekennen und mit dem Verkauf von Mobiltelefonen für das neue Ladegerät zu starten», sagte Industriekommissar Antonio Tajani. Die Kommission hofft vor allem auf sinkende Preise und weniger Müll. Bislang mussten Konsumenten in der Regel mit jedem Handy oder Smartphone ein neues Ladegerät kaufen. Bei den einen passt nur ein dünner, länglicher Metallstift. Andere Modelle brauchen einen breiten Stecker mit vielen kleinen Kontakten.

Konkurrenz für USB 3.0

Als Nachfolger von USB 2.0 stehen zwei Anwärter in den Startlöchern: Bereits auf der CES 2010 wurden zahlreiche Geräte mit der Schnittstelle USB 3.0 gezeigt - unter anderem Mainboards von Gigabyte, ein USB 3.0-Hub-Controller von Via und mit der Blackharmor Plus eine kompatible Festplatte. Mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 4,8 Gigabit pro Sekunde ist der neue Standard fast zehnmal so schnell wie der Vorgänger, USB 2.0, und weist gegenüber Firewire 800, das von Apple favorisiert wird, die sechsfache Geschwindigkeit auf. So soll sich die Datenmenge auf einer Blu-ray-Disc, 27 Gigabyte, nun statt in zehn binnen einer Minute übertragen lassen. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit von USB ist, dass man Geräte über die Schnittstelle aufladen kann. Statt höchstens 100 werden vom SuperSpeed-USB nun bis zu 900 Milliampere zur Verfügung gestellt. Damit lassen sich die Akkus schneller füllen und manches Gerät soll ohne externe Stromversorgung auskommen, wenn es mit dem USB-Port verbunden wird. Die USB-3.0-Stecker passen auch in ältere Buchsen. Allerdings muss der Anwender dann mit einer niedrigen Datenübertragungsrate vorlieb nehmen.

Geht es nach Intel, dann ist USB 3.0 allerdings schon fast wieder veraltet. Denn bereits im Sommer 2009 hatte der weltgrösste Chiphersteller auf dem Intel Developer Forum (IDF) in San Francisco einen ersten Prototypen des neuen Schnittstellen-Standards Light Peak gezeigt. Er soll im ersten Halbjahr 2011 verfügbar sein. Mit einer Datenübertragungsrate von zehn Gigabit pro Sekunde in beide Richtungen soll Light Peak doppelt so schnell wie USB 3.0 sein. Dank erstgenannter Technologie kann man mehrere Protokolle über eine Glasfaserverbindung laufen lassen. So kann der Anwender zum Beispiel über einen Light-Peak-Hub Display, externe Festplatte und den Rechner verbinden. Um die Stromversorgung externer Geräte sicherzustellen, will Intel in Light Peak eine Kupferleitung integrieren. Ausserdem verspricht der Hersteller Hot-Plugging. Nutzer sollen Geräte ein -und ausstecken können, ohne sie per Mausklick entfernen zu müssen.

Macs umrüsten

Ende Oktober hatte 9to5mac.com aus einer vermeintlichen E-Mail von Apple-Boss an einen Kunden zitiert: «Wir sehen momentan nicht, dass USB 3.0 durchstartet. Keine Unterstützung von Intel - zum Beispiel», soll der Apple-Boss geschrieben haben. Offiziell wurde das allerdings nie bestätigt. Mit LaCie kündigte unlängst ein Dritthersteller eine Lösung für Mac-Besitzer, die nicht auf USB 3.0 verzichten möchten: PCI Express Cards für Mac Pro-Rechner und ExpressCard/34-Karten für MacBook-Pro-Laptops, mit denen USB 3.0 nachgerüstet werden kann.