Applikationen

15. September 2010 08:13; Akt: 16.09.2010 14:49 Print

So will Nokia Entwickler ködern

von Henning Steier, London - Im Geschäft mit Apps können die Finnen mit Apple und Google nicht mithalten. Nun will man mit neuen Ideen angreifen. Allerdings sind nicht alle innovativ.

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Ovi Store: Nokia will mehr Apps, die ihren Entwicklern Geld bringen sollen.

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50 Millionen der gestern offiziell vorgestellten Smartphones N8, E7, C7 und C6 will der Weltmarktführer insgesamt verkaufen. Dieses Ziel gab Vize-Chef Anssi Vanjoki auf der Nokia World vor. Auf ihrer Hausmesse präsentieren die Finnen alljährlich ihre Neuheiten. Mehr als siebenmal so viele Exemplare so genannter Feature Phones, also einfacher und damit günstiger Handys, setzte das Unternehmen 2009 ab: 364 Millionen Exemplare, von denen immer mehr wie das X3 auf Nokias Konzept Touch and Type basieren, einer Kombination von Tastatur und berührungsempfindlichem Display.

In ihrer Präsentation, die fast genauso lang wie die ihrer beiden Vorredner war, stellte Purnima Kochikar, Vice President, Forum Nokia & Developer Community, das neue Qt Software Development Kit (SDK) vor, dank dem man bis zu 70 Prozent weniger Code-Zeilen benötigen soll, um eine App zu programmieren. Ausserdem präsentierte sie ein SDK für Series 40 Touch-and-Type Geräte. «Damit ergibt sich, kombiniert mit unseren Smartphone-Kunden, eine Zielgruppe von etwa 270 Millionen Nutzern», rechnete sie den zahlreichen Entwicklern im Publikum vor. Was sie nicht sagte: Wer günstige Geräte kauft, dürfte in der Regel weniger Geld für Apps ausgeben. Niklas Savander, Executive Vice President Markets, hatte daher in seiner Keynote noch erwähnt, dass Nokia etwa 260 000 Smartphones täglich verkauft. Google hatte kürzlich bekannt gegeben, dass pro Tag rund 200 000 Android-Geräte aktiviert werden, Apple gab 230 000 Geräte mit iOS an: iPhone, iPod touch und iPad.

«Die besten Geräte seit dem N95»

Ob Nokia seine Marktführerschaft bei Smartphones behält, liegt einerseits an der Qualität der neuen Geräte, die Gartner-Analystin Carolina Milanesi im Gespräch mit 20 Minuten Online als «die besten seit dem N95» lobte. Wenn aber Leistungsfähigkeit der Hardware und Bedienkomfort sich wieder annähern, dann dürften die Apps für viele Kunden den Ausschlag geben. Und dabei hat sich Nokia eine Neuerungen für Entwickler einfallen lassen, die möglichst schnell dafür sorgen sollen, die Zahl der Applikationen im Ovi Store markant steigt. Denn während die führenden Anbieter, Apples Angebot mit etwa 250 000 und der Android Market mit rund 100 000 Tools, rasant wachsen, kommt Nokia nicht recht vom Fleck und verzeichnet nicht eimal 20 000 Anwendungen.

Die absolute Zahl der Apps hat allerdings nur begrenzte Aussagekraft. Denn die wenigsten Anwender dürften mehr als 100 regelmässig nutzen. Als Gradmesser für die Beliebtheit bei Entwicklern taugt diese Statistik aber allemal. Wie viel Entwickler mit Apps verdienen, dazu hüllen sich die Anbieter in Schweigen. Nur Apple-Boss Steve Jobs verriet eine nicht allzu aussagekräftige Zahl: «Mehr als eine Milliarde US-Dollar haben Entwickler am Verkauf ihrer Apps verdient», sagte er bei der Vorstellung des vierten iPhones im Juni.

Um die Zahl der Apps zu erhöhen, hatte Nokia im Mai den Ovi App Wizard veröffentlicht, mit dem man webbasiert beispielsweise aus einem RSS-Feed eine App entwickeln kann. Twitter-Beiträge und Status-Updates von Facebook lassen sich ebenfalls so einbinden. Mitte Juli hatte Google nachgezogen und mit dem App Inventor ebenfalls einen Baukasten für einfache Applikationen an den Start gebracht. Studenten der Universität San Francisco haben damit die App ParktIt programmiert. Wer seinen Parkplatz im Handy gespeichert hat, kann ihn dank ihr wiederfinden, wenn das Gerät ein GPS-Modul hat: Der Weg wird in Google Maps angezeigt.

Apps per Handyrechnung bezahlen

ParkIt ist gratis. Denn für solche Anwendungen lässt sich in der Regel nur noch schwer Geld verlangen. Am Ende geht es also darum, Entwickler hochwertiger Apps für sich zu gewinnen. Purnima Kochikar will sie damit anlocken, dass der Zertifizierungsprozess für den Ovi Store nun gratis ist. Ihre Ankündigung, dass man nun auch mit Zusatzinhalten wie neuen Waffen in Games Geld verdienen kann, kennen Entwickler bereits in umgesetzter Form - von Apple und Google. Und daher verwies sie zum Schluss auf ein seit längerem bestehendes echtes Alleinstellungsmerkmal des Ovi Stores: Apps können mit der Telefonrechnung bezahlt werden. «Nicht jeder will mit Kreditkarte zahlen - oder kann es gar nicht. Beispielsweise haben in Deutschland nur 30 Prozent der Erwachsenen eine solche», sagte Kochikar. Die Platzhirsche unter den App Stores verlangen 30 Prozent vom Erlös einer App - Nokia auch. Ob sich daran etwas ändern wird, um das Schreiben von Apps für den Ovi Store attraktiver zu machen - dazu äusserte sich Kochikar nicht.