Kostenfalle Internet

09. September 2008 13:02; Akt: 10.09.2008 08:55 Print

Sunrise wollte 6154.75 Franken von IV-RentnerinSunrise wollte 6154.75 Franken von IV-Rentnerin

von Manuel Bühlmann - Einer 20-Minuten-Online-Leserin sitzt der Schock noch immer tief. Für einen Monat mobiles Internet mit Sunrise sollte sie ein Mehrfaches ihrer Monatseinkünfte bezahlen. Vermutlicher Grund der Kostenfalle: Ein altes Internet-Abo.

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Die IV-Rentnerin U. Z. (Name der Red. bekannt) bekam von einem Freund ein altes Laptop geschenkt. Da sie damit auch im Internet surfen wollte, liess sie sich in einem Sunrise-Shop in St. Gallen beraten. Der Verkäufer empfahl ihr, ein Take-away-Abonnement zu lösen. Wie in der Werbung versprochen wurde, musste U. Z. für die ersten drei Monate nichts bezahlen. Im darauffolgenden Monat erhielt sie allerdings eine gepfefferte Rechnung. Darin fordert Sunrise satte 6154.75 Franken.

U. Z. verstand die Welt nicht mehr, schliesslich hat ihr der Verkäufer erklärt, dass in den 49 Franken Grundgebühr pro Monat ein unbegrenzter Datendownload inklusive sei. Und Roaming-Gebühren fielen auch keine an, da sie ausschliesslich von der Schweiz aus ins Internet zugegriffen hatte.

Ähnlich erging es auch der Leserin R. K. (Name der Red. bekannt) aus Zürich. Von ihr verlangt Sunrise für einen Monat mobiles Internet mit dem gleichen Vertrag 1637.45 Franken. Sie beschwerte sich bei Sunrise - die Antwort steht noch aus.

20 Minuten Online wollte von Sunrise wissen, wie es zu solch horrenden Forderungen kommen konnte und fragte bei Mediensprecherin Sevgi Gezici nach. «Um zu den konkreten Fällen Stellung zu nehmen, müssen wir uns zuerst mit den betroffenen Kundinnen in Verbindung setzen und die Ausgangslage abklären. Es ist gut möglich, dass die Leserinnen noch das alte Mobile-Broadband-Abo für 49 Franken im Monat mit zwei GB Datenlimite abgeschlossen hatten. Dieses Angebot gibt es nicht mehr. Seit dem 27. August haben wir das T@KE-AWAY-max im Angebot. Damit bezahlen Sunrise-Kunden nie mehr als 49 Franken im Monat, egal wie hoch ihr Datendownload ausfällt.»

Den zwei betroffenen Leserinnen wurde also offensichtlich die Datenlimite zum Verhängnis, denn im Angebot inbegriffen sind lediglich 2048 Megabyte. Wer gerne mal einen Video auf YouTube und Co. schaut, überschreitet diese im Nu. Für jedes weitere Megabyte muss, bzw. musste, 50 Rappen bezahlt werden.

Doch was rät Sunrise all den Kunden, die nicht vom neuen Abo mit unlimitierten Daten-Download profitieren konnten und sich jetzt mit horrenden Rechnungen konfrontiert sehen? «Wer Fragen zu seiner Rechnung hat, soll sich mit Sunrise in Verbindung setzen», so Gezici.

Im Fall von Leserin U.Z. zeigte sich Sunrise kulant und stellte ihr lediglich die monatliche Grundgebühr in Rechnung.

Sind auch Sie in die Kostenfalle getappt? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20minuten.ch

Leserreaktionen:

«Das ist doch zum Lachen! Oder zum Weinen? Wir haben auch eine
überhöhte Rechnung für das TakeAway bekommen und darauf mit eingeschriebenem Brief am 15. Juli 2008 reagiert. Sunrise hat den Brief angeblich bis heute nicht bekommen und die Kopie per Fax auch nicht.

Weil wir mit der Bezahlung der Rechnung gewartet haben, bis eine Stellungnahme erfolgt, hat uns Sunrise alle Firmen-Handys gesperrt, obwohl wir seit Jahren immer pünktlich bezahlt haben und auch sonst nicht negativ aufgefallen sind. Wir wurden also genötigt, die 'falsche' Rechnung zu bezahlen, weil wir geschäftlich auf unsere Mobiltelefone angewiesen sind.

Der Kunde sitzt also einfach am kürzeren Hebel: Wenn er Einwände gegen die Rechnung hat, dann wird ihm das Telefon abgestellt. Eingeschriebene Briefe werden nicht registriert und verarbeitet, beim Telefonsupport kann man 'nichts machen'.

Zudem: Sunrise-Mitarbeiter sagen am Telefon stets: 'Sie, wir haben 2,4 Millionen Kunden! Glauben Sie, wir könnten Ihr Anliegen einfach so schnell bearbeiten? (Glauben Sie, wir könnten einen eingeschriebenen Brief innerhalb von 2 Monaten verarbeiten?)'. Dazu ist zu sagen: Hätte Sunrise denn lieber weniger Kunden? Müssen die Kunden leiden, weil Sunrise scheinbar zu erfolgreich ist? So eine schräge Standard-Ausrede ist mir noch nie untergekommen ...»
(Mail von M. v. A.)


«Ich habe genau das gleiche Problem und werde im Moment deswegen sogar betrieben. Ich hatte im Laden das 'falsche' Abo gelöst und Sunrise ist entgegen der Auskunft im Shop nicht bereit, dies nachträglich zu ändern. Somit zahle ich jetzt CHF 3200 anstatt CHF 150 für 29 Tage Internet!»
(Mail von M. L. aus Biel)


«Bei dieser Firma gibt es noch viele weitere solche Fälle. Ich habe während
drei Tagen an der Schweizer Grenze (aber auf Schweizer Boden) gesurft, wofür mir Sunrise für ca. 150 MB über 2000 Franken in Rechnung stellte. Der Clou an der ganzen Geschichte ist, dass am Computer nicht ersichtlich war, dass die Verbindung über Roaming lief - was ein Sunrise-Techniker in einer wohl unbedachten Minute bestätigt hat. Als Kunde kann ich meiner Meinung nach davon ausgehen, dass das angezeigt würde. Kurz darauf habe ich über Umwege vernommen, dass Sunrise das Roaming für alle Datenabonnements gesperrt hat. Ich komme mir ziemlich ver***t vor von dieser Firma! Hände weg von dieser Bude!»
(Mail D. M.)


«Weil ich seit jeher Sunrise-Kunde bin, hat mir Sunrise beim genau gleichen Problem einen grossen Kulanzbeitrag erstattet. Ich kann absolut nichts Negatives gegen Sunrise berichten und werde auch künftig dort bleiben.»
(Mail von P. K. aus Oberriet)