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07. Januar 2010 08:55; Akt: 20.04.2010 10:46 Print

Fünf Technik-Trends für 2010

von Henning Steier, Las Vegas - Skype und 3D-Filme auf dem Fernseher, biegsame eBook-Reader und Multimedia im Auto: Auch in diesem Jahr ist Las Vegas vier Tage lang Hauptstadt der digitalen Welt. Denn auf der Consumer Electronics Show (CES) präsentiert die Branche ihre Neuheiten. 20 Minuten Online hat sich vor Ort umgesehen.

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Heute öffnet die CES ihre Tore. Mehr als 100 000 Besucher erwarten die Veranstalter in der Wüste von Nevada. Rund 2500 Aussteller sind nach Las Vegas gekommen, um dort dem Fachpublikum ihre Produkte und Technologien zu zeigen. Damit ist die Messe die wichtigste und grösste ihrer Art.

Google hat sich allerdings davon nicht beeindrucken lassen und bereits am Dienstag sein erstes Smartphone präsentiert, wie 20 Minuten Online berichtete. Das Nexus One wird wie die ersten Google-Handys vom taiwanesischen Hersteller HTC gebaut, aber im Unterschied zu ihnen ausser von Providern auch vom Suchmaschinenanbieter verkauft. In der Schweiz wird das Gerät vorerst allerdings nicht erhältlich sein. Erste Tests von Technologie-Blogs stellten dem Nexus One kein herausragendes Zeugnis aus. 20 Minuten Online wird es vor Ort einem eigenen Kurz-Test unterziehen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Schliesslich ist es Googles Versuch, Apple nachzueifern und als Hardwareanbieter aufzutreten. Und das Nexus One ist zudem deutlich günstiger als ein iPhone, was es für Kunden mit dünnerem Portmonnaie attraktiv machen könnte, die gleichzeitig ein State-of-the-Art-Smartphone haben möchten, das allerdings nichts Besonderers zu bieten scheint. Apple bleibt der CES übrigens auch fern. In den vergangenen Wochen haben sich die Gerüchte verdichtet, dass der IT-Konzern aus Cupertino am 26. Januar auf einer eigenen Veranstaltung seinen Tablet PC iSlate präsentieren könnte. In diesem Punkt, dem Erzeugen von Aufmerksamkeit durch die Veranstaltung eigener Events, hat Google also schon Apple nachgeeifert. Ausserdem gibt es Spekulationen, dass auch Google an einem eigenen Tablet-PC arbeiten soll. 2010 könnte also eine wichtige Runde im Duell Apple versus Google einläuten.

Ein Blick auf den HP-Tablet-PC

Microsoft hingegen ist als treuer Teilnehmer der CES auch in diesem Jahr dabei. Und wie es mittlerweile fast Tradition zu sein scheint, hielt Konzern-Chef Steve Ballmer die Eröffnungs-Keynote. Am Ende ging ein Raunen durchs Publikum, als der Microsoft-CEO drei nicht näher bezeichnete Rechner präsentierte, die er Slate-PCs nannte. Viele Details verriet er nicht, nur dass sie «so leicht zu transportieren wie ein Mobiltelefon und dabei und leistungsstark wie ein PC mit Windows 7» sein sollen. Einer der Computer ist laut Ballmer von Pegatron, einer von Archos und einer von Hewlett-Packard (HP). Letzgenannten nahm er kurz in die Hand, blätterte kurz mit Amazons Software «Kindle for PC» durch ein eBook und startete ein Video. Dem Gerüchte-Rechner Courier, über den 20 Minuten im Herbst vergangenen Jahres berichtet hatte, sah keiner der PCs ähnlich. Vor der Keynote war spekuliert worden, dass Microsoft Apple mit der Vorstellung eines Tablet-PCs, welcher zusammen mit HP entwickelt wurde, zuvorkommen möchte. Nach Ballmers heutiger Präsentation ist die IT-Welt also nur ein bisschen schlauer geworden.

Wie Steve Ballmer ist James Cameron für seine impulsiven Auftritte bekannt. Und auch der Regisseur kann es sich leisten, denn er gehört zu den erfolgreichsten seiner Zunft und hat unlängst mit «Avatar - Aufbruch nach Pandora» einen Blockbuster in die Kinos gebracht, welcher der darbenden Branche neue Hoffnung gibt. Denn der 3D-Film hat nach 17 Tagen weltweit bereits über rund eine Milliarde US-Dollar eingespielt - so schnell wie keine anderer Kinofilm zuvor.

Heimkino in einer neuen Dimension

Nicht nur deswegen ist 3D auch auf der CES ein grosses Thema: Weil sich viele Kunden mittlerweile veritable Heimkinos eingerichtet haben, wittert die Branche hier ein grosses Geschäft. Laut einer Studie der Marktforscher von DisplaySearch sollen bis 2018 rund 64 Millionen 3D-ready-TV-Geräte verkauft werden. Bis dahin soll der Markt für 3D-Displays einen Umsatz von knapp 22 Milliarden US-Dollar liefern. Und so haben grosse Hersteller wie Samsung, Sony und Panasonic 3D-Fernseher zu CES mitgebracht. Sie setzen allerdings noch auf Shutterbrillen. Fernsehen ohne Nasenvelo wird also noch auf sich warten lassen. Die Industrie hat sich ausserdem erst auf einen Standard für DVDs und Blu-ray-Discs geeinigt. Für letztgenannte kündigte unter anderem Samsung mit dem BD-C6900 einen 3D-fähigen Player an.

