Kin One und Two

01. Juli 2010 11:01; Akt: 03.11.2010 14:14 Print

Microsoft-Handys sind gefloppt

Nur anderthalb Monate nach dem Verkaufsstart ist für die ersten Microsoft-Handys auch schon wieder Schluss. Der Software-Konzern stellt alle weiteren Arbeiten an der Kin-Serie ein.

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Gerademal anderthalb Monate nach dem Verkaufsstart gab Microsoft Ende Juni 2010 bekannt, dass die ersten eigenen Mobiltelefone KIN ONE und KIN TWO nicht mehr produziert werden. Nach eineinhalb Jahren wird der Notfall-Messenger Vine im Oktober 2010 eingestellt. Im März 1995 wurde die Benutzeroberfläche Bob vorgestellt. Sie war für PC-Anfänger gedacht, verschwand aber ein Jahr später vom Markt. Ende des Jahres 2009 stellt Microsoft seine Enzyklopädie Encarta ein. Microsoft Windows ME hatte viel mehr Stabilitätsprobleme als sein Vorgänger, Windows 98. Anwender warteten daher sehnsüchtig auf XP. Mit Lernrobotern namens Actimates wollte Microsoft in den Neunzigern Kinderherzen erobern. Der Versuch misslang. Das Betriebssystem MS-DOS 3.3 war beliebt, sein ab 1988 erhältlicher Nachfolger 4.0 nicht, denn er liess Nutzerrechner oft abstürzen. Anfang 2003 kündigte Bill Gates intelligente Uhren mit einer Technologie namens Spot an. Sie sollten unter anderem Wetterberichte liefern. Durchsetzen konnten sich die Zeitmesser nie. Das in den Achtzigern mit der ASCII-Corporation entwickelte MSX-Computersystem konnte sich nicht gegen Konkurrenten wie den C64 durchsetzen, weil es für diesen mehr Software gab. Windows XP Tablet Edition war zu teuer und wurde daher vor allem in Spezialrechnern wie denen in Krankenhäusern verwendet. Mit der 2007er-Version wurde der nervende Office-Assistent Karl Klammer in Rente geschickt. Die berührungsempfindlichen Mira-Monitore sollte man auch in 150 Metern Entfernung vom Rechner benutzen können - dank Funktechnologie. Allerdings waren die Displays zu teuer, um ein Erfolg zu werden. Soapbox sollte eine Alternative zu YouTube sein, überlebte aber nur bis August 2009.

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Mit Kin hatte Microsoft erstmals die Hardware eines Handys selbst in die Hand genommen (20 Minuten Online berichtete). Die Smartphones mit ihrer Anbindung an soziale Netzwerke sollten vor allem junge Leute ansprechen. Doch die Rechnung ging offenbar nicht auf. Übers Wochenende hatte bereits der US-amerikanische Exklusivpartner Verizon Wireless die Preise für die Geräte gesenkt. Das werteten Beobachter als Zeichen, dass sich die Kin-Handys nicht verkaufen.

«Wir haben die Entscheidung getroffen, uns ganz auf Windows Phone 7 zu konzentrieren», teilte Microsoft am Mittwoch in Redmond mit. Mit der Entwicklung dieses neuen Smartphone-Betriebssystems will der Software-Konzern verlorenes Terrain im Telefonmarkt gutmachen. Microsoft war von Google mit seinem Android-System und Apple mit seinem iPhone überholt worden.

Die vorhandenen beiden Modelle Kin One und Kin Two werden noch in den USA abverkauft. Neue Varianten wird es aber nicht mehr geben. Auch der Plan, Kin im Herbst nach Europa zu bringen, ist jetzt hinfällig. Spassvögel haben eine Seite ins Netz gestellt, auf der man der Handys zu den Klängen von Michael Jacksons «Gone Too Soon» gedenken kann.

Die grössten Flops von Microsoft sind in der obigen Bilderstrecke zu sehen.

Update 5.7.2010: Laut «New York Times» hat Microsoft nicht einmal 10 000 Kin-Smartphones verkauft.

(mbu/sda)