Fussballweltmeisterschaft in 3D

Ankündigungen zu 3D-TV gibt es trotzdem schon interessante: Der US-Sportsender ESPN plant den Start eines 3D-Kanals für 2010. Er soll mit dem Auftaktspiel der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika gestartet werden: Das Match zwischen Südafrika und Mexiko am 11. Juni soll live in stereoskopischem 3D übertragen werden. Für das kommende Jahr haben Discovery, IMAX und Sony einen gemeinsamen 3D-Sender angekündigt. Er soll gemäss New York Times neben Sport- auch Unterhaltungssendungen und Dokumentationen zeigen. Schon im Juli 2009 hatte der britische Pay-TV-Anbieter BSkyB bekannt gegeben, noch dieses Jahr in England einen 3D-Kanal an den Start zu bringen. Pläne für Schweizer 3D-Sender sind bislang nicht bekannt geworden.

Heute werden Werbepausen genutzt, um im Videotext beispielsweise nach Fussballergebnissen zu schauen. Manche TV-Besitzer können mit ihrem Gerät auch schon im Netz surfen. Schon bald soll man ausserdem Videotelefonate führen können - weltweit und kostenlos. Denn Panasonic und LG haben anlässlich der CES ihre Kooperation mit Skype bekannt gegeben. Die in Las Vegas zu sehenden Fernseher sollen mit Webcams und Mikrofonen zum Kunden kommen. Wann sie in der Schweiz verfügbar sein werden, ist allerdings unklar.

Kleiner als Netbooks, grösser als Smartphones

Auf der Consumer Electronics Show 2009 spielten Netbooks eine der Hauptrollen. Im vergangenen Jahr legte ihr Absatz laut den Marktforschern von DisplaySearch im Vergleich zu 2008 um rund 103 Prozent zu. Die globalen Notebookverkäufe verzeichneten ein Plus von fünf Prozent. Netbooks taugen in der Regel nur für einfache PC-Arbeiten, werden aber immer leistungsstärker. Passend dazu hatte Intel vor Weihnachten seine neuen Atom-Prozessoren N450 und N470 präsentiert. Sie sind kleiner und haben nun einen integrierten Grafikchip. So können Computerhersteller ihre Rechner in Gehäuse mit geringere Abmessungen stecken. Gleichzeitig soll die zweite Generation der Atom-Prozessoren laut Intel im durchschnittlich 20 Prozent weniger Strom verbrauchen. Das soll im Schnitt Akkulaufzeiten von zehn Stunden ermöglichen. Der N450 ist mit 1,66 und der N470 mit 1,83 Gigahertz getaktet. Auf der Messe sind bereits zahlreiche Netbooks wie das HP Mini 5102 zu sehen, welche die neuen CPUs an Bord haben. Aber auch eine neue Geräteklasse, die der Smartbooks, kann man sich in Las Vegas anschauen. Darunter versteht man Rechner, welche zwischen Smartphone und Netbook angesiedelt sind. Dazu zählt das Skylight von Lenovo. Im Inneren arbeitet ein Prozessor vom Typ Snapdragon des Herstellers Qualcomm, den man bereits aus Smartphones wie Toshiba TG01 oder Googles Nexus One kennt.

Im Kurz-Test von 20 Minuten Online machte der 10-Zoll-Rechner einen gut verarbeiteten Eindruck. Nur das Display spiegelte für unseren Geschmack zu stark. Mit dem gezeigten Prototypen des Rechners konnte man noch nicht surfen, weil er weder über eine 3G- noch über eine WLAN-Karte verfügte. Daher konnten wir die Widgets für Facebook, Twitter und Co nicht ausprobieren. Die Arbeitsgeschwindigkeiten des Rechners ging in Ordnung. Seine auf Linux basierende Benutzeroberfläche liess sich intuitiv nutzen. An Bord sind 20 Gigabyte Flash- und 512 Megabyte Arbeitsspeicher. Lenovo will Besitzern des voll aufs Internet ausgerichteten Smartbooks überdies zwei Gigabyte Online-Speicher zur Verfügung stellen. Zu wenig - in unseren Augen.

Biegsame eBook-Reader im DIN-A4-Format

Kürzlich kündigte Amazon an, seinen bislang nur in den USA erhältlichen eBook-Reader Kindle DX ab dem 19. Januar auch in Europa anzubieten. Wichtigste Neuerungen im Vergleich zum Kindle 2, welcher im Test von 20 Minuten Online durchaus überzeugen konnte: 9,7 statt sechs Zoll Bildschirmdiagonale und vier statt zwei Gigabyte Speicher. Echte Innovationen sucht man beim Vater aller Lesegeräte für elektronische Bücher allerdings vergebens: Beim Skiff Reader findet man hingegen eine: Er verfügt über einen biegsamen 11,5-Zoll-Touchscreen, statt Glas wurde eine Metallfolie verwendet. Wiegt der Kindle DX rund 530 Gramm, bringt der Skiff Reader etwa 450 auf die Waage. Kunden können eBooks im Skiff-Shop kaufen. Ob und wann das Lesegerät hierzulande verfügbar sein wird, ist noch nicht bekannt. Was die Grösse angeht, ist auch der Que von Plastic Logic mit einer Bildschirmdiagonale von elf Zoll Amazons Reader überlegen. Er hat zudem wie der Skiff Reader ein biegsames Display. Bunte Farben statt trister Grautöne könnte eine auf der CES präsentierte Technologie der US-Firma Qualcomm bringen: Ihre Mirasol-Displays enthalten lichtreflektierende Partikel, die je nach Position nur bestimmte Wellenlängen des Lichts zurückwerfen und so vom Auge des Betrachters als Farben wahrgenommen werden. Nur wenn die Partikel sich ausrichten, wird Energie verbraucht, also beispielsweise beim Umblättern. Für die reine Anzeige hingegen nicht. Das kennt man bereits von klassischen e-Ink-Displays, wie sie im Kindle verbaut werden.

Bereits seit 2008 sind Details von USB 3.0 bekannt: Mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 4,8 Gigabit pro Sekunde ist der neue Standard fast zehnmal so schnell wie der Vorgänger, USB 2.0, und weist gegenüber Firewire 800, das von Apple favorisiert wird, die sechsfache Geschwindigkeit auf. So soll sich die Datenmenge auf einer Blu-ray-Disc, 27 Gigabyte, nun statt in zehn binnen einer Minute übertragen lassen. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit von USB ist, dass man Geräte über die Schnittstelle aufladen kann. Statt höchstens 100 werden vom SuperSpeed-USB nun bis zu 900 Milliampere zur Verfügung gestellt. Damit lassen sich die Akkus schneller füllen und manches Gerät soll ohne externe Stromversorgung auskommen, wenn es mit dem USB-Port verbunden wird. Die USB-3.0-Stecker passen auch in ältere Buchsen. Allerdings muss der Anwender dann mit einer niedrigen Datenübertragungsrate vorlieb nehmen. Auf der Consumer Electronics Show sind nun erstmals zahlreiche USB- 3.0-Produkte zu sehen - unter anderem Mainboards von Gigabyte, ein USB 3.0-Hub-Controller von Via und mit der Blackharmor Plus eine mit dem neuen Standard kompatible Festplatte.

Apps für den Bordcomputer

Wer sich aufmerksam im Las Vegas Convention Center umschaut, der sieht sofort: Die CES ist nach wie vor eine Männermesse. Und deren Lieblingsspielzeug ist neben Fernseher, Notebook und Smartphone bekanntermassen das Auto. Reichte es vor ein paar Jahren noch, seinen MP3-Player einstöpseln zu können, so wollen heute viele Kunden scheinbar nicht mehr darauf verzichten, möglichst viele Gadgets komfortabel im Wagen nutzen zu können. Den Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich anschaut, was Ford und Kia nach Las Vegas mitgebracht haben. Der US-Autobauer zeigt die aufgebohrte Version seiner Plattform Sync, welche auf Technologie von Microsoft basiert. Mit dem System können Fahrer unter anderem sprachgesteuert telefonieren, Kurznachrichten schreiben, News lesen, Verkehrsinformationen abrufen sowie ihre Geräte anschliessen. Kia hat zur CES sein vergleichbares System UVO im Gepäck, welches ebenfalls auf Windows Embedded Auto basiert. Während es bereits Fords mit Sync gibt, sollen der Kia Sorrento als erstes Modell der Südkoreaner mit UVO erst im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Im Unterschied zu Kia scheint Ford aber mit Drittentwicklern zusammenarbeiten zu wollen. Denn im Dezember 2008 war bekannt geworden, dass der zu General Motors gehörende Fahrzeugbauer ein Software Development Kit (SDK) veröffentlichen wird. Damit sollen sich Tools für Sync programmieren lassen. Mehr Details verriet Ford-Chef Alan Mulally allerdings heute in seiner Keynote nicht. Dafür kündigte er aber Autos an, deren Fahrer sich Tweets vorlesen lassen können, während sie am Steuer sitzen. Eigene Antworten auf Beiträge für den Microblogging-Dienst soll man sprachgesteuert verfassen können. Ausserdem sollen Ford-Fahrer in den USA demnächst Musik des Streaming-Dienstes Pandora im Wagen hören können. Für Web-Dienste wie diese soll der Bordcomputer eine Internetverbindung über ein 3G-fähiges Smartphone aufbauen. Wann Ford die ersten Autos mit der neuen Technologie ausliefern wird, gab CEO Mulally nicht bekannt.